Cover-Bild Eigentlich müssten wir tanzen
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19,95
inkl. MwSt
  • Verlag: Suhrkamp
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 173
  • Ersterscheinung: 06.09.2015
  • ISBN: 9783518424933
Heinz Helle

Eigentlich müssten wir tanzen

Roman
Dicht, dunkel, radikal
Eine Gruppe junger Männer verbringt ein Wochenende auf einer Berghütte. Als sie ins Tal zurückkehren, sind die Ortschaften verwüstet. Die Menschen sind tot oder geflohen, die Häuser und Geschäfte geplündert, die Autos ausgebrannt. Zu Fuß versuchen sie, sich in ihre Heimatstadt durchzuschlagen. Sie funktionieren, so gut sie können. Tagsüber streifen sie durch das zerstörte Land, nachts durch ihre Erinnerung. Auf der Suche nach einem Grund, am Leben zu bleiben.
»Das ist waghalsig, mehr davon«, forderte die FAZ nach Erscheinen von Heinz Helles Debütroman. Helle hat sich nicht lange bitten lassen und den Einsatz erhöht. Im neuen Roman geht es um die Frage: Reicht das Aufrechterhalten der wichtigsten Körperfunktionen, um von sich selbst sagen zu können, man sei am Leben? Die Antwort, die das Buch gibt, wird uns womöglich nicht trösten. Aber sie macht atemlos vor Spannung.

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Lesejury-Facts

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Dagegen ist "Die Wand" ein lieblicher Heimatroman

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Beim Grundszenario von Heinz Helles Roman muss man natürlich als erstes an "Die Wand" von Marlen Haushofer denken, wobei sich einzelne Variablen unterscheiden. So reisen bei Helle fünf Männer um die 30 ...

Beim Grundszenario von Heinz Helles Roman muss man natürlich als erstes an "Die Wand" von Marlen Haushofer denken, wobei sich einzelne Variablen unterscheiden. So reisen bei Helle fünf Männer um die 30 für ein verlängertes Wochenende auf eine einsame Berghütte in die Alpen, um wie in alten Zeiten zu feiern/zu saufen. Am Morgen der Abreise liegt die Welt in Schutt und Asche und so machen sich die fünf scheinbar letzten Menschen zu Fuß auf den Weg nach Norden Richtung Heimat.

Helle erzählt den Roman aus Sicht eines Ich-Erzählers, der zur Truppe gehört, in wechselnden Episoden, welche zu Beginn des Buches direkt auf dem postapokalyptischen Fußmarsch einsetzt und später durch Rückblicke sowohl die Anreise zur Hütte, das Entdecken der ersten Anzeichen der Apokalypse sowie Szenen aus den Leben der fünf Protagonisten aufschachtelt.

Die Leserin wird direkt auf der zweiten Seite durch eine Gruppen-Vergewaltigungsszene geschockt und der Autor stellt damit eindeutig klar: Der Mensch wird zum Monster, wenn die Zivilisation zusammenbricht, denn schnell sind auch die zivilisatorischen Werte über Bord geworfen. Er macht deutlich, dass Männer, die "im früheren Leben" mitunter verheiratet und von Beruf Pilot, Mikrobiologe oder Anlagenberater sind, trotzdem schnell die Menschlichkeit beiseite schieben können. Da wird es gleich sehr schwer, Sympathien für die Protagonisten zu entwickeln. Trotz brutaler Handlungen der Figuren schafft es der Autor im weiteren Verlauf, dass diesen immer eine Rationalität zugrunde liegt und somit auch ein gewisses Verständnis entstehen kann. Ich kreide es jedoch dem Autor an, dass er unreflektiert bis zum Schluss die Vergewaltigungsszene vom Beginn stehen lässt. So könnte ein abgestumpfter Leser geneigt sein, dies hinzunehmen als "notwendiges Übel zur Erleichterung in harten Zeiten". Sprachlich arbeitet der Autor sehr gut und fädelt geschickt philosophische Betrachtungen in die Erzählung ein.

Insgesamt konnte der Roman mich nicht vollkommen überzeugen. Eine durchaus interessante Abwandlung des "Die Wand"-Themas, jedoch mit - wenn auch nur an einem Punkt - zu viel unreflektierter Brutalität. Hier hätte aus meiner Sicht eine psychologische Einordnung passieren müssen, die mir definitiv fehlt.

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