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Veröffentlicht am 23.02.2026

Großartiges Gedankenexperiment!

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Auf der Rückseite des Buches „Ich, die ich Männer nicht kannte“ wird der Roman unter anderem mit „Die Wand“ von Marlen Haushofen verglichen und ich finde, die Geschichte steht dem an Intensität und Innovation ...

Auf der Rückseite des Buches „Ich, die ich Männer nicht kannte“ wird der Roman unter anderem mit „Die Wand“ von Marlen Haushofen verglichen und ich finde, die Geschichte steht dem an Intensität und Innovation wirklich in nichts nach!

Wir bekommen hier die aufgeschriebenen Erinnerungen einer Frau zu lesen, die nicht einmal einen Namen hat. Aufgewachsen ist sie als „die Kleine“ in einem Käfig mit 39 anderen, fremden Frauen. Durchgängig bewacht von immer drei Wärtern. Bestraft von diesen mit der Peitsche, wenn eine der Frauen gegen eine Regel verstoßen hat. Eine Regel ist: Berührungen zwischen den Frauen sind nicht erlaubt. Eine andere: Die Wärter dürfen nicht angesprochen werden. „Die Kleine“ befindet sich im Käfig seit sie ungefähr zwei oder drei Jahre alt ist. Wie sie oder die anderen Frauen hineingekommen sind, wissen sie nicht mehr. Warum sie nun, 12 Jahre nach diesem Ereignis immer noch hier drin sind, wissen sie auch nicht. Hier setzt die Erzählung ein und wir werden „die Kleine“ und die anderen Frauen noch viele Jahre begleiten.

Jacqueline Harpman entwarf in ihrem 1995 im Original erschienen Roman ein Szenario, welches wie auch bei Haushofer keine Begründung, keine Erklärung, wie es dazu gekommen ist und was hier eigentlich los ist, bekommt und auch nicht braucht. Was diesen Roman ausmacht ist das Konstrukt, ist das Gedankenexperiment, welches uns mitnimmt in die Überlegung, was es mit einer Gruppe von Frauen macht, wenn sie sich in einer scheinbar komplett ausweglosen Situation befinden. Wenn das Leben keinen Sinn hat, außer erfüllt von Hoffnungslosigkeit es in dem einen oder dem anderen Gefängnis zu verbringen. Welche soziale Strukturen entwickeln sind? Was macht es psychologisch mit einem Kind und später einer erwachsenen Frau, wenn es ab dem Kleinkindalter keine körperliche Nähe erfährt und auch kaum emotionale Bindungen aufbauen kann? Wie kann man ein komplett auswegloses Leben führen?

Die Prämisse des Romans und seine ruhig erzählte Auseinandersetzung mit den oben genannten Themen bis zum bitteren Ende, finde ich einfach großartig gemacht. Harpman nimmt uns mit in ein düsteres Szenario und lässt uns damit nicht mehr los, auch wenn wir - ebenso wie die Erzählerin - daraus entkommen wollen.

Diese Unnachgiebigkeit und Kompromisslosigkeit des Textes konnte mich vollkommen überzeugen und macht diesen wiederentdeckten Roman zu einem - so noch nie gelesenen - absoluten Highlight für mich und bekommt eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die damit umgehen können, dass die Rahmenbedingungen zwar gesteckt werden, aber keinerlei ursächlichen Hintergründe hierzu geliefert werden.

5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Anspruchsvoll und radikal und gerade deshalb lesenswert!

Schleifen
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Eigentlich kann man Sprache und Worte allein gar nicht verwenden, um diesen multifaktoriellen Roman zu beschreiben. Ich sitze an dieser Rezension und da ist Leere. Aber eine gute Form von Leere. Alles ...

Eigentlich kann man Sprache und Worte allein gar nicht verwenden, um diesen multifaktoriellen Roman zu beschreiben. Ich sitze an dieser Rezension und da ist Leere. Aber eine gute Form von Leere. Alles dreht sich, alles wiederholt sich, alles ist eins. Oder eben Null… oder 10hoch10hoch10hoch32 oder so.

Wenn man sich an irgendetwas festhalten will, um den Inhalt dieses Romans darzulegen, dann wahrscheinlich am ehesten an Franziska Denk und Otto Mandl. Die Geschichte setzt in den früher 1930er Jahren in Wiens Salons ein, in denen sich die zeitgenössische Elite der Philosophie und Wissenschaft treffen. Schon als Kind nimmt Franziska daran teil, erleidet allerdings krankheitsbedingte Zusammenbrüche, da sie jedes Symptom, von dem sie liest oder hört, sofort selbst ausbildet. Ihre Jugend im US-amerikanischen Exil wird sehr einsam sein, ebenso wie die von Otto, der als Kind, getrennt von seinen Eltern nach Großbritannien verschifft wurde. Sie finden über eine Brieffreundschaft zueinander und werden ein Leben lang miteinander verbunden sein. Aber um ehrlich zu sein, ist dies nur eine sehr, sehr lose Rahmenhandlung, die mit dem vorliegenden Roman eigentlich nicht viel zu tun hat.

Eigentlich geht es hier um Sprache und Mathematik, um Philosophie und Wissenschaft. Jedes Kapitel - eigentlich jede Seite - bringt neue Überraschungen bezüglich ebenso hoch anspruchsvoller Theorien und mitunter im selben Atemzug schreiend komische Ideen. Hier wird die Welt aus dem Nichts hergeleitet und sie verschwindet auch im Nichts. Denn Franziska Denk (oder das Konzept Franziska Denk) wird mit Otto eine Sekte gründen, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat mithilfe von Philologie und Mathematik erst eine gänzlich neue Sprache und letztlich die Auslöschung der Sprache voranzutreiben. Dabei kommt es zu aberwitzigen Beschreibungen, die man selbst gelesen haben muss, denn eine nachträglich Verschriftlichung in einer Rezension entbehrt jeder Logik und jedem Sinn.

Klingt jetzt alles sehr kryptisch. Ist es auch!

Neben den vielen beschriebenen Theorien aus verschiedenen Disziplinen, die es zu verstehen gilt, oder eben nicht, wird die virtuose Verflechtung von Fiktion und Realität (Was ist das überhaupt? Fragt man sich während und nach der Lektüre.) zu einem anspruchsvollen Bestandteil des Schreibens von Elias Hirschl. Versucht man zu Beginn noch beides auseinanderzuhalten, lässt man sich im Verlauf des Romans immer weiter von den Schleifen der Geschichte davontragen.

Mir persönlich hat die erste Hälfte des Romans, welches den „Teil 1“ ausmacht am besten gefallen. Hier konnte ich mich in verschiedenste Theorien und Gedankenspiele vertiefen, lachte immer wieder laut auf und war begeistert von Hirschls Schreiben und Geistesinhalte. Ab „Teil 2“ und auch im abschließenden „Teil 3“ des Romans kumulierten sich die Längen. Hirschl setzt das um, was er auf Seite 340 schreibt:

„All die verschiedenen Konzepte. All die Begriffe, die sich vor ihren Augen auflösten. Vielleicht verhielt es sich ähnlich mit den Quellen. Vielleicht machte es keinen Unterschied mehr, wo eine Information herkam, wie die Biografie einer Idee aussah. Alles war unübersichtlich, löchrig, brüchig geworden.“

Und so wird auch die Welt, in der „Schleifen“ spielt immer unübersichtlicher, löchriger und brüchiger. Alles löst sich auf, beginnend mit der Sprache.

Elias Hirschl beherrscht definitiv die Sprache. Und auch vieles mehr. Ich empfand den ersten Teil des Romans brillant, den Rest sehr gut, wenn auch „schleifend“. Genau das ist sicherlich gewollt, war mir dann aber ein Tacken zu viel. Letztlich kann ich nur empfehlen, mutig zu sein, und sich an diesen Roman heranzuwagen. Es gibt unendlich (oder annähernd unendlich, nicht zählbar) viele Perlen zu entdecken. Und Schleifen sowieso!

Ich habe selten einen so fordernden Roman gelesen, der gleichzeitig beim Lesen so viel Spaß gemacht hat. Bis auf kleine Längen wirklich ein Erlebnis.

4/5 Sterne

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Das Main Character Syndrome gepaart mit der Gewaltbereitschaft einer Frau

Gelbe Monster
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Charlie ist eine junge Frau, die gerade dabei ist, ihren Studienabschluss in Mathematik zu absolvieren und bestenfalls danach noch zu promovieren. Wer würde erwarten, dass diese junge Frau an einem Antiaggressionstraining ...

Charlie ist eine junge Frau, die gerade dabei ist, ihren Studienabschluss in Mathematik zu absolvieren und bestenfalls danach noch zu promovieren. Wer würde erwarten, dass diese junge Frau an einem Antiaggressionstraining teilnehmen muss? Wahrscheinlich auf den ersten Blick niemand. Aber so ist es, denn wir wissen, dass sie von ihrer besten Freundin aufgenommen wurde, da ihre eigene Wohnung scheinbar zerstört ist, und dass dies irgendetwas mit ihrem (Ex-)Partner zu tun hat. Charlie hat zu Gewalt gegriffen und auf den nicht einmal 200 Seiten erfahren wir, wie es dazu kommen konnte.

Beginnt man Clara Leinemanns Debütroman zu lesen, erscheint Charlie, die wir durch die personale Erzählperspektive kennenlernen, erst einmal stark unsympathisch. Alles scheint sich nur um sie selbst zu drehen, immer sind alle anderen schuld. Dabei schafft es Leinemann eigentlich hier perfekt eine junge Frau mit „main character syndrome“ schriftstellerisch darzustellen. Dieses „Hauptcharakter“-Syndrom beschreibt eine Person, die als sei sie die Hauptperson in einer Geschichte. Sie sieht sich selbst als eine Figur, um die sich alles dreht. Der Unterschied zum Egoismus ist, dass das gesamte Leben zusätzlich „filmreif“ inszeniert wird, es immer auf die Wirkung ankommt und die betroffene Person meint, ihr stehe - einfach so, ganz natürlich – ein herausragendes Leben zu. Charlie lebt in einer RomCom, seit sie Valentin kennengelernt hat. Alles scheint perfekt zu passen und nun hat sich auch Valentin gefälligst danach zu verhalten. Nur tut er das nicht immer und bei Charlie kommen außerdem noch narzisstische Tendenzen hinzu mit einem geringen Selbstwertgefühl und so wird Charlie nicht nur verbal ausfällig, sondern auch gewalttätig.

Psychologisch entwirft das Leinemann ganz geschickt, ohne im Roman zu psychologisieren. Vollkommen authentisch entwickelt die Autorin aus der Figur Charlie heraus die Probleme und letztlich die Katastrophe, auf die die Figur zusteuert. Wie diese Figur in Tagträumen von perfekt inszenierten Filmszenen schwelgt, um von ihrer eigenen, pathetischen Fantasie überwältigt sogar Tränen in den Augen zu haben. Sie sieht sich als Heldin ihrer Geschichte und schafft es sogar einmal mit Valentin (ohne, dass dieser etwas davon mitbekommt) die Pietà auf dem Bett in Szene zu setzen. Selbst wirft sie ihm innerlich vor, ein manipulativer Narzisst zu sein und merkt nicht, dass sie es doch selbst ist. Wie dann sich langsam immer mehr Gewalt, zunächst über die verbale Ebene und später vermehrt durch körperliche Übergriffe von Seiten Charlie, in die Beziehung schleicht, können wir Lesenden durch geschickt gesetzte Rückblicke nachvollziehen.

Ich finde insgesamt hat es Clara Leinemann auf wenigen Seiten geschafft ein Fallbeispiel für weibliche Gewalt in einer Partnerschaft zu umreißen und die Kaskade der Aggression zu verdeutlichen. Mir hätte das Buch noch mehr gefallen, wenn sie sich mehr als nur zwei Sätze Zeit genommen hätte, um auf die Ursprünge von Charlies niedrigem Selbstwertgefühl einzugehen. Aber die Andeutung reicht, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie groß eigentlich der Eisberg unterhalb der Wasseroberfläche ist. Und weil dieser Eisberg so groß ist, kann zwar Charlie im Laufe des Buches eine kleine, fortschrittliche Entwicklung durchmachen, wir merken jedoch zum Ende hin, dass eine Persönlichkeitsstruktur nicht einfach so umgepolt werden kann.

Somit kann ich die Lektüre dieses Debütromans nur empfehlen, um ein Gespür für ein selten in der Literatur thematisiertes Problemfeld zu bekommen.

4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Dieses Haus hat viel zu erzählen – und das sehr originell

Treppe aus Papier
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In Henrik Szántós Romandebüt „Treppe aus Papier“ erzählt ein ganzes Haus die Geschichte seiner Bewohner – der ehemaligen und gegenwärtigen. In unserer Gegenwart treffen die 15jährige Nele und die 90jährige ...

In Henrik Szántós Romandebüt „Treppe aus Papier“ erzählt ein ganzes Haus die Geschichte seiner Bewohner – der ehemaligen und gegenwärtigen. In unserer Gegenwart treffen die 15jährige Nele und die 90jährige Irma aufeinander. Die eine muss gerade für den Geschichtsunterricht etwas über das Dritte Reich und die Gründung der BRD lernen, die andere hat dies hautnah selbst miterlebt. Irma hat auch miterlebt, wie Juden verschleppt wurden und ihre Familie ist nicht unschuldig daran. Durch den Kontakt der beiden treffen Generationen aufeinander, etwas, was in der Wahrnehmung des Hauses sowieso ständig passiert.

Szántó lässt sich nämlich etwas ganz besonderes für seinen Roman einfallen: Es spricht nicht nur in der „Wir“-Form das Haus mit uns, sondern in seiner Wahrnehmung findet alles gleichzeitig statt. Es überlagern sich dutzende Menschen, Situationen, Geräusche, Gerüche in einem Moment des Erzählens, da Zeit, wie wir sie kennen, für so ein altes Gemäuer nicht existiert.

Habe ich zu Beginn noch gedacht, der Spoken-Word-Künstler Szántó übernehme sich hier ein bisschen, webt er doch auf den ersten Seiten all seine Sprachkunst auf einmal ein, entspannt sich die Sprache mit der Zeit und es ist problemlos möglich, den verschiedenen, gleichzeitig stattfindenden Erzählebenen zu folgen. „Gleichzeitig stattfindend“ heißt in diesem Falle, dass wir in einem Absatz der kleinen Jüdin Ruth als Schülerin in den 1930ern begegnen können, dem Baby Ruth auf dem Arm ihres Vaters Jahre zuvor, die Greisin Ruth, die mit ihrem Gehstock das Treppenhaus betritt und den Geruch von Zwiebelsuppe ins Haus hinauslässt. Das finde ich toll gemacht. Es liest sich ganz anders als Bücher, bei denen kapitelweise die Zeitebenen gewechselt werden. So kommt man den Figuren nicht nur sehr nahe, sondern auch dem Umstand, dass Vergangenes immer noch in der Nähe lauert. Und so natürlich auch nationalistische-rechtsextreme Gesinnungen, die da sind. Damals wie heute. Verdrängung, die gestriges nicht mehr wahrhaben will. Aber eins macht uns Szántó mit seinem Roman sehr deutlich bewusst: Vergangenheit existiert immer auch heute noch. Vergangenheit beeinflusst unsere Gegenwart und wird auch unsere Zukunft beeinflussen. Ob auf der persönlichen, familiären Ebene oder auf gesellschaftlicher Ebene. Ganz unwillkürlich fängt man an sich nicht nur noch einmal zu fragen, was die eigenen Vorfahren erlebt und zu verantworten haben, sondern auch was dieses oder jenes Haus nicht alles schon gesehen, gehört, gespürt hat.

Ich habe in diesem kleinen Büchlein immer noch Hintergründe zur NS-Zeit und die Zeit kurz danach neu gelernt. Das macht das Buch für mich, durch seine Erzählperspektive, zu etwas Besonderem. Sodass ich dem Autor auch vergebe, dass die Sprachkunst manchmal mit ihm durchgeht und mitunter über mehrere Seiten hinweg, jeder Satz etwas drängendes will.

Leseempfehlung von meiner Seite!

4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Dieser Cocktail ist leider nicht gut gemixt

Moscow Mule
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„Moscow Mule“ bezeichnet einen Wodka-Cocktail, der interessanterweise nicht in Russland sondern in den USA erfunden wurde, um Wodka dort populär zu machen. Er ist also kein Exportschlager, sondern ganz ...

„Moscow Mule“ bezeichnet einen Wodka-Cocktail, der interessanterweise nicht in Russland sondern in den USA erfunden wurde, um Wodka dort populär zu machen. Er ist also kein Exportschlager, sondern ganz und gar amerikanisch. Für mich ist der gleichnamige Roman von Maya Rosa leider auch kein Exportschlager. Ich finde den Mix nicht ausgewogen und das Buch trifft leider so gar nicht meinen Geschmack.

Die Ich-Erzählerin Karina ist außerhalb von Moskau aufgewachsen und pendelt nun als Studentin des politischen Journalismus zwischen Moskau und einem Vorort, in dem sie bei ihrer Großmutter lebt, hin und her. Die meiste Zeit verbringt sie entweder mit ihrer besten Freundin Tonya, in einem Club oder im Bett mit einem (meist wildfremden) Mann. Wahlweise die letzten beiden Punkte auch zusammen mit Tonya. Beide wollen raus aus Russland, vor allem seit 2006 die kremlkritische Journalistin Anna Politkowskaja einfach so in Moskau ermordet wurde.

Jetzt denkt man: Das ist eine wirklich gute Voraussetzung für einen tiefgründigen Roman, der sich mit der Seele junger, politisch engagierter Leute in Russland beschäftigt. Aber weit gefehlt. Tiefgründig wird es leider nie so richtig im Roman. Die Figuren bleiben unglaublich blass. Inhaltliche Tiefe will scheinbar allein dadurch erreicht werden, dass mehrfach der Mord an Anna Politkowskaja mehrfach erwähnt wird (mehr aber auch nicht). Vielleicht will der Roman auch die Selbstermächtigung zweier Frauen zeigen, die sich Männer zunutze machen. Aber letztlich vögeln sie sich nur durch die Gegend mit wechselnden Partnern, um bestenfalls einen Vorteil für sich herausschlagen zu können.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bis Seite 100 intensiv gelesen und gehofft habe, irgendwo Tiefe zu finden. Ab da habe ich eher so oberflächlich weitergelesen, wie auch der Text geschrieben ist. Leider tauchte bis zum Ende des Romans keine Szene mehr auf, die mich irgendwie mitnehmen konnte. Der Schreibstil ist durchschnittlich bis einfach gehalten und der angekündigte Humor trifft scheinbar so gar nicht meinen Sinn für Humor.

Mich hat das Cover gleich auf den ersten Blick gebannt und der Klappentext klang interessant, ebenso wie die ersten Seiten. Aber es bleibt bei einer Aneinanderreihung von gefühlt zu belanglosen Szenen (im Vergleich dazu, was für ein Fass hätte aufgemacht werden können, da die Protagonistin politischen Journalismus studiert und kurz zuvor Anna Politkowskaja ermordet wurde). Es ist so schade, hatte ich doch zunächst ein großes Interesse an diesem Buch. Deshalb gibt es leider keine Leseempfehlung von mir für den unausgewogenen, eher langweiligen Cocktail „Moskow Mule“, den ich, hätte ich dafür nicht eine Rezension schreiben wollen, nicht einmal vollständig ausgetrunken (aka zu Ende gelesen) hätte.

2/5 Sterne

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