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Veröffentlicht am 08.05.2026

Düsterer Jugendthriller, der begeistert.

The Hurting
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In diesem Buch begleiten wir die jugendliche Nell Lamb auf einer Odyssee durch die norwegischen Wälder und die jugendliche erste Liebe. Diese Liebe kommt in Form von Lukas daher. Charismatisch, mystisch, ...

In diesem Buch begleiten wir die jugendliche Nell Lamb auf einer Odyssee durch die norwegischen Wälder und die jugendliche erste Liebe. Diese Liebe kommt in Form von Lukas daher. Charismatisch, mystisch, geheimnisvoll... aber auch psychopathisch, das wird schnell klar. Mit im Bunde: ein entführtes Baby.

Der Roman ist in keiner Weise ein lockerer Roadtrip durch die Landschaft. Van Smit fährt harte Geschütze auf, wenn es um die Beschreibung von emotionaler wie körperlicher Vernachlässigung bis Gewalt im familiären Kontext geht. Das tut dem Leser mitunter beim Lesen körperlich weh und geht tief unter die Haut.
Van Smit verwendet eine konkrete unausweichliche Sprache, die bezogen auf die Landschaften Norwegens bezaubern und bezogen auf menschliche Abgründe mit hinunterziehen. Die Charaktere werden so detailliert beschrieben, dass der Leser sofort mit an Bord ist. Die Rollen sind (zunächst) klar verteilt: Hier die hilflose Beute (siehe der Familiename Lamb=Lamm) und dort der jagende Wolf in Menschengestalt. Der Spannungsbogen um diese Beute-Jäger-Konstellation wird perfekt gespannt und hält bis zur letzten Seite. Wie schon das karge Cover zeigt, vieles kann auf ein Minimum reduziert werden. Auf den Schmerz oder viel mehr das Schmerzen, wenn wir nicht von wilden Tieren, sondern von Menschen verletzt werden. Diese Essenz kocht van Smit perfekt aus.

Ein sehr spannendes Buch, nicht nur für Jugendliche, sondern definitiv auch für Erwachsene.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein wirklich erstaunliches Buch

Ein wirklich erstaunliches Ding
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Gleich vorab: Eigentlich hätte dieses Buch 5 Sterne verdient, wäre da nicht die Hauptprotagonistin. Aber dazu später mehr.

In diesem Buch beschreibt Hank Green ein Szenario, was hier und heute passieren ...

Gleich vorab: Eigentlich hätte dieses Buch 5 Sterne verdient, wäre da nicht die Hauptprotagonistin. Aber dazu später mehr.

In diesem Buch beschreibt Hank Green ein Szenario, was hier und heute passieren könnte und wie die Weltgemeinsachft darauf reagieren könnte. Nämlich stehen plötzlich überall auf der Welt Drei-Meter-Roboter rum und keiner weiß warum. Um die Entdeckerin des New Yorker Roboters April entspinnt sich nun eine wahnwitzige Geschichte um sie und diese Roboter sowie das entsprechende Medieninteresse.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von April, die nachträglich ihre Erlebnisse in einem Buch zusammenfasst. Der Stil ist sehr stark an Blog-Einträgen orientiert. Die Sprache entspricht dabei immer der aus dem Kopf einer Anfang 20Jährigen. Das ist flott und umgangssprachlich. Entsprechende Keywords aus dem Social Media Bereich sollte man dabei kennen. Es ist jedoch kein Buch nur für Nerds. Es werden fließend und niemals ungelenk wirkend Twitter-Einträge und Emailkorrespondenzen im Text zitiert. Ein sprachlicher Trick von Green ist hier, dass April berichtet, als wäre der Leser sowieso bei allen Weltgeschehnissen dabei gewesen und wüsste schon längst, was als nächstes passiert. Durch flapsige Kommentare am Ende einiger Kapitel wird so ein Cliffhanger erschaffen und Spannung aufgebaut.

Die Spannung hält sich durch die aberwitzigen Ideen des Autors zum Plot durchweg bis zum Ende und steigert sich in den letzten Kapiteln stark. Stilistisch werden diese oben genannten "breaking-the-fourth-wall"-Momente von April genutzt, um auf der Metaebene ihre gleichaltrigen Leser direkt anzusprechen. Das lockert das Lesen zusätzlich auf und ist mal was anderes.

Behandelt und verhandelt werden im Roman große Themen wie der Umgang mit sozialen Netzwerken und deren Suchtpotential, politischer Populismus in einer solchen Umgebung, das Spiel der Medien und was Berühmtheit mit einer Person macht; aber eben auch der Zusammenhalt der Weltgemeinschaft. Dabei verhebt sich Green nie, da er diese Themen glaubwürdig aus Sicht einer Anfang 20jährigen erzählt.
So, nun hätte dieses Jugendbuch eigentlich aus meiner Sicht 5 Sterne verdient, wenn nicht der Sympathieaufbau mit der Protagonistin so schwer gefallen wäre. Sie räumt an mehreren Stellen im Buch ein "Ihr werdet mich jetzt dafür hassen, aber ich habe dies und jenes getan." Das geht tatsächlich auf die Nerven und man fragt sich, warum der Autor die Geschicke der Menschheit in die Hände einer (narzisstischen) Göre gelegt hat. Als erwachsene Leserin kann ich darüber hinweg sehen, für einen Jugendlichen könnte ich mit vorstellen, dass hier eine Differenzierung schwer fällt.

Empfehlen würde ich meinem 15jährigen Neffen dieses Buch auf jeden Fall, aber erst in vier bis fünf Jahren. Es passt besser zu jungen Erwachsenen als zu Jugendlichen. Trotzdem bekommt das Buch von diesem Alter aufwärts eine uneingeschränkte Leseempfehlung meinerseits. Und 5 Sterne im Herzen ;)

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Eine Welt ohne Selbstbestimmung

Der Würfel
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In diesem Buch begleiten wir Taso in eine Welt, in der ein scheinbar allwissender Algorithmus (Der Würfel) die Menschen in Deutschland lenkt. Mit entsprechender Hardware versehen bewegen sich die Menschen ...

In diesem Buch begleiten wir Taso in eine Welt, in der ein scheinbar allwissender Algorithmus (Der Würfel) die Menschen in Deutschland lenkt. Mit entsprechender Hardware versehen bewegen sich die Menschen in einer Augmented Reality, die sie nur das wahrnehmen lässt, was der Würfel ihnen zeigen möchte. Es wird sich darum bemüht seinen Pred-Score (predictability) möglichst zu steigern, indem man sämtliche Daten und sein eigenes Verhalten dem Algorithmus zur Verfügung stellt. Für manche ein Fluch, für andere ein Segen.

Moini greift in seinem Debütroman ein Thema auf, was für den heute lebenden Menschen schon bald zur Realität werden könnte. Deshalb ist die Thematik nicht oft genug in Büchern, wie auch diesem, immer wieder zu beleuchten, um hoffentlich ein Bewusstsein für das bereits schon jetzt vorherrschende System zu schaffen. Deshalb: ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit.

Für den interessierten Leser, der sich häufiger mit diesem Themenbereich beschäftigt, bringt der Autor jedoch kaum neue Ideen ins Feld. Es geschieht nur selten Unvorhergesehenes, bis auf das Ende... aber das soll hier ja nicht verraten werden.
Der Protagonist Taso scheint als Mensch wenig psychologische Tiefe zu besitzen. Er wechselt leichtfertig Einstellungen und handelt kurzentschlossen mal in die eine, mal in die andere Richtung. Mehr Zeit zur Charakterentwicklung im Verlaufe des Buches, und somit ein Strecken des Zeitraumes, in dem das Buch spielt, hätte der Nachvollziehbarkeit und damit dem Roman gut getan. Die im Klappentext angedeutete Liebesgeschichte erscheint flach, wenig empathisch nachvollziehbar und eher störend. Insgesamt konnte mich das Buch zuletzt, vor allem aufgrund des Endes dann doch noch positiv überzeugen.

Es wird beiden Seiten der Diskussion um Datenschutz die Möglichkeit eingeräumt, Argumente ins Feld zu führen und macht es dadurch schwerer in einfachem Schwarz-Weiß-Denken zu verharren. Ob man nun den Datensammel-Algorithmus-Affinen oder den -Zweiflern angehört, die Positionen der jeweiligen Gegenseite werden einem klarer. Hier kommt wahrscheinlich der juristische Hintergrund des Autors zum Tragen. Dies sieht man auch aufgrund der sehr realistischen Vision einer möglichen Rechtslage in dieser Zukunft, die Menschen, die sich für ein Leben offline entscheiden, trotzdem (noch) gewisse Sicherheit bietet.

Nicht zuletzt ist dieses Buch auch deshalb empfehlenswert für eine Lektüre. Leser, die sich häufiger in diesem Themenbereich bewegen, sollten aber nicht zu viel Neues vom Buch erwarten.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sehr spannender und aufrüttelnder Wissenschaftsthriller/Hard Science-Fiction-Roman

Die Reinsten
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Der Roman von Thore D. Hansen führt uns in eine postapokalyptische Utopie/Dystopie im ausgehenden 22. Jahrhundert. Die Gesellschaft ist am Rande ihrer Existenz mitten in der Klimakatastrophe in verschiedene ...

Der Roman von Thore D. Hansen führt uns in eine postapokalyptische Utopie/Dystopie im ausgehenden 22. Jahrhundert. Die Gesellschaft ist am Rande ihrer Existenz mitten in der Klimakatastrophe in verschiedene Schichten eingeteilt. Es gibt die Reinsten, Angepassten, Degradierte, Kolonisten sowie Nachfahren der Gründer. Sie unterscheiden sich untereinander durch Zugang zur alles planenden künstlichen Intelligenz Askit, als auch zu Ressourcen und Technik. Im Mittelpunkt des Romans steht die Reinste Eve, welche wir dabei begleiten, wie sie die Wahrheit um die Ereignisse in der Vergangenheit, die tatsächliche klimatische Lage der Erde, nach Versuchen der Rettung, als auch aktuelle Machtstrukturen und Entscheidungsinstanzen, versucht zu ergründen. Hauptthemen des Buches liegen in den Folgen des Klimawandels und der zunehmenden Digitalisierung der Menschheit.

Hansen nutzt bei seinem Schreiben wissenschaftlich sehr realistische und nachvollziehbare Annahmen und bewegt sich dadurch literarisch im Bereich der Hard Science-Fiction. Sehr kurz und knackig holt er den Leser ab, egal, welchen Wissensstand er zu den besprochenen Themen hat, und vermittelt klug wissenschaftliche Zusammenhänge und Prognosen. Frank Schätzing hätte hierfür wahrscheinlich die 3-fache Seitenzahl benötigt. Hansen kann stets die Spannung beim Leser aufrechterhalten. Nie kommt es zu Langatmigkeit. Durch die auf das Wichtigste reduzierten aber gleichzeitig ausreichend detaillierten Schilderungen, kann sich der Leser vollständig in die prognostizierte Welt Ende des 22. Jahrhunderts imaginativ hineinversetzen. Die Sprache bleibt stets verständlich, trotz der dargestellten anspruchsvollen wissenschaftlichen Zusammenhänge. Die Hauptprotagonisten befinden sich glaubwürdig mit sich und ihrer Umwelt im Zweifel. Psychologische Abläufe werden nachvollziehbar dargelegt.

Für mich das herausragendste Zitat aus dem Buch soll hier unbedingt genannt werden:
„Unsere Vorfahren hatten sich in unzähligen literarischen Versionen ihre Apokalypse selbst ausgemalt, aber ihre dunklen Vorahnungen trieben sie nie dazu an, sie abzuwenden. Wenn es darum ging, die ganz realen Gefahren der Erderhitzung zu betrachten, litten die Menschen an einem unglaublichen Mangel an Vorstellungskraft.“ (S.201)

Ich hoffe, dass diese Feststellung des Autors nicht auch - wie zuhauf bei vielen anderen Werken geschehen - auf seinen Roman und die darin enthaltene Botschaft zutrifft. Der Roman hat durch sein spannendes Gewand die Chance vielleicht ein paar, bestenfalls sogar sehr viele, Leser aufzurütteln und zum Handeln zu bewegen. Das Potenzial ist da. Dieser und ähnliche literarische Werke sind definitiv wichtig und sollten von vielen Menschen gelesen werden. Wenn die reinen wissenschaftlichen Fakten scheinbar nicht ausreichen, um die Menschen zum Umdenken zu bewegen, so können es unter Umständen Texte wie diese auf der emotionalen Ebene.

Von meiner Seite gibt es ganz klar eine eindeutige Empfehlung für dieses Buch. Es handelt sich um einen packenden Wissenschaftsthriller bzw. einen Hard Science-Fiction-Roman, der anspruchsvoll aber immer nachvollziehbar ist.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein kurzweiliger Feel-Good Zeitreise-Roman

Ein Tropfen vom Glück
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In diesem Zeitreise-Roman des Franzosen Antoine Laurain begleiten wir vier pariser Hausbewohner ins Jahr 1954. Dorthin gelangen sie durch den Genuss eines Weines aus dem Jahrgang, der es in sich hat. Nach ...

In diesem Zeitreise-Roman des Franzosen Antoine Laurain begleiten wir vier pariser Hausbewohner ins Jahr 1954. Dorthin gelangen sie durch den Genuss eines Weines aus dem Jahrgang, der es in sich hat. Nach dem ersten Zurechtfinden im alten Paris inklusive zufälligem Antreffen verschiedener Persönlichkeiten der 50'er Jahre Bohème, versucht die Truppe, einen Weg zu finden, wieder in ihre ursprüngliche Zeit zurückzukehren. Dabei freunden sie sich an bzw. verlieben sich sogar.

Der Charakter-Mix der zeitreisenden Gruppe um Bob, amerikanischer Harley-Davidson-Mitarbeiter im Ruhestand; Magalie, Restauratorin im Gothic-Stil mit Ähnlichkeiten zu Abby aus Navy CIS; Julien, Barkeeper mit Ambitionen für Ufo's; und Hubert, Hausverwalter und Ur-Pariser; ist so wunderschön untypisch für die französische Literatur. Sie werden perfekt gezeichnet und bilden sich in der eigenen Imagination aus. Sie haben alle ihre Eigenarten, die dem Leser liebevoll nahe gebracht werden.
Ebenso lebendig beschreibt Laurain das Paris der 50'er Jahre. Hier wird eine starke Nostalgie vermittelt, die, wie es nun mal mit der Nostalgie so ist, die Vorzüge der Vergangenheit vor die Nachteile stellt. Das stört ich keiner Weise, sondern macht den Roman noch sympathischer.
Der Plot wird spannend aufgebaut, zügig erzählt und ist damit immer kurzweilig. Ich habe mich bei der Lektüre sehr gut unterhalten gefühlt.
Als Fan von Zeitreiseromanen, hätte ich mir einen Ausbau der Geschichte um vielleicht 100 Seiten mehr gewünscht. Man fühlte sich so schnell wieder aus der Geschichte ausgeworfen, wie man hinein gelangt ist. Als einzigen wirklich störenden Faktor im Roman, empfinde ich die Sprache des Amerikaners Bob. Dieser spricht scheinbar ein gebrochenes Französisch, was wiederum mit gebrochenem Deutsch übersetzt ist. Das liest sich merkwürdig und hätte durch einen kurzen erklärenden Satz gelöst werden können.
Abschließend finde ich die Gestaltung des Buchcovers höchst ansprechend. Es enthält alle nötigen Elemente und deutet auf die Leichtigkeit des Buches durch eine spritzige Farbgestaltung hin.

Insgesamt kann ich die Lektüre dieses kurzweiligen Feel-Good Zeitreise-Romans sehr empfehlen. Diesen kann man schön an ein oder zwei Abenden mit einem Schlückchen leckeren Wein genießen.

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