Guter Einstieg ins Werk des Autors
Inhalt:
Gedanken und Ideen, in durchwachten Nächten notierte Miniaturen und tiefgründige, intime Einblicke in die Gefühlswelten des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić finden sich in diesem schmalen ...
Inhalt:
Gedanken und Ideen, in durchwachten Nächten notierte Miniaturen und tiefgründige, intime Einblicke in die Gefühlswelten des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić finden sich in diesem schmalen Büchlein. Sie sind sorgfältig übersetzt, kuratiert und mit einem ausführlichen und vor allem aufschlussreichen Nachwort versehen von Michael Mertens.
Meine Meinung:
Von Ivo Andrić habe ich schon einige Bücher gelesen. Der aus dem heutigen Bosnien stammende Literaturnobelpreisträger begleitet mein Leseleben seit über zehn Jahren und ist vor allem für seine monumentalen Chroniken, aber auch für Gedichte und Kurzgeschichten bekannt. In "Insomnia" finden sich ganz andere, sehr viel persönlichere Texte, die tief in Andrićs Persönlichkeit, seine Ängste, Sorgen und seine jahrelangen Probleme mit dem Schlaf und der Schlaflosigkeit blicken lassen. Vor allem diese Aspekte habe ich selber auch sehr gut nachvollziehen können, tue ich mich mit dem Thema doch seit meiner Jugend ebenfalls schwer.
Anders als beispielsweise in seinen umfangreichen Chroniken beschreibt Andrić ausserdem kaum andere Menschen und ihre Geschichten, vielmehr macht er sich hier Gedanken zum Menschsein selbst und diversen zutiefst menschlichen Regungen.
Schreibstil und Aufbau:
Meine einzigen Kritikpunkte an dieser Sammlung sind, dass mir nicht wirklich klar geworden ist, nach welchen Kriterien die unterschiedlich langen Fragmente und Miniaturen aus etwa 1'500 Einträgen in seinen Notizbüchern ausgewählt und auf zwölf Kapitel verteilt worden sind. Auch hätte ich mir noch mehr Details wie Daten/Orte gewünscht, um die Texte besser in Andrićs literarisches Leben einzuordnen.
Meine Empfehlung:
Die kleinen literarischen Snacks sind sicher ein guter Einstieg, um den Autoren Ivo Andrić einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Ausserdem lesen sie sich bequem nebenher, in Wachphasen mitten in der Nacht, als Einstieg in einen vollen Tag und in einer kurzen Pause. Sie unterhalten mit Andrićs bekannt feinsinnigem Humor, regen zum Nach- und Weiterdenken an und machen Lust auf mehr.