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Veröffentlicht am 12.05.2021

Leider sind wir nicht miteinander warm geworden...

Das Flüstern der Bienen
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Inhalt:
Simonopio wird am Dorfrand gefunden ist ist nicht nur kräftig und munter, sondern ist auch von einem friedlichen Bienenschwarm umgeben und hat eine Hasenscharte, was zu dieser Zeit (um 1900 herum) ...

Inhalt:
Simonopio wird am Dorfrand gefunden ist ist nicht nur kräftig und munter, sondern ist auch von einem friedlichen Bienenschwarm umgeben und hat eine Hasenscharte, was zu dieser Zeit (um 1900 herum) als Todesurteil gilt und zudem von der abergläubischen Bevölkerung mit Verachtung bestraft wird. Aber wie durch ein Wunder überlebt Simonopio und wird von seiner Nana Reja mit viel Liebe und dem Honig seiner Bienen aufgepäppelt. Von reichen Gutsbesitzern wird er als Ziehsohn aufgenommen und er schafft es, seine Lieben vor dem sicheren Tod durch die spanische Grippe zu bewahren, indem er seinem sechsten Sinn, den Bienen, vertraut. Doch sein Ziehvater Francisco hat als erfolgreicher Geschäftsmann nicht nur Freunde und auch Simonopio wird immer noch von einigen Menschen im Dorf verachtet und es geschehen Verbrechen und Unglücke, welche die Dorfgemeinschaft erschüttern.

Das Lesegefühl:
Selten ist es mir so schwer gefallen, in Worte zu fassen, ob und wie sehr (oder wenig) mir ein Buch zugesagt hat... Zuerst einmal muss ich erwähnen, dass ich dieses Buch in einer Leserunde bei Instagram gelesen habe. Respektive: die Leserunde ist schon lange vorbei, ich habe mich irgendwann ausgeklinkt, weil ich mich so sehr durch die Seiten gequält und mich vom Buch habe bremsen lassen. Trotzdem kann ich nur schwer beschreiben, was mich am Buch gestört hat. Es ist nämlich grandios recherchiert, lässt zahlreiche historische Ereignisse und Figuren in das aussergewöhnliche Setting einfliessen, beschreibt eine herzliche und von Liebe und Vertrauen geprägte Beziehung zwischen Simonopio und dem Sohn seiner Ziehfamilie, den er wie einen Bruder liebt und ist sprachlich enorm vielfältig ausgearbeitet. Ausserdem hat es unsere Leserunde gespalten und die einen Leserinnen komplett begeistert, die anderen eher abgeschreckt und auch ich hätte das Buch mehrmals fast abgebrochen, wollte aber einfach unbedingt erfahren, wie es enden würde und hatte vor allem nach über 300 Seiten das Gefühl, es nun einfach beenden zu müssen, ich war ja schliesslich schon so weit.

Warum mir dieses Buch nicht zugesagt hat:
Tatsächlich habe ich das Buch heute früh beendet und bin leider - trotz vieler Meinungen, die von einem rasanten und packenden Schluss sprechen, nach wie vor nicht begeistert. Doch warum?
Grundsätzlich mag ich langsame, detaillierte Beschreibungen. Beschreibungen, welche einen warmen, schweren Sommer, kalte Winternächte, Angst, Freude und ganz viele optische Details einfliessen und spüren lassen. All dies kann "Das Flüstern der Bienen" bieten, aber leider wird es dadurch nicht einfach nur langsam, sondern langweilig, langatmig, ziellos... Es mischt verschiedene Elemente aus den Genres Liebesgeschichte, Familienchronik, historischem Roman und Krimi, tut dies aber nicht wirklich konsequent. Historische Ereignisse nehmen manchmal sehr viel Raum ein und werden wenig später komplett ausgeblendet, die Gefühle der Liebesgeschichte sind nicht zu mir durchgedrungen. Der Krimi war vorhersehbar und die Familienchronik zu ausufernd erzählt. Ausserdem bleibt die Erzählung bis zum Schluss ein wenig oberflächlich und kriecht zäh vor sich hin. Keine der Figuren hatte ich beim Lesen vor Augen, auch die schmerzlichsten Gefühle (für die ich sehr empfänglich wäre) und die glücklichsten Stunden bleiben blass und haben sich nicht auf mich übertragen. Trotzdem weiss ich, dass dieses Buch gut geschrieben ist, das es humorvoll, spannend und emotional sein kann und dass es einen anderen Platz finden und dort sicher geschätzt und vielleicht sogar geliebt werden wird.

Fazit:
"Das Flüstern der Bienen" und ich sind keine Freundinnen geworden und werden es auch nicht mehr. Was andere vielleicht als Qualität sehen und zwischen den Zeilen gelesen haben wollen, ist mir verborgen geblieben oder hat mich gelangweilt. Schade.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Resant erzählt, skurril, philosophisch und äusserst unterhaltsam

Nussschale
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Inhalt:
Es wird enger in Trudys Bauch und das ungeborene Kind beginnt, sich auf die Geburt vorzubereiten. Vorher aber wird es noch Zeuge eines perfiden Planes, der von seiner Mutter und deren Liebhaber ...

Inhalt:
Es wird enger in Trudys Bauch und das ungeborene Kind beginnt, sich auf die Geburt vorzubereiten. Vorher aber wird es noch Zeuge eines perfiden Planes, der von seiner Mutter und deren Liebhaber Claude ausgeheckt wird. Der Plan richtet sich gegen Claudes Bruder John, den Vater des ungeborenen Kindes. Ein für alle Mal sollen die Beziehungen geklärt werden, welche die drei Erwachsenen miteinander verbinden. Das Kind als stiller Mitwisser erfährt aber auch, wie seine Mutter ihren emotionalen Schmerz mit Alkohol stillt und welche Gefühle sonst in ihr toben.

Meine Meinung:
Nachdem ich von "For You" von Ian McEwan komplett begeistert war, habe ich die Augen nach einem weiteren Buch von McEwan offen gehalten und deshalb "Nussschale" im April beim Stöbern im Bärner Brocki secondhand für lediglich zwei Franken entdeckt und sofort gekauft. Den Klappentext kannte ich beim Lesen noch nicht, weshalb ich um so überraschter und begeisterter war vom Schreibstil und der äusserst ungewöhnlichen Erzählperspektive. Wann liest man schon die - intellektuel hochstehenden und äusserst unterhaltsamen - inneren Monologe eines Kindes im Mutterleib?
Besonders gut gefallen hat mir, dass "Nussschale" alleine aus der Perspektive dieses Kindes erzählt ist und dass es dem Autor dieser starken Einschränkung zum Trotz gelungen ist, so eine vielschichtige Erzählung zu konstruieren. Das Kind sieht ja schliesslich nicht, wie die äussere Umgebung aussieht, wie sich die Figuren bewegen usw., sondern nimmt lediglich Geräusche, Gerüche, den Herzschlag und die Atmung der Mutter, sowie die gesprochenen Unterhaltungen wahr. Trotzdem wird eine Geschichte mit Hand und Fuss gesponnen, die sich spannend und äusserst rasant entwickelt.

Schreibstil:
Wie auch schon bei der Lektüre von "For You" hat mich der besondere Humor des Autors beeindruckt und bestens unterhalten und innerhalb von wenigen Seiten bin ich zwischen Liebesroman, Familiendrama und Krimi hin und her gependelt. Dabei haben mich die Schilderungen des ungeborenen Kindes, das sich aufgrund seiner Sinneswahrnehmungen und den mitangehörten Dialogen seine Umgebung zusammenfantasiert und interpretiert, was manchmal zu äusserst skurrilen, manchmal aber auch verstörenden und oft auch ziemlich philosophischen Gedankengängen und Beschreibungen führt.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine überzeugte Leseempfehlung für dieses unterhaltsame, skurrile und intelligente Buch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 06.05.2021

Brutal, packend und absolut lesenswert

Wildauge
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Inhalt:
"Wildauge" ist eine angesehene Hebamme. Sie gibt Leben und sie nimmt Leben. Mitten im Krieg ist sie es, welche den Frauen unter der Geburt beisteht und zahlreiche Mittelchen kennt, um diverse Wehwechen ...

Inhalt:
"Wildauge" ist eine angesehene Hebamme. Sie gibt Leben und sie nimmt Leben. Mitten im Krieg ist sie es, welche den Frauen unter der Geburt beisteht und zahlreiche Mittelchen kennt, um diverse Wehwechen zu lindern, aber auch grosse Operationen durchzuführen. Sie ist ungezähmt und willig zugleich, leidenschaftlich, eifersüchtig und selbstbewusst und als sie sich in den deutschen Offizier Johannes Angelhurst verliebt, ist es um sie geschehen. Sie riskiert Kopf und Kragen und folgt ihm als Krankenschwester in ein Kriegsgefangenenlager. Dort sieht sie die Hölle und wird Teil von Kriegsmechanismen, welche sie weder überblicken, noch steuern kann.

Meine Meinung:
Ich habe dieses Buch aufgrund der begeisterten Rezension von Mareike Fallwickl gemeinsam mit Melanie von @nocheinbuch gelesen und bin wirklich froh, dass Melanie und ich uns intensiv darüber austauschen und unsere persönlichen Erfahrungen miteinander teilen konnten. "Wildauge" ist ein Buch, das fordert. Es ist roh und hart und kalt. Es beschreibt zuerst, wie Menschen und Orte riechen (und meistens ist das ein entsetzlicher Gestank), bevor es die Blicke beschreibt, welche sich die Figuren über Lazarette und Schlachtfelder, über gefrorenes Wasser und unsägliches Leid hinweg zuwerfen. Ja, ich habe mich geekelt und dabei fasziniert der Hebamme "Wildauge" über die Schultern geblickt, die im einen Moment bis zu den Ellenbogen in einer Gebärenden drinsteckt und im nächsten Augenblick ohne Schmerzmittel ein Bein amputiert. Voller Abscheu habe ich gelesen, wie sehr sich ihr Geliebter Johannes Angelhurst vor der Wirklichkeit und seinen eigenen Taten verschliesst und dabei natürlich auch bemerken müssen, dass er auch nur ein kleines Rädchen im System ist und dass Krieg nun einmal genau so ist, wie die Handlung sich in diesem Buch entwickelt: chaotisch, schmutzig, leidvoll, unschön und grausam.

Schreibstil:
Zuerst einmal möchte ich erwähnen, dass "Wildauge" von Angela Plöger hervorragend übersetzt und mit einem ausführlichen Nachwort ausgestattet worden ist. Dieses Nachwort, sowie der Glossar und die Quellenverweise machen dieses Buch erst so richig komplett. Es fällt mir nämlich nach wie vor schwer, Worte zu finden, um die aussergewöhnliche Sprache von Katja Kettu zu beschreiben. Erst beim Lesen des Nachworts hat sich mir auch ein wenig erschlossen, woran das liegen könnte: Katja Kettu hat eigene, passende Wortkreationen oder sogar ganz neue Wörter erfunden, um zu beschreiben, was ihre Protagonistin erlebt und vor allem auch fühlt. Die Übersetzerin musste es ihr folglich gleichtun, was ihr grandios gelungen ist.
Kettu beschreibt liebevoll, fast zärtlich, wie sich die Gezeiten verhalten, wie sich das Meer kräuselt, der Himmel sich verfärbt oder das Wasser zufriert. Dieser Zartheit und Schönheit setzt sie die Gräuel des Krieges - menschliche Abgründe, klaffende Wunden, stinkende Fäulnis, rohes Töten, gierige Geilheit - gegenüber und verwendet dafür eine brutale, zupackende, derbe Sprache, an der Natur und Tierwelt angepasste Formulierungen (Frauen kalben oder werden besprungen) und detaillierte Beschreibungen von Taten und Geschehnissen. Dies alles wird in Etappen und Zeitsprüngen erzählt und setzt sich erst nach und nach aus Tagebuchberichten, Erinnerungen und Erzählungen zusammen. Dort, wo alles seinen Anfang nahm und vielleicht oder vielleicht auch nicht enden wird: in der Bucht des toten Mannes.

Meine Empfehlung:
"Wildauge" bewegt, begeistert, widert an und entsetzt und doch habe ich mich von der Protagonistin und den atemberaubenden Naturschilderungen an der Hand genommen gefühlt und dieses Buch in kleinen Etappen und mit Gänsehaut verschlungen. Seid mutig und lest es.

Mareike Fallwickl hat für dieses Buch übrigens die passendste Empfehlung getextet, die man sich nur vorstellen kann:
"Traut euch an dieses Buch heran, wenn ihr etwas spüren wollt bei eurer Lektüre, wenn ihr euch fürchten und ekeln wollt, wenn ihr eine Axt wollt für das gefrorene Meer in euch."

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2021

Macht hungrig und unterhält bestens

Heute Abend in der Eisdiele am Meer
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Inhalt:
Gina lässt ihr schillerndes Leben, ihren übervollen Terminkalender und ihren Freund Max in London zurück, um ihren Grosseltern in Cornwall ein wenig unter die Arme zu greifen. Vor allem ihr Grossvater ...

Inhalt:
Gina lässt ihr schillerndes Leben, ihren übervollen Terminkalender und ihren Freund Max in London zurück, um ihren Grosseltern in Cornwall ein wenig unter die Arme zu greifen. Vor allem ihr Grossvater tut sich sehr schwer mit diesem Arrangement. Sein grosses Herz siegt aber über seine Sturheit und er stimmt zu, seine Enkelin in die Geheimnisse seines Handwerks einzuweihen. Ferrelli's Gelato und die alte Molkerei sind sein Ein und Alles und bald schon beginnt auch Gina, ihre Liebe für den Eissalon und das alte Kino, mit dem sie viele Abenteuer und romantische Erinnerungen verbindet, wiederzuentdecken und begegnet dabei noch wie durch Zufall ihrem Jugendfreund Ben. Bald aber treten finanzielle Probleme auf, die allen Beteiligten das Leben schwer machen und Ginas Freund Max möchte, dass sie endlich wieder nach London zurückkehrt und nicht mehr so viel Zeit mit Ben verbringt...

Meine Meinung:
Eis und Meer und tolle Kinoerlebnisse mit viel Popcorn...Was gibt es besseres? Die letzten Tage und Wochen waren bei mir übervoll und auch meine Lektüren waren eher anspruchsvoll, also hat es mich unendlich gefreut, dass ich mit diesem leichten Sommerroman - den ich innerhalb von zwei Tagen inhaliert habe - komplett aus meinem Alltag entfliehen konnte. Vor allem die Einblicke in die Kunst der Eisherstellung, sowie die Kinothemenabende haben mich gänzlich für sich eingenommen. Ausserdem hat mir gefallen, dass die Liebesgeschichte(n) nicht zu sehr im Zentrum stehen, sondern dass sich die Geschichte vor allem um Ginas Familie und ihre Arbeit, den Eissalon, das Kino und Bens Leidenschaft für Züge und den alten Bahnhof dreht. Das Ende ist zwar - wie man es aus solchen Geschichten kennt - ein wenig zu offensichtlich, ein wenig zu sehr in die Länge gezogen und zu zuckersüss, aber hey, das habe ich gerade gebraucht. Was ich aber wirklich loben kann: sehr oft sind Frauen in solchen Büchern mit unmöglichen Männern zusammen, von denen man sich fragt, wie die beiden überhaupt aneinandergeraten können und denen man wünscht, dass sie am liebsten schon vorgestern einen wesentlich besseren Mann gefunden hätten. Dies ist in "Heute Abend in der Eisdiele am Meer" so gar nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: es wird aufgezeigt, wie sowohl Liebesbeziehungen, als auch familiäre und freundschaftliche Beziehungen sich über die Jahre verändern und dabei wachsen (wie bei Ginas Grosseltern) oder auch Keile zwischen die Beteiligten treiben können. Dies hat mir persönlich sehr zugesagt.

Schreibstil:
Die Sprache ist flüssig und leicht und Holly Hepburn hat mich wirklich einige Male äusserst hungrig und nach einem Eis, einem Biscotti oder einer Portion Popcorn lechzend zurückgelassen. Ausserdem sind die Personen so wunderbar beschrieben, dass ich mir am liebsten ebenfalls gleich eine kleine Auszeit in Polwhipple und einen Kinoabend mit Gina gönnen möchte. Und dann lässt dieses Buch ganz sicher auch noch die Herzen von Liebhaber*innen alter Filme höher schlagen: zahlreiche Filmklassiker finden in die Geschichte Einzug (nicht ganz ohne Spoiler, aber hey, wir kennen die Filme so oder so schon alle) und werden an den Themenabenden, die Gina organisiert, mit viel Liebe zum Detail ausführlichst gewürdigt, weshalb der Englische Originaltitel auch: The Picture House by the Sea lautet.

Meine Empfehlung:
Diese leichte Lektüre empfehle ich allen weiter, die gerne mit einem Eis und guter (fiktiver) Gesellschaft eine Auszeit aus ihrem Alltag geniessen und dabei unvergessliche Stunden im Kino und am Meer erleben möchten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 15.04.2021

Das war leider nichts für mich

Madame Piaf und das Lied der Liebe
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Inhalt:
Frankreich wird durch die deutsche Armee besetzt, aber die junge Édith Piaf führt währenddessen trotz Ausgangsbeschränkungen und Essensrationierungen ein ausschweifendes Leben inmitten ihrer Bewunderer ...

Inhalt:
Frankreich wird durch die deutsche Armee besetzt, aber die junge Édith Piaf führt währenddessen trotz Ausgangsbeschränkungen und Essensrationierungen ein ausschweifendes Leben inmitten ihrer Bewunderer und Fans. Ein guter Freund und Förderer schafft es, ihr einen Auftritt im ABC zu ermöglichen und von da an ändert sich ihr Leben schlagartig. Sie wird über Nacht zum Star und beginnt selber, einen jungen Sänger auszubilden. Mit Yves Montand teilt sie nicht nur ihre Leidenschaft für die Musik, sondern auch ihr Bett und nach und nach verschenkt sie ihm ihr Herz. Ihr gemeinsames Glück inspiriert sie zu neuen Höchstleistungen, welche sie schliesslich weltberühmt machen, aber auch an sich selber zweifeln lassen...

Meine Meinung:
Dieses Buch...hat mich leider nicht komplett überzeugt. Ich war gestern aber fünf Stunden lang im ÖV unterwegs und hatte kein anderes dabei. Aufgrund des sehr oberflächlichen und leichten Schreibstils bin ich aber nur so durch die Seiten geflogen und habe einige Aspekte - vor allem die gründlichen Recherchen der Autorin, wie auch die schön erzählte Entstehungsgeschichte einzelner Chansons von Piaf - trotz allem sehr gerne gemocht. Heute Morgen habe ich es dann beendet und bin vom eher offenen Schluss leider noch einmal so richtig enttäuscht worden.
Was soll ich sagen: die Figuren bleiben flach, Édith Piaf ist keine schillernde, starke Persönlichkeit, sondern eine schwache Frau, die sich permanent verunsichern und von Yves Montand mehr und mehr dominieren lässt, die Handlung plätschert nur so dahin (100 Seiten weniger hätten der Geschichte gut getan) und die Musik und das Musiker*innenleben kommen einfach viel zu kurz. Ja und dann habe ich nach etwa 300 Seiten zufällig auf den Autorinnentext geblickt und dabei bemerkt, dass Michelle Marly das Pseudonym von Micaela Jary ist. Leider hat mich diese Autorin schon einmal aus den gleichen Gründen enttäuscht. Und ich muss sagen, dass ich ab dann total voreingenommen war und nicht mehr objektiv bleiben konnte.

Erzählsprache:
Ich denke, dass die Autorin wirklich gut und gründlich recherchiert hat und dass die historischen Fakten nach bestem Wissen und Gewissen stimmen. Micaela Jary schreibt dazu auch noch ein paar Worte im Nachwort und diese haben mich wirklich stark beeindruckt. Was ich aber sehr schade finde: obwohl Jary permanent betont, die Tochter des berühmten Filmmusikkomponisten Michael Jary zu sein und bereits zahlreiche Einblicke in das Künstlerleben gesammelt zu haben, so bleibt genau dieses Künstlerleben erstaunlich blass. Die Sprache und die Qualität der Beschreibungen bleiben durchs Band extrem oberflächlich und wiederholen sich stark. Es haben mir beim Lesen sowohl emotionale Tiefe, als auch srpachliche Bilder gefehlt. Ich nehme Piaf die Nervosität vor dem Auftritt oder die Erleichterung danach nicht ab, das fühlt sich nicht so an, wie ich mir das vorstellen würde und wie ich es kenne. Auch hatte ich bis zum Schluss das Gefühl, die Figuren nicht wirklich fassen zu können. Weder habe ich ein Bild vor meinem inneren Auge, noch haben mich ihre Persönlichkeiten beeindruckt.

Fazit:
Das war leider gar nichts für mich und obwohl ich sicher voreingenommen war und obwohl einiges an meiner Kritik auch Geschmacksache ist, frage ich mich, weshalb dieses Buch (und die weiteren Bücher dieser Autorin, sorry) ein Bestseller ist, denn sprachlich ist das wirklich unausgereift. Nur weil Édith Piaf darin vorkommt? Schade. Dieses Buch kommt in den offenen Bücherschrank und ich hoffe, hoffe, hoffe von Herzen, dass jemand damit viele schöne Lesestunden verbringen wird.

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