Cover-Bild Nahtod
Band der Reihe "Kriminalromane im GMEINER-Verlag"
10,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Kriminalromane und Mystery
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Seitenzahl: 273
  • Ersterscheinung: 03.02.2016
  • ISBN: 9783839218310
J. J. Preyer

Nahtod

Psychologischer Kriminalroman
Kunstmäzen Oscar Furtner und dessen Frau Nora sterben kurz nacheinander. Anonyme Briefe an den Chefinspektor der Steyrer Polizei, Viktor Grimm, legen nahe, dass sie ermordet worden sind. Im Laufe der Ermittlungen befürchtet der Chefinspektor, dass sein Freund, der Psychotherapeut David Gründler, der Mörder sein könnte und lässt sich beurlauben.
Journalist Christian Wolf holt ihn aus der tiefen persönlichen Krise zurück und dringt mit ihm in die Komplexität der menschlichen Psyche vor, um den Fall zu lösen.

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Veröffentlicht am 15.09.2016

Symbiose

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Als der Architekt und Kunstmäzen Oscar Furtner im Schlaf stirbt, gehen alle von einem natürlichen Tod durch Herzversagen aus. Doch kurze Zeit später stürzt seine Frau, die bekannte Schriftstellerin Nora ...

Als der Architekt und Kunstmäzen Oscar Furtner im Schlaf stirbt, gehen alle von einem natürlichen Tod durch Herzversagen aus. Doch kurze Zeit später stürzt seine Frau, die bekannte Schriftstellerin Nora Furtner, die Kellertreppe herunter und rückt den Tod ihres Mannes in ein anderes Licht. Untersuchungen ergeben, dass er mit einem Mittel, das bei totkranken Tieren Verwendung findet, regelrecht eingeschläfert wurde, was wiederum auf eine mögliche Beteiligung des Tierarztes Dr. Gustav Lemberger hindeutet oder hindeuten soll.

Chefinspektor Viktor Grimm und sein Freund, der ehemalige Journalist Christian Wolf, haben zunächst zwei Morde zu lösen. Dabei wird es jedoch nicht bleiben...

Mit „Nahtod“ kehrt J. J. Preyer zurück nach Steyr, jener Stadt in Oberösterreich, die bereits in „Mörderseele“ und „Hassmord“ Schauplatz zahlreicher Verbrechen wurde.

Abermalig vermag es der Autor, dem Leser ein umfassendes und illustratives Bild der örtlichen Gegebenheiten zu vermitteln, in dem er zahlreiche Schauplätze mit realen Vorbildern vor Ort und in der nahen Umgebung verwendet, die Einheimische und Kenner der Region wahrscheinlich auf den ersten Blick erkennen werden.

Preyer weiß erneut mit seinem ruhigen Schreibstil zu unterhalten. Die psychologische Geschichte lebt von vielen Gesprächen, durch die der Autor intensiv das komplexe Seelenleben seiner Protagonisten, insbesondere das Verhältnis zwischen Opfern und Täter auslotet, Tiefen ergründet.

Wie auch schon in den vorhergehenden Bänden der Reihe, steht neben der Ermittlung in den Mordfällen, die lebenslange Freundschaft von Christian Wolf und Viktor Grimm im Mittelpunkt. Noch immer kann diese sich auf ein stabiles Fundament stützten, ist allerdings etwas abgekühlt, seit sich Grimm mehr oder weniger offiziell zu seiner Homosexualität bekannt hat und eine Beziehung mit dem Psychotherapeut David Gründler führt.

"... Es ist einerseits möglich, dass Liebe blind macht, dass man lange Zeit etwas nicht wahrhaben möchte, weil man den Menschen, von dem Böses ausgeht, liebt..." (Seite 252)

David erscheint Wolf mehr als Alter Ego seines Freundes Grimm. Der Psychotherapeut ist wie jener korpulent, lächelt oft und umständlich und ist scheinbar zu keiner Aggression fähig, jedoch mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen, sobald ihm etwas zuwiderläuft. Es ist offensichtlich, dass sich Grimm und Gründler sich in das jeweilige Spiegelbild verliebt haben und nun eine symbiotische Partnerschaft bilden.

Und genau durch die Beziehung zu David gerät Viktor in Zwiespalt. Einerseits ist er David zugetan, weil er so außergewöhnlich ist und sich scheinbar keine Schranken setzt, keine Grenzen kennt. Andererseits erwartet er Ehrlichkeit, und ist enttäuscht, als dieser wegen der Behandlung von Dominik, dem Sohn der ermordeten Furtners, vor Lügen nicht Halt macht und nicht nur deswegen verschlossen reagiert. Letzten Endes führt genau dies dazu, dass der Psychotherapeut selbst in Verdacht gerät, etwas mit den Morden zu tun zu haben.

„Der Kapitän muss das Schiff steuern, damit nicht die Ratten das Kommando übernehmen." (Seite 149)

Grimm zieht die Reißleine und sich selbst zurück. Er hadert mit sich und fällt in ein tiefes Loch. Eigentlich will er für immer Ruhe haben, aber vor den mit dem Sterben verbundenen Anstrengungen – Angst und Schmerz – schreckt er zurück, und er schiebt es auf. Er wird sich bewusst, dass er – dem eigentlich nur die Begegnung mit Menschen genügt, die Betrachtung der Natur und das Sammeln von Eindrücken und Gegenständen, den falschen Beruf gewählt hat, er nicht die Wahrheit finden und keine Fälle lösen will.

Und so überlässt er Wolf die Ermittlungen. Diesem wiederum liegt das Sammeln von Details nicht, er findet die Beschäftigung damit ermüdend. Deshalb bedauert er, dass Grimm verschwunden ist und diesen Teil der Ermittlungen nicht wie üblich übernommen hat. Bislang hatten die zwei eine Arbeitsteilung. Grimm versorgte Wolf unermüdlich und mit innerer Ruhe gegen unvorhergesehene Entwicklungen gewappnet mit einer Vielzahl an Beobachtungen und Erkenntnissen, und Wolf sichtete und ordnete diese.

Um nicht zu scheitern, unternimmt er alles, um Grimm zurück an den Platz zu bringen, an den er gehört. Bis dahin bekommt er dieses Mal unter anderem auch Hilfe von Grimms Sekretärin, Yvonne Beranek, die beispielsweise Gelegenheit hat, ihre (verdeckten) Ermittlerfähigkeiten in einem Swingerclub unter Beweis zu stellen.

In diesem Zusammenhang sei ein Manko des Romans erwähnt: Es wird ständig getrunken, zu jeder Gelegenheit und bei jedem Treffen. Nicht nur Frau Beranek benötigt immer einen Tropfen Alkohol, damit sich ihre Zunge löst. Es zieht sich wie ein roter (Rotwein)Faden durch die Handlung und stößt beim Lesen leider negativ auf.

"Ich glaube an das, was ist, und sehe, dass es nirgendwo nur Gutes oder nur Schlechtes gibt. Es gibt nicht die absolute Helligkeit oder das absolut Finstere, nur Übergänge zwischen den fiktiven Extremen." (Seite 243)

Wolf fällt es schwer, in diesem Fall klar zu sehen. Immer wieder steht er wie vor einer Wand, die er mit dem Kopf nicht einrennen kann. Stattdessen muss er ein paar Schritte zurücktreten, um nach einer Tür zu suchen, die ihn der Lösung des Falles näher bringt. Denn neben der Aufklärung des mörderischen Geschehens beschäftigt Wolf noch etwas anderes:

Als er Maria Schadend der Schwester der toten Nora Furtner, begegnet, ist ihm die große, beinahe priesterlich wirkende Frau, deren ruhiger Blick Intelligenz und menschliche Tiefe verrät, sofort sympathisch. Sie hat eine starke Wirkung auf ihn und verwirrt ihn gleichzeitig. Ihr Lächeln macht ihn unruhig, und er ist im Begriff, sich in sie zu verlieben, weil sie ihm ein Gefühl von Heimat vermittelt und bei ihr an ein Ziel zu gelangen scheint, das er sich nicht mehr vorstellen konnte.

So sind letzten Endes auch Wolf und Grimm gezwungen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Bedeutung eine Beziehung in ihrem Leben zukommt, wie symbiotisch diese sein darf, und welche Gefahren von zu viel Nähe ausgehen kann. J. J. Preyer gelingt diesbezüglich eine glaubhafte und nachhaltige Darstellung.