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Veröffentlicht am 17.09.2018

Das Alte war fort. Aber wie sah das Neue aus, das jetzt kam?

Was wir zu hoffen wagten
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Es ist der 9. November 1918. Der deutsche Kaiser hat gerade abgedankt. Zwei Tage später wird der erste Weltkrieg enden, 17 Millionen Menschen sind tot. In dieser Situation begegnen wir den Schwestern Felice ...

Es ist der 9. November 1918. Der deutsche Kaiser hat gerade abgedankt. Zwei Tage später wird der erste Weltkrieg enden, 17 Millionen Menschen sind tot. In dieser Situation begegnen wir den Schwestern Felice und Ille, die unterschiedlicher nicht sein können, und wir erfahren, dass deren Bruder Willi das standrechtliche Erschießen droht, weil er einen Befehl verweigert hat.

Damit wir ergründen können, was mit den Geschwistern in den letzten Jahren geschehen ist, führt uns die Autorin zurück in die Vergangenheit, beginnend im Jahr 1912...


Michaela Saalfeld erzählt mit „Was wir zu hoffen wagten“ eine einzigartige Geschichte und meistert ihr Debüt sprachlich in herausragender Art und Weise. Ich habe sofort den Schreibstil sehr genossen. Er ist einerseits gefällig und liest sich gut, verfügt jedoch andererseits über einen Grad an Anspruch, der sich im Text durch das ohne Aufdringlichkeit angereicherte fundierte historische Hintergrundwissen äußert, wenn die Autorin die Situation der Frauen, technische Errungenschaften, geschichtliche Ereignisse und die Geschehnisse des ersten Weltkrieges thematisiert. Sie schildert vor allem die Kriegssituation in Belgien, insbesondere in Ypern (Ieper) offensiv und unumwunden mit all den Gräuel und Schreckenstaten und bereitet sie dabei für uns Leser so auf, dass wir betroffen sind, bei uns ein wirksamer Nachhall erzeugt wird und Emotionen freigesetzt werden.

Zudem ist nicht nur die Szenerie komplett gelungen, auch die Charaktere sind allesamt mit Sorgfalt entworfen. Michaela Saalfelds Figuren ziehen einen unweigerlich an. Es sind nämlich keine heroischen, sondern allzu menschliche Wesen mit Stärken, aber auch sehr vielen Schwächen. Manchmal – wie bei Ille – fallen diese vornehmlich ins Gewicht. Denn auf den ersten Blick erscheint die jüngste der drei Geschwister als schwach und verträumt. Sie wünscht sich ein „normales“ sorgenfreies Leben mit Ehemann und Kindern und strebt nicht nach Höherem, einen Beruf oder gar Unabhängigkeit. Indes sehnt sie sich nach der Liebe und Anerkennung ihrer von ihr verehrten Schwester.

Felice hingegen macht es uns nicht leicht. Sie ist kein Typ, für den das Herz auf Anhieb schlägt. Einerseits ist sie unwahrscheinlich klug und sehr fokussiert. Andererseits zeigt sie sich streitbar, äußert, was ihr auf der Seele und auf der Zunge brennt, absolut und erbarmungslos. Gleichzeitig wirkt sie wegen ihrer geringen Empathie kalt und unnahbar. All ihre Fähigkeiten mögen sie zur Ausübung ihres Berufes prädestinieren. Doch obwohl Felice ihr Jurastudium erfolgreich abgeschlossen hat, wird ihr als Frau der notwendige Vorbereitungsdienst und damit die Tätigkeit als Juristin verwehrt. Eine verständliche und empörende Ungerechtigkeit, mit der sich Felice nicht abfinden will. Sie lässt sich nicht verbiegen, und das Wichtigste für sie ist, sie selbst zu sein. So nimmt sie keine Rücksicht auf andere und stößt damit nicht nur ihre Familie vor den Kopf. Im Gegenzug ist sie allein, und sie hat nicht viele wirkliche Freunde, zu denen der in sie verliebte Moritz und Quintus, für den Felice mehr empfindet, gehören.

Willi hingegen stehen alle Möglichkeiten offen. Der junge Mann – zu Beginn noch recht oberflächlich – interessiert sich allerdings weder für die Schule noch für die Bank, deren Leitung er eines Tages übernehmen soll, vielmehr schlägt sein Herz für den Film und für Recha, eine Schauspielerin. Als diese klarstellt, dass sie nicht frei ist und sich an den um einige Jahre älteren Regisseur Wolfgang Fanselow gebunden fühlt, meldet sich Willi freiwillig und gerät mitten hinein in die kriegerischen Auseinandersetzungen, die nicht nur ihm alles abverlangen werden und sein Schicksal verändern.

Ohne die Entwicklung der Frauengestalten des Romans negieren zu wollen, sind es besonders die Männer wie Willi, Quintus und Moritz, die außerordentliches Reifepotential beweisen und der im Leben angekommene, sich durch Charakterfestigkeit auszeichnende Wolfgang, die zu einem beachtenswerten Leseerlebnis beitragen.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Gefährliche Lüge

Fear and Desire: Gefährliche Lüge
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Wer nicht hören will, muss fühlen. Diese Erfahrung muss Sarah machen, als sie mit ihrem Auto in der schneereichen kanadischen Wildnis liegenbleibt. Denn alle hatten sie gewarnt, nicht mit dem alten Ding ...

Wer nicht hören will, muss fühlen. Diese Erfahrung muss Sarah machen, als sie mit ihrem Auto in der schneereichen kanadischen Wildnis liegenbleibt. Denn alle hatten sie gewarnt, nicht mit dem alten Ding auf die Reise zu gehen. Aber sie wollte es unbedingt, vor allem wegen ihrer verstorbenen Freundin Maylin, die ihr das Fahrzeug vermacht hat. Mitten in der Pampa scheint es keine Aussicht auf Hilfe zu geben. Doch Sarah ist hart im Nehmen und lässt sich nicht unterkriegen, weil sie als Kind vom Land die Erfahrungen zurückgreifen kann, die sie während ihrer Touren mit ihrem Vater durch die endlosen Weiten Colorados gesammelt hat. Also macht sie sich auf, um aus der Misere herauszufinden. Es ist kalt, und die ganze Aktion ist nicht wirklich erfolgreich, bis sie auf die Blockhütte stößt und trotz ihrer Bedenken bezüglich der Gefahren, die ihr darin begegnen könnte, das Risiko eingeht und um Hilfe bitten will. Es bleibt ihr ja schließlich nichts anderes übrig. Sich jedoch von einem – zugegebenermaßen – heißen, aber zugleich auch äußerst brummigen und sehr abweisenden, um nicht zu sagen unhöflichen Typen die Tür vor der Nase zuwerfen zu lassen, ohne ein Zeichen von Beistand, geht ja wohl gar nicht.

Hätte sie geahnt, was auf sie zukommt, hätte sie wohl nie den Fuß in die Tür gestellt. Denn Brandon, jenen aufregenden „Hüttenwirt“, umgibt mehr als der Unwillen, ihr behilflich zu sein. Da ist etwas Geheimnisvolles, eine Sache, der er auf der Spur ist, während sich jemand gleichzeitig dafür interessiert, ihn aus dem Weg zu räumen. Und Sarah gerät mitten in die Schusslinie. Ehe sie noch Luft holen kann oder verdaut, was zwischen ihr und Brandon in nur einer Nacht geschehen ist, sind die beiden schon auf der Flucht und erleben ein atemberaubendes Abenteuer...

In „Gefährliche Lügen“, dem ersten Band der Reihe „Fear and Desire“ dauert es nicht lange, und es geht zur Sache. Denn Ewa Aukett spart in ihrer Geschichte nicht an Erotik. Zwischen ihren Protagonisten Sarah und Brandon sprühen von Anfang an die Funken, und das nicht nur, weil die Hütte von Brandon letztlich in Flammen aufgeht. Nein, zuvor kommen sich die beiden wirklich nahe, und wäre die Szene im Schnee „gedreht“ worden, wäre dieser geschmolzen.

Ewa Aukett schreibt in einem deutlich offensiven Stil, der ungestelzt und locker daherkommt. Trotz der Ungezwungenheit vergisst die Autorin nicht das Drumherum, so dass sich schnell in die Gegebenheiten hineinfinden lässt und die Geschichte einen ansprechenden Rahmen bekommt. Die Handlung lebt von der Aktion, besonders wenn Sarah und Brandon in gefährliche Situationen geraten und auch miteinander in prickelnden Szenen agieren. Bis auf das Finale, dass verhältnismäßig unspektakulär und ohne den erwarteten Nervenkitzel ist, schreitet sie zügig voran, ist durchdacht und nachvollziehbar. Daneben blitzen Ironie und Witz auf, das Lesen bereitet Spaß.

Sarah und Brandon schildern das Geschehen im Wechsel aus ihrer Perspektive. So ist außerdem immer zu erfahren, was der jeweilige denkt, auch über den anderen. Das ist zwar als Erzählweise nicht neu, zeigt sich hier hingegen als wirkungsvoll und verpasst der Darstellung einen gewissen Reiz.

Die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren stimmt. Das Augenmerk, das die Autorin auf deren Charakterisierung legt, ist ebenso wie die Entwicklung der Emotionen zwischen ihnen gelungen.

Sarah liebt Herausforderungen und spricht so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie ist sehr direkt, und temperamentvoll und verfügt über eine natürliche Neugier. Vor allem aber steht sie ehrlich zu ihren Gefühlen, die sich beispielsweise in ihrer Trauer um ihre verstorbene Freundin Maylin manifestiert. Sie trägt das Herz auf der Zunge. Es ist ein großes Herz, das ihre Familie und Freunde gleichermaßen einschließt. Und außerdem besitzt sie einen ungeahnten Löwenmut, Risikobereitschaft und Hartnäckigkeit. Davon bekommt Brandon eine ganze Menge zu spüren. Und obwohl der Start der beiden holprig ist, lässt sich gut verstehen, dass sie sich voneinander angezogen fühlen.

Im Gegensatz zu Sarahs direkten Art ist Brandon verschlossener und öffnet sich erst mit der Zeit. Er wird deutlich, dass er Schwierigkeiten hat, sich auf auf jemanden einzulassen, Vertrauen aufzubauen. Der frühe Verlust der Mutter und auch andere Enttäuschungen des Lebens nagen an ihm. Der Grund dafür liegt zunächst im Dunkeln und wird erst im Verlauf des Geschehens gelöst.

Bis dahin unterhält "Gefährliche Lügen" mit einer Mischung aus Erotik und Thriller der gemäßigten Art und profitiert von seinen beiden sympathischen Hauptdarstellern.

Veröffentlicht am 24.01.2017

Zwei Frauen in Norwegen

Das Geheimnis der Mittsommernacht
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Mit ihrem neuen Roman bleibt Christine Kabus ihrer Linie treu und führt den Leser erneut nach Norwegen. Im Mittelpunkt des Geschehens, das im Jahr 1895 beginnt, stehen zwei unterschiedliche junge Frauen, ...

Mit ihrem neuen Roman bleibt Christine Kabus ihrer Linie treu und führt den Leser erneut nach Norwegen. Im Mittelpunkt des Geschehens, das im Jahr 1895 beginnt, stehen zwei unterschiedliche junge Frauen, die bei näherer Betrachtung doch einige Gemeinsamkeiten aufweisen.

Da ist einerseits die fünfundzwanzigjährige Clara. Die Deutsche ist ein Findelkind und eine Waise und scheint ihr Glück trotz aller Widrigkeiten gefunden zu haben. Schließlich hat sie es vom mittellosen Dienstmädchen zur Ehefrau eines aufstrebenden Juristen gebracht. Ihr Mann Olaf Ordal ist grundsolide und einer von der stillen Sorte, der seiner Frau mit Achtung und Respekt begegnet und für sie und Sohn Paul sorgt. Vor zehn Jahren hat Olaf seine Heimat verlassen, und als er mit seiner Familie zu einem Leben in die Südsee aufbrechen will, ruft ihn eine Nachricht zurück nach Norwegen. Mit offenen Armen werden die jungen Ordals dort nicht empfangen. Und als ein Unglück geschieht und Olaf stirbt, verschlechtert sich für Clara und Paul die Situation zusätzlich. Denn sie befinden sich nicht nur in einem unbekanntes Land, sondern sehen sich zudem Menschen gegenüber, die sie nicht willkommen heißen und akzeptieren wollen, ja sogar vehement ablehnen. Doch bei aller Verzweiflung gibt es auch Lichtblicke...

Im Gegensatz zu Clara ist Sofie als Tochter des Bergwerkdirektors Ivar Svartstein in ein privilegiertes, sorgenfreies Leben hineingeboren. Sie möchte sich nicht mit ihrem vorbestimmten Schicksal als Frau abfinden und nutzt jede Gelegenheit, ihrer Welt zu entfliehen, auch um ihren Wissensdurst und ihre Neugier zu stillen. Sie glaubt daran, dass in einer Ehe Zuneigung zärtliche Gefühle herrschen können und dass eine Liebesheirat keine romantische Utopie sein muss, sondern wahr sein kann. Jedoch das Schicksal macht keinesfalls vor Sofies Familie nicht halt, und Sofie verliert ihre geliebte Mutter bei der Geburt des erhofften Sohnes. Bei deren Eltern findet sie liebevolle Aufnahme, Verständnis und Zuspruch. Gestärkt beschreitet sie neue Wege, findet Erfüllung in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Bibliothekarin, engagiert sich für ein Theaterstück und scheint die Liebe zu entdecken...

Christine Kabus verfügt über eine einprägsame Art des Schreibens, die es dem Leser möglich macht, eine Geschichte so zu erleben, als wäre er unmittelbar vor Ort, obwohl einem das Land und die Menschen eigentlich völlig fremd erscheinen. Ihre ausführliche Recherche des historischen, politischen und gesellschaftlichen Hintergrundes fügt sich gekonnt in die Geschichte ein, ohne ausufernd zu sein. Sie schafft es, mit bildhaften und intensiven Beschreibungen, detaillierte Vorstellungen beim Leser zu erzeugen.

Eine weitere Stärke der Autorin sind die differenziert ausgearbeiteten Figuren. Sie wirken natürlich, lebensnah und glaubwürdig und haben viel Raum, sich zu entfalten und zu entwickeln.

Im Mittelpunkt stehen natürlich Clara und Sofie.

Anfänglich ist der sanftmütige Clara ihr neues Leben an der Seite von Olaf immer noch ein wenig unheimlich, und es fällt ihr nach wie vor schwer, unbefangen damit umzugehen, dass sie durch ihre Heirat zur "besseren"Gesellschaft aufgestiegen ist. Sie sieht dieses Leben nicht als selbstverständlich an. Deshalb ist ihre Verzweiflung nach dem Tod von Olaf deutlich spürbar. Sie sorgt sich um die nunmehr fehlende Geborgenheit und Sicherheit. Aber mit der Zeit wächst sie über sich hinaus und kann sich davon lösen, ohne Olaf den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen zu sein. Etwas, was in ihrem bisherigen Leben bisher nicht hatte, verfestigt sich, die Gewissheit, dass sie mehr zustande bringen und aushalten kann, als sie sich je zutraute.

Sofie ist 19 und gilt in den Augen einiger Mitmenschen als verschlossen, grüblerisch und widerborstig. Dabei verfügt sie über einen scharfsinnigen Verstand, der sie erkennen lässt, dass die bigotten Ansichten, scharfzüngigen Verurteilungen und engstirnigen Normvorstellungen mancher braver Bürger nicht nur amüsant, sondern unangenehm sind, weil sie durchaus den guten Ruf eines unbescholtenen Mitmenschen vernichten und dem Betroffenen das Leben zur Hölle machen können. Zwar ist auch Sofie nicht frei von Vorurteilen, andererseits es ist ihr möglich, dies selbst zu erkennen und aus ihren eigenen Fehlern zu lernen.

Neben den beiden Frauen vermögen auch die anderen Charaktere zu überzeugen. Während einige wie Paul, Bodil, Per, Mathis und Frau Olsson sofort begeistert aufgenommen werden, rufen andere - beispielsweise Sofies Schwester Silje - durchaus Unbehagen hervor. Daneben gibt es Figuren wie Ivar Svartstein, der nicht unbedingt ins positive Licht gerückt wird, bei dem keinesfalls nur negative Eigenschaften vorherrschen. Hier ist der Autorin eine anschauliche Mischung gelungen.

Christine Kabus überzeugt mit einer Geschichte voller Möglichkeiten und Entwicklungen, mischt diese mit dem Gegebenheiten Norwegens und füllt sie mit beeindruckenden Menschen, die in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 10.10.2018

Ein gefährliches Abenteuer

Der goldene Zahn
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Pero und Tomaž, zwei Sechzehnjährige, die in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana zu Hause sind, verbringen ihre Freizeit nicht wie andere Teenager. Vielmehr sind sie Kletterer und stellen sich immer wieder ...

Pero und Tomaž, zwei Sechzehnjährige, die in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana zu Hause sind, verbringen ihre Freizeit nicht wie andere Teenager. Vielmehr sind sie Kletterer und stellen sich immer wieder neuen Herausforderungen. An einem der letzten Wochenende in den Ferien wollen sie die Loska-Stena-Wand in den Julischen Alpen erklimmen und fahren deshalb gemeinsam mit Tina, Tomaž' Schwester, nach Kranjska Gora. Auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel, Log pod Mangartom, der am Fuße der Wand gelegenen Siedlung, finden sie erst in Franko und seinem klapprigen Gefährt die passende Mitfahrgelegenheit.

Bevor ihr eigentliche Klettertour beginnt, hören sie im Gasthaus, wie ein alter Mann, der sich als Großvater von Franko entpuppt, von einem riesigen Goldschatz erzählt. Diesen hatten der ehemalige Bergmann und sein Freund Mlekuž einst in der Mine gefunden und dann in einer Höhle, die sie auf der Jagd nach einer Gämse entdeckten, versteckt. Die Tragik der Geschichte: Mlekuž blieb in der Höhle verschüttet zurück, und der Großvater glaubt, ihn jeden Abend schreien zu hören, was erst enden würde, wenn er ein Grab bekäme.

Nach einer Nacht im Freien besteigen die Jungen die Wand und stellen fest, dass neben den bekannten zwölf Höhlen tatsächlich eine versteckte dreizehnte existiert, in der sie einen goldenen Schimmer bemerken. Haben sie den „Goldenen Zahn“ gesichtet? Doch noch verschwenden die beiden keinen weiteren Gedanken daran. Erst als sie bei ihrer Heimkehr in ihrem Verein erfahren, dass sie für eine Tour in den Himalaya 2000 Euro benötigen, wollen sie die Höhle mit dem Gold suchen. Sie ahnen nicht, dass aus einem unbeschwerten Kletterausflug ein lebensbedrohliches Abenteuer wird. Denn sie sind nicht allein hinter dem Gold her...


Tadej Golob dürfte in Deutschland eher unbekannt sein. Der Slowene, Jahrgang 1967, arbeitete bereits während seines Journalistikstudiums in Ljubljana bei der Sportredaktion des nationalen Fernsehens. Später war er Redakteur und schrieb unter anderem Kolumnen für den Playboy. 2001 nahm Golob an einer Expedition in den Himalaya teil und bestieg den Mount Everest. Sein Roman „Svinjske nogice“ erhielt 2010 den Preis für den besten slowenischen Roman des Jahres.

„Der goldene Zahn“ ist Tadej Golobs erstes Jugendbuch und offenbart sich als facettenreiches Abenteuer, das nicht nur Jungen und Mädchen, sondern auch Erwachsenen Lesefreude beschert. Der Autor überzeugt nämlich mit einem anständigen Thriller, in dem der ausgeklügelte Plot durch glaubwürdig agierende Protagonisten ergänzt wird.

Golob verwendet die ihm gegebenen Möglichkeiten geschickt, als Bergsteiger weiß er, wovon er schreibt. Der Autor konzentriert sich auf das Wesentliche und ist dadurch in der Lage, langsam, aber kontinuierlich Spannung aufzubauen. Mit detaillierten Beschreibungen lässt er die slowenischen Berge vor dem Auge des Lesers erstehen und bringt ihn mitten hinein ins Geschehen:

„Pero ließ seine Augen über die Wand wandern. Der östliche Teil verbarg sich hinter einem Berg, der wie ein Schiffsschnabel aus diesem auf den ersten Blick monolithischen Massiv herausragte. Erst wenn man die Wand genauer betrachtete, konnte man erkennen, dass sie aus einer Kette einzelner Felsen bestand, die aus dem Boden schossen und sich von links und rechts symmetrisch um einen zentralen Pfeiler wanden, der zu ihrem höchsten Gipfel strebte. In den steilen, hellen Platten des oberen Teils zeichneten sich mehrere Höhlen ab. Diese schwarzen Löcher verliehen der Wand ein lebendiges Aussehen. Sie sah aus wie ein Gesicht mit einem von Zahnlücken durchsetzten Grinsen. Unterhalb des Gipfels verlor sich der Pfeiler in offenbar feuchten, dunklen Nischen und Dächern."

Der Autor verschafft nicht nur seinen Helden das eine oder andere Mal Angst und Schrecken, sondern auch der Leser darf lebhaft daran teilhaben. Insgesamt lotet Golob die Empfindungen seiner jugendlichen Protagonisten aus, er schont sie nicht, thematisiert wichtige Begriffe wie den Sinn des Lebens, Loyalität und Ehrlichkeit, Vertrauen und Freundschaft.

Einziges Manko: Es fehlt eine Karte zur Orientierung.

Ansonsten ist „Der goldene Zahn“ ein Buch für Jungen und Mädchen jeglichen Alters, Kletterer und Nichtkletterer, Freunde von intelligenten Gämsen und all jene, die endlich den Unterschied zwischen Auerhahn und Birkhahn lernen wollen. Denn Humor findet sich in der Geschichte ebenfalls...

Veröffentlicht am 09.10.2018

Honig aufs Herz

Honig aufs Herz
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Evryn ist ein Mädchen schneller Endscheidungen. Als ihr nicht unvermögender Freund fremdanbandelt, verlässt sie seine Villa und zieht in ihre winzige New Yorker Detektei, um unmittelbar darauf festzustellen, ...

Evryn ist ein Mädchen schneller Endscheidungen. Als ihr nicht unvermögender Freund fremdanbandelt, verlässt sie seine Villa und zieht in ihre winzige New Yorker Detektei, um unmittelbar darauf festzustellen, dass ihr Vermieter kurz zuvor die über ihr liegende Wohnung an Nikolaj, einem unvergleichlich attraktiven Taxifahrer, vergeben hat, dem Evy als Erstes versehentlich die Tür an die Nase schlägt.

Evy fügt sich in ihr Los. Auch wenn sie begreift, wie sorglos sie bislang leben konnte – fünf Jahre mit einem Playboy sind dann doch genug. Und mit dem lukrativen Auftrag einer reichen Russin sieht sie Licht am Ende des Tunnels. Leider bedeutet lukrativ nicht gleichermaßen unbedenklich, denn es dauert nicht lange, und Evy steckt mitten drin in Mord, Intrigen und jeder Menge Geheimnissen. Obwohl sie glaubt, sich auf ihr Gespür als brillante Detektivin verlassen zu können, braucht sie einen Partner, und als der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt erweist sich Nicolaj.

Dabei ist der Mann selbst ein einziges Rätsel. Selbst als sich Evy und Nic näher kommen, kann sie nicht hinter seine Fassade blicken. Eins wird allerdings bald klar: Ein langweiliger oder gar harmloser Taxifahrer ist der Mann auf keinen Fall…


Mit „Honig aufs Herz“ hat Moni Kaspers eine leidenschaftliche Liebesgeschichte geschrieben, die voller Leben steckt und in der Romantik und Thriller eine Symbiose eingehen.

Die mit hinreißender Emotionalität, aus der jeweiligen Sicht von Evy und Nic erzählte Geschichte hat einen angenehmen Klang und überzeugt neben der Darstellung der intensiven Gefühlswelt der Protagonisten mit einer stringenten Handlung und anschaulichen Bildern. Lediglich die Transliteration der kyrillischen Buchstaben fällt dagegen ab, hier wäre die Verwendung des russischen Originals einfach passender gewesen. Ansonsten punktet das Geschehen mit stetig wachsendem Spannungstempo, erotischen und zu Herzen gehenden Szenen sowie durchaus überraschenden und heiteren Momenten.

Ein starkes Plus sind die beiden Hauptfiguren.

Evy zeigt sich als ungeschickte und ein bisschen verrückte, zugleich liebenswerte Person mit dem Herz am rechten Fleck. Sie handelt manchmal spontan und unüberlegt, gibt hingegen nicht auf und hält trotz aller Enttäuschungen an ihren Träumen fest. Während Schwester und Mutter sie überzeugen wollen, wie falsch es gewesen ist, das Luxusleben an der Brians Seite zurückzulassen, steht sie zu ihrem eingeschlagenen Weg und beweist Rückgrat, auch als ihr bewusst wird, dass Durcheinander, Aufregung und Gefahren auf sie warten.

Während Evy offenen Gemüts ist, bevorzugt Nic als hauptsächliche Art der Kommunikation Schweigen. Es ist unschwer zu erkennen, dass er eine Bürde trägt, die ihn zu jenem unnahbaren Mann mit Seelenpein macht, als den Evy ihn kennenlernt. Er will niemand mehr sein, für niemanden, weil das Leben, so wie er es einst hatte, ihm genommen wurde. Und sowieso würde die Zeit keine Wunden heilen, seine zumindest nicht.

Es bedarf des Anstoßes dieses quirligen Rotschopfes, damit sich nach und nach die schockierenden Hintergründe, bitteren Erinnerungen, Alpträume und Ängste, die Nic quälen, offenbaren. Hier beweisen sich Geduld, Verständnis, Mut und Kraft von Evy, die trotz aller erschütternden Nachrichten an der Liebe zu Nic festhält, so dass er sich innerhalb kürzester Zeit einfach wohl, ja sogar zufrieden in ihrer Gegenwart fühlt und sich „Honig aufs Herz“ legt...