Cozy Urban-Fantasy-Serie
„Eingependelt und ausgetrickst“ ist Teil drei der soften Urban-Fantasy-Serie „Abra Kandelabra“ und führt die Geschehnisse des Vorgängers fort.
Zwei Monate dauerte die Suche nach dem Grimoire, welches ...
„Eingependelt und ausgetrickst“ ist Teil drei der soften Urban-Fantasy-Serie „Abra Kandelabra“ und führt die Geschehnisse des Vorgängers fort.
Zwei Monate dauerte die Suche nach dem Grimoire, welches die FreundInnen benötigen, um Vinz von seinem Familienfluch zu befreien. Nun gilt es, fünf spezifische Artefakte aufzuspüren, und das erste ist ein Pendel. Gut, dass es davon ja nur ungefähr tausend gibt …
In diesem Band überrascht Jamie Enderlein mit einem Perspektivwechsel, so führt uns neben der Normalsterblichen Amelia jetzt der Halb-Hexer-Halb-Fae Chrys durch die Handlung. Dies gibt nicht nur der Story Antrieb, sondern dem Musicaldarsteller Kontur – denn Chrys steckt in einer emotional fordernden Situation, die sein schauspielerisches Talent auch außerhalb der Bühne in Anspruch nimmt. Zwischen seinen beiden Jobs, den Vorurteilen, die ihm aufgrund seiner S*xualität und seiner Abstammung entgegenwehen, seiner verpönten Freundschaft mit der verstoßenen Quinn, seinen Gefühlen für einen Gestaltwandler und dem Fluch, dessen Ursprung es zu ergründen und den es zu brechen gilt, hat der charismatische MA-Agent kaum Zeit, zur Ruhe zu kommen. Und als hätte der eingeschworene Freundeskreis nicht bereits mit genügend Unklarheiten und Fragen zu kämpfen, bringt Chrys noch eigene Geheimnisse mit – und geht für ihr Ziel Risiken ein.
Amelia, die noch immer mit Unsicherheit, jedoch auch mit Frische auf die magischen Gegebenheiten, in deren Strukturen sie verbotenerweise immer tiefer versinkt, blickt, kommt nicht umhin, Chrys Veränderungen zu bemerken, hört ihm zu, fängt ihn auf. Diese junge Frau ist mit ihrer offenen, unvoreingenommenen Art, mit Humor und Herzlichkeit eine wirklich tolle Figur. Zwischen ihr und Rikarda knistert es definitiv nicht mehr nur vor Ärger – und vielleicht hat das ja selbst die harsche Tätowiererin mittlerweile eingesehen …
Ob es Amelia gelingt, ihren Freund davon zu überzeugen, Korbi seine Gefühle zu gestehen, oder hält ihn die Angst, sich noch weiter von seiner Familie zu entfernen, davon ab? Und wo zur Hölle ist dieses vermaledeite Pendel?
Enderlein nimmt sich Zeit, um auf die Protagonisten, ihre individuellen Struggel und die ins Taumeln geratene Dynamik der Gruppe einzugehen. Konflikte, Diskussionen und Unsicherheiten gibt's zumindest zur Genüge. Als LeserIn wird man Teil von Chrys innerem Zwiespalt, von Sorgen, unguten Vorahnungen und aufwallenden Diskrepanzen, von unerwarteten Bündnissen und allerhand Chaos.
Die Nebenfiguren sind Randerscheinungen, jedoch stimmig und aufgrund der sechs FreundInnen ausreichend integriert – ich hoffe aber auf ein Wiedersehen mit Jerry. Abgesehen von der – durchaus unterhaltsamen – Suche nach DEM Pendel bekamen auch das Theater und Blicke hinter die Kulisse Aufmerksamkeit. Der namensgebende Esoterikladen fungiert zwar mittlerweile nicht mehr als Haupthandlungsort, dennoch verströmt jeder Aufenthalt eine gemütliche Atmosphäre. Insgesamt folgen wir dem Verlauf in einem Ton, der uns die Ereignisse vorstellbar darlegt, wenn auch weiterhin Längen vorzufinden sind. Hier und da fehlt es mir einfach an Schwung und Spannung.
Besonders interessant fand ich das Ergründen von Chrys Persönlichkeit und seinen Problemen sowie die Abschnitte, die sich effektiv der Fluchlösung widmen. Immerhin ist es schmerzlich-skurril, dass Quinn und Vinz weiterhin jede (körperliche) Annäherung verwehrt wird …
Am Ende sind Korbinian und Chrys, Quinn, Vinz, Amelia und Rikarda ihrem Ziel, wenn auch durch waghalsige Umwege, fragwürdige Tipps und meterhohe Hürden, nicht ohne Misstrauen gegen Obige, ein Stück näher – doch prompt scheint es, als wäre ihre nächste Aufgabe weitaus schwieriger. …