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Veröffentlicht am 19.03.2026

Bewegender Roman

Lautlos fallen wir
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“Und doch weiß ich: Wenn ich falle, wird er da sein. Nicht um mich zu richten, sondern um mich aufzufangen.”

„Lautlos fallen wir“ ist eine Erinnerung daran, dass die größten Liebesgeschichten selten die ...

“Und doch weiß ich: Wenn ich falle, wird er da sein. Nicht um mich zu richten, sondern um mich aufzufangen.”

„Lautlos fallen wir“ ist eine Erinnerung daran, dass die größten Liebesgeschichten selten die romantischen, selten die klassischen sind, eine Erinnerung daran, dass es manchmal kein Morgen gibt und nur das Jetzt zählt.

Maelia und Elira waren unzertrennlich, bis ihre Mutter eine Diagnose erhielt, die die Kindheit der beiden beendete und weitaus mehr aus den Fugen brachte als nur die Zwillinge.
Während Elira begann, zumindest das zu kontrollieren, was in ihrer Macht steht, Höchstleistungen zu bringen, nichts anderes als Ordnung und Perfektion, stetig weniger, Hauptsache keine Last wurde, und dabei immer mehr von sich, der Lebenslust, ihrer Freundlichkeit verlor, innerlich erfror, sah Mae hin, sah alles, und rettete sich selbst. Bei ihrer Tante und ihrem Onkel baute sich die Künstlerin etwas Neues auf – doch die Vorwürfe in ihrem Kopf, die Schuld in ihrem Magen, blieben. Aber nie hätte sie in London weilen, verwelken, können, dazu verdammt, tatenlos auszuhalten.

Heute arbeitet Elira in einer angesagten Eventfirma, fokussiert darauf, die Beste zu sein, effizient, nahe bei ihren Eltern und im Kopf doch weit weg. Als sie Noel kennenlernt, versucht die 21-Jährige gerade, ihren letzten emotionalen Fauxpas mit einem Bolzenschneider von der Brücke zu lösen, nicht ahnend, dass der aufmerksame Fotograf fortan Präsenz erhält, vor den Eisentüren ihrer Festung ausharrt, geduldig. Nur langsam schafft es die junge Frau, ihn an sich heranzulassen, wieder zu lächeln, einen Schritt in das bunte Treiben zu wagen. Bis ihr das Schicksal erneut einen Tiefschlag erteilt.
Und noch einen. Und noch einen.

Indes begann Maelia in Zürich eine Ausbildung bei einem Tätowierer, der ihren Input, ihr Talent und ihre Person schätzt. Auch Hannah begleitet ihr Neufinden in der Schweiz mit freundschaftlichem Rückhalt. Abgesehen von seltenen Telefonaten mit ihren Eltern hat Mae London hinter sich gelassen, nur nicht den Schmerz, nicht die Sehnsucht nach dem einen Menschen, der sie komplettiert. Erst die Tragik, der Zeitdruck, der Wunsch, doch noch da zu sein, drängen sie in den Flieger …

„Lautlos fallen wir“ ist so leise wie lärmend, ebenso ruhig wie tosend. Jessica Juni lässt uns aus den Perspektiven der Schwestern in die aktuellen Geschehnisse eintauchen, durchbrochen von Rückblenden, die ihre intensive Verbindung und den Wandel der Familie belegen – den Rückzug des Vaters, das Verblassen von Elira, Maelias Reaktion, die Distanz, die sich breitmacht, die Wut. In der Gegenwart bereichert Noel hin und wieder den Verlauf mit seiner zarten Hoffnung auf mehr. Der Künstler war Ruhe, Geduld, war Grenzen wahren und Halt geben. Es ist ein Missverständnis, das Elira zurücktreibt, fort von ihm, in das dichte Chaos ihrer selbst …

Die Autorin setzt auf Authentizität und Poesie, auf (Ein)Dringlichkeit und Intensität, während sie von Loslassen und Weitergehen, den Hürden des Lebens, den Abschieden und Neuanfängen erzählt; von Trauer um die, die noch atmen, und um die, die gegangen sind. Verlustschmerz – bevor etwas verloren ist. Selbstschutz – wenn niemand anderes dich schützt. Hass, Schuld, Reue, Angst … Dieser New-Adult-Roman hat so unglaublich viele Facetten zu bieten, so tiefe Nuancen, treffen wir doch auf relevante Themen, reale Probleme, eine Bandbreite an Empfindungen und Gedanken, mit denen es sich identifizieren lässt, vor denen niemand sicher ist. Um die bewegenden Umstände, in denen sich die Schwestern verloren, ihr Wachsen und Ausharren, die sich im Sturm entwickelnden Persönlichkeiten und die Erkenntnisse, die manchmal erst mit der Tragik kommen, konzipierte die Autorin eine Geschichte voller Bilder und Emotionen. Dramatisch, wendungsreich, erschütternd. Denn nichts kommt, wie vermutet.

Mit wie viel Einfühlungsvermögen Jessica einzelne Punkte behandelt hat, ohne zu romantisieren, fand ich zusätzlich zur mitnehmenden Handlung und der stilistischen Leistung hervorragend: Beispielsweise kam anhand der Familie Frey der individuelle Umgang mit diversen Schwierigkeiten und die Dringlichkeit von Abgrenzung greifbar zur Geltung. Auch Elis Essstörung – inklusive ihres Dranges nach Kontrolle – erhielt Substanz, fernab vom Klischee, bekam Tiefe und wurde nach und nach genauso aufbereitet wie einige angestaute Konflikte. Ich fand mich in einigen der geschilderten Gedanken, Situationen und Empfindungen wieder, war gerührt, verstand. Litt. Und Noel? Der fungiert nicht als Ritter, nicht als hedonische Green Flag, sondern als »Ich bin da, wenn du willst!«. Denn keine Liebe der Welt – nicht die der Schwester, nicht die der Eltern oder der Kinder, nicht die romantische oder die freundschaftliche – kann eine psychische Erkrankung heilen, kann sie ausradieren. Juni bindet Therapie und den eigenen Willen gleichsam stark ein wie die Angst, zu viel zu sein, verlassen zu werden. Wie den Wunsch, endlich wieder mehr zu sein.
In Kombination mit der oft melancholischen Stimmung, der Traurigkeit in den Worten, der unterschwelligen Sorge, die von Kapitel zu Kapitel drängender, nur selten von Hoffnungsschimmern und Leichtigkeit abgelöst wird, entfaltet „Lautlos fallen wir“ eine nicht beschreibbare Wirkung, hinterlässt etwas, das bittersüß schmeckt, hallt nach. Laut. Manche Ereignisse und Wahrheiten tun weh, manches erschüttert, doch all das fügt sich perfekt in diesen lebensechten, tränennassen Roman.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Trotz Schwächen eine interessante Story

Evil Elite – Der Kodex der Ehre
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„Ist ein Mensch ein Monster, nur weil er einer Welt voller Monster entsprungen ist?“

Nach den Weihnachtsferien gerät das Leben von Francesca Sorrentino, der Tochter eines gnadenlosen Mafiosos, immer weiter ...

„Ist ein Mensch ein Monster, nur weil er einer Welt voller Monster entsprungen ist?“

Nach den Weihnachtsferien gerät das Leben von Francesca Sorrentino, der Tochter eines gnadenlosen Mafiosos, immer weiter aus dem Gleichgewicht: Ihr Vater schickt sie nicht nur mit einem gewagten Auftrag zurück nach Fort Rock, sondern auch mitsamt ihres Bruders, der zu unberechenbaren Persönlichkeitswechseln neigt. Aber als wären Mission Harmonika und Charlies Handhabe nicht schon genug, um das sich die Teenagerin während ihrer knapp bemessenen Freizeit in der elitären und hoch gesicherten Universität kümmern muss, soll sie unter allen Umständen den zweiten Neuzugang meiden: Hector Olmeda. Der Sohn des Mannes, den ihre Familie vor knapp zehn Jahren hinter Gitter befördert hat. Liegt sein plötzliches Auftauchen vielleicht in Rache begründet? Oder will er das Werk von El Tigre selbst beenden? Was auch immer hinter seinem Schulwechsel liegt, Frankie ist bereit. Ist sie doch diejenige, deren Herz nach Vergeltung dürstet.
Als sie plötzlich mysteriöse Nachrichten erhält und die Parallelen zu einem noch frischen Vermisstenfall größer werden, braucht Frankie Hilfe von dem Jungen, der ihr bei jeder Begegnung verdeutlicht, wie falsch das alles – dieses Leben, dieser Name, diese Bürde – ist. Mit ausgewählten Verbündeten kommen die beiden etwas auf die Spur, dass selbst Iggy den Eisernen aus der Fassung bringt und richtungsweisend für den gefährlichen Weg von Frankie und Hector ist.

„Evil Elite“ ist ein Dark-Academia-Suspense-Jugendroman von Aline Atman, der uns nach Fort Rock bringt, eine fast unmöglich einzunehmende Schule, eingebettet in die Kaskadenkette nahe der kanadischen Grenze. Hier lernen die Nachkömmlinge der berüchtigtsten Mafia-Clans ihr Handwerk, um eines Tages das Familiengeschäft fortführen zu können. Am besten, ohne im Knast zu landen. In Frankies Welt stehen Treue und Loyalität zum eigenen Fleisch und Blut über allem. Nur, dass Tommaso und seine Meute nicht ihr Fleisch und Blut sind …

Wir werden einzig aus der Sicht von Francesca durch das Geschehen geführt, erhaschen einen Blick in den strukturierten Alltag, den Unterricht und auf die SchülerInnen sowie die Lehrkräfte der Akademie. Diesen Aspekt fand ich interessant und die Idee originell. Jedoch wirkten nur wenige der Figuren, als gehörten sie in ein System, das von Kaltblütigkeit lebt, bar jeglicher Skrupel ist. Dennoch treffen wir auf findige Nachwuchs-Kriminelle, allen voran E.J. und Nastya, die Frankie nicht nur bei der Suche nach ‘Stalker-Shakespeare’ zur Seite stehen, sondern der misstrauischen Einzelgängerin ein Gefühl von Freundschaft und Zusammenhalt vermitteln. Ohne diese und andere Genies des zukünftigen organisierten Verbrechens wäre Frankie zudem niemals so weit gekommen … Hector, seine Intentionen, sein wahres Wesen, blieben lange im Dunkeln, doch der gutaussehende Mexikaner überraschte. Ein ums andere Mal. Schnell wird Francesca sich der Tatsache bewusst, dass sie Hector nicht für die Taten anderer verurteilen kann, dass sie ihn nicht hassen kann. Durch El Tigres Sohn hinterfragt Sorrentino die Strukturen, denen sie sich angepasst, die Regeln, denen sie sich gefügt hat. Untersucht die Werte, die Tommaso ihr eintrichterte, und die Zukunft, die vor ihr liegen soll. Wir werden mit Zorn und Wut ob all der Ungerechtigkeiten konfrontiert, mit Verzweiflung und nie verjährtem Verlust, mit einer Perspektive, die von Gewalt geprägt sein wird, von blutigen Händen. Doch wie soll die gebürtige Irin dem entkommen, was niemals ihr Schicksal hätte sein sollen?

Während die Clique den Zettelbotschaften und dem Verschwinden von Solana Garcia nachgeht, sich in riskante Manöver stürzt, ist es Charlie, der mit seiner wankelmütigen, penetranten Art für Gefahr sorgt. Und Hector, der Frankie mit Wahrheiten konfrontiert, die alles ändern, die zehn Jahre Dankbarkeit über ihr zusammenbrechen lassen.

Aline Atmans Stil ist verständlich und schnörkellos, wenn auch einige Formulierungen hier und da unrund schienen und so manch Gedanke/Erkenntnis aus einem Phrasen-Kalenderblatt stammen könnte.
Das Setting, dem eine beklemmende, dunkle Atmosphäre anhaftet, kam vorstellbar zur Geltung und auch die von Vorsicht durchzogene Stimmung war präsent. Frankies Entwicklung wurde griffig herausgearbeitet, genau wie ihr Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Der Enemies-to-Lovers-Romance sowie der Forbidden-Love fehlte es jedoch an Rivalitäten, an Konflikten, an Dramatik. So wirkte diese Komponente sehr einfach, dabei war das Ende richtig cool. Die relevanten Nebencharaktere bekamen ihre Rollen, waren gut integriert und brachten öfter Kreativität, Hirn und Humor ein. Besonders fand ich, dass diese Geschichte die eigenen Familienbande- und erwartungen sowie die Moral- und Wertvorstellungen infrage stellen lässt. Die Aussage, dass Monster nicht geboren, sondern erzogen werden, und sich jeder Mensch mit seinen Entscheidungen täglich neu positioniert, schwingt subtil mit.

Obwohl sich das Buch insgesamt unterhaltsam gestaltet, es der Handlung nicht an Gefühl, Zwiespälten und Twists mangelt, tritt die Storyline häufig auf der Stelle, dreht sich im Kreis. Einige Male hatte ich den Eindruck, dass nicht nur Frankie ihr Ziel aus den Augen verliert, sondern sich auch die Autorin in den sich stets vermehrenden „Hürden/Aufgaben/Verdächtigen“ verstrickt.
Ich habe über eine Woche gebraucht, um das Buch zu beenden, dabei lese ich 445 Seiten sonst binnen zwei Tagen. „Evil Elite“ ist definitiv nicht schlecht, basiert auf einer interessanten Idee, regt zum Nachdenken an, aber geizt an Tempo, an Spannung(en), Konsequenz und Fokus.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Mangelhaftes Worldbuilding, loses Ende

Steingladiole. Erde vergisst nie
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„Steingladiole. Erde vergisst nie.“ ist wider Erwarten nicht das Finale über „Die Bücher der Macht“, sondern lediglich Band drei, der auch gut als zweiter hätte durchgehen können. Denn erst jetzt erhielt ...

„Steingladiole. Erde vergisst nie.“ ist wider Erwarten nicht das Finale über „Die Bücher der Macht“, sondern lediglich Band drei, der auch gut als zweiter hätte durchgehen können. Denn erst jetzt erhielt der Plot – nach den eher schwammigen und monotonen Vorgängern – mehr Schwung und Tiefe, bekam Abwechslung und schien voranzukommen, wenn auch weiterhin vieles unklar bleibt. Gerade in Sachen Worldbuilding hätte ich mir mittlerweile mehr Substanz erhofft.

Liza Grimm führt die Geschehnisse aus „Feuerlilie“ fort – Nara wurde entführt und Katso bleibt nichts anderes übrig, als in Lort auszuharren, ruhelos. Immer wieder treten Gerüchte an den Sonnengebundenen heran, die sich um ihn als potenziellen Verdächtigen ranken und um Nara, die freiwillig mit der vermutlich rebellischen Gruppierung gegangen sein soll.
Aber die sanfte Mondgebundene eine Mitwisserin und Verräterin jenes Systems, das das ganze Land vor einem Krieg bewahrt?
Unvorstellbar.

Indes muss sich Nara in Geduld üben, mit Bedacht vorgehen, das Vertrauen ihrer EntführerInnen gewinnen und dabei ihre Enttäuschung, ihre Wut ob all der verlorenen Jahre, der Täuschungen verbergen. Durch die Gesandte aus Kori entdecken und erleben wir bisher unbekannte Gefilde der hier geschaffenen Welt, werfen vorgefertigte Meinungen über Bord, werden zum Umdenken gebracht. Zum Verstehen. Gleichzeitig sorgt ihre Perspektive für ein unbestimmtes Gefühl von Gefahr, entfacht Vorsicht. Denn haben wir bereits in der Academy und in Lort mit Intrigen und perfiden Plänen zu ringen, mit Missgunst und Zwietracht, mit der Frage, wer welches Ziel verfolgt, so treffen wir nun auf weitere undurchsichtige Figuren mit fragwürdigen Intentionen.
Dass sich Nara den Umständen und ihrem emotionalen Aufruhr, der Ungewissheit darüber, was mit ihr geschieht und welche Rolle sie spielt, zum Trotz respektvoll – Mensch, Magie, Natur und Tier gegenüber – und einfühlsam zeigt, macht sie zu einem eindrucksvollen Charakter, der selbst im Auge tosender Stürme Ruhe ausstrahlt, etwas Sanftes, und doch nicht schwächelt.

Obgleich seiner Sorgen und Selbstzweifel kann sich auch Katso dem Neuen, das auf ihn einprasselt, nicht entziehen: Tatsachen und Offenbarungen, die alles verändern, samt Ungereimtheiten und nagenden Fragen, die ihn immer wieder straucheln lassen. In diesem Teil kommt der introvertierte, vorsichtige Sonnengebundene endlich der komplizierten Verbindung zu seinem Seelenbuch auf die Spur, kommt der Erfüllung seiner heimlichen, verbotenen Vereinbarung nach und schließt Bündnisse, gar Freundschaften. Und hat weiterhin die Ehre, Anwärter des „Rituals des Lichts“ zu sein. Doch zu welchem Preis?

Wieder verfolgen wir aus der Sicht dieser beiden die Geschehnisse und fiebern durch sie der sich zuspitzenden Situation entgegen, gehen mit Nara und Katso unterschiedlichen Geheimnissen und Hintergründen auf den Grund und finden Puzzlestücke, die das Bild klarer erscheinen lassen. Zwar sind auch andere Figuren schemenhaft involviert, doch hauptsächlich bereichern Kaya, Pulta, Tris und Eurini den Verlauf, wobei Grimm es schafft, dass niemand ohne Misstrauen betrachtet werden kann. Die „gesichtslose Fußnote“ meldet sich seltener zu Wort, sorgt aber des Öfteren für ungute Vorahnungen, während der Wettkampf und die Magie weiterhin eine enttäuschende Komponente mimen.

Im Vergleich zu „Eislotus. Wasser findet seinen Weg.“ und „Feuerlilie. Asche spendet Leben.“ ist „Steingladiole. Erde vergisst nie.“ insgesamt spannender, unterhaltsamer und interessanter. Der bisher im Stillen brodelnde, sich langsam aufbauende Konflikt zwischen den Ländern und einzelnen Gruppierungen tritt immer mehr an die Oberfläche und auch die gesellschaftskritischen Themen werden genauer konturiert. Lizas Stil ist einfach zu lesen und zu verstehen, wird der anvisierten Komplexität mMn aber nicht gerecht. Ein wenig mehr Raffinesse, mehr Anspruch hätten der Geschichte gutgetan. Dafür kam das Setting bildreich zur Geltung und auch die Gefühle und moralischen Zwiespälte der Protagonisten, ihre Veränderungen und Einsichten wurden wiederholt griffig inszeniert. Außerdem gewinnt die Serie mit Tashi einen tierischen Sidekick.

Band drei über die „Bücher der Macht“ holt Unbequemes ans Licht, lässt die Überzeugungen und den Glauben der Elementgesandten wanken, stellt das bisher verehrte System, blinde Loyalität und die eigenen Motivationen infrage. Katso und Nara müssen sich entscheiden, ob sie jetzt, wo sie hingesehen haben, die Augen wieder schließen, einfach weitermachen, den bekannten Weg gehen können oder ob sie bereit sind, aktiv einem riskanten, opferfordernden Wandel beizuwohnen. Was sind ihnen die Freiheit und die Selbstbestimmung der wichtigsten Ressourcen ihrer Welt wert?

Das Ende kommt abrupt und lässt uns entweder in der Luft hängen oder … ist endgültig.
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Veröffentlicht am 13.03.2026

Die Erinnerung daran, dass die größte Liebe selten die romantische ist.

Lautlos fallen wir
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„Und doch weiß ich: Wenn ich falle, wird er da sein. Nicht um mich zu richten, sondern um mich aufzufangen.“

„Lautlos fallen wir“ ist eine Erinnerung daran, dass die größten Liebesgeschichten selten die ...

„Und doch weiß ich: Wenn ich falle, wird er da sein. Nicht um mich zu richten, sondern um mich aufzufangen.“

„Lautlos fallen wir“ ist eine Erinnerung daran, dass die größten Liebesgeschichten selten die romantischen, selten die klassischen sind, eine Erinnerung daran, dass es manchmal kein Morgen gibt und nur das Jetzt zählt.

Maelia und Elira waren unzertrennlich, bis ihre Mutter eine Diagnose erhielt, die die Kindheit der beiden beendete und weitaus mehr aus den Fugen brachte als nur die Zwillinge.
Während Elira begann, zumindest das zu kontrollieren, was in ihrer Macht steht, Höchstleistungen zu bringen, nichts anderes als Ordnung und Perfektion, stetig weniger, Hauptsache keine Last wurde, und dabei immer mehr von sich, der Lebenslust, ihrer Freundlichkeit verlor, innerlich erfror, sah Mae hin, sah alles, und rettete sich selbst. Bei ihrer Tante und ihrem Onkel baute sich die Künstlerin etwas Neues auf – doch die Vorwürfe in ihrem Kopf, die Schuld in ihrem Magen, blieben. Aber nie hätte sie in London weilen, verwelken, können, dazu verdammt, tatenlos auszuhalten.

Heute arbeitet Elira in einer angesagten Eventfirma, fokussiert darauf, die Beste zu sein, effizient, nahe bei ihren Eltern und im Kopf doch weit weg. Als sie Noel kennenlernt, versucht die 21-Jährige gerade, ihren letzten emotionalen Fauxpas mit einem Bolzenschneider von der Brücke zu lösen, nicht ahnend, dass der aufmerksame Fotograf fortan Präsenz erhält, vor den Eisentüren ihrer Festung ausharrt, geduldig. Nur langsam schafft es die junge Frau, ihn an sich heranzulassen, wieder zu lächeln, einen Schritt in das bunte Treiben zu wagen. Bis ihr das Schicksal erneut einen Tiefschlag erteilt.
Und noch einen.
Und noch einen.

Indes begann Maelia in Zürich eine Ausbildung bei einem Tätowierer, der ihren Input, ihr Talent und ihre Person schätzt. Auch Hannah begleitet ihr Neufinden in der Schweiz mit freundschaftlichem Rückhalt. Abgesehen von seltenen Telefonaten mit ihren Eltern hat Mae London hinter sich gelassen, nur nicht den Schmerz, nicht die Sehnsucht nach dem einen Menschen, der sie komplettiert. Erst die Tragik, der Zeitdruck, der Wunsch, doch noch da zu sein, drängen sie in den Flieger …

„Lautlos fallen wir“ ist so leise wie lärmend, ebenso ruhig wie tosend. Jessica Juni lässt uns aus den Perspektiven der Schwestern in die aktuellen Geschehnisse eintauchen, durchbrochen von Rückblenden, die ihre intensive Verbindung und den Wandel der Familie belegen – den Rückzug des Vaters, das Verblassen von Elira, Maelias Reaktion, die Distanz, die sich breitmacht, die Wut. In der Gegenwart bereichert Noel hin und wieder den Verlauf mit seiner zarten Hoffnung auf mehr. Der Künstler war Ruhe, Geduld, war Grenzen wahren und Halt geben. Es ist ein Missverständnis, das Elira zurücktreibt, fort von ihm, in das dichte Chaos ihrer selbst …
Die Autorin setzt auf Authentizität und Poesie, auf (Ein)Dringlichkeit und Intensität, während sie von Loslassen und Weitergehen, den Hürden des Lebens, den Abschieden und Neuanfängen erzählt; von Trauer um die, die noch atmen, und um die, die gegangen sind. Verlustschmerz – bevor etwas verloren ist. Selbstschutz – wenn niemand anderes dich schützt. Hass, Schuld, Reue, Angst …

Dieser New-Adult-Roman hat so unglaublich viele Facetten zu bieten, so tiefe Nuancen, treffen wir doch auf relevante Themen, reale Probleme, eine Bandbreite an Empfindungen und Gedanken, mit denen es sich identifizieren lässt, vor denen niemand sicher ist. Um die bewegenden Umstände, in denen sich die Schwestern verloren, ihr Wachsen und Ausharren, die sich im Sturm entwickelnden Persönlichkeiten und die Erkenntnisse, die manchmal erst mit der Tragik kommen, konzipierte die Autorin eine Geschichte voller Bilder und Emotionen. Dramatisch, wendungsreich, erschütternd. Denn nichts kommt, wie vermutet.
Mit wie viel Einfühlungsvermögen Jessica einzelne Punkte behandelt hat, ohne zu romantisieren, fand ich zusätzlich zur mitnehmenden Handlung und der stilistischen Leistung hervorragend: Beispielsweise kam anhand der Familie Frey der individuelle Umgang mit diversen Schwierigkeiten und die Dringlichkeit von Abgrenzung greifbar zur Geltung. Auch Elis Essstörung – inklusive ihres Dranges nach Kontrolle – erhielt Substanz, fernab vom Klischee, bekam Tiefe und wurde nach und nach genauso aufbereitet wie einige angestaute Konflikte. Ich fand mich in einigen der geschilderten Gedanken, Situationen und Empfindungen wieder, war gerührt, verstand. Litt. Und Noel? Der fungiert nicht als Ritter, nicht als hedonische Green Flag, sondern als »Ich bin da, wenn du willst!«. Denn keine Liebe der Welt – nicht die der Schwester, nicht die der Eltern oder der Kinder, nicht die romantische oder die freundschaftliche – kann eine psychische Erkrankung heilen, kann sie ausradieren. Juni bindet Therapie und den eigenen Willen gleichsam stark ein wie die Angst, zu viel zu sein, verlassen zu werden. Wie den Wunsch, endlich wieder mehr zu sein.
In Kombination mit der oft melancholischen Stimmung, der Traurigkeit in den Worten, der unterschwelligen Sorge, die von Kapitel zu Kapitel drängender, nur selten von Hoffnungsschimmern und Leichtigkeit abgelöst wird, entfaltet „Lautlos fallen wir“ eine nicht beschreibbare Wirkung, hinterlässt etwas, das bittersüß schmeckt, hallt nach. Laut. Manche Ereignisse und Wahrheiten tun weh, manches erschüttert, doch all das fügt sich perfekt in diesen lebensechten, tränennassen Roman.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Zumindest ist es optisch hübsch

Spellcaster
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Nachdem ich den Besuch auf der „Supernatural Academy“ hauptsächlich interessant und unterhaltsam fand, war ich sehr gespannt auf die neue außergewöhnliche Universität, die Jaymin Eve erschaffen hat. Leider ...

Nachdem ich den Besuch auf der „Supernatural Academy“ hauptsächlich interessant und unterhaltsam fand, war ich sehr gespannt auf die neue außergewöhnliche Universität, die Jaymin Eve erschaffen hat. Leider war mein Aufenthalt am „Weatherstone College“ pure Zeitverschwendung.

Wie ihre Eltern und ihre vier Geschwister hat es auch Paisley geschafft, einen Platz am renommiertesten College Amerikas zu ergattern, in der Hoffnung, hier schnell ihre bisher verborgene magische Affinität zu entdecken und das komplette Potenzial ihrer Fähigkeiten auszuschöpfen. Mithilfe ihrer Ausbildung sieht das Nesthäkchen der Hallistars einer vielversprechenden Zukunft in einem einflussreichen Zirkel entgegen. Doch schnell wird ihr erstes Schuljahr von Schwierigkeiten überschattet: Nicht nur hat sich Logan Kingston – der Sohn jenes Mannes, der ihre Familie seit einem verheerenden Ereignis abgrundtief hasst – an das Weatherstone versetzen lassen, er bekleidet auch einen Posten als Professor und gilt als einer der mächtigsten Spellcaster – selten und beängstigend – der Welt. Weitaus bedrohlicher schätzt Pais jedoch die Angriffe auf ihr Leben ein, die Monster, die nicht existieren dürften und sie im Fokus zu haben scheinen, und das beständige Gefühl, in Gefahr zu sein, welches an ihr haftet, seit sie am College ist.
Zwar sorgen diese Vorkommnisse allmählich dafür, dass die magische Gesellschaft in Aufruhr gerät und sich die Schulleitung gezwungen sieht, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, aber wer oder was auch immer der Ursprung der Monsterattacken ist, lässt sich weder abhalten noch aussperren … Währenddessen ist es gerade Logan, der seiner ehemaligen besten Freundin auf verschiedene Arten hilft …

Wir erleben das dürftig ausgearbeitete Geschehen einzig durch Paisleys Augen, und bereits das kommt der Entfaltung der Story nicht zugute. Einmal bleibt Logan trotz seiner Relevanz ein Schemen, jemand, der nur da ist, wenn die 22-jährige Rettung braucht. Andererseits fehlt es der kompletten Geschichte durch ihre naive, eindimensionale und durchweg kindliche Sicht an Ernst, Fakten, etwas Greifbarem. Wer hier eine New-Adult-Romance erwartet, wird enttäuscht werden:
„Spellcaster“ liest sich wie klischeehafte Young-Adult, dies wird durch den Ausdruck und die Gesprächsinhalte von Pais und ihren Freundinnen, den familiären Aspekt, der nur so vor Kitsch und Überdramatisierung strotzt, und die impulsiven, unverhältnismäßigen und trotzigen Reaktionen der Protagonistin bestärkt. Das Worldbuilding mutet interessant an, gar vielversprechend, doch weder die magischen Gegebenheiten, die Vielfalt der Magie noch das – oder der Unterricht am – Weatherstone College erhalten tiefergehende Betrachtung, Details und Logik. Jaymin Eve hat tatsächlich jede charakterliche und zwischenmenschliche Entwicklung übersprungen, hingegen zwar jede Recherche zu den aktuellen Ungereimtheiten und aufgeworfene Theorien angesprochen, aber nur, um diese zu übergehen und direkt zu Paisleys Monologen zu driften. Und diese wiederholen sich, drehen sich hauptsächlich um ihre Selbstzweifel, ihre herzige (in Wahrheit bevormundende und echt aufdringliche) Familie und Logan, darum, wie heiß er aussieht und wie sehr sie ihn (aus Gründen, die Paisley übrigens selbst nicht weiß!) verabscheut. Ach, und sie braucht dringend Sex.

Es war frustrierend, es war nervig, es gab keinen strigenten Plot, nichts Echtes, nichts Nachvollziehbares. Kein System, keine Aufregung. Selbst die Monster-Momente brachten keinerlei Spannung und wer auch immer diese Dilogie als „Dark-Academia“ bezeichnet hat, hat diesen Trope nicht verstanden. Die einfachen, laschen Worte standen der Erzeugung einer Atmosphäre, von Neugier, Unbehagen im Weg, konnten weder düstere Bilder malen noch die Spicy-Szenen mit Leidenschaft füllen oder gar eine feurige Dynamik wecken. „Kleines“, „Bestie“ und der inflationäre Gebrauch von „Arschloch“ passten übrigens auch nicht so richtig in das Gesamte.
Soll heißen: Stilistisch war das Ganze schwach. Wie erwähnt gab es inhaltliche, neben diesen aber auch ständige Wiederholungen von Worten und ich bezweifle stark, dass der Goldmann-Verlag die Romantasy nach der Übersetzung überhaupt an eine/n LektorIn übergab.

Die Handlung tritt, obgleich Zeit vergeht, auf der Stelle, die Nebenfiguren inklusive Logan sind nicht der Rede wert, die Familienbande so … tooomuch … und am Ende – da gab's abrupte, teilweise überraschende, nicht ganz schlüssige Entwicklungen und eine Paisley, die alles mit viel wohlwollendem Verständnis hingenommen hat.
Also: ein Flop, der seinesgleichen sucht.

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