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Veröffentlicht am 05.05.2026

Mehr seichter Spannungsroman als Thrill-Stuff

Party of Liars
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„Party of Liars: Du bist eingeladen. Auf die tödlichste Party der Saison.“ ist eine dieser Storys, in der der Klappentext ebensowenig vorweggreift, wie es Rezensionen sollten. Denn jede Andeutung über ...

„Party of Liars: Du bist eingeladen. Auf die tödlichste Party der Saison.“ ist eine dieser Storys, in der der Klappentext ebensowenig vorweggreift, wie es Rezensionen sollten. Denn jede Andeutung über die individuellen Motivationen und den Verlauf, über die Hintergründe und Wesenszüge der Beteiligten könnte zu viel sein ...

Dreh- und Angelpunkt ist der Abend der Party zu Sophies 16. Geburtstag, die in dem von Schauergeschichten umwobenen Haus ihres Vaters Ethan stattfindet. Kelsey Cox schwenkt in ihrem Thriller-Debüt zwischen diesem Ereignis, vorherigen Stunden und Tagen sowie dem "Danach", das böse Vermutungen weckt, hin und her. Zusätzlich der Zeitwechsel wird der Psychothriller aus den Perspektiven von vier Frauen erzählt:
Kim ist die Ex-Frau des fürsorglichen Vaters und die leibliche Mutter des Geburtstagskindes. Diese Feier ist für die ehemalige Tierärztin nicht mehr als eine Farce, der sie nur widerstrebend beiwohnt. Je länger der Abend, an dem sie in jenem Anwesen weilt, das einst ihr Heim war, andauert, umso mehr entgleitet Kim ihre wackelige Contenance. Indess finden immer mehr Erinnerungen und Erkennen zu ihr zurück.

Dani ist die neue Frau an Ethans Seite, kürzlich Mutter geworden und zwischen Paranoia, Unsicherheiten und einer Show, die sie als perfekte Gattin abliefert, gefangen. Im Laufe der Party erreicht Danis gut verborgene Angst neue Höhen, denn jemand hat es auf sie abgesehen – dessen ist sie sich sicher. Und dieser jemand ist in ihrem Haus.

Órlaith ist die Nanny der Matthews. Eine Irin, Ende sechzig, die, so scheint es, der Zufall zu der kleinen Familie führte. Doch mit ihrer Bessenheit von Charlotte und dem Tod, ihrer aufdringlichen Anwesenheit ist sie der jungen Hausherrin ein Dorn im Auge. Aber Órlaith kann noch nicht gehen.

Mikayla ist Sophies beste Freundin, eigentlich. Doch zuletzt hat die Geburtstagsqueen sie mehrfach hängen lassen, vorgeführt und belächelt. Denn im Gegensatz zu Sophie macht sich die zurückhaltende Mikayla nichts aus Glamour und Ausschweifungen. Trotzdem sehnt sich das Farmer-Mädchen nach Sophies Aufmerksamkeit, trocknet behände deren Tränen. Hauptsache, sie kann in ihrer Nähe sein.

Cox erzählt in einem klaren, eindringlichen Ton, der, passend für das von Lügen und Geheimnissen durchwrungene Geschehen, von einer gewissen Distanz geprägt ist, in dem unterschwellig eine subtile Bedrohung mitklingt, die beständig auf den großen Knall hinfiebern lässt. Tatsächlich geht der Spannungsaufbau jedoch schleichend vonstatten, was bis zum letzten Drittel für Irritationen sorgt, sich rückblickend aber als geschickt konzipiert erweist. Die Autorin geht bedacht vor, führt uns in das oft angestrengt-freundlich wirkende Getummel und mitten hinein in die Gedanken der verschiedenen Persönlichkeiten.

Neben den vier Frauen, die uns an ihrem Erleben, ihren Empfindungen und in Teilen auch an vergangenen Ereignissen teilhaben lassen, streifen wir weitere BesucherInnen, die mehr oder weniger relevant für den weiteren Verlauf sind. Vor allem Ethan und Sophie mimen als Verbindungsglied eine wichtige Rolle.
Seid gewarnt: die wenigsten Menschen hier sind Sympathieträger, jede/r scheint etwas zu verbergen, scheint zu manipulieren und/oder zu leiden, mit versteckten Dämonen zu kämpfen. Auch sei gesagt, dass es sich nicht um einen nervenaufreibenden, temporeichen, blutigen Thriller handelt, sondern einen Roman mit psychologischer Spannung, in dem sich der „Höhepunkt“ erst gen Ende manifestiert.
Zuvor sind es kleine Adrenalinspitzen, Momente subtiler Bedrohung, seltene, aber gut platzierte Schockmomente, mysteriöse Analysen; hier ein Dialog, dort eine Erwähnung, eine flüchtige Erinnerung, die Ungutes auszulösen vermag, nach Gefahr schmeckt. Flaue Gefühle, nicht abklingende Vorsicht, die Ermahnung, niemanden zu trauen, flirren zwischen den unheimlichen Wänden und der Partystimmung umher.

„Party of Liars“ ist wie ein Puzzle, das sich langsam zusammensetzt und trotz des Eindrucks, das der Titel eher Effekthascherei ist, doch nie zur Gänze langweilig wird. Dem Vorankommen zuträglich sind die kurzen Kapitel und die raschen Wechsel, die Gewissheit, das etwas nicht stimmt – und etwas geschieht. Kelsey Cox dringt in die individuellen Personen ein, geht in die Tiefe, berührt und animiert mit ihrer Art, die LeserInnen im unklaren zu lassen, durchweg dazu, eigene Vermutungen anzustellen – denn worauf zielt diese Feier, die Handlung ab? Was ist Wahn, was Rausch – was wahr?
Keine Sorge: dranbleiben lohnt sich. Denn im Schlussakt verknüpfen sich die Schicksale, werden Intentionen klar, treten Wahrheiten ans Licht – und ja, schockieren.

Ein Psychothriller über Frauen und ihre oft ungewürdigte Rolle: über Mutterschaft- und liebe: über die Taten, die wir bereit sind zu begehen, um zu schützen, und über die Macht, die andere über uns haben, wenn wir nicht aufpassen ...

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Veröffentlicht am 05.05.2026

»Zu gehen erfordert meistens mehr Mut als zu bleiben.«

Wild Roses & Fireflies
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„Wild Roses & Fireflies“ ist eine wunderschöne Romance, die von Freundschaft, Liebe und jenen Träumen erzählt, für die es sich lohnt, etwas zu riskieren. Anja Tatlisu spricht in ihrer gemütlichen Geschichte ...

„Wild Roses & Fireflies“ ist eine wunderschöne Romance, die von Freundschaft, Liebe und jenen Träumen erzählt, für die es sich lohnt, etwas zu riskieren. Anja Tatlisu spricht in ihrer gemütlichen Geschichte von zweiten Chancen, falschen Entscheidungen und der Freiheit, neu zu wählen.

Objektiv betrachtet hat sich das Leben von Emma nach ihrem Abschluss so entwickelt, wie sie es sich vorgestellt hat: Verlobt mit ihrem Jugendschwarm wohnt sie noch immer in der Nähe ihrer Familie und ist Teil der Kleinstadtgemeinschaft. Doch kam in ihrer Vorstellung statt Farmarbeit ein Rosengeschäft vor und weder das Fehlen ihres besten Freundes noch die lieb- und leidenschaftslose Beziehung, die mehr einer zusätzlichen Pflicht gleicht, standen auf dem Plan. Längst haben sich Em und Darren voneinander entfernt, wurden Gewohnheit.
Soll das wirklich schon alles gewesen sein? Das Schicksal – oder Channing – sagt eindeutig »Nein!« und so macht sich die junge Frau kurz entschlossen auf in ein Abenteuer.

Fünf Jahre sind vergangen, seit Channing Morgan sein Heimatstädtchen klanglos verlassen hat. Zwar hat ihn Boston nicht den einst gehegten Traumjob gebracht, dafür einen neuen Weg gezeigt: täglich riskiert der attraktive Good-Guy-Aufreißer selbstlos sein Leben, um andere zu retten. Als Firefighter hat Channing seine Bestimmung gefunden. Nun führt ihn ein Klassentreffen zurück nach Red Lodge, in den Tratsch und die Einfachheit, bevor eine ausgelassene, kribbelnde Hommage an Vergangenes seine beste Freundin zu ihm bringt. Im denkbar ungünstigsten Moment steht Emma Adeline Rose in ihrem schickesten Countrygirl-Outfit mit gepackten Taschen vor seiner Tür …

Emma und Channing waren immer ein Wir, immer Gemeinsam, und so beginnt eine turbulente Zeit auf engstem Raum.
Ems Ordnungsliebe prallt auf Channings Chaos. Ihre stillen Vorwürfe auf sein Großstadt-Sein.

»Ich hab Angst dich als Freund zu verlieren« (…) »Das wirst du nicht Emma Adeline Rose, egal was kommt oder geht, ich werde immer dein Freund sein.«

Anja Tatlisu hat mit „Wild Roses & Fireflies“ eine romantische Geschichte geschrieben, die von alltäglichen Momenten, von „einfach machen“, von „nach den Sternen greifen“ und diesen seltenen, besonderen Zufällen lebt und dabei ohne übermäßigen Kitsch und überzogene Dramatik auskommt. Dafür wartet Humor, der sich nicht nur in – ironisch anmutenden – Monologen und Gesprächen tummelt, sondern sich mitten in das Geschehen schlich, sich neben den rührenden Augenblicken, den vielfältigen Emotionen und (Selbst)Zweifeln platzierte. Ganz natürlich.

Channing ist ein charmanter Frauenheld, Typ Greenflag – aufmerksam, ehrlich, unterstützend, nicht gewillt, sich zu verbiegen, und stets bereit, alles stehen und liegenzulassen, wenn sein Job ruft.

Auch Emma überzeugt mit einem nahbaren Charakter, der sich im Verlauf entfaltet, sich Fehler eingesteht und weder vor direkten Worten noch vor Wagnissen zurückweicht. Stück für Stück überschreibt sie ihre Unsicherheiten und Zukunftsängste mit dem Glauben an sich selbst.

Ich mochte die Dynamik von Anfang an, war sie doch abwechslungsreich und spritzig, wankend zwischen alten Freunden, die alles voneinander kennen, und zwei Fremden, die erst noch ihren Rhythmus finden müssen.


Anjas Stil war hierbei durchweg authentisch, echt und voller Gefühl. Es war leicht, sich in Emma zu versetzen, mit ihr zu hadern und mutig zu sein, genau wie Channing, sein spurloses Abtauchen, zu verstehen. Beide sowie das sommerlich warme, von Anonymität und Möglichkeiten durchtränkte Setting wurden mit ausreichend Tiefe gezeichnet, sodass mensch sich problemlos zurücklehnen und in die Story fallen lassen, sie genießen kann. Dass Tatlisu uns nicht nur Teil von Emmas blumig-schönem Wunsch – Emma Adeline Rose's Roses – werden lässt, sondern auch von dem fordernden und gefährlichen Beruf eines Feuerwehrmanns, gibt der Handlung zusätzliche Relevanz. Neben den Protagonisten sind es Channings unterschiedliche Kollegen, die Amüsement einbringen, und Alanis – eine ehemalige Primaballerina, die für Emma so viel mehr als weise Worte übrig hat. Die Gespräche der Frauen, die sich entwickelnde Freundschaft, waren intensiv und passten perfekt in die Stimmung der Romance, die Wehmut und Aufregung, Neuanfang und Euphorie miteinander vereint.

Während verhaltene Unterhaltungen zu anzüglichem Geplänkel wachsen, fragwürdige Deals zwischen den Mitbewohnern auf Zeit entstehen, die Luft immer häufiger knistert, überdeckt die Bostoner Freiheit langsam Emmas Heimweh, führt sie auf Erkundungstouren und direkt in ihren längst begrabenen Traum …

„Wild Roses & Fireflies“ ist so ein Buch, in dem ich gerne noch viel länger verweilt hätte.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Bewegend. Brisant – ein unerwartetes Highlight.

Night Circus
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Durch den historisch anmutenden Fantasy-Roman „Night Circus“ bin ich eher spontan innerhalb der sehr gut gesprochenen Hörbuchfassung gewandelt, aber ich möchte unbedingt meine Begeisterung ausdrücken – ...

Durch den historisch anmutenden Fantasy-Roman „Night Circus“ bin ich eher spontan innerhalb der sehr gut gesprochenen Hörbuchfassung gewandelt, aber ich möchte unbedingt meine Begeisterung ausdrücken – diese Geschichte ist weitaus mehr als eine typisch-seichte Romantasy, sie ist schmerzlich und bitter. Regelrecht tragisch.
Denn Izzy Maxen führt uns schonungslos in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts, als Frauen noch Gegenstand und Besitz waren. Als die Ehe der Frau Autonomie und Freiheit aberkannte, sie ihrer Unversehrtheit beraubte. Ungestraft. Vollkommen natürlich.

Seit zwei Jahren ist Harlow mit einem skrupellosen, verschuldeten Scheusal verheiratet. An ihrem Geburtstag zwingt er sie in die Vorstellung des Night Circus, der mit seinen mystischen Sensationen weltweit Aufsehen erregt, und auf die Bühne. Hier soll sie innerhalb einer Nummer den Zirkusdirektor küssen und ihm somit Jugend schenken. Tatsächlich wird aus dem Greis ein ebenso attraktiver wie bedrohlicher Mann ihres Alters.
Die Konsequenzen für Harlow sind brutal, doch beginnen diese erst in ihrem Anwesen, allein mit Alistair, und enden in einer Zeitschleife, aus der es kein Entkommen zu geben scheint …
Als die junge Adelige beschließt, mit Dante, dem die Wiederholung als Einzigen bewusst ist, zusammenzuarbeiten, und sie gemeinsam versuchen, den Fluch zu brechen, erwacht in ihnen eine berauschende Leidenschaft, etwas, das beide nicht loslassen wollen – und doch müssen. Denn nicht nur ihr Leben hängt von dem Bruch der Zeitschleife ab …

„Night Circus: Verfluchter Kuss“ wird aus wechselnder Perspektive erzählt, sodass wir Teil von Harlows einengendem Dasein, der Gewalt und Unterdrückung, die sie erdulden muss, von ihren melancholischen, hoffnungslosen Gedanken werden und von ihrem Entschluss, den einzigen Ausweg zu gehen, der einer Frau ihrer Zeit bleibt. Es tat weh. Trotz der Umstände und ihres ernüchternden Wissens, was sie in der Gesellschaft wert ist, wirkt die 20-Jährige intelligent, ihrem Stand und der Epoche in vielen Teilen voraus und auf eine nicht übertriebene Weise taff. Die Zeitschleife schenkt ihr neben Irritation und Verzweiflung auch neue Möglichkeiten, eine Art Euphorie – etwas, das Dante verstärkt. Dieser ist in Rausch und Schuld gefangen, in Gleichgültigkeit, mimt lange den unnahbaren Direktor und ist doch nicht gewillt, die Dinge so weiterlaufen zu lassen. Denn die Auswirkungen jeder einzelnen Vorstellung sind verheerend. Und Harlows Rolle ist eine, die es dringend zu ergründen gilt.

Maxen schuf eine stimmige, wandelbare Dynamik, die sich gleichzeitig mit der Atmosphäre verdichtet, echt wird, ernst. Was aus einem erzwungenen Miteinander, mit Abneigung und Misstrauen, beginnt, wird intensiv. Weckt nie gekannte Empfindungen.
Beide Hauptcharaktere sowie der Zirkus selbst, sein Entstehen, erhielten Tiefe, während das Setting vorstellbar, von Geheimnissen umwoben, zur Geltung kam. Selten war die Stimmung frei und unbeschwert, eher schmiegt sich beständig etwas Bedrohliches um das Geschehen, etwas Kaltes, das sich festkrallt, eine nicht durchschaubare, wütende Präsenz.

Die widernatürliche Komponente war durchdacht ausgearbeitet, originell und hält düstere Überraschungen bereit. Hervorragend gelang der Autorin zudem der „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Aspekt. Wir sind uns sicher einig, dass die Gefahr, hierbei in Monotonie zu driften, groß ist – diese umgeht Izzy mühelos, indem sie uns unter anderem an den sich verändernden Bewertungen der Situation und den individuellen Versuchen, die Schleife zu durchbrechen und dem Ursprung auf den Grund zu gehen, teilhaben lässt. Auch die charakterlichen Entwicklungen hierbei wurden deutlich herausgearbeitet. Dante, der seinem Trott und dem Selbstmitleid überdrüssig wird, und Harlow, die ihre Chance auf ein wenig Leben, ein Stück Freiheit mutig ergreift. Aber nicht nur die Protagonisten und das Zwischenmenschliche erfreuen sich eines Wandels: Gerade Berta und Godfrey hinterlassen einen bleibenden, nahegehenden Eindruck, während Alistair, James und Harlows Mutter nichts als Abscheu wecken.

Geschrieben wurde übrigens in einem wunderbaren, klaren Ton, der Epoche angemessen, ohne hochtrabend zu klingen, und in vorstellbaren Worten, die nicht davor zurückschrecken, Missstände und Leid der damaligen Zeit direkt anzusprechen. Statt Spice, Kitsch und Drama wartet eine – die Themen betreffende – ergreifende, von Dunkelheit und Schatten durchzogene Geschichte, die perfekt endet.
„Night Circus: Verfluchter Kuss“ ist eine historische Romantasy über die harte Realität der Frau und der Andersartigkeit, über den Mut, zu gehen, statt ewig gefangen zu sein. Über Freiheit, Risiko und Liebe.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Kurzweilige Romantasy, der es an Tiefe fehlt.

The Prague Chronicles
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Nach einer Trennung nimmt die Wiener Kunststudentin Ophelia die Chance wahr, endlich nach Prag zu reisen. Als sie im Garten der Prager Burg einen Golem entdeckt, nutzt sie die Gelegenheit, um ihm ihre ...

Nach einer Trennung nimmt die Wiener Kunststudentin Ophelia die Chance wahr, endlich nach Prag zu reisen. Als sie im Garten der Prager Burg einen Golem entdeckt, nutzt sie die Gelegenheit, um ihm ihre Sehnsucht anzuvertrauen – plötzlich bekommt der Satz „Sei vorsichtig mit deinen Wünschen!“ eine ganz neue, fürchterlich echte Bedeutung. Denn sogleich bekommt die 25-Jährige ihr Abenteuer und ihr Leben eine ungeahnte Wendung. Der Golem ist erwacht und wütend. Schneller als Ophelia diese ungeheuerliche Tatsache verarbeiten kann, treffen sie ein: merkwürdige Agenten, die der jungen Touristin nicht nur allerhand kryptische Fragen stellen, sondern sie auch in Gewahrsam nehmen.

Einar und sein Team sind die Ersten am „Unfallort“ und haben alle Hände voll damit zu tun, die Erinnerungen der zahlreichen ZeugInnen zu verändern. Nur der Auslöser des ganzen Dramas wird von dem Zauber verschont – vorerst. Denn sie hat geschafft, was jahrhundertelang niemand geschafft hat: Sie hat einen mörderischen Golem befreit und auf die Stadt losgelassen. Aber wie? Und warum? Als wäre die Auflösung dieses Rätsels und die Suche nach dem riesigen Relikt nicht bereits genug Belastung für die Agency, soll er, gerade er, den Babysitter für die Menschenfrau spielen. Dabei ist Einar definitiv der Falsche für einfühlsame Verhöre, empathische Interaktionen und Menschen …

„Verbotene Liebe“ ist Band eins der neuen urbanen Romantasy-Reihe „The Prague Chronicles“ von B. E. Pfeiffer, in der uns die Autorin in die geschichtsträchtigen Pragerstraßen führt, auf die Spuren uralter Magie und eines außer Kontrolle geratenen, seit jeher gefürchteten Golems. Die Story geht sofort los, sodass wir erst mit voranschreitendem Verlauf zumindest die eine oder andere Information über die widernatürlichen Gegebenheiten präsentiert bekommen. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was uns die Studentin und den Wandler näherbringt und ihre Reaktionen, ihr Abwägen sowie ihr Verhalten greifbarer erscheinen lässt. Während sich Ophelia trotz FreundInnen und Familie rastlos, nie gänzlich zugehörig fühlte, mit Neugier, Intelligenz und Wissensdurst ausgestattet ist, die ganze Situation in einem Wirbel aus Unglauben, Angst und kribbelnder Euphorie betrachtet, hat Einar schnell die Nase voll. Seit zehn Jahren ist er Teil der Shapeshifter Agency und schwor sich, niemals wieder einem Menschen zu vertrauen. Doch auch innerhalb seinesgleichen hat er Schwierigkeiten, Gefühle zuzulassen und sein Team, für das er die Verantwortung trägt, wirklich an sich heranzulassen.

Je mehr Hintergründe sich über das Mysterium »Golem« und Ophelias Rolle in dem Ganzen auftun, je mehr Parteien ins Spiel kommen, die irgendetwas und die Wienerin suchen, je häufiger sich die Einheit der Erinnerungsrestrukturierung in Kampf und Flucht wiederfindet, umso stärker pulsiert Mehr zwischen Einar und Ophelia. Aber wie dieser Anziehung nachgehen, wenn am Ende nur einer mit der Erinnerung zurückbleibt? „The Prague Chronicles“ folgt einem einfachen, aber schnellen Erzähltempo, sodass auf wenigen Seiten viel passiert und es kaum Gelegenheit gibt, in einem Augenblick zu verweilen und (emotionale) Entwicklungen zur Gänze nachvollziehen oder -spüren zu können. Dafür warten hier und da originelle Elemente, die der Story einen frischen Touch verleihen, Wendungen sowie romantische und spaßige Momente. Vor allem die actionreichen Ereignisse tragen die Handlung, die insgesamt eher oberflächlich bleibt, wobei die verschiedenen AgentInnen um Einar – Cass, Koa, Faolan und Imara inklusive des Vorgesetzten Crimson – einen wohligen Zusammenhalt vermitteln und den Trope Found-Family bedienen. Diese Nebenfiguren sind theoretisch – heißt gemessen an der Kürze des Buches – ausreichend involviert und machen aufgrund ihrer Individualität Lust, mehr über sie zu erfahren. Die Intensivierung der Romance-Komponente verlagerte mMn den Fokus der Geschichte und den von Einar, verschob auch Dialoge und Monologe in eine seichtere, kitschigere Richtung. Für meinen Geschmack war gerade der Umschwung des Wandlers – von Distanz und Abneigung zu Anbetung und großen Gefühlsbekundungen – viel zu abrupt, aber Einars Zerrissenheit und Ophelias geheimnisvolle Verbindung zur magischen Welt, die Frage, wer etwas vom Wüten des Golems hat und ob es eine Zukunft für dieses ungleiche Couple geben kann, halten das Interesse beständig aufrecht.

Fazit: Mir fehlte es insgesamt und überall an Tiefe, dennoch basiert „The Prague Chronicles: Verbotene Liebe“ auf einer guten Idee und hält eine kurzweilige, seichte Romantasy bereit.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wunderschön – innen wie außen

Mein zärtlicher Schatten
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Jahrelang wurde Roos Beckman für Séancen benutzt, misshandelt und isoliert. Niemand ahnt, dass sie wahrhaftig Geister sehen und mit ihnen kommunizieren kann.
Ruth war in dieser Zeit – und in allen danach ...

Jahrelang wurde Roos Beckman für Séancen benutzt, misshandelt und isoliert. Niemand ahnt, dass sie wahrhaftig Geister sehen und mit ihnen kommunizieren kann.
Ruth war in dieser Zeit – und in allen danach – ihr Anker, ihre Hoffnung. Erst als Agnes Knoop in ihr Leben tritt, eine Rettung, verändert sich das Dasein der jungen Frau – von nun an ist ihr Zuhause ein altes, beängstigendes Herrenhaus, in dem irgendetwas so gar nicht stimmt … und in dem ein Mord geschieht, für den Roos verantwortlich gemacht wird.

Johanna van Veen erzählt in ihrer Gothic-Novel „Mein zärtlicher Schatten“ eine Geschichte zwischen Obsession und Wahn. Die Frage, was ist real und was nicht, stellt sich im Verlauf nicht nur ein Mal und fesselt gemeinsam mit der beklemmenden Atmosphäre bis zum bitteren Ende an die Seiten.

Die Autorin bediente sich einem eindringlichen, der angedachten Epoche sowie dem Genre entsprechenden Stil, wählte ihre Worte mit Bedacht und Präzision. Dadurch entsteht nicht nur eine einnehmende, oft schaurige Atmosphäre, sondern auch etliche Gänsehautmomente, Szenen, die zielgenau und tief treffen. Durch die Geschichte führt uns das Medium, sodass wir Teil ihrer Erfahrungen werden, ihrer Gedanken – und ihrer eigenen Realität. Was als zuverlässige Erzählung erscheint, wird durch aufgeführte Protokolle eines Psychiaters, der Roos Zurechnungsfähigkeit und ihren psychischen Gesundheitszustand überprüfen soll, zum Wanken gebracht. Diese Art, den Lesenden zu verunsichern, zum Mitdenken und zweifeln zu animieren, einen Hauch Grusel zu generieren, empfand ich als sehr gelungen und originell. Van Veen ließ das verstaubte Setting bildlich aufleben, schuf interessante Dynamiken, deren Entwicklungen unvorhersehbar waren, setzte auf zart klingende Wendungen statt auf laut tönendes Drama. Offenbarungen und Wahrheiten schlichen sich im selben Tempo an wie die Geister und das Böse.
Wenn dieser Roman auch nicht mit Action und Tempo besticht, sind es die poetischen Töne, die subtile Spannung und die ungeahnte Dunkelheit, die den Blick nicht abwenden lassen.
Die Kombination aus sanft und bedrohlich sowie die nicht erkennbaren Motive einzelner Figuren – Ruth, ein uralter Geist, beispielsweise, oder die Witwe und ihr Anwesen –, die Melancholie über allem und eine Protagonistin, die Rätsel aufgibt, die gleichermaßen Mitgefühl wie Angst weckt, entfachen einen unwiderstehlichen Sog.

Für mich war „Mein zärtlicher Schatten“ durch und durch gothic-like, bestückt mit relevanten Themen und Gräuel, Dark-Fantasy zwischen Abhängigkeit, Wut und Liebe.

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