Mehr seichter Spannungsroman als Thrill-Stuff
Party of Liars„Party of Liars: Du bist eingeladen. Auf die tödlichste Party der Saison.“ ist eine dieser Storys, in der der Klappentext ebensowenig vorweggreift, wie es Rezensionen sollten. Denn jede Andeutung über ...
„Party of Liars: Du bist eingeladen. Auf die tödlichste Party der Saison.“ ist eine dieser Storys, in der der Klappentext ebensowenig vorweggreift, wie es Rezensionen sollten. Denn jede Andeutung über die individuellen Motivationen und den Verlauf, über die Hintergründe und Wesenszüge der Beteiligten könnte zu viel sein ...
Dreh- und Angelpunkt ist der Abend der Party zu Sophies 16. Geburtstag, die in dem von Schauergeschichten umwobenen Haus ihres Vaters Ethan stattfindet. Kelsey Cox schwenkt in ihrem Thriller-Debüt zwischen diesem Ereignis, vorherigen Stunden und Tagen sowie dem "Danach", das böse Vermutungen weckt, hin und her. Zusätzlich der Zeitwechsel wird der Psychothriller aus den Perspektiven von vier Frauen erzählt:
Kim ist die Ex-Frau des fürsorglichen Vaters und die leibliche Mutter des Geburtstagskindes. Diese Feier ist für die ehemalige Tierärztin nicht mehr als eine Farce, der sie nur widerstrebend beiwohnt. Je länger der Abend, an dem sie in jenem Anwesen weilt, das einst ihr Heim war, andauert, umso mehr entgleitet Kim ihre wackelige Contenance. Indess finden immer mehr Erinnerungen und Erkennen zu ihr zurück.
Dani ist die neue Frau an Ethans Seite, kürzlich Mutter geworden und zwischen Paranoia, Unsicherheiten und einer Show, die sie als perfekte Gattin abliefert, gefangen. Im Laufe der Party erreicht Danis gut verborgene Angst neue Höhen, denn jemand hat es auf sie abgesehen – dessen ist sie sich sicher. Und dieser jemand ist in ihrem Haus.
Órlaith ist die Nanny der Matthews. Eine Irin, Ende sechzig, die, so scheint es, der Zufall zu der kleinen Familie führte. Doch mit ihrer Bessenheit von Charlotte und dem Tod, ihrer aufdringlichen Anwesenheit ist sie der jungen Hausherrin ein Dorn im Auge. Aber Órlaith kann noch nicht gehen.
Mikayla ist Sophies beste Freundin, eigentlich. Doch zuletzt hat die Geburtstagsqueen sie mehrfach hängen lassen, vorgeführt und belächelt. Denn im Gegensatz zu Sophie macht sich die zurückhaltende Mikayla nichts aus Glamour und Ausschweifungen. Trotzdem sehnt sich das Farmer-Mädchen nach Sophies Aufmerksamkeit, trocknet behände deren Tränen. Hauptsache, sie kann in ihrer Nähe sein.
Cox erzählt in einem klaren, eindringlichen Ton, der, passend für das von Lügen und Geheimnissen durchwrungene Geschehen, von einer gewissen Distanz geprägt ist, in dem unterschwellig eine subtile Bedrohung mitklingt, die beständig auf den großen Knall hinfiebern lässt. Tatsächlich geht der Spannungsaufbau jedoch schleichend vonstatten, was bis zum letzten Drittel für Irritationen sorgt, sich rückblickend aber als geschickt konzipiert erweist. Die Autorin geht bedacht vor, führt uns in das oft angestrengt-freundlich wirkende Getummel und mitten hinein in die Gedanken der verschiedenen Persönlichkeiten.
Neben den vier Frauen, die uns an ihrem Erleben, ihren Empfindungen und in Teilen auch an vergangenen Ereignissen teilhaben lassen, streifen wir weitere BesucherInnen, die mehr oder weniger relevant für den weiteren Verlauf sind. Vor allem Ethan und Sophie mimen als Verbindungsglied eine wichtige Rolle.
Seid gewarnt: die wenigsten Menschen hier sind Sympathieträger, jede/r scheint etwas zu verbergen, scheint zu manipulieren und/oder zu leiden, mit versteckten Dämonen zu kämpfen. Auch sei gesagt, dass es sich nicht um einen nervenaufreibenden, temporeichen, blutigen Thriller handelt, sondern einen Roman mit psychologischer Spannung, in dem sich der „Höhepunkt“ erst gen Ende manifestiert.
Zuvor sind es kleine Adrenalinspitzen, Momente subtiler Bedrohung, seltene, aber gut platzierte Schockmomente, mysteriöse Analysen; hier ein Dialog, dort eine Erwähnung, eine flüchtige Erinnerung, die Ungutes auszulösen vermag, nach Gefahr schmeckt. Flaue Gefühle, nicht abklingende Vorsicht, die Ermahnung, niemanden zu trauen, flirren zwischen den unheimlichen Wänden und der Partystimmung umher.
„Party of Liars“ ist wie ein Puzzle, das sich langsam zusammensetzt und trotz des Eindrucks, das der Titel eher Effekthascherei ist, doch nie zur Gänze langweilig wird. Dem Vorankommen zuträglich sind die kurzen Kapitel und die raschen Wechsel, die Gewissheit, das etwas nicht stimmt – und etwas geschieht. Kelsey Cox dringt in die individuellen Personen ein, geht in die Tiefe, berührt und animiert mit ihrer Art, die LeserInnen im unklaren zu lassen, durchweg dazu, eigene Vermutungen anzustellen – denn worauf zielt diese Feier, die Handlung ab? Was ist Wahn, was Rausch – was wahr?
Keine Sorge: dranbleiben lohnt sich. Denn im Schlussakt verknüpfen sich die Schicksale, werden Intentionen klar, treten Wahrheiten ans Licht – und ja, schockieren.
Ein Psychothriller über Frauen und ihre oft ungewürdigte Rolle: über Mutterschaft- und liebe: über die Taten, die wir bereit sind zu begehen, um zu schützen, und über die Macht, die andere über uns haben, wenn wir nicht aufpassen ...