Unterhaltsame, gefühlvolle RomCom.
Der Hot-Henry-EffektIhr liebt Ali Hazelwood, habt aber alle ihre Bücher schon durchgelesen?
Ihr steht auf Frauen, die in den MINT-Gebieten aktiv sind, auf nerdige Metaphern und amüsant integrierte Fachbegriffe? Auf unbeholfene ...
Ihr liebt Ali Hazelwood, habt aber alle ihre Bücher schon durchgelesen?
Ihr steht auf Frauen, die in den MINT-Gebieten aktiv sind, auf nerdige Metaphern und amüsant integrierte Fachbegriffe? Auf unbeholfene Flirtversuche und Charaktere, die mit tiefliegenden Wunden kämpfen? Auf trockenen Humor, süße Romantik und einen MMC der Kategorie Green-Flag?
Dann schnappt euch unbedingt den „𝐇𝐨𝐭-𝐇𝐞𝐧𝐫𝐲-𝐄𝐟𝐟𝐞𝐤𝐭“ von Lucy Chalice …
Sieben Jahre ist es her, seit sich die Wege von Dr. Clara Clancy und Dr. Henry Fraser trennten – und ihre besondere Freundschaft auf Eis gelegt wurde. Gerade jetzt, als eine wichtige Präsentation von Clara gehörig in die Hose – oder auf die Bluse – geht, taucht der Frauenschwarm, der sich seiner Anziehung noch immer nicht bewusst zu sein scheint, vor ihr auf. Und das auch noch als zukünftiger Geschäftspartner.
Man könnte meinen, dass sowohl die stille Zeit, ihre unterschiedlich eingeschlagenen Wege als auch das Älterwerden zwischen ihnen stehen, doch es braucht nicht lange, bis Fraser & Clancy wieder das scherzende Dreamteam von früher sind und sie zurück in ihre lockere, von Insider-Witzen und nostalgischen Erinnerungen geprägte Freundschaft finden. Während Claras Herz schneller schlägt und sich unwillkommene Gedanken, die es erneut zu verdrängen gilt, in ihr breitmachen, ist Henry der Ruhepol, der, der sie noch immer ansieht, als wäre sie seine persönliche Sonne.
Als die beiden auch noch zu „Versteck-mich“-Komplizen werden, nachdem sowohl der CEO von FraserTech als auch die begnadete Wissenschaftlerin mit unerwünschten Avancen konfrontiert werden, lädt sich die Stimmung zwischen ihnen – die vor unausgesprochenen Worten und vor zum Schweigen gebrachtem Verlangen prickelt – kontinuierlich auf. Doch Claras Selbstzweifel erlauben es ihr nicht, an Mehr zu glauben …
♡»(…) 𝗱𝘂 𝗺𝘂𝘀𝘀𝘁 𝘄𝗶𝘀𝘀𝗲𝗻, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗱𝘂 𝗴𝗲𝗻𝗮𝘂 𝘀𝗼, 𝘄𝗶𝗲 𝗱𝘂 𝗯𝗶𝘀𝘁, 𝗴𝗲𝗻𝘂𝗴 𝗯𝗶𝘀𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲𝗻 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲 (…)«♡
Lucy Chalice schrieb eine herzerwärmende RomCom, die mehr als einmal zum Seufzen, Schwärmen und laut Lachen verleitet. Hin und wieder weckt jedoch vor allem die Protagonistin den Drang, selbige schütteln zu wollen, denn Clara ist gefangen – in Gefühlen der Unzulänglichkeit, in „Nicht gut, niemals liebenswert genug“, der trügerischen Gewissheit, am Ende verlassen zu werden. Wir lernen eine Frau kennen, die sich und ihr Wesen degradiert, people pleasert, um keine Angriffsfläche zu bieten, und Sarkasmus und Witz wie eine Rüstung trägt, damit ihre Ängste verborgen bleiben und niemand zu ihr durchdringt. Lediglich bei Jo und Simmy lässt sie (fast) alles raus. Dabei ist Henry der Mensch, bei dem die 32-jährige Geborgenheit empfindet, Schmetterlinge, Bauchkribbeln …
Und ehrlich? Selbst ich habe mich bei ihm wohlgefühlt, habe bei seiner aufmerksamen, rücksichts- und durch und durch liebevollen Art geschmachtet. Denn Henry Fraser ist ein echter Superman!
Der Verlauf ist äußerst unterhaltsam, wenn auch stellenweise ein bisschen schleppend. Dafür bekommen wir einen guten Eindruck von der Protagonistin und ihrem „Kumpel“, von ihren Situationen und der einzigartigen Dynamik. Chalice verzichtet weder auf skurrile noch auf rührende oder spannende Momente, spricht unterschwellig die Missstände von Frauen in der Forschung und deutlicher jene an, die ihnen – auch Männern – im (Berufs)Alltag begegnen.
Stilistisch findet sich ein angenehmer, großteils leichter und humorvoller Ton, der weder den Ernst, die seelischen, inneren Verletzungen noch Claras Ängste oder Henrys aufrichtige Liebe, sein Interesse schmälert.
Insgesamt bescherte mir „Der Hot-Henry-Effekt“ tolle Wohlfühl-Lesestunden und bekommt somit eine Empfehlung.