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Veröffentlicht am 19.06.2025

Unterhaltsame, gefühlvolle RomCom.

Der Hot-Henry-Effekt
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Ihr liebt Ali Hazelwood, habt aber alle ihre Bücher schon durchgelesen?
Ihr steht auf Frauen, die in den MINT-Gebieten aktiv sind, auf nerdige Metaphern und amüsant integrierte Fachbegriffe? Auf unbeholfene ...

Ihr liebt Ali Hazelwood, habt aber alle ihre Bücher schon durchgelesen?
Ihr steht auf Frauen, die in den MINT-Gebieten aktiv sind, auf nerdige Metaphern und amüsant integrierte Fachbegriffe? Auf unbeholfene Flirtversuche und Charaktere, die mit tiefliegenden Wunden kämpfen? Auf trockenen Humor, süße Romantik und einen MMC der Kategorie Green-Flag?
Dann schnappt euch unbedingt den „𝐇𝐨𝐭-𝐇𝐞𝐧𝐫𝐲-𝐄𝐟𝐟𝐞𝐤𝐭“ von Lucy Chalice …

Sieben Jahre ist es her, seit sich die Wege von Dr. Clara Clancy und Dr. Henry Fraser trennten – und ihre besondere Freundschaft auf Eis gelegt wurde. Gerade jetzt, als eine wichtige Präsentation von Clara gehörig in die Hose – oder auf die Bluse – geht, taucht der Frauenschwarm, der sich seiner Anziehung noch immer nicht bewusst zu sein scheint, vor ihr auf. Und das auch noch als zukünftiger Geschäftspartner.
Man könnte meinen, dass sowohl die stille Zeit, ihre unterschiedlich eingeschlagenen Wege als auch das Älterwerden zwischen ihnen stehen, doch es braucht nicht lange, bis Fraser & Clancy wieder das scherzende Dreamteam von früher sind und sie zurück in ihre lockere, von Insider-Witzen und nostalgischen Erinnerungen geprägte Freundschaft finden. Während Claras Herz schneller schlägt und sich unwillkommene Gedanken, die es erneut zu verdrängen gilt, in ihr breitmachen, ist Henry der Ruhepol, der, der sie noch immer ansieht, als wäre sie seine persönliche Sonne.

Als die beiden auch noch zu „Versteck-mich“-Komplizen werden, nachdem sowohl der CEO von FraserTech als auch die begnadete Wissenschaftlerin mit unerwünschten Avancen konfrontiert werden, lädt sich die Stimmung zwischen ihnen – die vor unausgesprochenen Worten und vor zum Schweigen gebrachtem Verlangen prickelt – kontinuierlich auf. Doch Claras Selbstzweifel erlauben es ihr nicht, an Mehr zu glauben …

♡»(…) 𝗱𝘂 𝗺𝘂𝘀𝘀𝘁 𝘄𝗶𝘀𝘀𝗲𝗻, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗱𝘂 𝗴𝗲𝗻𝗮𝘂 𝘀𝗼, 𝘄𝗶𝗲 𝗱𝘂 𝗯𝗶𝘀𝘁, 𝗴𝗲𝗻𝘂𝗴 𝗯𝗶𝘀𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲𝗻 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲 (…)«♡

Lucy Chalice schrieb eine herzerwärmende RomCom, die mehr als einmal zum Seufzen, Schwärmen und laut Lachen verleitet. Hin und wieder weckt jedoch vor allem die Protagonistin den Drang, selbige schütteln zu wollen, denn Clara ist gefangen – in Gefühlen der Unzulänglichkeit, in „Nicht gut, niemals liebenswert genug“, der trügerischen Gewissheit, am Ende verlassen zu werden. Wir lernen eine Frau kennen, die sich und ihr Wesen degradiert, people pleasert, um keine Angriffsfläche zu bieten, und Sarkasmus und Witz wie eine Rüstung trägt, damit ihre Ängste verborgen bleiben und niemand zu ihr durchdringt. Lediglich bei Jo und Simmy lässt sie (fast) alles raus. Dabei ist Henry der Mensch, bei dem die 32-jährige Geborgenheit empfindet, Schmetterlinge, Bauchkribbeln …
Und ehrlich? Selbst ich habe mich bei ihm wohlgefühlt, habe bei seiner aufmerksamen, rücksichts- und durch und durch liebevollen Art geschmachtet. Denn Henry Fraser ist ein echter Superman!

Der Verlauf ist äußerst unterhaltsam, wenn auch stellenweise ein bisschen schleppend. Dafür bekommen wir einen guten Eindruck von der Protagonistin und ihrem „Kumpel“, von ihren Situationen und der einzigartigen Dynamik. Chalice verzichtet weder auf skurrile noch auf rührende oder spannende Momente, spricht unterschwellig die Missstände von Frauen in der Forschung und deutlicher jene an, die ihnen – auch Männern – im (Berufs)Alltag begegnen.
Stilistisch findet sich ein angenehmer, großteils leichter und humorvoller Ton, der weder den Ernst, die seelischen, inneren Verletzungen noch Claras Ängste oder Henrys aufrichtige Liebe, sein Interesse schmälert.

Insgesamt bescherte mir „Der Hot-Henry-Effekt“ tolle Wohlfühl-Lesestunden und bekommt somit eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Gelesen als eBook

Die Erben der Asche
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Ah … schwierig – von der Idee über den Stil bis hin zu der detailreichen Ausarbeitung der einzelnen Protagonisten fand ich „𝐃𝐢𝐞 𝐄𝐫𝐛𝐞𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐀𝐬𝐜𝐡𝐞“ echt klasse. Doch fehlte es mir persönlich an Mehr – vor ...

Ah … schwierig – von der Idee über den Stil bis hin zu der detailreichen Ausarbeitung der einzelnen Protagonisten fand ich „𝐃𝐢𝐞 𝐄𝐫𝐛𝐞𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐀𝐬𝐜𝐡𝐞“ echt klasse. Doch fehlte es mir persönlich an Mehr – vor allem in den ersten 60 % hätte ich mir mehr Spannung, Tempo und stellenweise auch mehr signifikante Ereignisse erhofft. Dementsprechend kam es mir öfter so vor, als dehnten sich die 583 eBook-Seiten immer weiter aus, statt weniger zu werden. Ein weiterer Kritikpunkt ist das flotte Ende, das konträr zu der slowen Reise steht, und das Fehlen von Kapitelüberschriften bzw. jenen Namen, von dessen Gedanken wir gerade Teil sind.

Denn erzählt wird aus vier Perspektiven: Azran und Morrow, die sich hinter der Mauer, an einem Ort, der die Stadt gegen mysteriöse Monster verteidigt, kennenlernen – aus Rivalen werden Verbündete und Liebende. Außerdem begleiten wir den vor seiner Bürde flüchtenden Dian und den tierfreundlichen Assassinen Kemlen. Auch das erste Aufeinandertreffen dieser beiden stand unter einem – mehr oder weniger – schicksalhaften Stern und machte aus einem Mörder und dessen Auftrag nicht nur Weggefährten und Freunde …
Während wir einiges über diese unterschiedlichen Figuren, ihre individuellen Geschichten, inneren Blessuren und gegenwärtigen Situationen erfahren, ihren Weg verfolgen, gerät etwas in Schieflage: Laut einer Prophezeiung des – niemals fälschlich sprechenden – Orakels bleiben der Menschheit und der Welt, wie sie im Jetzt besteht, nur noch 592 Schimmer – kein ganzes Jahr mehr, bevor sie untergeht. …
Wie würdest du die letzten Monate deines Lebens verbringen?
Wahrscheinlich nicht hinter Gittern, auf der riskanten Jagd nach Killcounts, nicht in den Fängen von Fanatikern, mit Angst in jeder Faser, nicht als Werkzeug, mit blutgetränkten Händen.
Auf der Suche nach Antworten, die das Volk weder von dem Ersten Morgen noch von anderen Obrigkeiten oder irgendwelchen Historikern erhielt, nach Lösungen, Freiheit (…) kommen die – nicht ganz freiwillig gebildeten – Zweierteams Geheimnissen nahe, finden Gefahren, stolpern von Hoffnungslosigkeit in Schwärze – auch in die eigene …

~ 𝗔𝗹𝗹𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝗴𝗲𝗳𝗮𝗲𝗵𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵. 𝗘𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝘂𝗿 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲 𝗱𝗲𝗿 𝗨𝗺𝘀𝘁𝗮𝗲𝗻𝗱𝗲. ~

Dieser High-Fantasy-Roman war mein erstes Buch von Gabriella Queen – stilistisch fand ich Ton und Formulierungen sehr passend, das Setting kam vorstellbar zur Geltung und auch die bedrückende, ausweglose Stimmung lastet, entsprechend der Umstände, schwer auf dem Geschehen. Hierarchien und Gegebenheiten kristallisieren sich im Verlauf greifbar heraus, genau wie die Facetten und Intentionen der Charaktere. Queens Figurenausarbeitung, die (inneren) Konflikte und Motivationen, ihre Hintergründe sorgen dafür, dass Leser:innen sie trotz moralischer Fragwürdigkeit verstehen und mitfühlen können.
Wenn Morrow auch schwerer zu greifen war als die anderen, generiert die Autorin mit diesem – körperlich überlegenen – Mann durchweg Interesse und Neugier, genau wie mit Kemlen, der erst später seine eigenen Wahrheiten findet. Azran und Dian sind die treibenden Kräfte, die uns hauptsächlich mit Informationen versorgen und durch die Story tragen.
Wie erwähnt fehlte es mir großflächig an Spannung und Catch-Moments, dabei bietet die Handlung interessante Entwicklungen, Mysterien und reichlich Gefühl. Auch die eine oder andere Nebenfigur ist dem Gesamtpaket und dem Vorankommen zuträglich, genau wie Verluste und der hier und da mitschwingende Humor. Zwar verzichtet die Autorin nicht auf romantische Empfindungen und Intimitäten, jedoch sind diese passend dosiert und übertünchen zu keiner Zeit den über allem schwelenden Untergang … Apropos Zeit: Erklärungen zu Queens Zeitrechnung finden sich zu Beginn.
Sowohl die Zusammenführung der Paare als auch das Ende selbst hätte ich mir aufregender, spektakulärer gewünscht, doch letztlich ist „Die Erben der Asche“ eine gelungene, logisch ausgearbeitete High-Fantasy-Geschichte, die trotz kleiner Kritikpunkte überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Realitätsnah, bewegend und spannend

Lavender House
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»Es gibt kein homosexuelles Problem außer dem, das von einer heterosexuellen Gesellschaft geschaffen wurde«

Lev AC Rosen führt uns in klaren Worten durch ihre Geschichte, lässt uns an den Missständen ...

»Es gibt kein homosexuelles Problem außer dem, das von einer heterosexuellen Gesellschaft geschaffen wurde«

Lev AC Rosen führt uns in klaren Worten durch ihre Geschichte, lässt uns an den Missständen der Gesellschaft, an Homophobie und den notwendigen Versteckspielen teilhaben, schafft allein dadurch eine beklemmende Atmosphäre, eine dichte Storyline, die bewegt, und Mitgefühl für jene Menschen entfacht, denen „damals“ mit Hass und Abneigung begegnet wurde. Die eingesperrt, ausgeschlossen, verachtet wurden, weil sie liebten, wen sie liebten. Dass es noch immer Teile in der Welt gibt, in denen die Sexualität verurteilt, vorgeschrieben, verfolgt wird, in denen noch immer Vorurteile herrschen, holt diesen Roman, trotz des Settings der 1950er, auch in die Gegenwart.

Nachdem das streng gehütete Geheimnis von Polizeiinspektor Evander Mills enthüllt, er aus dem Dienst entlassen und gesellschaftlich diffamiert wurde, nun perspektiv- und chancenlos, sieht er nur noch wenig Sinn im Leben. Als sich eine wohlhabende Frau zu ihm an die Bar gesellt und ihm ein mysteriöses Angebot macht, mit kryptischen Worten Neugier entfacht, ist er gewillt, seine Pläne aufzuschieben.
Mills kann sein Erstaunen nur schwerlich verbergen, als ihn Pearl Velez an einen Ort bringt, an dem die Menschen teilen, was der Cop so viele Jahre verbarg. Im „Lavender House“ wohnt eine queere Wahlfamilie, größtenteils abgeschottet und auf Vorsicht bedacht, doch zumindest privilegiert genug, um in den eigenen Mauern frei und unverstellt zu sein. Wäre da nicht der Todesfall, wegen dem der Anfang-Dreißiger überhaupt hier ist …
Könnte eine oder einer der „Eingeweihten“ den Kopf des erfolgreichen Seifen-Imperiums ausgeschaltet haben? Und wenn ja: warum? Oder war es nur ein unglücklicher Unfall, der Irene Lamontaine das Leben kostete?
Je mehr „Andy“ in die Familienbande eintaucht, sich in den öfter nicht eindeutigen Dynamiken verliert, Teil von subtilen Sticheleien, leisen Konflikten und schwelender Uneinigkeit wird, Vorteile sowie Gram des Einzelnen ergründet, umso schwieriger ist es für den ehemaligen, nicht schuldfreien Polizisten, etwaige Motive und den wahren Kern der BewohnerInnen herauszufiltern. Denn wie auch er selbst haben es diese Menschen perfektioniert, sich zu verstellen, eine Nuance ihrer selbst zu verbergen, sich anzupassen …

Wir verfolgen die Ermittlungen durch Evander Mills’ Augen. Lernen die Lamontaines, ihr Personal und die pompösen Räumlichkeiten kennen und werden durch ungeahnte Schwierigkeiten, übersehene Beweise; durch vorgetäuschtes Lachen und etliche Fragen mitten hinein in die unterhaltsame, nachdenklich stimmende, bewegende Story gezogen. Dass einige der hier flanierenden Personen weder von Pearls Plan, einen Außenstehenden in eine derart heikle Sache miteinzubeziehen, begeistert sind, noch davon, dass es sich bei diesen um einen Mann handelt, der durch Wegsehen selbst Täter war, lässt die Verdächtigen öfter reserviert und unnahbar erscheinen. Lev AC Rosen schenkt uns Einblicke in die harten Lebensumstände der Figuren, in ihre persönlichen Geschichten und Beziehungen, gibt uns einen Eindruck der gesellschaftlichen Abscheu und der drohenden Konsequenzen – malt Bilder, die schwer schlucken lassen.
Es war spannend, den Beweisen nachzugehen, mitzurätseln und Puzzleteile zusammenzusetzen – wenn mir auch die eine oder andere „Eingebung“ zu plötzlich kam und es der Ermittlungsarbeit insgesamt an Raffinesse fehlte, kann ich diesen queeren Roman, der Missstände thematisiert und realistisch darlegt, von herzerwärmender Found-Family, dem Risiko der Liebe und dem Mut, zu sich selbst zu stehen, erzählt, einfach nur empfehlen!

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Mystisch, tragisch, romantisch

A Tale of Foxes and Moons
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Aiko ist eine Medizinstudentin, die kurz vor ihrem Examen steht – doch statt Prüfungsstress und Versagensängste quälen die junge Frau des Nachts Alpträume, die von ihren vergangenen Toden erzählen, und ...

Aiko ist eine Medizinstudentin, die kurz vor ihrem Examen steht – doch statt Prüfungsstress und Versagensängste quälen die junge Frau des Nachts Alpträume, die von ihren vergangenen Toden erzählen, und am Tag die Angst, ihrem Mörder zu begegnen. Denn der Schicksalsfluch führt die Wege des Mondgottes Tsukuyomi und der Fuchsgöttin Inari in jedem Leben zusammen … Als plötzlich die Kodamas sterben, jene Naturgeister, die eine Reinkarnation gewährleisten, sorgt sich Aiko weniger um ihre Wiedergeburt als um ihren Vater – um einen anderen Kodama finden zu können, muss sie mit Chiaki, der mehr ist als ein akademischer Rivale, zusammenarbeiten. Doch je näher sich die beiden kommen, umso besser sie einander kennenlernen, desto weiter rücken Vorsicht und Feindschaft in den Hintergrund … Rebecca Humpert führt uns durch Aikos Augen in einem klaren, bildhaften und verständlichen Ton durch die Geschichte, was vor allem die Protagonistin zugänglich werden lässt – Inaris Reinkarnation ist intelligent, trotz einer zurückhaltenden und unsicheren Art schlagfertig, mutig und selbstlos. Wir bekommen ausreichend Hintergrundinformationen über den Fluch, dessen Wirkung sowie mythologische und fantastische Aspekte, was mich selbst in den langatmigen Abschnitten an die Handlung fesselte. Denn hier und da fehlte es mir an Schwung und Vorankommen, wirkte es mehrfach, als verlöre das eigentliche Ziel an Bedeutung. Dass Japan und Mythologie nicht nur einen Rahmen bilden, sondern fest im Verlauf verankert sind, sich durch kleine wie große Details, durch Begriffe und Konventionen bemerkbar machen, verleiht dem Roman meiner Meinung nach jedoch etwas ganz Besonderes. Ich konnte mich gänzlich in das Geschehen fallen lassen, fieberte und hoffte mit, spürte den Zeitdruck, die Vorsicht. Chiaki ist ein relevanter, aufmerksamer Part, der mir von Kapitel zu Kapitel mehr ans Herz wuchs. Wer einen Bad-Boy sucht, wird hier nicht fündig, doch einen Mann fürs Herz, den gibt es. Sowohl seine Erfahrungen und Intentionen als auch die der Fuchsgöttin geben den Wiedergeburten und der Geschichte selbst Tiefe. Der eine oder andere, nicht durchschaubare Nebencharakter, Aikos Visionen sowie die Suche nach Artefakten aus urbanen (Horror-)Legenden sind, in Kombination mit all dem, was – und wen – Aiko und Chiaki aufdecken, Abwechslung und unterschwelliger Spannung zuträglich. Auch die prickelnde, romantische Dynamik, in der Aufregung und Unsicherheit, Humor, Respekt und Verständnis nicht zu kurz kommen, wurde greifbar und slow, nicht ohne brodelnde, ergreifende Gefühle inszeniert. Lediglich die expliziten Szenen fand ich in Anbetracht des traditionellen, authentischen Settings und der gegenwärtigen Gefahr schlicht unpassend und irrelevant. In den letzten Kapiteln fügen sich Puzzleteile, deren Fehlen man gar nicht wahrgenommen hat, stimmig in die dramatische Story. Wahrheiten, so unfassbare, drängen an die Oberfläche, dass auch die LeserInnen zum Innehalten und Verarbeiten gedrängt werden … „A Tale of Foxes and Moons“ ist reich an Wendungen, berührenden Empfindungen und leisen Emotionen, an Verlust und Geheimnissen, deren Offenlegung schmerzt. An Schicksalen, aus denen es kein Entkommen gibt, und an einer Liebe, die nicht sein sollte. Nicht heute. Für mich hat Humpert mit dieser mystischen Geschichte und ihren starken, mutigen Figuren etwas wirklich Wunderbares, Überraschendes geschaffen.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Erkenntnisreicher Mittelteil

Midnight Circus - Requiem of Memories
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„Wir hatten uns in meinen Träumen so oft geküsst, aber das hier war anders. Tiefer. Sehnsüchtiger. Wie eine wortlose Liebeserklärung unserer Lippen.“

Die Handlung setzt nahtlos am Ende des Auftakts an, ...

„Wir hatten uns in meinen Träumen so oft geküsst, aber das hier war anders. Tiefer. Sehnsüchtiger. Wie eine wortlose Liebeserklärung unserer Lippen.“

Die Handlung setzt nahtlos am Ende des Auftakts an, sodass wir im eiskalten Regen mit Néeira zittern, auf unseren Schultern Zweifel und Schuld.
Von Vangelis getäuscht, hat sie Morpheus verraten und einem Schicksal überlassen, das den Tod bringt – wenn die Tänzerin ihren Fehler nicht schnell korrigiert … Doch wie, ohne Erinnerungen und die Kontrolle über Kräfte, die sich immer deutlicher manifestieren?
Gemeinsam mit Wyro geht sie den kryptischen Hinweisen des Erben des Dragonis-Clans nach, bekommt ebenso viele neue Fragen, wie sie Antworten findet. Die Zeit läuft. Nicht nur für Morpheus, sondern auch für die Welt der Träume und jene der Menschen.

In dem zweiten Band ihrer „Midnight-Circus“-Serie pocht Pfeiffer auf einen temporeichen Plot. Es schien, als würden sich ein Ereignis, eine neue Offenbarung, das nächste Unglück aneinanderreihen, und nur wenig Raum zum Ankommen, Begreifen, Durchatmen lassen. Zwar gab es dadurch keinen Stillstand, jedoch fehlt es dementsprechend auch an Tiefe. Interessant war es, auf den Spuren von Néeiras Vergangenheit zu wandeln, Erinnerungsfragmenten nachzujagen und das daraus entstehende Bild ihrer Herkunft zusammenzusetzen. Ihre Bedeutung in der Welt zu erkennen, ihre Macht und damit einhergehend: ihre Bürde.
Zusätzlich wird auch Morpheus’ Kindheit und Abstammung mit neuen Wahrheiten bestückt, die in ihm Rachedurst und Unsicherheiten schüren.
Erzählt wird erneut aus wechselnder Perspektive, sodass die Gefühle der Tänzerin und des Dämons, ihre vermeintlichen Fehler und Unsicherheiten, Ängste und Wut im Vordergrund stehen. Welche Art Verlust Morpheus ertragen muss, war ebenso überraschend wie all das, was Néeira findet.
Abgesehen von den beiden mischen auch Wyro und Vangelis wieder ordentlich mit – aber Pfeiffer stellt dem Fürstenpaar noch weitere wichtige Figuren, Nacht- und Traumwesen an die Seite – oder in den Weg. Die wechselnden Settings – vor allem das malerisch ausgearbeitete Weiße Schloss –, entscheidende Ereignisse und Informationen, die die einen oder anderen Gegebenheiten erklären und aufkommende Fragen beantworten, wurden stimmig platziert

„Requiem of Memories“ ist trotz der mitschwingenden Schwere und Melancholie, Verluste und Tragik eine typische Romantasy, die ich allen, die nach kurzweiligen Geschichten fürs Herz suchen, empfehlen kann – aber Vorsicht. Vielleicht bricht es am Ende …
Am 29. August dürfen wir zum letzten Mal in die Mysterien dieser Welt eintauchen – bereit für ein spektakuläres Finale?

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