Ein anarchisches Miami voller Irrsinn
Miami Punk entführt in ein alternatives Miami, in dem das Meer verschwunden ist und eine Wüste die Küste ersetzt hat. Die Stadt ist durch Klimakatastrophen, Konzernmacht und private Sicherheitsgruppen ...
Miami Punk entführt in ein alternatives Miami, in dem das Meer verschwunden ist und eine Wüste die Küste ersetzt hat. Die Stadt ist durch Klimakatastrophen, Konzernmacht und private Sicherheitsgruppen komplett transformiert. Ein Pizzalieferdienst übernimmt die Überwachung, Chemiekonzerne sponsern Bildung und Unterhaltung und ehemalige Ordnungskräfte wurden durch paramilitärische Wrestling-Teams ersetzt. Zwischen all dem agieren verschiedenste Figuren, allen voran Robin, eine junge Frau, die in der Gaming- und Digitalwelt brilliert und Realität und Computerspiele miteinander verschmilzt.
Juan S. Guse verwebt hier ein dichtes Netz aus Erzählsträngen, Perspektiven, Textformen und Anspielungen, von E-Sport-Turnieren über Glitches bis zu philosophischen Betrachtungen über das digitale Leben. Die Handlung selbst tritt oft hinter das Spiel aus Ideen, Experimenten und sozialen Beobachtungen zurück. Die Protagonistin Robin ist zudem faszinierend. Sie ist überqualifiziert für ihre Umgebung, kämpft mit den absurden Strukturen der Stadt und versucht gleichzeitig, die Leere hinter den Spielen zu überwinden. Wenn man sich auf die Welt von Miami Punk einlässt, erlebt man einen wilden Mix aus Cyberpunk, Postapokalypse, Gesellschaftskritik und absurdem Humor. Der Roman ist aber anspruchsvoll, mitunter sperrig, verlangt Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen. Er belohnt seine Leser aber auch mit originellen Perspektiven, einer dichten Atmosphäre und einem einzigartigen, experimentellen Stil.
Ein anarchisches, dichtes und ideenreiches Buch, wenn man Lust auf experimentellen Cyberpunk, digitale Realitäten und gesellschaftliche Satire hat. Miami Punk ist nicht leicht zugänglich, dafür aber extrem originell, herausfordernd und unterhaltsam auf eine sehr eigene Art.