Schuld beglichen?
Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920 kehrt Wieland Göth in sein Heimatdorf zurück. Der Ort liegt in der von Frankreich besetzten Zone links des Rheins. Die Menschen sind gegen die Besatzung, auch weil ...
Nach dem ersten Weltkrieg im Jahr 1920 kehrt Wieland Göth in sein Heimatdorf zurück. Der Ort liegt in der von Frankreich besetzten Zone links des Rheins. Die Menschen sind gegen die Besatzung, auch weil durch diese ihr Leben stark eingeschränkt wird. Göth ist auf der Suche nach seiner Schwester, diese soll angeblich von einem Russen getötet worden sein, der nach dem Krieg dageblieben war. Etwas Ähnliches ist schon einmal passiert. Doch Wieland glaubt diese Geschichte nicht. Die Menschen im Dorf können keine Freude mehr empfinden. Sie sind nicht sicher, wie sie Wieland Göth begegnen sollen.
Die Heimkehr von Wieland Göth scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Sein Vater, der ehemalige Dorflehrer, ist dabei, sich totzutrinken. Sein Bruder ist kriegsversehrt. Er erwartet von Wieland, dass er die Versorgung des Vaters übernimmt. Die Mutter ist schon vor Längerem verstorben. Das Dorf hat Wieland schon vor dem Krieg verlassen. Und nun kommt er so spät zurück. Die Menschen im Dorf setzen gewisse Erwartungen in Wieland, allerdings scheint er bald zum Außenseiter zu werden, weil er sich den neuen politischen Strömungen gegenüber eher skeptisch zeigt. Und der Graf, der viel Einfluss im Ort hat, weist einige sehr unschöne Charakterzüge auf.
Gleich mit den ersten Sätzen wirkt dieser historische Kriminalroman sehr düster und beklemmend. Auch mehr als ein Jahr nach dem Krieg wirkt der Krieg noch nach. Es herrscht Verbitterung und eine destruktive Stimmung. Zwar wird den Menschen durch die Besatzung das Leben schwer gemacht, weil sie sich nicht uneingeschränkt bewegen und auch keinen Handel treiben dürfen. Allerdings sieht man auch nicht, dass sie die Kriegsschuld begreifen und sich für die neue Republik engagieren. Es passiert genau das Gegenteil, die anderen sind Schuld und es wird jede Gelegenheit wahrgenommen, gegen die Besatzungssoldaten zu hetzen. Mit Wieland hat man einen Protagonisten, der wenigstens des Denkens mächtig ist. Als Einziger kann er sich allerdings auch nicht gegen die Dorfgemeinschaft stemmen. Beim Lesen zieht sich alles zusammen, beklemmend, man kann es nur wiederholen. Zum Ende hin gibt mehr Tote als der Leserin guttun. Für die Handlung erscheint es folgerichtig, auch wenn die Auflösung anders ist als zu vermuten gewesen wäre.