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Veröffentlicht am 08.12.2019

Außergewöhnliche

Vicious - Das Böse in uns
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Victor Vale und Eliot Cardale lernen sich an der Lockland University kennen. Sie sind hochintelligente Medizinstudenten und Freunde. Aber nicht so richtige Freunde. Und nun müssen sie ihre Abschlussarbeiten ...

Victor Vale und Eliot Cardale lernen sich an der Lockland University kennen. Sie sind hochintelligente Medizinstudenten und Freunde. Aber nicht so richtige Freunde. Und nun müssen sie ihre Abschlussarbeiten abgeben. Eli will mit seinem Thema provozieren und ruft damit Geister, die er eigentlich nicht wecken wollte. Und nun wollen sowohl er als auch Victor sterben, um zu leben, um außergewöhnlich zu werden. Eliot meint nämlich, es müsse Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten geben und er wollte die Gesetzmäßigkeiten finden, aus den die Außergewöhnlichen entstehen. Victor geht einen ketzerischen Schritt weiter. Kann man diese außergewöhnlichen Fähigkeiten erwerben?

Irgendwie gelingt das Experiment, aber zu einem hohen Preis. Mit der Freundschaft der jungen Männer ist es vorbei. Und jeder für sich muss feststellen, dass etwas fehlt. Jahre vergehen und beide haben sehr unterschiedliche Wege beschritten. Vergessen haben sie sich aber nie und beide haben beschlossen, dass es besser für die Menschheit ist, wenn der jeweils andere endgültig und für immer aus dem Verkehr gezogen wird. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt die Handlungsebene dieser auf eine Trilogie angelegte Geschichte. Im weitesten Sinne fühlt man sich vielleicht an Jekyll und Hyde erinnert, denn die außerordentlichen sind eher keine Stubentiger.

Alte Freunde und neue Freunde, alte Feinde und neue Feinde. Toleranz und Auslöschung. Victor und Ele starten an einem Ausgangspunkt und entwickeln sich doch ganz unterschiedlich. Zum fünften Gebot (Du sollst nicht töten) haben sie eine sehr eigene Einstellung. Doch wie der Titel dieses Pageturners schon andeutet, sowohl Eli als auch Vic sind vicious, sie tragen Böses in sich. Doch irgendwie schafft es die Autorin Sympathien zu wecken. Vielleicht schlägt man sich auf eine Seite, auf jeden Fall aber erwartet einen atemberaubende Spannung und reichlich wenig Entsetzen über Menschen, die einfach weggefetzt werden. Dennoch kann man den Roman einmal begonnen nicht mehr aus den Händen legen. Viel zu schnell ist deshalb das Ende erreicht und es bleibt nichts anderes als auf den nächsten Band zu warten.

Außerordentlich spannend und nichts für schwache Nerven.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2019

Verrückt?

Blutblume
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Bin ich verrückt? Das fragt sich Sara immer wieder. Obwohl sie eine militärische Ausbildung hat und danach noch einen Studienabschluss erwarb, muss sie sich in der Warteschlange der Arbeitssuchenden erstmal ...

Bin ich verrückt? Das fragt sich Sara immer wieder. Obwohl sie eine militärische Ausbildung hat und danach noch einen Studienabschluss erwarb, muss sie sich in der Warteschlange der Arbeitssuchenden erstmal hinten anstellen. Sie hatte ein schlimmes Erlebnis und nur kurze Zeit später ist ihr geliebter Vater verstorben. Sara, ihre Mutter und ihre kleine Schwester sind immer noch untröstlich. Dennoch will Sara endlich ins Leben starten und ihre Mutter unterstützt sie dabei. Obwohl der Wohnraum in Stockholm knapp ist, findet Sara ein Zimmer bei einer schrulligen Alten und eine Anstellung in einem Café. Es scheint aufwärts zu gehen, als sie im Café von Bella angesprochen wird, die ihr einen Superjob bei einer PR-Agentur verschafft. Währen da nur nicht diese seltsamen Ereignisse, die Sara an ihrem Verstand zweifeln lassen.

Bei diesem Debütroman handelt es sich um den Beginn einer Trilogie. Die Autorin lässt sich zu Beginn viel Zeit Saras Charakter zu entwickeln. Der Umzug nach Stockholm bringt erstmal Schwierigkeiten mit der schlecht gelaunten Alten, die ihre Mieter offensichtlich ausbeutet und vor dem Aufstellen irgendwelcher Regeln nicht zurückschreckt. Doch Saras Zimmernachbarn machen einen netten Eindruck. Schließlich lernt sie Bella kennen, mit der reichlich Glamour in Saras Leben Einzug hält. Ein neuer Job, eine gemeinsame schicke Wohnung, sie und Bella sind ein Dreamteam. Doch Saras Gedankenkarussell beginnt zu kreisen, wem kann sie trauen?

Am Anfang lässt sich die Autorin etwas arg viel Zeit. Beinahe ist man soweit, sich zu fragen, wen das interessieren soll. Doch geschickt werden zum Glück die Zügel angezogen, bevor man das Buch zur Seite legt. Eingestreute Zeitungsberichte und Sätze, die nicht aus Saras Sicht geschrieben sind, wecken Neugier und erzeugen Spannung. Man kann Saras Misstrauen immer besser nachvollziehen, ihr Gefühl beobachtet zu werden. Wem kann man trauen? Traue niemandem! Ist das ein guter Rat? Ob allerdings einige Sachen einfach im Unklaren gelassen werden oder lose Fäden in den nächsten beiden Bänden wieder aufgegriffen werden, kann jetzt noch nicht gesagt werden. Insofern ist es etwas schwierig, zu entscheiden, wie dieser erste Band zu bewerten ist. Im Original sind bereits alle Teile erschienen, so dass zu hoffen ist, dass die Fortsetzungen auch hier schnell veröffentlicht werden. Nach dem etwas trägen Beginn entwickelt sich das Buch sehr spannend.

Veröffentlicht am 06.12.2019

Angst als Mut verkleidet

Alles, was wir sind
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Sie haben Abschlüsse, während des Krieges waren sie wichtig im Geheimdienst. Nun ist der Krieg seit ein paar Jahren vorbei und sie sind verheiratet, haben Kinder oder sind gerade noch gut genug für den ...

Sie haben Abschlüsse, während des Krieges waren sie wichtig im Geheimdienst. Nun ist der Krieg seit ein paar Jahren vorbei und sie sind verheiratet, haben Kinder oder sind gerade noch gut genug für den Schreibpool. Wenigstens gehören sie so noch zur Agency. Und mal wieder beginnt eine Neue mit der Arbeit. Irina wurde in Amerika geboren, doch ihre Mutter kam aus der Sowjetunion. Die Mädchen und Frauen begegnen ihr reserviert, wieso hat sie den Job bekommen, die Schnellste beim Schreiben ist sie jedenfalls nicht. In der Sowjetunion schreibt der Autor Boris Pasternak derweil an seinem berühmten Roman Doktor Schiwago. Ein Buch, das nach dem Willen der Staatsmacht nicht veröffentlicht werden soll.

In ihrem ersten Buch schreibt die Autorin über Pasternak und seine Geliebte Olga, die für ihre Liebe ins Straflager geht. Sie schreibt auch über die jungen Frauen in Amerika, die im Krieg viele Aufgaben der Männer übernahmen, die nach dem Krieg eigentlich wieder an den Herd sollten, dies aber nicht mehr wollten. Doch so unauffällig die Mädels aus dem Schreibpool erscheinen, manche sind doch beste Spione. Ihr Aufgabe ist es, geheime Kassiber in Empfang zu nehmen und weiterzuleiten. Dabei geht es auch um das Manuskript von Doktor Schiwago, das wenigstens in der Übersetzung erscheinen soll. Und vielleicht tut sich auch die Möglichkeit auf, den Sowjetbürgern eine Fassung zugänglich zu machen.

Welch spannende Geschichte entwickelt sich um die Entstehung und die Veröffentlichung dieses großen Romans. Die Literatur als Politikum. Staaten, die sich einmischen. Agenten, Spione, Herausgeber - ein Ziel. In bewegenden Worten schreibt Lara Prescott über die Protagonisten. So manches Mal fühlt man sich mitten im Geschehen. Wobei man sehen kann, dass nicht immer die selbe Seite es ist, die alles vorschreibt oder anders Denkende diskriminiert. Hier soll nicht nur einem Buch zum Weg in die Freiheit verholfen werden. Es sind Gedanken und Gefühle, die zur freien Entfaltung kommen sollen. Wie tragisch, wenn Olga im Arbeitslager jeder Härte ausgesetzt ist. Tragisch auch, wie die Frauen, die den Krieg energisch durchschritten hatten, danach wieder zu Heimchen am Herd werden sollten. Ein beeindruckender Roman über eine nicht allzu ferne Zeit und ein herausragendes Werk der Weltgeschichte.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.12.2019

Modewoche

Blutmond
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Kriminalassistent Jeppe Kørner hat sich nach dem letzten Fall erholt und auch die Trennung von seiner Frau einigermaßen überwunden. Nur das Haus ist so leer. Da freut er sich beinahe auf den nächsten Fall. ...

Kriminalassistent Jeppe Kørner hat sich nach dem letzten Fall erholt und auch die Trennung von seiner Frau einigermaßen überwunden. Nur das Haus ist so leer. Da freut er sich beinahe auf den nächsten Fall. Ende Januar ist es kalt in Kopenhagen. Doch die Modewoche läuft, die ersten Meetings und Parties haben begonnen. Nach einer solchen Feier taumelt der Designer Alpha Bartholdy nach draußen und stirbt dort qualvoll. Für Jeppe besonders bedrückend, sein bester Kumpel Johannes Ledmark war mit dem Opfer befreundet. Nun muss Jeppe herausfinden, ob sein Freund etwas mit der Tat zu tun haben könnte.

Es ist der zweite Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner gemeinsam ermitteln. Jeppe geht es relativ gut. Er hat seine mehrwöchige Reise nach Australien genossen und eine neue Freundin hat er auch. Dagegen macht sich Anette Sorgen um ihre Gesundheit. Sollte sie, die immer eine Pferdenatur hatte, plötzlich gesundheitliche Probleme entwickeln. Es kostet sie große Überwindung, zum Arzt zu gehen. Und nun auch noch dieser rätselhafte Fall. Wer in der Modebranche sollte etwas gegen Bartholdy gehabt haben. Offensichtlich war der Mann nicht übermäßig sympathisch, aber er war eben auch ein Einzelgänger. Bald stellt sich heraus, dass doch ein paar Menschen Grund gehabt hätten, auf Bartholdy sauer zu sein.

Bei der Lektüre freut man sich, den alten Bekannten wieder zu begegnen. Neben den Ermittlern tauchen auch Esther und Gregers wieder auf und tragen auf ihre spezielle Art zu den Nachforschungen bei. Sehr gut aufgebaut ist der Fall. Ein Mann, der vor fast nichts zurückschreckt, da seien nur Betrug und Erpressung genannt, hat eben doch ein paar Feinde. Darunter auch solche, die ihm an Gemeinheit in nichts nachstehen. Doch diese Lösung wäre zu einfach. Da hat sich die Autorin wirklich etwas Besseres ausgedacht. Die Ermittlung geht in alle Richtungen und als Leser ist man mega gespannt, welches sich als die Richtige erweisen wird. Nicht zu kurz kommt auch das Private und die persönlichen Beziehungen der Handelnden. Erfreulich, dass eine wunderbar ausgewogene Balance zwischen Beruf und Privat erreicht wird. Dieser zweite Teil hat den ersten übertroffen.

Veröffentlicht am 30.11.2019

Das Monster

Ich bin der Schmerz
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Noch immer ist die Shepherd-Gruppe auf der Jagd nach Verbrechern, denen die normale Polizei nicht beikommen kann. Dabei dürfen ihre Mitglieder Grenzen überschreiten, wie es der normalen Polizei nicht erlaubt ...

Noch immer ist die Shepherd-Gruppe auf der Jagd nach Verbrechern, denen die normale Polizei nicht beikommen kann. Dabei dürfen ihre Mitglieder Grenzen überschreiten, wie es der normalen Polizei nicht erlaubt ist. Im Moment haben sie es mit einem zu tun, der der Anstifter genannt wird. Dieser erpresst bis dahin unschuldige Menschen dazu, andere zu töten. Der Anstifter macht es sich grausam zu nutze, dass jemand zu vielem bereit ist, um seine Familie zu schützen. Marcus Williams hält die Verbrecherjagd kaum noch aus, er ist fahrig und findet keine Ruhe. Trotzdem setzt er alles daran, den Anstifter dingfest zu machen.

Auf der Suche nach dem Anstifter, gelingt es Marcus und seiner Partnerin Maggie fast, einen der angestifteten zu retten. Aber leider nur fast. Ihr Versagen zieht weitere Opfer nach sich und die Suche nach dem Anstifter gerät immer fieberhafter. Hilfe kommt von einer Seite, von der es nicht zu erwarten war. Marcus’ Bruder Francis, der Serienmörder, steht den Ermittlern bei. Allerdings auf seine ganz eigene Art. Und so nimmt der dritte Band um Francis J. Ackerman und die Shepherd Gruppe seinen Lauf. Wie schon gewohnt, geht es von einer Gewaltorgie zur nächsten. Allerdings erfährt der Leser auch einiges zum Familienhintergrund der Ackermans.

Man mag die Reihe oder man mag sie nicht. Wenn man eher zu Letzteren gehört, hat man es auch mit diesem Band der Reihe nicht ganz leicht. Als Leser von Kriminalromanen kann man sich mit der Ermittlung beinahe anfreunden, da zumindest anfangs recht geradlinig nach dem Täter gesucht wird. Ob man jedoch die Anwendung von Gewalt in vielen Formen auch durch sogenannte Gesetzeshüter gutheißen möchte, muss jedoch jeder für sich entscheiden. Einige Male treibt es der Autor vielleicht doch etwas arg. Und auch die Unkaputtbarkeit seiner benötigten Protagonisten wird schon sehr strapaziert. Auch wenn man nach der Lektüre eher zwiegespalten ist, so lässt sich dieser gemeine Thriller doch gut lesen und fesselt.