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Veröffentlicht am 02.04.2026

Rosen, Anker, Totenköpfe

No Regrets
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In einer Stadt, die wahrscheinlich im Ruhrgebiet liegt, betreiben Muddy und Hänk das Tattoo-Studio No Regrets. Seit Jahren stechen sie diverseste Motive und sie sorgen dafür, dass ihre Kunden die Entscheidung ...

In einer Stadt, die wahrscheinlich im Ruhrgebiet liegt, betreiben Muddy und Hänk das Tattoo-Studio No Regrets. Seit Jahren stechen sie diverseste Motive und sie sorgen dafür, dass ihre Kunden die Entscheidung möglichst nicht bereuen. Allerdings könnte das Studio ein wenig frischen Wind gebrauchen. Vielleicht ist es eine Art Fügung, dass die junge Luz hereinschneit. Sie hat andere Motive im Repertoire und das wäre eine gute Ergänzung für die Arbeiten, die Muddy und Hänk anbieten. Muddy ist sofort dafür, Luz einen Platz bekommt. Hänk dagegen will von einer Neuen gar nichts wissen.

Muddy ist der Älteste im No Regrets. Hänk und er haben sich kennengelernt als Hänk noch Zivi war. Das ist eine ganze Weile her, um nicht zu sagen Jahrzehnte. Nun sind sie in ihren eingefahrenen Bahnen und irgendwie muss sich mal was ändern, wenn es mit ihrem Laden nicht noch weiter bergab gehen soll. Könnte Luz gerade die Rettung bringen? Ihre Arbeit ist von hoher Qualität und sie bringt andere Kunden herein. Hänk ist aber wirklich nicht für Veränderungen zu haben. Er ist so ein schlurf Schlumpf, dem die jungendliche Dynamik abhanden gekommen ist. Muddy dagegen versucht ihn in eine andere Richtung zu manövrieren. Vielleicht besteht ja eine echte Chance, dass aus den Dreien ein Team wird.

Wenn man mit der Lektüre des Romans beginnt, fühlt man sich in etwas so als würde man das No Regrets betreten. Mit dem Krokodil im Schaufenster, mit den Arbeitsplätzen, den Zeichnungen, den Farben. Muddy und Hänk granteln vor sich hin und Luz fragt sich, wo sie da gelandet ist. Man selbst grummelt, weil Luz als weibliche Tattookünstlerin keine Chance erhält. Vielleicht ist sie bei Muddy und Hänk gerade richtig. Man hofft, dass sie den Laden mal so richtig aufmischen wird. Wenn sie so frei Schnauze reden, wenn sie sich langsam annähern und wenn es schließlich richtig spannend wird und Rudi sich noch freischwimmt, dann ist man sehr zufrieden mit dem Roman.

Eine Erwähnung verdient die Umschlaggestaltung, die einem das richtige Gefühl für das No Regrets gibt.

Veröffentlicht am 31.03.2026

Fröhliches Seniorenheim

Betreutes Morden
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Nur finanziell steht es nicht ganz so gut um das Seniorenheim Sheldon Oaks. Eine der Wohnungen zu verkaufen, ist daher eine gute Gelegenheit. Dass dafür eine verurteilte Serienmörderin einzieht, die nach ...

Nur finanziell steht es nicht ganz so gut um das Seniorenheim Sheldon Oaks. Eine der Wohnungen zu verkaufen, ist daher eine gute Gelegenheit. Dass dafür eine verurteilte Serienmörderin einzieht, die nach fünfunddreißig Jahren endlich wieder in Freiheit ist, muss man ja nicht an die große Glocke hängen. Das ist Carol Quinn ganz recht so, denn sie will ihre Vergangenheit hinter sich lassen und endlich ein paar Freunde finden. Störend ist da schon, dass direkt vor ihrem Balkon ein Bewohner vom Dach fällt. Natürlich ist es Carol, die sofort unter Verdacht steht. Wenn sie in Sheldon Oaks ankommen will, muss sie herausfinden, wer der wahre Täter ist.

Schnell bildet sich ein Ermittlerteam denn in dem Heim für wohlsituierte Senioren leben ein ehemaliger Kripobeamter, eine Gerichtsmedizinerin, eine ehemalige Politikerin und nun auch eine ehemalige Mörderin. Zwar denken die anderen zunächst, es kann nur Carol gewesen sein. Deshalb stellen sie Nachforschungen an, um zu beweisen, dass Carol es getan hat. Jedoch kommen leise Zweifel auf. Carol ist schließlich gerade erst eingezogen und heißt es nicht. „Im Zweifel für den Angeklagten“? So wird aus dem anfänglichen Gegeneinander schließlich doch ein Miteinander, mit Anlaufschwierigkeiten. Allerdings hat auch die noch aktiv tätige Polizei ihr Augenmerk auf Carol gelegt.

Ein britischer Kriminalroman, der sehr vergnüglich zu lesen ist. Es geht ein wenig um die Eigenheiten der Bewohner des Seniorenheims, die Eigenheiten der Polizei und natürlich auch um Carols Eigenheiten. Denn Carol will nicht mehr die mordende Außenseiterin sein. Endlich will sie dazugehören und richtige Freundschaften finden. Schafft sie das? Und schafft sie es die Tat aufzuklären? Nachher kommt ihr noch die Polizei zuvor. Obwohl es um Mord und Totschlag geht, bekommt man beim Lesen/Hören gute Laune. Manchmal lacht man, häufig schmunzelt man.

Bei der Sprecherin des Hörbuchs handelt es sich um die Schauspielerin Manon Straché, die die Handlung so lebendig vorträgt, dass man beinahe glaubt, man ist mitten drin.

Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein Renner

Das Gemälde
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Harry Lewis ist frei und sein ehemaliger Herr hat ihm versprochen, dass das vielversprechende Fohlen ihm gehört. Natürlich darf das niemand wissen, denn im Jahr 1855 darf kein Schwarzer ein Rennpferd besitzen. ...

Harry Lewis ist frei und sein ehemaliger Herr hat ihm versprochen, dass das vielversprechende Fohlen ihm gehört. Natürlich darf das niemand wissen, denn im Jahr 1855 darf kein Schwarzer ein Rennpferd besitzen. Von den Gewinnen, die ihm versprochen werden, will Harry seinen Sohn Jarret freikaufen. Doch es kommt anders. Viele Jahre später gelangt der Doktorand Theo an ein altes Gemälde, das ein Rennpferd mit seinem Pfleger zeigt. Gleichzeitig versucht Jess alles über das Skelett eines Pferdes herauszufinden, dass im Museum ausgestellt ist. Irgendetwas kommt ihr eigenartig vor. Der Zufall fühlt Jess und Theo zusammen und sie wollen mehr über das Pferd und seinen Pfleger zu erfahren.

Mit der Verknüpfung von mehreren Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen bekommt der Leser oder die Leserin die Lebensgeschichte des Rennpferdes Darley/Lexington nahegebracht. Vor den amerikanischen Sezessionskrieg war der Pferderennsport eine anerkannte Sportart. Züchter, Trainer und Pfleger suchten nach den vielversprechendsten Fohlen. Dabei hat Lexington in seiner Karriere nur wenige Rennen gewonnen. Seine Linie hat allerdings viele erfolgreiche Rennpferde hervorgebracht. Jarret ist es, der Lexington liebevoll aufzieht. Sein Vater und er haben Pläne, die allerdings durchkreuzt werden, weil schwarze Menschen manche Möglichkeiten einfach nicht haben. Dennoch schafft es Jarret immer bei seinem Pferd zu bleiben.

Von dieser Lebensgeschichte eines Rennpferdes zu erfahren, ist sehr interessant und spannend. Was das Pferd angeht, hat sich die Autorin weitgehend an die historischen Fakten gehalten. Darum hat sie eine fiktionale Handlung gesponnen, die einen nach einigen anfänglichen Gewöhnungsbemühungen wirklich packt. Der Lebenslauf von Jarret ist in seine Zeit geschrieben. Es ist bedrückend zu lesen, wie mit den Menschen umgegangen wurde. Doch Jarret findet einen Weg. Und auch die weiteren Geschichten ziehen einen in ihren Bann, vor allem wenn man nach einer Weile merkt wie geschickt alles sich zusammenfügt. Leider hat der Roman so ein inzwischen muss man sagen typisch amerikanisches Ende. Da möchte man so langsam doch mal von einem anderen Ausgang lesen. Insgesamt aber ein sehr lesenswertes Buch über ein Pferd, das beinahe eine Art Nationalheld geworden ist.

Veröffentlicht am 28.03.2026

Das alte Gutshaus

Fäden des Glücks
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Seit Jahren war Karla nicht mehr in Lüttenbü. Nach jenem letzten Sommer dort haben sich ihre Eltern scheiden lassen. Karlas Vater an ein Jobangebot an der Columbia angenommen und Karla ist mit ihrer Mutter ...

Seit Jahren war Karla nicht mehr in Lüttenbü. Nach jenem letzten Sommer dort haben sich ihre Eltern scheiden lassen. Karlas Vater an ein Jobangebot an der Columbia angenommen und Karla ist mit ihrer Mutter in Deutschland geblieben. Karla hat BWL studiert, weil sie eine sichere Grundlage haben wollte. Nun wohnt sie in Frankfurt am Mein und hat einen sicheren Job. Nun hat sie einen kapitalen Bock geschossen und ist draußen. Und dann hat sie auch noch eine Zahlungsaufforderung über Grundsteuer im Postkasten, dabei hat sie kein …. Moment mal, ihr verstorbener Vater hat ihr doch das Haus in Lüttenbü vermacht.

Der Tod eines Elternteils ist immer ein einschneidendes Ereignis, selbst wenn der Kontakt beinahe abgerissen war. Leider haben die Eltern nie zu einem entspannten Umgang gefunden. Warum ihr Vater das Haus, dass ihnen nicht viel Glück gebracht hat, nicht einfach verkauft hat, hat Karla nie so richtig verstanden. Nun fällt ihr die Aufgabe zu und sie macht sich auf den Weg in die alte Ferienheimat, in der sie sich immer so wohl gefühlt hat. Dieses heimelige Gefühl stellt sich sofort wieder ein als Karla ankommt. Je mehr sie das Haus verkaufsfertig herrichtet, desto mehr Zweifel kommen ihr. Und dann trifft sie auch noch ihre Ferienliebe Rasmus wieder.

Beim Anblick des Covers kann man verstehen wieso sich Karla in ihrer alten Ferienheimat so wohl fühlt. Die alte Nähmaschine schein während der ganzen Zeit auf sie gewartet zu haben. Und die schönen Farben erinnern an Frühling.

Dennoch spürt man schnell, dass Karla den abrupten Abschied von damals noch nicht ganz verarbeitet hat. Man hofft, dass da noch eine Aufarbeitung möglich ist. Und die romantischen Momente zwischen ihr und Rasmus prickeln so schön. Das es über die Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern einiges zu lernen gibt, erfährt man in einem fesselnden Nebenstrang. Manchmal hat man den Eindruck, dass einige Worte zu häufig benutzt werden. Das ist zum Glück nur ein flüchtiger Moment. Schön ist es zu lesen, wie Karla genau genommen durch das alte Haus wieder zu Lebensfreude findet. Die liebenswerten Dorfbewohner tragen ein Übriges zum Lesevergnügen bei. Dann bliebt nur noch zu hoffen, dass Karla und Rasmus noch eine bessere Chance erhalten als in ihrer Jugend. Ein schöner Roman mit mehr Tiefe als man auf den ersten Blick annehmen könnte.

Veröffentlicht am 25.03.2026

Fotografin

Die weiße Nacht
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Kurz vor Weihnachten des Jahres 1946 ist das Leben in Berlin hart. Die Fotografin Lou Faber weiß manchmal nicht wie sie für sich und ihren Mitbewohner Bruno an etwas zu essen kommen soll. Eines Abends ...

Kurz vor Weihnachten des Jahres 1946 ist das Leben in Berlin hart. Die Fotografin Lou Faber weiß manchmal nicht wie sie für sich und ihren Mitbewohner Bruno an etwas zu essen kommen soll. Eines Abends findet sie die Leiche einer jungen Frau. Während sie auf die Polizei wartet, macht sie ein paar Fotos von der im Schnee liegenden Frau. Kommissar Alfred König entlässt Lou nach einem kurzen Gespräch. Der Kommissar beginnt mit den Ermittlungen, an denen Laien natürlich nicht beteiligt werden. Allerdings hat er nicht mit Lous Finesse gerechnet. Vielleicht sollten die Beiden ihre Kräfte bündeln.

In diesem ersten Band der Reihe um Kommissar König und die Fotografin Lou Faber, die im Berlin der Nachkriegsjahre ermitteln. Hier lernen sie sich kennen, wollen die Bekanntschaft jedoch eigentlich nicht vertiefen. Beide haben Erfahrungen mit dem untergegangenen Regime, die sie nicht unbedingt teilen wollen. Die Menschen in Berlin stehen immer noch unter dem Eindruck des Krieges. Sie wollen davon nichts mehr wissen, müssen sich mitunter doch ihren Taten stellen. Andere wiederum sind auf die Füsse gefallen, hin und wieder auch im öffentlichen Dienst, dessen Mitarbeiter doch unbelastet sein sollten. Lou begegnet König mit Misstrauen, gehen seine Einschränkungen auf Kriegsverletzungen zurück?

Die Autorin Anne Stern ist vielleicht bekannt durch ihre Romane über Fräulein Gold. Auch in ihrem neuen Buch hat sie sich einer geschichtsträchtigen Zeit angenommen. Die ersten Nachkriegsjahre waren durch Entbehrungen, Hunger und ein karges Leben gekennzeichnet. Dies wird eindringlich und anschaulich beschrieben. Man sollte wirklich keinen Krieg herausfordern und schon gar keinen anfangen. In diese Schilderung ist ein Fall eingebettet, der Lou Faber und Alfred König letztlich doch gemeinsam ermitteln lässt. Man bekommt einen Eindruck wie perfide das Regime handelte und möchte sich schütteln wegen der Schlechtigkeit. Das wird sehr packend vorgetragen von Julia Nachtmann. Genau solche klug aufgebauten und genau recherchierten historischen Romane liest oder hört man gerne. Auch die Gestaltung des Buchumschlags mit seiner Mischung aus Düsternis und Freude passt sehr gut in die Zeit, in der die Handlung angesiedelt ist.