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Veröffentlicht am 24.01.2021

Um die Welt

Teori
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Im Jahr 1773 startet die zweiter Forschungsreise von James Cook. Mit an Bord ist der erst 17jährige Georg Forster als Assistent seines Vaters Reinhold, der einen wissenschaftlichen Bericht über die Reise ...

Im Jahr 1773 startet die zweiter Forschungsreise von James Cook. Mit an Bord ist der erst 17jährige Georg Forster als Assistent seines Vaters Reinhold, der einen wissenschaftlichen Bericht über die Reise verfassen soll. Georg ist Feuer und Flamme, schon einmal durfte er mit dem Vater Russland bereisen und wieder will er die Welt sehen. Dabei ist seine Sicht auf die Dinge durchaus anders als die seines Vaters. Das Leben auf See ist allerdings nicht ganz einfach, wie Georg bald feststellen muss. Manche der Matrosen haben eine recht nachlässige Einstellung zum Leben und George selbst macht die Seekrankheit zu schaffen.

Der Chronist, mit dessen Sicht die Handlung umrahmt ist, trifft Georg Forster im Jahr 1794 in Paris. Dort fordert die Revolution ihre Opfer. Gerade nach Paris ist Forster geflohen. Seine Erinnerung an die Reise in den Reihen von James Cook ist aber noch sehr lebendig. Und so erzählt er wie die Zeit damals erlebt hat. Die Querelen des Sohnes mit dem Vater, welcher hin und wieder ein überhebliches Verhalten an den Tag legt. Cook erscheint dagegen als Vorbild, weil er doch meistens ruhig bleibt. Auch unter den Reisegenossen finden sich einige, mit denen Georg sich gut austauschen kann.

Bei Georg Forster handelt es sich um eine historische Person, die tatsächlich an der zweiten Fahrt Richtung Südsee von James Cook teilnahm. In diesem Roman lässt der Autor hauptsächlich den jungen Forster zu Wort kommen, der trotz seiner Jugendlichkeit manchmal fast lebensweise wirkt. Er beobachtet und denkt sich sein Teil zum einen, zum anderen kommt auch sein Hunger nach Leben zum Ausdruck, seine Neugier und seine Wissbegier. Damit schafft es der Autor, Bilder zu zeichnen, die das Gefühl vermitteln, so könnte es gewesen sein. Ein Reisebericht, der keinesfalls trocken ist, nein, man merkt, es waren Menschen, die reisten und Menschen wurden aufgesucht.

Veröffentlicht am 17.01.2021

Gilead

Die Zeuginnen
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Die kleine Nicole ist vor etlichen Jahren aus Gilead verschwunden. Inzwischen muss sie ein Teenager sein. In Gilead könnte sie zu einer Lichtgestalt hochstilisiert werden. Doch dazu muss sie gefunden werden. ...

Die kleine Nicole ist vor etlichen Jahren aus Gilead verschwunden. Inzwischen muss sie ein Teenager sein. In Gilead könnte sie zu einer Lichtgestalt hochstilisiert werden. Doch dazu muss sie gefunden werden. Das Regime in Gilead ist weiterhin an der Macht. Die Männer haben das Sagen, die Frauen sind auf ihre Fähigkeit Kinder zu bekommen reduziert. Eine Ausnahme bilden nur die Tanten, die als Bewahrerinnen der Geschichte fungieren und manchmal auch als heimliche Herrscherinnen auftreten. Tante Lydia, eine der Gründungstanten, ist immer dabei, die Fäden zu spinnen. Sie beobachtet genau und zieht ihre Schlüsse.

Wie lange kann ein totalitärer Staat bestehen, in dem es die Machthaber nicht schaffen, ihre Stellung nicht auszunutzen. Mit Leichtigkeit werden die Frauen in allen Lagen ausgenutzt und die wenigen Ausbrüche, die ihnen gegönnt werden, können nicht erstrebenswert sein. Doch noch halten die Unterdrückten still. Die Männer meinen, sie hätten das Heft in der Hand und manchmal benehmen sie sich wie die Axt im Wald. Aber sie sitzen fest im Sattel, so scheint es jedenfalls. Da ist es fast zu vernachlässigen, dass sich der Widerstand im fernen Kanada formiert. Wesentlich bemerkenswerter ist es für sie, wenn Mädchen aus Kanada oder anderen Ländern heimgeführt werden.

Lange Jahre musste man warten, wenn man in den 1980er Jahren vom „Report der Magd“ begeistert war, um zu erfahren, wie es in dem totalitären Staat Gilead weitergeht. Zum Glück hat sich das Warten gelohnt. Der Nachfolgeband, bestehend aus den lebendigen Berichten aus drei unterschiedlichen Perspektiven, ist wirklich sehr lesenswert. Gebannt verfolgt man die Berichte der verschiedenen Frauen und fragt sich, wie das alles zusammenhängt. Aus kleinen Hinweisen ergibt sich eine Einsicht ins große Ganze und die Suche danach macht die Lektüre ungemein spannend. Und immer wieder kommt das Hadern mit diesem fürchterlichen Staat, dem man nur ein Ende wünschen kann. Wie froh kann man sein, in einem freiheitlichen Staatsgebilde beheimatet zu sein. Dieser Roman bildet eine sehr gelungene Weiterentwicklung des Vorgängerbandes.

Veröffentlicht am 15.01.2021

Geheimermittlung

Das dunkle Dorf
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In Gröden wird in einem Hotel die Leiche eines Dorfpolizisten gefunden. Commissario Grauner soll die Ermittlungen übernehmen, doch ihm steht nicht der Sinn danach. Seine Tochter Sara, mit er sich ausgesöhnt ...

In Gröden wird in einem Hotel die Leiche eines Dorfpolizisten gefunden. Commissario Grauner soll die Ermittlungen übernehmen, doch ihm steht nicht der Sinn danach. Seine Tochter Sara, mit er sich ausgesöhnt glaubte, ist seit Tagen verschwunden und Grauner macht sich große Sorgen um sie. Am liebsten würde er den Fall seinem Partner Saltapepe komplett übertragen, doch auch dieser kann aus Angst vor der Mafia nicht so offen ermitteln wie gewohnt. Derweil begibt sich Alba, Grauners Ehefrau, auf die Suche nach ihrer Tochter und betritt damit ein gefährliches Gebiet, denn Sara ist mit gefährlichen Leuten in Berührung gekommen.

In seinem bereits sechsten Fall bekommt es Commissario nicht nur mit einem schwierigen Fall, sondern auch mit der Mafia zu tun. Womit er nicht rechnen kann, ist wie nah seine Tochter und ihr Freund dem Verbrechen kommen. Wie soll der Commissario seine Familie nur beschützen. Doch was hat die Mafia überhaupt in Südtirol zu suchen? Diese sollte doch eher in Süditalien zu vermuten sein. Wie Grauner von seinem Chef erfährt, steckt wohl mehr hinter dem aktuellen Todesfall als ein bloßer Polizistenmord. Hat die Mafia auch hierbei die Finger im Spiel? Fast schon ist Grauner froh, als sein Chef ihn bittet, es etwas ruhiger anzugehen, so kann er sich mehr der Suche nach seiner Tochter widmen.

Es fängt ganz harmlos an, nun ja, mit einem Mord natürlich nicht wirklich harmlos. Doch verglichen mit dem, was noch folgt, ist dieser Todesfall erstmal nicht so spektakulär. Wenn jedoch nach und nach herauskommt, wie vieles zusammenhängt, dann wird die Nachforschung sehr spannend. Ein Elternpaar, dass sich um die Tochter sorgt, eine geheime Untersuchung gegen die Mafia und ein Saltapepe, der in Gefahr gerät. Packende Krimikost, bei deren Lektüre man es manchmal nicht fassen kann, wie weit die Tentakel der Mafiakrake reichen. Das idyllische Gröden, welches man eher vom Wintersport kennt, bekommt hier einen ganz anderen Charakter. Ein fesselndes Kriminalstück, das gerne empfohlen wird.

Veröffentlicht am 10.01.2021

Brückenbauer

Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit
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Im Jahr 997 überfallen die Wikinger das Heimatdorf von Edgar. Zwar bemerkt Edgar den drohenden Angriff auf Combe, doch als Einzelner kann er nicht viel tun. Der Ort wird fast zerstört. Tragischerweise ...

Im Jahr 997 überfallen die Wikinger das Heimatdorf von Edgar. Zwar bemerkt Edgar den drohenden Angriff auf Combe, doch als Einzelner kann er nicht viel tun. Der Ort wird fast zerstört. Tragischerweise kommt bei dem Überfall auch Edgars Geliebte um. Gleichzeitig träumt eine junge Grafentochter aus der Normandie von einem kleinen Reich in England. Sie macht sich auf den Weg, um zu heiraten. Doch ihr Weg ist nicht ohne Hindernisse, denn kurz vor dem Ziel wird die Reisegruppe überfallen und ausgeraubt. Und auch ihr Gatte entpuppt sich in seiner Heimat als ein anderer. Zwar ist er ihr durchaus zugetan, aber die Familie versucht in die junge Ehe hinein zu regieren.

Dieser historische Roman ist das Prequel zu den anderen Kingsbridge-Romanen des Autors und gleichzeitig der vierte Band der Reihe. Da die Handlung über hundert Jahre vor der Handlung der „Säulen der Erde“ angesiedelt ist, ist eine Kenntnis der anderen Bände zum Verständnis nicht notwendig. Der junge Bootsbauer Edgar, die schöne Ragna und der Bischof Wynston und der Vorstand des örtlichen Stifts - um sie ranken sich die Geschichten von Liebe und Hass. Edgar hat Ideen, die den Fortschritt bringen können, doch er ist arm und manchmal fehlen ihm die Unterstützer. Und Ragna landet recht schnell auf dem Boden der Tatsachen, auf dem sie sich mit den Intrigen der Familie auseinandersetzen muss. Wobei auch Bischof Wynston seine Finger drin hat.

Als leicht gekürztes Hörbuch bietet dieser Roman spannende Unterhaltung. Man gewinnt zwar den Eindruck, dass das historische im Vergleich zu den Schicksalen der handelnden Personen etwas zu kurz kommt, aber vielleicht liegt das auch an der Kürzung oder man folgt hörend eher den Erlebnissen von Edgar und seinen Gefährten. Diese sind interessant und fesselnd. Es ist toll in eine andere Zeit einzutauchen, in der die Menschen teils sehr arm waren, teils aber auch wohlhabend, in der genauso Intrigen gesponnen worden wie heute und in der der König näher an seinem Volk ist als die Regierenden in unseren Tagen. Dieser historische Roman bringt einem die alte Welt so nahe wie es aus heutiger Sicht möglich ist.

Veröffentlicht am 08.01.2021

Wenn Zweie eine Reise tun

Miss Bensons Reise
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Mit fast 47 Jahren kommt sich Margery Benson, die zwei Weltkriege miterlebt hat, schon etwas alt vor. Seit zwanzig Jahren unterrichtet sie mehr schlecht als recht Kochen und Hauswirtschaft. Und wieder ...

Mit fast 47 Jahren kommt sich Margery Benson, die zwei Weltkriege miterlebt hat, schon etwas alt vor. Seit zwanzig Jahren unterrichtet sie mehr schlecht als recht Kochen und Hauswirtschaft. Und wieder einmal spotten die Mädchen über ihre ältliche Lehrerin, Diesmal allerdings bringen sie das Fass zum Überlaufen. Margery flieht aus der Schule, nicht ohne ein paar Schuhe mitgehen zu lassen. Jetzt will sie ihren Traum leben und im Herbst 1950 schifft sie sich auf der Orion ein, die nach Brisbane fährt. Mit von der Partie ist Margerys neue Assistentin, die exaltierte Enid Pretty. Gemeinsam wollen sie den bisher nicht nachgewiesenen goldenen Käfer von Neukaledonien suchen.

Auch wenn der zweite Weltkrieg seit fünf Jahren vorüber ist, sind seine Auswirkungen noch deutlich zu spüren. Die Männer sind gezeichnet und die Frauen kaum weniger. Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass eine Frau, die schon beinahe eine alte Jungfer ist, auf die Idee kommt, zu einer Insel im Südpazifik zu reisen, um einen Käfer zu suchen. Ebenfalls ungewöhnlich ist auch ihre Reisebegleiterin. Enids laute und zupackende Art ist zunächst keine Empfehlung. Doch in Ermangelung anderer Möglichkeiten raufen die beiden Frauen sich zusammen und freunden sich schließlich an. Dabei muss besonders Margery über sich hinauswachsen, die mit Abenteuern wie auf Berge klettern oder Auto fahren nie gerechnet hatte.

Zwei Frauen - eine Schicksalsgemeinschaft. Mit warmherzigen und humorvollen Worten schildert die Autorin die Erlebnisse von Margery und Enid. Manchmal sieht man aufgeschreckte Hühner oder Streithühnchen vor sich, häufig aber auch freundlich neugierige Wesen, die sich gegenseitig bestaunen. Tapfer und wacker behaupten sich die Reisegefährtinnen in einer fremden und manchmal befremdlichen Welt, ohne dabei gleich jedes Geheimnis preiszugeben. Und so reißen sie den Leser in den Strom ihrer Geschichte, um ihn durchgewirbelt wieder loszulassen. Vielleicht wird einem nicht jede Krümmung des Handlungsstroms gefallen, aber dennoch überzeugen diese beiden Erforscherinnen einer ihnen unbekannten Welt. Ihr Mut und ihr Enthusiasmus macht Freude. Nie aufgeben scheint die richtige Devise. Und der goldene Käfer? Tja, das muss der geneigte Leser selbst herausfinden.