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Veröffentlicht am 17.04.2021

Provinzcop

Todesstrom
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Im Jahr 1993 wird der junge Polizist Cormac Reilly zu einem Fall vermeintlicher häuslicher Gewalt gerufen. Die Situation in dem düsteren Haus ist unerwartet anders. Zwei Kinder wachen bei ihrer toten Mutter. ...

Im Jahr 1993 wird der junge Polizist Cormac Reilly zu einem Fall vermeintlicher häuslicher Gewalt gerufen. Die Situation in dem düsteren Haus ist unerwartet anders. Zwei Kinder wachen bei ihrer toten Mutter. Die 15jährige Maude beschützt den erst 5jährigen Jack.

Zwanzig Jahre später hat sich Reilly von Dublin wieder nach Galway versetzen lassen. Auf dem Revier gehen Gerüchte um, was der Grund dafür gewesen sein könnte. Quasi in der Probezeit bekommt Reilly zunächst nur alte unaufgeklärte Fälle zugewiesen. Darunter ist zu seiner Überraschung auch der noch immer unaufgeklärte Todesfall von vor zwanzig Jahren.

Bei seinem ersten Auftritt unternimmt Cormac Reilly zumindest von außen betrachtet einen Karriererückschritt. Bei seinem neuen oder auch alten Revier muss er erstmal herausfinden, wem er vertrauen kann. Es ist inzwischen doch etwas befremdlich, dass er nur Cold Cases zugewiesen bekommt, bei denen wirklich nichts mehr zu machen ist. Als er dann einem seiner ersten Fälle wieder begegnet, der nie ausermittelt wurde, will er doch versuchen, der Toten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Reilly beginnt nachzuforschen, ob damals etwas übersehen worden sein könnte. Inzwischen kümmert sich sein Kollege Danny um den Fall seiner verschwundenen Schwester. Ein Verschwinden, das die Familie zunächst nicht ganz ernst genommen hat.

Mehrere ältere und neuere Fälle, die irgendwie verwoben sind. Ein Polizist, der bei seinen Kollegen nicht besonders angesehen ist. Und ein paar angedeutete private Probleme, deren Gewicht noch nicht richtig klar wird. Eine Mischung für einen normalen Kriminalroman. Die Ausführung ist hier jedoch sehr gelungen. Der Fall ist rätselhaft, die Intrigen innerhalb des Polizeiapparats sehr fies. Das Finden von Verbündeten schwierig. Das Private steht etwas zurück. Insgesamt ist dieser Kriminalroman überraschend frisch und sehr fesselnd, so dass man ihn auch im englischen Original innerhalb von zwei Tagen durchgelesen hat. Das spricht doch für sich und es gibt Ansätze genug, um sich auf den nächsten Band zu freuen.

Veröffentlicht am 15.04.2021

Nach Süden

Fahrtwind
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Deutschland in den 1970ern. Ein junger Mann musiziert lieber als Heizungsbauer im Betrieb seines Vaters zu werden. Und eines Tages macht er sich einfach auf den Weg nach Süden. Das Glück ist ihm durchaus ...

Deutschland in den 1970ern. Ein junger Mann musiziert lieber als Heizungsbauer im Betrieb seines Vaters zu werden. Und eines Tages macht er sich einfach auf den Weg nach Süden. Das Glück ist ihm durchaus hold, denn schon bald wird er von zwei Frauen, einer Jüngeren und einer Älteren, mitgenommen. Die grobe Richtung stimmt. Das erste Ziel der Reise führt in ein Landhotel mit adeligen Besitzern, darunter seine angenehmen Chauffeurinnen. Gleich darf er auch seine Gitarre zum Einsatz bringen. Ein kleines Konzert, das vielleicht Hintergrunduntermalung sein könnte, vielleicht aber auch zur großen Entdeckung führt. Bald schon geht die Reise weiter.

Der neue Roman ist eine moderne, nun ja, relativ moderne, denn die Siebziger sind ja auch schon eine Weile her, Interpretation der „Geschichten eines Taugenichts“. Und wie schon Eichendorffs Jüngling sich glücklich treiben ließ, so schafft es auch der junge Musikus mit vagem Ziel und wohlgemut durch die Welt zu reisen. Der Zufall fügt sich häufig zugunsten des jungen Mannes, ein schöner Traum, der vielleicht der wirklichen Welt nicht stand hält. Doch der Weg nach Süden durch die warme Luft und die Begegnungen mit neuen Freunden und guten Gelegenheiten fühlt sich einfach richtig an.

Man ist vielleicht geneigt, kurz mal nachzulesen, worum es bei Eichendorffs Geschichte ging, um festzustellen, dass der Autor seinem Vorbild mit liebevoller Genauigkeit folgt, die Handlung aber doch sanft in die Gegenwart transferiert. Man mag sich erinnern an die Zeit der jungen Wilden, an die Zeit der RAF, an Grenzkontrollen und die Liebe der Deutschen für Italien. Und so mäandert die Handlung ruhig und leichtfüßig gen Süden. Auch wenn das Büchlein vielleicht nicht ganz an andere Veröffentlichungen des Autors heranreicht, so versetzt dieses kleine neu erfundene Märchen einen doch in Sommerstimmung und gibt einem vielleicht die Idee ein, man könne sich selbst einmal auf Schusters Rappen begeben.

Veröffentlicht am 14.04.2021

Daquin & Co

Marseille.73
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Anfang der 1970er wird in Marseille ein Busfahrer von einem Einwanderer umgebracht. Und in der Stadt, in der nach der Unabhängigkeit Algeriens viele Übersiedler leben, führt dies zu rassistisch motivierten ...

Anfang der 1970er wird in Marseille ein Busfahrer von einem Einwanderer umgebracht. Und in der Stadt, in der nach der Unabhängigkeit Algeriens viele Übersiedler leben, führt dies zu rassistisch motivierten Angriffen. Doch auch in den Polizeieinheiten, die Sachverhalte eigentlich aufklären sollen, gibt es rassistische Resentments. Commissaire Daquin, der neu in der Einheit eingesetzt ist, nimmt die Aufgabe jedoch in die Hand. Dabei muss er ausgesprochen vorsichtig vorgehen, damit er niemanden vor den Kopf stößt und doch die Wahrheit herausfindet. Unter seinen Kollegen hat er einige wenige Verbündete. Die öffentliche Meinung wird allerdings von Vorurteilen bestimmt.

Dieser Band schließt an den Roman „Schwarzes Gold“ an, Verständnisschwierigkeiten gibt es nicht. Commissaire Daquin wirkt wie ein Einzelkämpfer, der sich doch auf einige Leute verlassen kann. Nach der Unabhängigkeit Algeriens sind viele auch Nordafrikaner nach Frankreich eingewandert und etliche von ihnen sind an die selben Orte gezogen. Treten sie in größeren Gruppen auf, können sie möglicherweise wie eine Bedrohung wirken. So sieht es zumindest ein Teil der Bevölkerung, welcher dann mit Parolen um sich wirft, die auch heute wohlbekannt sind. Dass auch einige Polizisten, diese eigenartige Meinung vertreten, ist für Daquin ein schlechtes Zeichen und auch kaum zu ertragen.

Als Crime Noir wird dieser Kriminalroman beschrieben und er verbreitet tatsächlich eine düstere Stimmung, die wahrscheinlich nicht weit von der Wahrheit entfernt ist. Doch ist die Art der Beschreibung der Ereignisse etwas sehr trocken und teilweise berichtartig geraten. Dadurch vermisst man teilweise die Spannung, auch wenn der Roman inhaltlich und geschichtlich sehr interessant ist. Sehr gelungen erscheint die Beschreibung von Commissaire Daquins Hartnäckigkeit den Fall ordentlich zu bearbeiten und auch auf welche Widerstände er dabei trifft. Auch seine Pfiffigkeit und unkonventionelle Denkweise, die ihn im Fall voranführen, machen ihn zu einem sympathischen Ermittler.

Veröffentlicht am 09.04.2021

Großmutter

Crazy Rich Problems
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Fünf Jahre ist es her, dass Nicholas Young seine Großmutter zuletzt gesehen hat. Sie war nicht einverstanden als Nick die Amerikanerin Rachel Chu geheiratet hat. Doch nun hatte die 96jährige einen schweren ...

Fünf Jahre ist es her, dass Nicholas Young seine Großmutter zuletzt gesehen hat. Sie war nicht einverstanden als Nick die Amerikanerin Rachel Chu geheiratet hat. Doch nun hatte die 96jährige einen schweren Herzinfarkt und die ganze Familie trifft in Singapur ein. Rachel überzeugt Nick, dass auch er sich auf den Weg machen sollte. Und obwohl seine Großmutter noch am Leben ist, geht mit Vorzimmer ihrer Krankenhaussuite das Gerede über die mögliche Erbschaft los. Besonders große Hoffnungen macht sich Cousin Eddie. Astrid, die Lieblingsenkelin, genießt derweil ihr Glück mit ihrer Jugendliebe Charlie Wu. Doch die Ex-Partner der beiden sind alles andere als glücklich über die Verbindung.

In diesem dritten Band um die Crazy Rich Asians geht es um das Ende eines Zeitalters. Su Yi ist eine außergewöhnliche Zeitzeugin, die mit weit über 90 auf ein bewegtes Leben zurückblicken kann. Doch nun neigt sich ihr Lebenskreis dem Ende entgegen und die alte Dame weiß nicht, ob sie noch die letzten Dinge regeln kann. In ihren wachen Momenten möchte sie Zeit mit Nicholas und Astrid verbringen, doch die liebe Verwandtschaft weiß das mitunter zu verhindern. Besonders Eddie, der sich Hoffnungen auf das Haus seiner Großmutter macht, beginnt einige Intrigen. Und auch die Töchter von Su Yi haben einige Ansprüche anzumelden.

Auch wenn man vielleicht nicht jeden Klatsch und Tratsch der Reichen und Schönen wissen möchte und sich auch nicht für jede Modemarke interessiert, so ist davon abgesehen dieser dritte Band der Reihe geradezu spannend. Schließlich geht es um die geheimnisvolle Su Yi und deren Erbe und ihre Vergangenheit. Wird sie sich mit Nick versöhnen, den sie großgezogen hat? Werden Astrid und Charlie ihr Glück finden, auch wenn sie auf schlimme Weise bloßgestellt werden? Und wird Eleanor endlich einen besseren Zugang zu ihrer Schwiegertochter Rachel finden? Zwar manchmal etwas schrill und egozentrisch, so sind die Crazy Rich Asians doch auch Menschen wie du und ich. Und mit dieser fesselnden Story werden sie einem noch ein wenig näher gebracht.

Veröffentlicht am 08.04.2021

Der Dienstgrad

London Burning
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Bei einem vorherigen Fall ist Detective Sergeant Calil Drake unter Verdacht geraten. Zwar konnte die Sache ausgeräumt werden, aber Drake wurde degradiert und strafversetzt. Nun ist er zurück in London ...

Bei einem vorherigen Fall ist Detective Sergeant Calil Drake unter Verdacht geraten. Zwar konnte die Sache ausgeräumt werden, aber Drake wurde degradiert und strafversetzt. Nun ist er zurück in London und möchte die nächste Gelegenheit nutzen, um sich komplett zu rehabilitieren. Als er und seine Partnerin zu einem vermeintlichen Einbruch auf einer Baustelle gerufen. Vor Ort stellt sich heraus, dass in einer Baugrube zwei halb verschüttete Leichen gefunden wurden, die möglicherweise lebendig unter Tonnen von Bauschutt begraben wurden. Das könnte genau die Gelegenheit sein, auf die Drake gewartet hat.

In diesem ersten Teil einer Reihe bekommt Calil Drake die forensische Psychiaterin Dr. Rayhana Crane an die Seite gestellt. Dem Einzelgänger Drake passt das nicht so gut in den Kram, so dass aus der Zusammenarbeit eher ein Nebeneinander wird. Erst nach einer Weile merken die bieden, dass sich ihre Arbeitsansätze ergänzen. Die Bearbeitung des Falles gestaltet sich schwierig, denn zunächst kann nur eines der Opfer identifiziert werden. Bei diesem handelt es sich um die Ehefrau des Bauunternehmers. Die Lage der Baustelle und damit des Tatorts erinnert Drake an seine eigene Jugend, denn er ist in einer nahegelegenen Sozial-Wohnsiedlung aufgewachsen.

Calil Crane als leistungsstarker aber karrieremäßig abgehängter Polizist mit schwierigem sozialen Hintergrund. Aus einfachsten Verhältnissen hat er sich erst bei der Armee und dann bei der Polizei hochgearbeitet und ist doch der Außenseiter geblieben, der mitunter zum Sündenbock gemacht wird. Etwas zu viel wird hierauf herum geritten. Und auch die Erkenntnis, dass Drake und Crane sich beruflich gut ergänzen, kommt etwas spät. Hinzu kommt, dass die Merkwürdigkeit einiger Begegnungen einem als Leser auffällt, den Ermittlern aber nicht. Dass dieser Kriminalroman als Reihenbeginn trotzdem lesenswert erscheint, liegt an den Milieuschilderungen der vergessenen Jugendlichen aus der Sozialsiedlung und deren rechtsgerichteten Gegenspielern. Und schließlich gewinnt dieses Buch auch, wenn man im Verlauf erkennt wie Drake und Crane zusammenwirken. Die logische Schlussfolgerung zum Ende dieses Romans macht dann auch neugierig auf den Folgeband.