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Veröffentlicht am 18.08.2019

Darker

Sieben Arten Dunkelheit
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Die Geschwister Krigk und R’hee haben eine Begegnung mit einer anderen Dunkelheit, einer gefährlichen Dunkelheit. Sie müssen ihre Heimat verlassen, um selbst geschützt zu werden und die Welt zu schützen. ...

Die Geschwister Krigk und R’hee haben eine Begegnung mit einer anderen Dunkelheit, einer gefährlichen Dunkelheit. Sie müssen ihre Heimat verlassen, um selbst geschützt zu werden und die Welt zu schützen. In einer Welt, die uns bekannt vorkommt, lebt David, der es nicht so mit der Dunkelheit hat. In der Schule lernt er Ayumi kennen, die irgendwie zu leuchten scheint und doch nicht sehen kann. Sie macht ihn bekannt mit einer anderen Dunkelheit und mit ihrem Großvater, der David hilft, verschiedene Arten der Dunkelheit zu durchdringen. Der Großvater will alles tun, um die Dunkelheit im Zaum zu halten und er hofft, dass David und Ayumi ihm dabei eine Hilfe sein können.

Es gibt verschiedene Arten von Dunkelheit, von einem leichten Grau bis zum tiefsten Schwarz. Schon immer wurde über die Dunkelheit gewacht, damit sie im Herzen der Menschen keine Überhand gewinnt. Doch das Gefüge aus Dunkelheit und Licht scheint aus dem Gleichgewicht zu kommen. Ein übermächtiger Gegner hat sie an sein übles Werk gemacht. Ist es überhaupt möglich, dass ein alter Herr und zwei Jugendliche die Welt retten können? Und wird das Vielnachtamulett sie schützen können? Die Dunkelheit ist eine große Macht.

Man wird dem Autor zustimmen, das es verschiedene Arten der Dunkelheit gibt. Daraus eine Romanidee zu generieren, hat etwas Faszinierendes. Neugierig widmet man sich den Worten und findet eine Geschichte von jungen Menschen, die einen Weg durch die Dunkelheit zu gehen haben. Gut gefällt dabei, wie unterschiedlich die Persönlichkeiten herausgearbeitet sind und welche Entwicklung sie durchmachen. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern viele Schattierungen dazwischen. Sorgen und Nöte stehen neben Hoffnung und Energie. Zwar wird das Buch als All-Age-Fantasy beschrieben, allerdings könnte man den Eindruck gewinnen, dass es sich doch eher für jüngere Leser eignet. Und manchmal kommt die Frage auf, ob einzelne Punkte, die nur angerissen werden, wirklich schon auserzählt sind. Doch insgesamt überwiegt die Freude an einer fesselnden Idee bei Weitem.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Tragödie von Caracas

Nacht in Caracas
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Caracas ist ein gefährliches Pflaster und es gibt keine Rücksichtnahme, nicht einmal bei einer Beerdigung. Als Adelaidas Mutter nach schwerer Krankheit verstorben ist, kann Adelaida nicht lange am Grab ...

Caracas ist ein gefährliches Pflaster und es gibt keine Rücksichtnahme, nicht einmal bei einer Beerdigung. Als Adelaidas Mutter nach schwerer Krankheit verstorben ist, kann Adelaida nicht lange am Grab verweilen. Zu groß ist die Gefahr eines Überfalls. So beginnt sie in ihrer Wohnung mit der Trauer, die sich in Erinnerungen ausdrückt und auch in einem sorgenvollen Blick auf die Zukunft. Wie lange wird sie mit ihrem Geld auskommen. Wird ihre Arbeit für einen Verlag genug einbringen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Doch so kurz nach dem Tod ihrer Mutter kann Adelaida kaum klare Pläne machen. Ein solch großer Verlust ist nicht leicht zu ertragen.

Adelaida kommt durch den Tod ihrer Mutter, auch wenn dieser sich durch die Krankheit schon angekündigt hatte, in eine emotionale Ausnahmesituation. Nie ist es leicht, einen geliebten Menschen zu verlieren. Doch die unsichere politische Situation im Land trägt noch zusätzlich dazu bei, Adelaidas Anspannung außerordentlich zu vergrößern. Die Lage scheint aussichtslos, die Revolutionäre, von denen manchmal nicht bekannt ist, für welche Revolution sie kämpfen, stellen eine große Bedrohung dar. Menschen verschwinden, werden gefoltert oder einer Gehirnwäsche unterzogen. Wie soll Adelaida in so einem Land weiterleben, in dem es gefährlich ist, die Straße zu betreten und auch gefährlich im Haus zu bleiben.

Ganz schön viel stürzt auf die noch junge Adelaida ein. Wie soll sie das nur alles überstehen, allein und ohne Unterstützung. Nichts anderes kann Adelaida tun als Tag für Tag zu nehmen wie er kommt. Jeder Tag könnte ein besserer werden. Zunächst jedoch kommen schlimme Tage, die nur mit den Erinnerungen an die geliebte Mutter zu überstehen sind. Adelaidas schlimmste Zeit ist aber auch eine Zeit der Hoffnung und des Aufbruchs. Wenn auch nicht alles, was in diesem unsicheren Land geschieht, nachempfunden werden kann, so hält dieses Buch einem doch deutlich vor Augen, dass man das eigene relative Sicherheit gewährende Land mehr schätzen sollte. Denn meist muss man sich keine Gedanken machen, ob man sich überhaupt auf die Straße wagen kann. Und in Trauer wird man Hilfe finden, auch wenn man den Verlust selbst ertragen muss. Adelaida erlebt eine harte Zeit in einem sich auflösenden System. Man beneidet sie nicht und man bewundert ihren Mut, gewisse Dinge in die Hand zu nehmen und Chancen zu ergreifen. Es wird wohl verständlich, was einen Menschen überzeugen kann, sein Land zu verlassen.

Ein gelungenes Debüt, mit dem man sich auch noch nach der Lektüre weiter beschäftigt.

Veröffentlicht am 15.08.2019

Dolce Vita

Tante Poldi und die sizilianischen Löwen
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Die Isolde Oberreiter ist von der Schwermut geplagt. Doch mit sechzig soll alles besser werden. Sie zieht in die Heimat ihres verstorbenen Mannes, ins sonnige Sizilien. Ihr Neffe besucht seine Tante Poldi ...

Die Isolde Oberreiter ist von der Schwermut geplagt. Doch mit sechzig soll alles besser werden. Sie zieht in die Heimat ihres verstorbenen Mannes, ins sonnige Sizilien. Ihr Neffe besucht seine Tante Poldi regelmäßig. Ihm berichtet sie von der italienischen Verwandtschaft, die sie herzlich in die Familie aufnehmen. Lebensfreude soll sie lernen und das süße Leben. Bald schon nennt die Poldi ein Häuschen ihr eigen, dass Positives verströmt. Trotzdem muss es ein wenig auf Vordermann gebracht werden. Dabei hilft der Valentino, den die Tante Poldi viel zu früh tot am Strand findet. Da kann einfach etwas nicht mit richtigen Dingen zugegangen sein.

Es ist der Neffe, der von Poldis Abenteuern berichtet. Doch natürlich lässt sich die Poldi nicht das Heft aus der Hand nehmen und sie verleiht dem Bericht ihr eigenes Timbre. War doch ihr Vater ein ein Polizeibeamter in Augsburg, sieht sie sich durchaus in der Lage, den Tot Valentinos aufzuklären. Doch erstmal verhilft sie der örtlichen Polizei zu einem Kompetenzgerangel, weil sie mehrere Stellen anruft, um den Tod zu melden. Eigentlich hätte sie es wissen müssen, schließlich sind Uniformen ihr Hobby und sie fotografiert gerne deren hübsche Träger. Doch so lernt sie Kommissar Montana kennen, der ist nicht von schlechten Eltern und in Poldis Alter.

Launig wird dieses Hörbuch vorgetragen von Philip Moog. Es ist schon bewundernswert, wie er Poldis bajuwarische Mundart nachahmt und auch den anderen Akteuren eine eigene Stimme gibt. Vielleicht wird es manchmal etwas viel damit, aber dennoch hält dieses Hörbuch einige Lacher bereit. Die Situationskomik ist gelungen und auch die Darstellung der Bayerin auf Sizilien. Die Poldi ist einfach eine, die nicht aufgibt, auch wenn die Schwermut sie manchmal plagt. Der ungeklärte Todesfall ist da gerade die richtige Ablenkung (der Montana natürlich auch). Dass dabei manchmal etwas übertrieben wird, verzeiht man schnell. Denn kurzweilig ist es an Poldis Abenteuern teilzuhaben und sich zu freuen, wenn sie nach und nach das dolce Vita lernt. Da kann man sich direkt eine Scheibe abschneiden.

Veröffentlicht am 11.08.2019

Neuanfang

Der Kinderflüsterer
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Vor einem Jahr ist Tom Kennedys Frau gestorben. Ihr gemeinsamer Sohn, der inzwischen 7jährige Jake ist froh, dass er und sein Vater an einem anderen Ort einen Neuanfang starten wollen. Sie verstehen sich ...


Vor einem Jahr ist Tom Kennedys Frau gestorben. Ihr gemeinsamer Sohn, der inzwischen 7jährige Jake ist froh, dass er und sein Vater an einem anderen Ort einen Neuanfang starten wollen. Sie verstehen sich nicht immer gut, aber trotz gelegentlicher Streitigkeiten haben sie sich lieb. Ganz so wie erhofft läuft der Neustart allerdings nicht. Obwohl Jake sich das Haus selbst ausgesucht hat, bekommt er in der Nacht Angst. Und auch die ersten Tage in der Schule sind schwer für ihn als Neuen. Tom, der einige Romane geschrieben hat, kann nicht arbeiten. Auch er leidet unter dem Verlust seiner Frau. Dass an seinem neuen Wohnort ein Kind verschwunden ist, hat er noch nicht mitbekommen.

Wie sehr leidet die kleine Familie unter dem Verlust der geliebten Frau und Mutter. Kein Wunder, dass es Schwierigkeiten gibt. Niemand ist darauf vorbereitet, einen geliebten Menschen zu verlieren. Nicht einmal, wenn man darauf gefasst sein muss, und schon gar nicht, wenn es einen unerwartet trifft. Tom will für seinen Sohn stark sein und Jake für seinen Vater. Inzwischen ist die Polizei immer noch dabei, den verschwundenen Jungen zu suchen. Die Vorgänge ähneln einem Fall, der bereits vor zwanzig Jahren als gelöst galt. Der damalige Täter wurde gefasst und sitzt immer noch ein.

In Teilbereichen ist dieser Debütroman schon etwas spooky. Es wird richtig unheimlich in diesem Haus mit der knarrenden Treppe und dem Flüstern. Da überläuft einem schon mal ein Schauer. Gleichzeitig empfindet man die Tragik des Todes der jungen Mutter. Vater und Sohn leiden und versuchen, sich gegenseitig eine Stütze zu sein. Spannend ist die fieberhafte Suche der Polizei nach dem verschwundenen Kind. Sie befürchten, sie könnten den Wettlauf mit der Zeit verlieren. Nach und nach kommt einem der Verdacht, der damalige Täter könnte auch jetzt noch eine Verbindung zum Geschehen haben. Geschickt werden die Szenenwechsel eingesetzt, um einen lange im Unklaren zu lassen, was hier wirklich vorgeht. Ein echter Suspense-Thriller mit einem leichten Grusel, bei dem man nicht so leicht errät, was vor sich geht.


Veröffentlicht am 10.08.2019

Der Wendepunkt

Redemption Point
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Immer noch sind Ted Conkaffey und Amanda Pharrell die ungewöhnlichsten und auch einzigen Privatdetektive von Crimson Lake. Und eigentlich will die Polizei nicht viel mit ihnen zu tun haben, aber wohl oder ...

Immer noch sind Ted Conkaffey und Amanda Pharrell die ungewöhnlichsten und auch einzigen Privatdetektive von Crimson Lake. Und eigentlich will die Polizei nicht viel mit ihnen zu tun haben, aber wohl oder übel müssen die Beamten akzeptieren, dass der Vater eines jungen Mordopfers Ted engagiert. Er traut Ted zu, den Täter zu finden. Die neu eingesetzte Kommissarin Pip Sweeney ist eigentlich froh über die Unterstützung, schließlich ist es ihr erster großer Fall. Zunächst tappen die Ermittler jedoch im dunkeln. Zwei Opfer, Mitarbeiter in einer Bar, keine Feinde, Nachbarn in der Umgebung, die nichts gesehen und gehört haben.

Ted Conkaffey, der dem schlimmen Verdacht ausgesetzt war, ein Mädchen überfallen zu haben, versucht auch in seiner eigenen Sache, den wirklichen Täter zu finden. Und Amanda, die verurteilte Mörderin, hat im Gegensatz dazu mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen. Sie hat zwar eine eigenartige Persönlichkeit entwickelt, doch sie gehört inzwischen in Teds Leben. Ungefähr so wie seine Gänse, nur dass sie ihn verarzten kann, wenn er mal wieder mit jemanden aneinander gerät, der ihm handfest kundtun muss, was er von Entführern hält, deren Unschuld nicht erwiesen ist. In dieser Ermittlung ist Ted durch unerwartete Entwicklungen in seinem Fall abgelenkt, hier muss er eher unfreiwillig die Hilfe von einem Drogenboss annehmen.

Ted und Amanda haben hier ihren zweiten gemeinsamen Auftritt. Mit den schnellen Szenenwechseln und den verschiedenen Erzählperspektiven wird dem Leser ein abwechslungsreiches Werk präsentiert. Schließlich sind es zwei Fälle, die gelöst werden wollen. Wer hatte einen Grund, Mitarbeiter einer Bar zu töten? Und wer war der wirkliche Täter, für den Ted in Haft kam und fast verurteilt worden wäre. Vor Teds Kampf um die Wiederherstellung seines Rufes verblasst Amandas Suche nach einem Mörder etwas. Beinahe als sei sogar der Autorin die eine Sache wichtiger gewesen als die andere. Mit großer Intensität wird Teds Mühen um sich selbst dargestellt, sein Weg zu einer mehr in sich ruhenden Persönlichkeit. Dagegen flattert Amanda etwas ziellos durch den Roman und das kurze Aufblinken von Pip Sweeney wird zur etwas traurigen Randnotiz. Dennoch birgt dieser Kriminalroman mit seinem schrägen und doch sympathischen Ermittler-Duo einiges an Potential und weckt Interesse am weiteren Fortkommen seiner Protagonisten.

Ein dritter Band der Reihe ist auf Englisch (auf Deutsch im November 2019) bereits erschienen. Man darf also gespannt sein wie es weitergeht.