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Veröffentlicht am 08.05.2026

Dunkles Berlin

Die Guten und die Toten
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Kriminalkommissarin Nihal Khigarian ist die erste in ihrer Familie, die zur Polizei gegangen ist. Ihr Chef ist gleichzeitig ihr Mentor, der ihre Fähigkeiten als Ermittlerin erkannt hat. So wird Nihal hinzugerufen ...

Kriminalkommissarin Nihal Khigarian ist die erste in ihrer Familie, die zur Polizei gegangen ist. Ihr Chef ist gleichzeitig ihr Mentor, der ihre Fähigkeiten als Ermittlerin erkannt hat. So wird Nihal hinzugerufen als nach einem Unfall, bei dem Staatssekretär Brasch mit seinem Fahrzeug einen Dienstwagen angefahren hat, herausstellt, dass dieser hohe Beamte eine Leiche im Kofferraum hat. Brasch behauptet, nichts von einer Leiche zu wissen. Bei ihren Nachforschungen trifft sie Saad wieder, dem sie bei einer zufälligen Begegnung aus der Patsche geholfen hat. Hat er was mit der Sache zu tun oder arbeitet er einfach nur in dem Parkhaus, vor dem Brasch den Unfall hatte?

Bei diesem Reihenstart mit Kommissarin Nihal Khigarina wird viel Action geboten. Die junge Kommissarin hat sich schon erste Sporen verdient, muss ihr Temperament aber immer wieder zügeln. Das fällt mir nicht so leicht. Manchmal ist gerade ihr Temperament auch hilfreich als sie Saad und seiner kleine Tochter Leila in einer heiklen Situation helfen kann. Die Sache mit Brasch stellt sich als kompliziert heraus. Was hatte der überhaupt in diesem Parkhaus zu suchen? Auch Saad, der nicht alles erzählt, was ihn bewegt, macht sich Gedanken. Sollten er und Leila in Gefahr sein? Und irgendwie ist da auch noch diese zweite Leiche.

Aus verschiedenen Blickwinkeln wird in diesem Kriminalroman berichtet. So lernt man die einzelnen Personen näher kennen. Bei einigen könnte man darauf verzichten, bei anderen wird dagegen große Sympathie geweckt. An ein paar Darstellungsformen muss man sich vielleicht ein wenig gewöhnen. Bald überwiegen zum Glück die Momente, in denen die Anspannung wächst und man einfach nur wissen will, wie es weitergeht. Wie alles zusammenhängt, erfährt man bei, Lesen letztlich von den Personen selbst. Das ist schon etwas speziell, aber gut lesbar. Interessant ist auch, wie sich Nihal als Polizistin empfindet und welche Entscheidungen sie trifft. Gute Unterhaltung, die auch einige Denkansätze bietet. Der zweite Band der Reihe erscheint in den nächsten Tagen. Man darf gespannt sein, wie sich Nihal weiterentwickelt.

Veröffentlicht am 07.05.2026

Herkules

Blendfeuer
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Über der Ostsee wird ein norwegisches Transportflugzeug zum Absturz gebracht. Unter den Insassen befanden sich auch ukrainische Kämpfer. Zur selben Zeit kommt in Oslo ein Mann durch Schüsse um. Die Ermittler ...

Über der Ostsee wird ein norwegisches Transportflugzeug zum Absturz gebracht. Unter den Insassen befanden sich auch ukrainische Kämpfer. Zur selben Zeit kommt in Oslo ein Mann durch Schüsse um. Die Ermittler des Polizeilichen Sicherheitsdienstes Liselott Benjamin und Martin Tong beginnen mit den Nachforschungen. Wegen der zeitlichen Nähe stellen sie sich die Frage, ob die Ereignisse zusammenhängen. Als die Ermittler abrupt von den Untersuchungen zu dem Opfer mit den Schussverletzungen abgezogen werden sollen, sind sie natürlich sofort sehr misstrauisch. Die Russen sollen nicht unter Verdacht geraten, weil man befürchtet, sie könnten sonst geheime Verhandlungen mit der Ukraine abbrechen.

In diesem zweiten Band einer Trilogie um Marin Tong und Liselott Benjamin wrd es sehr politisch. Es soll geheime Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland geben, um den Krieg zu beenden. Diese Verhandlungen dürfen durch nichts gestört werden. Aber wenn doch alles danach aussieht als trügen die Verbrechen ihre Handschrift? Martin Tong ist ein aufrechter Polizist und er kann es nicht leiden, wenn Recht und Ordnung nicht wenigstens Halbweg gewahrt bleiben. An der Nase herumführen lässt er sich überhaupt nicht gerne. Nach und nach stoßen Martin und Liselott auf Hinweise, die auf eine noch ganz andere Motivation hindeuten.

Der Autor hat echt ein Händchen dafür, seine Leser und Leserinnen bei der Stange zu halten. Die Handlung startet mit einem Knall. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn in einem militärisches Transportflugzeug gibt es eine Explosion und die Maschine stürzt ab. Und dann kümmern sich Martin und Liselott erstmal um etwas anderes. Gepackt versucht man herauszufinden ob und wie die Ereignisse möglicherweise zusammenhängen. Dabei der versteht es der Ingar Johnsrud sehr gut die Zügel nach und nach anzuziehen. Er berücksichtigt die aktuelle politische Lage und entwickelt die Intrigen zwischen den einzelne handelnden Personen. Zum Finale hin ist man dann so gefesselt, dass man auch mal eine Sondersitzung einlegt, um zu erfahren wie sich alles auflöst. Unterstützt wird das beim Hörbuch durch den stimmigen Vortag von Tim Gössler, der das Hörerlebnis noch intensiviert.

Veröffentlicht am 03.05.2026

Ich bin Busfahrer

Pina fällt aus
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Seit ihr Sohn Leo auf der Welt ist, setzt Pina sich für ihn ein. Bald nach der Geburt war zu merken, Leo funktioniert nicht so. Leo ist anders. Seit zwanzig Jahren gehört jeder Gedanke Pinas der Sorge ...

Seit ihr Sohn Leo auf der Welt ist, setzt Pina sich für ihn ein. Bald nach der Geburt war zu merken, Leo funktioniert nicht so. Leo ist anders. Seit zwanzig Jahren gehört jeder Gedanke Pinas der Sorge um Leo. In letzter Zeit allerdings fühlt sich Pina nicht so. Es geht ihr alles schwer von der Hand. Das Ignorieren funktioniert nicht so wie sonst. Und dann bricht sie mitten auf der Straße zusammen, kommt ins Krankenhaus und muss notoperiert werden. Pina fällt aus und sie kann sich nicht äußern. Wie soll Leo das überstehen? Die über achtzigjährige Inge, bei der Leo manchmal ein paar Stunden verbringt, merkt natürlich, dass Pina nicht kommt, um Leo abzuholen.

Und manchmal funktioniert Nachbarschaft doch, möchte man hoffen. Obwohl Inge in ihrem Alter nicht mehr so fit ist, kümmert sie sich erstmal. So einfach ist das nicht, denn Leo braucht seine Rituale, um einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Zur Hilfe kommen Zola und Wojtek, die auch im Haus wohnen. Wojtek wirkt auch wie ein Eigenbrötler, der zum Glück einfacher kommunizieren kann als Leo. Zola dagegen ist eher aufbrausend. Sie ist erst Sechszehn und ihr Vater hat sie rausgeschmissen und sie eben in einer seiner Müllwohnungen untergebracht. Wenn Zola etwas hat ist es Zeit, um das Rätsel Leo zu entschlüsseln.

Hier wird aus einem Haus mit Wohnungen, deren Bewohner sich kaum kennen, beinahe eine Wohngemeinschaft. Als Pina zusammenbricht, befürchtet man, dass Leo untergeht. Wie soll er zum Bus kommen? Bekommt er was zu Essen? Wie soll man ihm erklären, dass die Mutsch nicht da ist? Wunderbar, wie sich die Nachbarn zusammenraufen. Sie ergänzen sich und versuchen Leos Alltag so zu organisieren, dass er möglichst wenig merkt, dass eigentlich nichts so ist wie es war. Inge ist froh, gebraucht zu werden. Zola ist froh, dass sie endlich mal was richtig macht. Wojtek muss ab und zu mal vor die Tür und das ist auch nicht verkehrt. Nicht nur Leo lernen sie besser kennen, auch untereinander wachsen sie mehr zusammen. Dieser Roman macht echt Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist. Auch wenn es mit Leo schwierig ist, keiner gibt auf und sie halten zusammen. Schön.

Man gönnt Pina die Ruhe, die sie auf dem Titelbild ausstrahlt.

Veröffentlicht am 03.05.2026

Durch die Schatten

Die neun Prinzen von Amber
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Er weiß nicht wer er ist. Er wacht auf, schläft wieder ein. Irgendwann merkt er, dass es besser wäre wach zu bleiben. Die Ärzte sehen das skeptisch. Doch sind sie ihm überhaupt wohlbesonnen? Er schafft ...

Er weiß nicht wer er ist. Er wacht auf, schläft wieder ein. Irgendwann merkt er, dass es besser wäre wach zu bleiben. Die Ärzte sehen das skeptisch. Doch sind sie ihm überhaupt wohlbesonnen? Er schafft es aus dem Krankenhaus zu fliehen. Seine sogenannte Schwester hatte ihn im Krankenhaus besucht. Sie ist seine erste Anlaufstelle. Und irgendwie muss er sein Gedächtnis wiederfinden. Im Landhaus von Flora findet er zwar ein Asyl, findet ein paar Tarotkarten, von denen eine sein Gesicht zeigt. Er heißt Corwin und was weiter? Anhand der Karten erfährt er noch mehr über seine Familie und auch seiner Schwester kann er ein paar Informationen entlocken.

Bei den Chroniken von Amber handelt es sich um eine fünfteilige Reihe, deren erster Band im Original bereits im Jahr 1970 erschienen ist. Die Prinzen von Amber, von denen Corwin einer ist, sind über die Welten verstreut. Doch die einzige wahre Welt ist die von Amber. Um dorthin zu gelangen, muss man durch die Schatten gehen. Für Corwin ist das nicht so einfach, denn seine Erinnerungen sind immer noch lückenhaft. Als sein Bruder Random ihn um Hilfe bittet, greift er selbstlos zu. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass Random ihm helfen könnte nach Amber zu gelangen.

Vor einigen Jahren wurde die Reihe neu aufgelegt und die Übersetzung überarbeitet. Zwar ist die Handlung wegen der Fantasy-Thematik zeitlos, aber ein wenig merkt man ihr das Alter doch an. Und sei es nur wegen der vielen Zigaretten, die beinahe hemmungslos konsumiert werden. In jeder Welt sind sie verfügbar. Die Idee, dass unsere bekannte Welt in den Schatten liegt und die wirkliche Welt eine mittelalterliche ist, weckt Interesse und fesselt beim Lesen. Epische Beschreibungen von Schlachten hätten zwar etwas kürzer gefasst sein können, doch im Ganzen ist die Geschichte der Prinzen von Amber spannend. Corwin ist ein charmanter Charakter, der mit seiner vielschichtigen Persönlichkeit die Aufmerksamkeit fesselt. Wie es sich bei einem Reihenstart gehört, ist das Ende so gestaltet, dass die Neugier auf den Folgeband geweckt ist.

Veröffentlicht am 02.05.2026

Über alle Berge

Widdersehen
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Die Schafe sind zufrieden mit ihrer Schäferin Rebecca. Auf einmal jedoch verfrachtet Rebecca die Herde in einen Transporter und es geht über das Meer. Etwa nach Hause, nach Irland, wo das Gras viel grüner ...

Die Schafe sind zufrieden mit ihrer Schäferin Rebecca. Auf einmal jedoch verfrachtet Rebecca die Herde in einen Transporter und es geht über das Meer. Etwa nach Hause, nach Irland, wo das Gras viel grüner ist? Miss Maple und die anderen Schafe freuen sich. Daheim angekommen kann die Realität nicht mit der freudigen Erwartung mithalten. Und auf ihrer alten Weide stehen drei andere Schafe. Zu allem Überfluss verschwindet Rebecca quasi von einem Moment auf den anderen. Nicht gut. Miss Maple und den anderen Schafen bleibt nur ein Brief, den sie nicht lesen können, und ein abgetrennter Finger. Nun müssen sie über alle Berge, um Rebecca zu finden.

Nach Glennkill und Garou kommt ein dritter Schafskrimi, mit dem schon nicht mehr zu rechnen war. Da sind sie wieder Miss Maple, Mopple the Whale, Sir Ritchfield und einige andere. Und es gibt Madouc, das Schaf auf Probe. Und zu Hause treffen sie drei Neuschafe mit den sinnigen Namen Eins, Zwei und Drei. Als Rebecca verschwindet, ist Miss Maple natürlich gefragt. Sie hat ja schon ermittelt und sie wird die Herde zu ihrer Schäferin führen. Vielleicht brauchen sie aber doch einen Aushilfsschäfer, der ihnen vorliest oder Schlösser knackt.

Ja, damit war wirklich nicht mehr zu rechnen, wenn man sich die Erscheinungsdaten der ersten Bände anschaut. Umso erfreulicher, dass es neben diesem dritten Band der Reihe auch eine Verfilmung des ersten Bandes geben wird. Zu Beginn werden ein paar Erinnerungen geweckt und dann kommt die Lust auf Neues auf. Sich in die Schafsgedanken hineinzufinden, hat einfach etwas sehr Entspannendes. Da entknoten sich Gehirnwindungen und formieren sich neu. Man folgt dem Schafsflow auf den Spuren von Rebecca und lässt sich davon überraschen, was den Schafen so begegnet. Manchmal dumme Menschen, die die Schafe nicht verstehen wollen. Manchmal Schafsempathen, bei denen es so aussieht, als könnten sie die Schafe erspüren.
Das ist meist sehr lustig, allerdings müssen ein paar Leute ihr Leben lassen, wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört. Diese Überraschung ist der Autorin hervorragend gelungen.