Märchen in moderner Form
Der junge Veit lebt mit seinen Freunden allein in einer bedrohlichen und fantastischen Welt. Gefürchtet von den Menschen in ihrer Nähe leben die Kinder am Rande des dunklen Waldes, dessen Pflanzen und ...
Der junge Veit lebt mit seinen Freunden allein in einer bedrohlichen und fantastischen Welt. Gefürchtet von den Menschen in ihrer Nähe leben die Kinder am Rande des dunklen Waldes, dessen Pflanzen und Geschöpfe das Hinterland und die wenigen dort lebenden Menschen ständig bedrohen. Trotz das die Kinder dafür sorgen, dass die seltsamen Bäume des Waldes nicht über dessen Grenzen hinaus zu wuchern beginnen, werden sie von den Menschen gemieden, einzig Daria ist ihnen freundlich gesinnt und besucht die Kinder so oft es geht. Als Daria verschwindet tritt der Hass und die Furcht der Dorfbewohner offen zu Tage und den Kindern bleibt nichts als die Flucht in den bedrohlichen Wald.
Schon das Cover des Buches hat mir sehr gefallen und als Liebhaber klassischer Märchen und moderner Fantasy war ich auch von der Geschichte direkt angetan. Schon nach wenigen Seiten hat der Autor es geschafft mich in seine Welt zu ziehen, die voll ist von bekannten und unbekannten, freundlichen und bedrohlichen Wesen und von solchen, bei denen man nicht auf den ersten Blick erkennt, zu welcher Gruppe sie gehören. Der erste Teil der Geschichte dient dazu die Gruppe der Kinder und ihr beschwerliches, einsames leben kennen zu lernen. Man entwickelt direkt Sympathie für sie und auch sowas wie Beschützerinstinkt, ahnt man doch, dass da noch mehr kommen wird. Hier bekommt man auch einen kleinen Überblick über die Welt, in der die Geschichte spielt.
Nach der Vertreibung der Kinder durch die Dorfbewohner nimmt die Story dann deutlich an Fahrt auf und es kommen nun auch mehr und mehr Figuren ins Spiel. Hier bedient sich der Autor schamlos an bestehenden Märchen und so trifft man wunscherfüllende Feen, häuserbauende Heinzelmännchen, Klabautermänner, aber auch Vampire und Werwölfe, aber auch viele Wesen, wie zb Kindergrauen, von denen man bisher noch nichts gehört hat. Der Autor verknüpft in seiner Story geschickt Bekanntes mit Neuem und schafft so eine fantastische Welt, in der es viel zu entdecken gibt und in der nicht unbedingt die selben Gesetzmäßigkeiten gelten, wie in der der Gebrüder Grimm. Das der Autor sich diese Inspirationen holt und sie verwendet, hat mich überhaupt nicht gestört, im Gegenteil, ich finde es vollkommen legitim, allerdings war es mir zwischenzeitlich doch manchmal etwas drüber, es hätte nur noch gefehlt, dass die Heinzelmännchen "heiho, heiho" wärend der Arbeit gesungen hätten. Und auch, dass die Geschichte zum Ende hin doch sehr an die eines bekannten Zauberlehrlings erinnert hat, war mir etwas zu plakativ.
Insgesamt hat Leon Schweitzer aber ein modernes Märchen geschaffen, eine fantastische Welt, düster und voller Gefahren, aber auch voller liebenswerter Figuren, deren Entwicklung man gerne weiter verfolgen möchte. Definitiv eher etwas für Erwachsene und ältere Kinder, etwa ab 13/14 Jahren.