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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2019

So schön

Eine Kiste voller Weihnachten
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Weihnachtsgeschichten gibt es viele. Diese hier spielt im Dezember 1890 in Dreseden. Der Unternehmer Vincent Storch entdeckt bei seinem allabendlichen Rundgang in der Firma, dass wohl eine Lieferung vergessen ...

Weihnachtsgeschichten gibt es viele. Diese hier spielt im Dezember 1890 in Dreseden. Der Unternehmer Vincent Storch entdeckt bei seinem allabendlichen Rundgang in der Firma, dass wohl eine Lieferung vergessen worden ist, eine Kiste voller Dresdner Pappen, Papierfiguren für Weihnachten. Da der Heiligabend kurz bevor steht, entschließt er sich die Lieferung selbst, trotz angekündigtem Schneefall, auszuliefern. Bei der Abfahrt bemerkt er nicht, dass er einen blinden Passagier auf dem Fuhrwerk hat.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und der Leser begleitet die Figuren auf ihrer Fahrt durch die verschneite Landschaft. Die Figuren sind liebevoll gestaltet, die Geschichte kurzweilig erzählt. Der Autor legt viel Wert darauf, dass der nostalgische Charakter im Vordergrund steht. Man könnte meinen, die Geschichte stammt direkt aus der Zeit. Dazu tragen natürlich auch die wundervollen Illustrationen bei, die im Buch zu finden sind. Auf den Bildern kann man schön Details der Geschichte nachspüren.

Generell ist das Büchlein sehr liebevoll gestaltet, Leinenbindung, Lesebändchen, Goldprägung. Das Format ist sehr handlich.

Eine Schöne Geschichte zum vorlesen, selber lesen und natürlich verschenken! Eine winterliche Reise, die den Grundgedanken des Weihnachtsfestes aufgreift, Nächstenliebe, Zusammensein, Besinnlichkeit, Familie!

Veröffentlicht am 11.11.2019

Im Kopf des Mörders

Schonungslos offen
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Ich habe von der Autorin bisher nur ihren Märchenroman "Zauberschön" gelesen und war nun gespannt auf ihre andere, ihre dunkle Seite und dunkel wird es tatsächlich in ihrem aktuellen Krimi.

Das das Schreiben ...

Ich habe von der Autorin bisher nur ihren Märchenroman "Zauberschön" gelesen und war nun gespannt auf ihre andere, ihre dunkle Seite und dunkel wird es tatsächlich in ihrem aktuellen Krimi.

Das das Schreiben langweiliger Berichte ebenfalls zum Alltag einer Kriminalkommissarin gehört, lernt der Leser bereits auf den ersten Seiten. Die Langeweile währt allerdings nicht lange, denn schon gibt es einen Mordfall. Ein junger Mann wird erdrosselt auf einem Grillplatz entdeckt. Vom Täter fehlt jede Spur, die Familie zeigt sich wenig kooperativ und entscheidende Hinweise gibt es keine. Die Suche nach dem Täter verläuft äusserst zäh, als eine junge Frau verschwindet und kurz darauf die Leiche einer weiteren gefunden wird.

Die Autorin schickt ihre Ermittlerin auf eine nervenaufreibende Tätersuche, sie lässt ihren psychopathischen Täter tief in das Privatleben der Kommissarin eingreifen. Gerade bei der Beschreibung des Mörders und seiner Handlungen, wurde mir wieder einmal bewusst, wie dunkel und extrem gerade weibliche Autoren oft ihre Täterfiguren anlegen, es geht hierbei nicht um das reine Blutvergießen, sondern eher um Manipulation, Psychospielchen, Kontrolle und Sadismus. Der Kontrast dazu dann die sympatischen Ermittlerfiguren, mit ihrem speziellen Umgang miteinander. Da stimmt die Balance einfach.

Selbst wenn die Ermittlungen auf der Stelle treten schafft es die Autorin die Spannung aufrecht zu erhalten. Wenn man einmal in der Geschichte drin ist, kann man das Buch kaum zur Seite legen. Die Story ist nachvollziehbar, die Ermittlungsarbeit gut dargestellt. Der Gemütszustand und die Intension des Täters ist gut ausgearbeitet. Das Buch ist definitiv ein Krimi der etwas härteren Gangart, das sollte man sich vor der Lektüre bewusst machen.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Dunkle Vergangenheit

Der zehnte Gast
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Die Geschichte ist nicht neu, zehn Personen treffen in einem einsam gelegenen Hotel aufeinander, das durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten wird. Strom und Telefon sind tot, Handynetz ...

Die Geschichte ist nicht neu, zehn Personen treffen in einem einsam gelegenen Hotel aufeinander, das durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten wird. Strom und Telefon sind tot, Handynetz ist nicht vorhanden und während man sich darauf einrichtet den Sturm zu überstehen, stirbt einer der Gäste durch einen Treppensturz. Unfall, oder vielleicht doch nicht? Argwöhnisch stellen die verbliebenen Gäste Spekulationen an, verdächtig ist sofort der Verlobte der Toten, aber irgendwie hat nicht nur er etwas zu verbergen.

Der Krimi ist vom Thema und auch vom Aufbau her sehr klassisch angelehnt und erinnert mich besonders an die Geschichten von Agatha Christie, bei denen genau eine solche Situation oft den Auftakt für Mord bildet. Sich scheinbar völlig unbekannte Personen treffen aufeinander und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Die Autorin führt ihre Figuren nacheinander in die Geschichte ein, Näheres über jeden Einzelnen erfährt der Leser dann im weiteren Verlauf. Beim Hintergrund der Figuren beschränkt sie sich dabei auf Dinge, die für den Charakter der Figur wichtig sind und Einfluss auf die Geschichte haben. Es gelingt ihr gut Bilder und Gefühle zu erzeugen, dem Leser die Stimmung im eingeschneiten Hotel nahezubringen. Der Leser wird in die Tätersuche eingebunden, erhält aber nur die gleichen Infos wie die Gäste des Hotels.

Etwas gewöhnungsbedürftig empfand ich die Sichtweisen aus denen die Geschichte erzählt wird. Die Autorin lässt jede Figur aus ihrer eigenen Sicht abwechselnd zu Wort kommen.Der Sprung zwischen den Erzählern ist oft sehr rasant und gerade wenn man das Buch mal zur Seite gelegt hat, muss man erstmal wieder zuordnen, wer gerade redet. Bedingt dadurch liest man eine Situation oft aus mehreren Blickwinkeln, was aber bei mir nicht dazu beigetragen hat, den Täter leichter zu ermitteln. Die Aufklärung der Morde war dann am Ende auch weniger Kombination, sonder eher dummer Zufall und das war mir dann doch etwas plump.

Klassischer handfester Krimi.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Wie weit darf Zivilcourage gehen

Tödlicher Halt
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Jeder von uns hat mit Sicherheit schon einmal darüber nachgedacht, wie er sich verhalten würde, wenn er mitbekommt, dass jemand angegriffen wird. Würde man selbstlos, ohne nachzudenken Eingreifen und helfen, ...

Jeder von uns hat mit Sicherheit schon einmal darüber nachgedacht, wie er sich verhalten würde, wenn er mitbekommt, dass jemand angegriffen wird. Würde man selbstlos, ohne nachzudenken Eingreifen und helfen, oder würde man eher wegsehen und passiv bleiben. Ich könnte jetzt natürlich behaupten, ich würde sofort helfen, aber letztendlich weiß ich nicht, wie ich mich verhalten würde, ob ich mutig wäre, oder die Angst am Ende siegt.

Für zwei Studenten auf der Suche nach einem Imbiss wird eine solche Situation Realität, während sie mit dem Wirt eines türkischen Lokals beim Bier sitzen, stürmt ein Trupp Neonazis die Gaststätte, bewaffnet mit Basballschlägern und einer Leuchtpistole, aus ihren Absichten machen sie keinen Hehl. Die Jungs haben nun die Wahl, wegsehen und abhauen, oder helfen. Die Jungs entscheiden sich zu helfen und am Ende gibt es ein Blutbad.

Der Autor verlegt die Handlung seines Krimis in die Zeit nach der Wende, spricht aber ein Thema an, dass auch derzeit noch aktuell ist, denn Übergriffe auf Ausländer gibt es immer wieder. Ein grundlegender Aspekt der Geschichte ist nun die Zivilcourage, die die zufällig vor Ort anwesenden Studenten mit ihrem Eingreifen gezeigt haben. Der Autor stösst eine Diskussion darüber an, in wie weit ihr Verhalten angemessen war, ob der Einsatz von Waffen gerechtfertigt gewesen ist, ob sie für ihr Verhalten eine Bestrafung, oder eher einen Orden verdient haben. Selbst der ermittelnde Beamte ist sich da nicht so sicher.

Das Buch liest sich gut weg. Der beschriebene Angriff erfolgt sehr rasant zu Beginn der Geschichte, daher verläuft der Mittelteil eher etwas ruhiger. Der Leser verfolgt die Ermittlungen der Polizei und wie die beiden Studenten das Geschehene verarbeiten. Gerade bei der Ermittlungsarbeit kommt dem Kommissar des öfteren der Zufall zu Hilfe, für meinen Geschmack aber fast schon zu oft. Zum Ende hin nimmt die Geschichte nochmal buchstäblich Fahrt auf, der Autor gibt seiner Geschichte einen Abschluss, der nicht unbedingt meins ist, aber dazu beiträgt, über die Geschehnisse über das Ende hinaus nachzudenken. Letztendlich ein guter Schachzug!

Veröffentlicht am 27.10.2019

Bewegte Leben

Hamburgs starke Frauen
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Heutzutage ist es ja sehr hipp, seine Autobiografie zu schreiben. Dabei ist es anscheinend egal, ob man ein 17jähriger Youttuber ist, ein Z Promi mit diversen Auftritten in Casting/Kuppel/Dschungel -Shows, ...

Heutzutage ist es ja sehr hipp, seine Autobiografie zu schreiben. Dabei ist es anscheinend egal, ob man ein 17jähriger Youttuber ist, ein Z Promi mit diversen Auftritten in Casting/Kuppel/Dschungel -Shows, oder tatsächlich eine gestandene Persönlichkeit mit Geschichte. In früheren Generationen war dieses Phänomen gänzlich unbekannt, möchte man heute etwas über Personen vergangener Jahrhunderte erfahren, ist man angewiesen auf Briefe, persönliche Tagebucheinträge oder Dokumente, sofern diese die oft turbulenten Zeiten überdauert haben. Dann braucht es noch jemanden, der sich die Mühe macht, all diese Informationen zusammenzutragen.

Für dieses Buch hat sich die Autorin auf Spurensuche in Hamburgs Geschichte begeben. Entstanden ist das Porträt von 30 starken Frauen 1645 bis heute. Frauen, die oft ihrer Zeit weit voraus waren. Frauen, deren Namen man oft gar nicht kennt, die einem aber auf wenigen Seiten ins Bewusstsein gebracht werden. Frauen, die einen großen Einfluss auf Kunst, Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft nicht nur in Hamburg hatten und noch immer haben. Frauen mit einem bewegten Leben, mit Schicksalsschlägen.
Die Bandbreite ist groß und bietet Einblick in die verschiedensten Lebensmodelle und Lebensläufe.

Der Stil der Autorin ist hierbei kurz und prägnant, aber trotzdem persönlich und emotional. Sie versteht es gut wichtige Daten, prägende Lebensereignisse und den Charakter der einzelnen Frauen auf kleinstem Raum zusammenzufassen. Die einzelnen Abschnitte machen Lust auf mehr und durch die detaillierten Quellenangaben am Ende des Abschnitts ermöglichen dem Leser weiterführende Lektüre.

Das Buch verstehe ich ein wenig als Geschichtsunterricht für Hamburger und Hamburgbesucher, es eignet sich durch die kurzen Kapitel gut zum Schmökern nach Bedarf. Ich nenne solche Bücher gern liebevoll - Wartezimmerbuch - weil man es gut in der Handtasche bei sich tragen kann um bei Bedarf kurze Wartezeiten zu überbrücken. Eine starke Idee, die sich gut zum nachahmen eignen würde.