Profilbild von reni74

reni74

Lesejury Profi
offline

reni74 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit reni74 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2020

Eher Familiengeschichte

Fleisch ist mir nicht Wurst - Über die Wertschätzung unseres Essens und die Liebe meines Vaters zu seinem Beruf
0

Ich bin bekennender Fleischesser und als echtes Dorfkind einer Selbstversorgerfamilie erinnere ich mich gut an die jährlichen Schlachtfeste. Das Schlachten auf dem Dorf natürlich nicht viel mit dem zu ...

Ich bin bekennender Fleischesser und als echtes Dorfkind einer Selbstversorgerfamilie erinnere ich mich gut an die jährlichen Schlachtfeste. Das Schlachten auf dem Dorf natürlich nicht viel mit dem zu tun hat, was heutzutage auf den Großschlachthöfen passiert ist mir bewusst und lässt auch mich meinen Fleischkonsum kritisch sehen.

Bedingt durch den Klappentext habe ich mir eher ein Sachbuch vorgestellt, das die Familiengeschichte als Rahmen für eine Diskussion rund um das Thema Fleisch als Nahrungsmittel nutzt. Dieser Eindruck hat sich allerdings nicht bestätigt, denn das Buch ist eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, die am Rande einige kritische Punkte anspricht.

Der Schreibstil des Autors ist leicht und eingängig. Der Leser erkennt schnell den professionellen Hintergrund, den der Beruf des Autors mitbringt. Als Drehbuchautor, Ghostwriter und Journalist weiß er ziemlich gut mit Worten umzugehen und Fakten zu recherchieren. Leider sind diese Fakten immer nur kurz im Buch angerissen. Versehen mit Fußnoten und durch weiterführende Links in den Anmerkungen kann der Leser sich dann selbstständig weitere Informationen holen. Mir persönlich war das etwas zu wenig und nicht das, was ich vom Buch erwartet hatte.

Die Familiengeschichte erzählt der Autor sehr interessant, mit trockenem Humor und sehr ausführlich. Er macht dabei auch keinen Hehl aus den schwierigen Verhältnissen zwischen seinen Eltern, oder zwischen dem Vater und der Familie. Dem Leser wird schnell klar, dass das Geschäft, die Metzgerei, immer an erster Stelle stand. Generationsübergreifend ist das Buch auch stellvertretend für die Entwicklung vieler Familien von der Nachkriegszeit, über die Wirtschaftswunderjahre bis heute. Parallel zur Familie beschreibt der Autor auch die Entwicklung im Umgang mit dem Produkt Fleisch, mit dem Tier, das dem Fleischkonsum vorausgeht und die neue Sichtweise auf diese Form der Ernährung. Er hebt dabei allerdings nicht den moralischen Zeigefinger, bleibt sachlich und fair, nur aber eben zu sehr an der Oberfläche.

Irgendwie bin ich mit völlig anderen Erwartungen an das Buch herangegangen, wurde aber trotzdem gut unterhalten. Einige interessante Punkte wurden angesprochen, die ich sicher auch noch weiter vertiefen werde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2020

Gar nicht meins

Omama
0

Ich kenne die Autorin aus dem Fernsehen und fand ihre Auftritte sehr erfrischend, gemessen an dem was sonst so in diesem Bereich zu sehen ist. Teilweise vielleicht etwas grenzwertig, aber durchaus mutig, ...

Ich kenne die Autorin aus dem Fernsehen und fand ihre Auftritte sehr erfrischend, gemessen an dem was sonst so in diesem Bereich zu sehen ist. Teilweise vielleicht etwas grenzwertig, aber durchaus mutig, gerade weil sie über Themen spricht, die sonst tabuisiert werden. Als ich gesehen habe, dass sie ein Buch geschrieben hat, war ich sehr neugierig. Das Thema fand ich klasse, verbindet mich doch selbst eine tiefe Liebe zu meiner Oma, allerdings weiß ich recht wenig über ihr Leben, denn sie mochte nie viel darüber erzählen.

Die Leseprobe gefiel mir noch total gut, eigenwilliger Stil, aber sehr witzig. Super. Der Prolog war Sensationell, die Anekdote um die Verstopfung des Babys und die pragmatische Hilfestellung durch die Oma. Genauso hatte ich mir das Buch vorgestellt, eine Hommage an die Großmütter dieser Welt und an die der Autorin im Besonderen.

Leider weit gefehlt. Die Geschichte beginnt kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, die Russen stehen sprichwörtlich vor der Tür und der Leser lernt Helga und ihre Schwester Inge kennen und innerhalb weniger Seiten rutscht die Geschichte ab in eine Aneinanderreihung von Absurditäten und Slapstick. Eine, vermeintlich witzige, Szene jagt die nächste. Ironie und Satire wird auf die Spitze getrieben und oft darüber hinaus.

Ich muss gestehen, dass ich schon im ersten Kapitel vom Schreibstil genervt war. Natürlich kann man auch den Wirren der Nachkriegszeit etwas humoriges abgewinnen, aber hier fehlt mir quasi jeglicher Respekt vor Allen, die in dieser Zeit tatsächlich Opfer geworden sind. Es wird mir zu komödiantisch über Situationen geschrieben, die für Menschen damals tatsächlich traumatisch verlaufen sind. Zum Glück ist es der Oma der Autorin nicht so ergangen und um so weniger verstehe ich, warum dann diese Form zur Aufarbeitung der Familiengeschichte gewählt wurde.

Lisa Eckhart polarisiert mit ihren Auftritten und ist ihrem Stil auch als Schriftstellerin treu geblieben, dafür meinen Respekt. Sie schreibt tatsächlich, wie auf dem Schutzumschlag geschrieben, tabulos, intelligent, böse, komisch fand ich das Buch aber so gar nicht. Vielleicht kommt das Komische und auch die Liebe zur Oma, die ich erwartet und gesucht habe, erst im weiteren Verlauf des Buches zum Vorschein. Ich werde das nicht erfahren, denn ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das Buch abgebrochen habe. Das passiert mir äußerst selten, aber es ging echt nicht mehr. Schade.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2020

Nicht wirklich ein Thriller

American Spy
0

Marie ist Mitarbeiterin beim FBI und nicht wirklich glücklich in ihrem Job, als schwarze Agentin trauen ihr besonders die männlichen Kollegen nicht wirklich viel zu. Als sie die Chance bekommt an einer ...

Marie ist Mitarbeiterin beim FBI und nicht wirklich glücklich in ihrem Job, als schwarze Agentin trauen ihr besonders die männlichen Kollegen nicht wirklich viel zu. Als sie die Chance bekommt an einer Operation der CIA teilzunehmen greift sie zu, nicht zuletzt, weil sie so hofft einige Fragen zu ihrer verstorbenen Schwester klären zu können. Das sie das Angebot hauptsächlich bekommt, weil sie eine Frau und schwarz ist blendet sie dabei aus. Jahre später holen sie die Ereignisse dieses Einsatzes wieder ein und Marie muss plötzlich um ihr Leben und das ihrer Zwillinge fürchten.

Lauren Wilkinsons Debüt mutet an wie ein typischer Spionage Thrilller, der Klappentext und auch die zitierten Leserstimmen auf dem Einband weisen in diese Richtung. Als ich gelesen habe, dass sogar Barack Obama vom Buch begeistert war dachte ich, toll, das muss ich auch lesen. direkt

Die Geschichte startet direkt mit einer Actionszene, sowas mag ich immer sehr gern, man ist quasi direkt im Geschehen. Im Anschluss erzählt die Autorin wie es zu diesem Angriff gekommen ist. Der Leser folgt mehreren Handlungsträngen auf verschiedenen Zeitebenen, erzählt von der Hauptfigur als Ich- Erzähler. Die Autorin lässt ihre Hauptfigur eine Art Tagebuch verfassen, in dem sie ihre Geschichte erzählt. In diesen Tagebucheintragungen richtet sich Marie in direkter Ansprache an ihre beiden Söhne. Für mich war diese Form etwas gewöhnungsbedürftig, wenn eine Szene, die das Kind betraf beschrieben wurde und dann ein Du und der Name des Kindes angehängt wurde. Ich habe das in dieser Form noch nie irgendwo gelesen. Ansonsten war der Schreibstil zwar eingängig, allerdings auch sehr ausschweifend und blumig. Die Ereignisse werden bis ins kleinste Detail dargelegt, Gefühle und Emotionen ausführlich erklärt.

So rasant wie das Buch begonnen hat, ging es leider nicht weiter, die Geschichte hat zwar ein paar typischeThrillerelemente der Achtziger, aber Spannung kommt nicht auf, die politischen Verwicklungen fand ich stellenweise ermüdend. Wenn ich das Buch einem Genre zuordnen sollte, dann sicher nicht Thriller, das Ganze ist über weite Strecken eher eine Familiengeschichte, in der die Autorin auch den Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen in den Achtzigern und Sexismus im Beruf thematisiert, ebenso die fragwürdige Einflussnahme der amerikanischen Geheimdienste in die Weltpolitik.

Die Autorin erzählt eine interessante Geschichte. Auf dem Einband ist zu lesen "Lauren Wilkinson erzählt den Spionageroman neu: mutig, zeitgemäß und hochspannend." , mich konnte dieses Neue nicht fesseln.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2020

Ganz anders

Der Weizen gedeiht im Süden
0

Als ich das Buch beendet hatte war ich erstmal etwas enttäuscht. Ich irgendwie so eine Art Endzeitszenario ala The Walking Dead vermutet und naja, damit hat es tatsächlich eher ganz am Rande zu tun. Im ...

Als ich das Buch beendet hatte war ich erstmal etwas enttäuscht. Ich irgendwie so eine Art Endzeitszenario ala The Walking Dead vermutet und naja, damit hat es tatsächlich eher ganz am Rande zu tun. Im Nachgang, beim Reflektieren der Geschichte ist mir ziemlich schnell klar geworden, dass das auch gar nicht die Intention des Autors gewesen ist. Er hat hier keinen blutigen Actionkracher verfasst, sondern eine ernste, in vielerlei Hinsicht nachdenkliche, beängstigende, beklemmende und doch hoffnungsvolle Version des Weltuntergangs geschaffen.

Der Leser erlebt die Welt, Monate nach einem Atomschlag. Europa liegt unter Schnee begraben und eine dichte Wolkendecke verdunkelt den Himmel. In einem Bunker in den Schweizer Bergen gibt es eine Gruppe privilegierter Überlebender, doch die Freude über das Überleben währt nur kurz, denn wirkliche Sicherheit gibt es auch hier nicht und einige Bewohner wagen die Flucht nach draußen, Ziel, Nordafrika, wo die atomare Verseuchung nicht so stark spürbar sein soll.

Der Autor erzählt nun den Weg, den die Gruppe auf ihrer Flucht nimmt und schildert die Gefahren, die auf sie lauern. Er erzählt dabei nicht nur von den neuen Umweltbedingungen, die nun vorherrschen, sondern auch vom Zusammentreffen mit anderen Überlebenden der Katastrophe. Seine Figuren verändern sich auf dieser Reise, durch diese Reise, der Leser erfährt einiges über ihre Wünsche und Träume und über ihr Leben vor dem Krieg. In diesem Teil des Buches hat man, trotz einiger spannender Actionszenen, eher den Eindruck sich in einem Roadmovie zu befinden. Hier war auch der Punkt, an dem ich erst etwas enttäuscht war, aber ohne diesen Teil hätte die Geschichte einen ganz anderen Verlauf genommen. Der Autor zeigt was eine solche Katastrophe mit der Umwelt macht, aber auch mit den Menschen, es entsteht eine erschreckende Charakterstudie.

Während der Lektüre gab es einige Fakten im Bezug auf Kontamination, Verstrahlung und Ähnliches, an denen ich Zweifel hatte. Spater gibt es dann aber Informationen zum Autor und diese verdeutlichen, dass er von berufswegen weiß wovon er spricht, bzw schreibt.

Das Buch ist für mich anders verlaufen als ich erwartet hatte und hat wenig Ähnlichkeit mit Büchern, oder Filmen, die ich sonst zu dieser Thematik kenne, auch wenn mich einige Szenen etwas an 2012 erinnert haben. Das Buch zeigt drastisch, aber nicht zu laut die Folgen eines globalen Atomschlags. Für mich wurden hier wieder Ängste geweckt, die in meiner Jugend durchaus prägend waren und es wird daran erinnert, dass die Gefahr auch heute noch Bestand hat und oft nur ein kleiner Funke nötig ist.

In einer Katastrophe zeigt sich das Gute, aber auch das Schlechte im Menschen, beides erleben wir eindringlich aber auch erschreckend in diesem Buch, ein Buch, das ein beklemmendes Gefühl bei mir zurück lässt, ähnlich wohl dem in einem Bunker eingesperrt zu sein, ohne die Möglichkeit einfach mal so ein Fenster zu öffnen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2020

Subtil

Der Schattenmörder
0

Aus gutem Grund hat Paul seine Heimatstadt vor vielen Jahren verlassen, nun kommt er zurück um seine Mutter ein letztes Mal zu sehen, sie liegt im Sterben. Während eines ihrer wenigen wachen Momente macht ...

Aus gutem Grund hat Paul seine Heimatstadt vor vielen Jahren verlassen, nun kommt er zurück um seine Mutter ein letztes Mal zu sehen, sie liegt im Sterben. Während eines ihrer wenigen wachen Momente macht sie eine Bemerkung und Paul muss bald feststellen, dass das Grauen seiner Kindheit wohl noch nicht vorbei ist.

Für mich war es das erste Buch des Autors und ich habe mir einen spannenden Thriller versprochen. So ganz konnte die Geschichte mich allerdings nicht packen. Der Leser folgt Paul, der zurück in seiner Heimatstadt von der Vergangenheit eingeholt wird. Er muss feststellen, dass seine Mutter die Geschehnisse nie wirklich losgelassen haben und so begibt auch er sich auf Spurensuche. Die Geschichte pendelt dabei zwischen Erinnerungen an Pauls Kindheit und der Gegenwart. Aktuell kommt ein weiterer Handlungsstrang dazu, als ein Verbrechen passiert, dass erschreckend an die damaligen Ereignisse erinnert.

Der Erzählstil des Autors ist sehr eingängig, gerade bei den Ereignissen aus der Vergangenheit schafft er es eine subtile Spannung aufzubauen, stellenweise gab es sogar leichte Gruselmomente. Im restlichen Teil der Geschichte fehlt das dann aber fast vollständig. Die Geschichte plätschert eher vor sich hin und auch ein sehr überraschender Twist zum Ende hin konnte da nichts mehr retten. Ich bin da wahrscheinlich schon zu abgeklärt. Das Thema Träume und deren bewusstes Beeinflussen ist mega interessant, aber wirklich verstanden hab ich es nicht. Erst wollte ich googlen, ob das tatsächlich so funktioniert, hatte dann aber zum Ende des Buches keine Lust mehr.

Die Figur von Paul steht eindeutig im Vordergrund und hier bekommt der Leser auch einen etwas tieferen Einblick in die Psyche. Bei den anderen Figuren fehlt mir das leider ein bisschen. Der Autor bedient sich bei den Figuren gleich einiger gängiger Klischees. Da ist der Sportlehrer, der die Schüler offen quält und zulässt, dass die stärkeren Schüler die Schwächeren drangsalieren. Der Kraftprotz der Schule, der stets auf der Suche nach einem neuen "Opfer" ist, oder der Chef der örtlichen Polizei, der nicht begeistert ist von der Ermittlerin, die sich in seine Arbeit einmischt. Passt zum Szenenaufbau, ist aber nicht neu.

Für mich war das Buch ein netter Zeitvertreib für zwischendurch, nicht besonders spannend, aber gut zu lesen. Leser die es eher subtil mögen und nicht ganz so aufregend, sind hier sicher gut bedient. Mir persönlich war es zu nichtssagend und ich hatte leider das Gefühl, es wurde hier sehr auf die breite Masse gezielt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere