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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2020

Alte Wunden

Rache und roter Schnee
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Ich habe das Buch passenderweise in der Weihnachtszeit gelesen. Passenderweise, weil in Erik Donners zweitem Fall übel zugerichtete Leichen auf einem Weihnachtsmarkt entdeckt werden. Eigentlich sollte ...

Ich habe das Buch passenderweise in der Weihnachtszeit gelesen. Passenderweise, weil in Erik Donners zweitem Fall übel zugerichtete Leichen auf einem Weihnachtsmarkt entdeckt werden. Eigentlich sollte der Job dort Donner nur beschäftigen, das er plötzlich mitten in der Jagd nach einem Mörder steckt gefällt keinem so wirklich.

Im zweiten Buch bin ich nun endlich auch etwas näher an dem Erik Donner, den ich aus den bereits gelesenen, späteren Büchern kenne. Während der erste Teil noch stark an den sonntäglichen Tatort erinnert hat, bekommt der unbequeme Ermittler hier nun den Dreh, der ihn ausmacht. Natürlich hadert die Figur noch immer mit ihrer Vergangenheit, ist nicht wirklich umgänglicher, oder freundlicher geworden, damit muss man als Leser umgehen können und das gefällt sicher nicht jedem. Auch ich möchte Donner gern manchmal einfach schütteln, aber das übernimmt ja schon eine andere Frau in der Story.

Generell hat der Autor hier eine Figur geschaffen, die man entweder liebt, oder hasst, dazwischen gibt es nichts. Man muss sich hier, wie so oft auf die Geschichte, die Figur einlassen und darf nicht alles auf die Realität ummünzen.

Wie auch schon in anderen Büchern mangelt es nicht an Verdächtigen und Theorien, wie auch vorher schon lag ich mit meinen Vermutungen daneben. Die Aufklärung ist dann durchaus plausibel und nachvollziehbar. Das Buch endet mit einem, wie ich finde, grandiosen Showdown, der jedem Hollywood Blockbuster Ehre machen würde. Wenn ich in Zukunft ein Räumfahrzeug sehe, werde ich mit Sicherheit an Erik Donner denken.

Ich gehöre eindeutig zu denen, die Erik Donner lieben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2020

Leider nur bedingt spannend

Diabolic – Fatales Vergehen
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Es ist ja momentan nicht ungewöhnlich, dass sich mehrere Autoren für ein gemeinsames Projekt zusammentun. So auch bei diesem Thriller. Lisa Jackson kenne ich natürlich, die anderen beiden Namen sagten ...

Es ist ja momentan nicht ungewöhnlich, dass sich mehrere Autoren für ein gemeinsames Projekt zusammentun. So auch bei diesem Thriller. Lisa Jackson kenne ich natürlich, die anderen beiden Namen sagten mir nichts. Der Titel und die Beschreibung des Buches liesen auf eine spannende und nervenaufreibende Story schließen. Spannend wird es dann auch direkt zu Beginn, als die Freundinnen Ruth, Shiloh und Kate beim nächtlichen Baden von einem Psychopathen aufgeschreckt werden. Eines der Mädchen wird vergewaltigt und nur mit viel Glück können die Drei ihm entkommen. Die eigentliche Geschichte setzt dann einige Jahre später an, als die Mädchen wieder in ihrer Heimatstadt sind und der Täter von damals wieder auf sie aufmerksam wird.

Die Geschichte besteht hauptsächlich aus drei Teilen, in denen der Fokus jeweils auf einer der Frauen liegt. Der Leser erfährt über ihre Vergangenheit, den Umgang mit dem damaligen Erlebnis, den aktuellen Ereignissen und auch der psychopathische Täter kommt zu Wort. Der Plot ist nicht neu und wurde in ähnlicher Form schon in einigen Büchern und Filmen behandelt. Leider bieten die Autorinnen in ihrer Version wenig Neues, die Ereignisse plätschern, bis auf wenige Ausnahmen vor sich hin. Das Buch wimmelt von Klischees zu den Bewohnern und dem Leben in einer amerikanischen Kleinstadt, die Figuren sind stereotyp, zeigen ein oft nicht nachvollziebares Verhalten, einfach nur, weil die Geschichte das grad so braucht. Um die Längen im Mittelteil zu füllen, werden Liebesbeziehungen inszeniert, die angesichts der anderen Ereignisse nicht so ganz passend erscheinen. An sich, passt ein Flirt, oder eine Liebesgeschichte immer ganz gut in einen Thriller, kann sie doch dem Handeln der Figuren Tiefe und Glaubwürdigkeit geben, in diesem Fall wirkte das Ganze aber eher konstruiert und war leider sehr vorhersehbar. Zum Ende hin wird das Tempo nochmal angezogen, der Showdown wird dann aber ziemlich schnell abgearbeitet und der Leser noch mit einigen Fragezeichen zurück gelassen.

Ich habe es schon oft erlebt, dass gerade weibliche Autoren oft eine härtere Gangart einlegen. Auf Grund des Titels hatte ich aich eine gewisse Erwartungshaltung an das Buch, diese wurde aber kaum erfüllt. Natürlich ist der Grundgedanke der Story heftig, die Umsetzung aber dann eher weichgespült. Mich konnte das Buch nicht ganz packen, stellenweise hatte es durchaus gute und spannende Momente, es war jetzt aber auch nicht so, als das ich es nicht hätte aus der Hand legen können.
Für Fans der Autorinnen, für Leser, die Romantik in einem Thriller mögen, und die es nicht ganz so nervenaufreibend möchten aber sicher ein angenehme Lektüre.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2020

Was vom Osten übrig blieb

Ost Places
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Beim vorliegenden Buch handelt es sich um einen großformatigen Bildband, der Titel ist angelehnt an den Begriff Lost Places, verlassene, verlorengegangene Orte. Verlassen oder bereits verschwunden sind ...

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um einen großformatigen Bildband, der Titel ist angelehnt an den Begriff Lost Places, verlassene, verlorengegangene Orte. Verlassen oder bereits verschwunden sind viele der im Buch beschriebenen Orte, einige existieren nur noch als Ruinen, während manche tatsächlich gerettet werden konnten und heute in neuem/altem Glanz erstrahlen. Der Autor hat eine Reise in die DDR Vergangenheit der neuen Bundesländern unternommen und ist Orten nachgespürt, die den Alltag, das Leben, die Landschaft im Osten geprägt haben.

Ich bin ein Kind des Ostens und mit der beschriebenen Architektur, dem bildnerischen Kulurgut, den Parolen groß geworden. Viele der im Buch beschriebenen Orte kenne ich tatsächlich. Ich habe miterlebt, wie direkt nach der Wende vieles davon nicht schnell genug abgerissen werden konnte, wie plötzlich Straßen, Schulen umbenannt werden mussten, um das Erbe der jüngsten Geschichte zu verleugnen und sich möglichst schnell an den goldenen Westen anzugleichen.

Das Buch ist aufgeteilt in verschiedene Themengebiete, zu denen es dann eine Sammlung von Fotos gibt, vorangestellt ist jedem Kapitel eine kurze Einführung und die Fotos sind kurz beschrieben mit Bedeutung und Ortsangabe. Die Beschreibungen sind zweisprachig in deutsch und englisch verfasst, so ist das Buch auch interessant für kulturhistorisch interessierte Besucher aus anderen Ländern. Der Inhalt reicht von den typisch ostdeutschen Bauten, über riesige Wandbilder bis hin zu Verkehrsmitteln und Denkmälern. Es werden wirklich viele verschiedene Facetten gezeigt.

Ich habe es sehr genossen in Erinnerungen zu schwelgen, ein bisschen Wehmut war allerdings ebenfalls in die Nostalgie gemischt, wenn einem bewusst wird, wie viel unvergleichbares für immer verschwunden ist. Um so mehr freut es mich dann, dass gerade ein umdenken stattfindet und heute viele Versuche unternommen werden um einzigartiges Kuturgut zu erhalten. Auch hierzu gibt es einige Beispiele im Buch.

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  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 03.01.2020

Schön

Lektüre zwischen den Jahren
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Das hübsch aufgemachte Büchlein aus dem Inselverlag kommt in einem eher ungewöhnlichem Format daher. Es liegt gut in der Hand, eignet sich perfekt zum mitnehmen und zum verschenken. Die Optik des Covers ...

Das hübsch aufgemachte Büchlein aus dem Inselverlag kommt in einem eher ungewöhnlichem Format daher. Es liegt gut in der Hand, eignet sich perfekt zum mitnehmen und zum verschenken. Die Optik des Covers erinnert mich sehr an "Der kleine Prinz".

Enthalten sind Momentaufnahmen in Form von Gedichten, kurzen Geschichten und Gedanken verschiedener Autoren. Am Ende des Buches gibt es ein Quellenverzeichnis, in dem man sich Informationen zu Autor und Werk holen kann, um weiterzulesen. Viele der Autoren waren mir bekannt, kamen mir durch die Lektüre wieder ins Bewusstsein, andere Autoren kannte ich noch nicht. Die meisten Autoren sind mehrfach vertreten.

Das Büchlein ist mir durch das schöne Cover ins Auge gefallen, ich fand die Idee schön, die Zeit zwischen den Feiertagen mit etwas philosophischem zuverbringen und wurde nicht enttäuscht.

Sehr schön als Geschenk!

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Veröffentlicht am 27.12.2019

Erschaffung eines Monsters

Tod und tiefer Fall
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Erik Donner, von berufswegen Kriminalhauptkommisar, ist ein recht schwieriger Charakter, ein zerrissener, zerstörter. Körperlich entstellt fühlt er sich selbst als Monster, wie die Kollegen ihn ganz offen ...

Erik Donner, von berufswegen Kriminalhauptkommisar, ist ein recht schwieriger Charakter, ein zerrissener, zerstörter. Körperlich entstellt fühlt er sich selbst als Monster, wie die Kollegen ihn ganz offen nennen. Abgeschoben auf einen langweiligen Posten, fern von jeglicher echter Polizeiarbeit, begegnet Donner einem anderen Monster, einem, das eigentlich gar nicht mehr am Leben sein kann, einem, das Donner alles genommen hat.

Im ersten Band der mittlerweile sieben Bücher umfassenden Geschichte um Erik Donner erfährt der Leser näheres zu den Ereignissen, die zu Donners Unfall und seiner Entstellung geführt haben, zum Tod seiner Tochter und zum Verschwinden seiner Frau. Es wird viel dazu erklärt, warum Donner ist wie er ist.

Da ich schon einige spätere Bücher der Reihe gelesen habe, habe ich natürlich einen etwas anderen Blick auf das Buch als ein Erstleser. Ich empfinde die Geschichte, den Stil, die Figur Erik Donner als noch etwas roh, unförmig, holprig, man erahnt förmlich die Entwicklung, die der Autor noch machen wird.

Die Figur des vom Schicksal verratenen Ermittlers passt in keine Schublade, sie wird sicher auch nicht jedem Leser gefallen. Anfangs wirkt Donner auch auf mich wie ein Kotzbrocken, der Autor schafft es aber schnell, dass der Leser sich einlässt auf diese spezielle Figur und ihre Geschichte. Spannend erzählt er vom Leidensweg des Beamten und dem Horrortrip den er erlebt, als ein Geist aus der Vergangenheit wieder aufersteht. Ein Katz und Maus Spiel beginnt, in dessen Verlauf Donner merkt, dass es doch noch Menschen in seinem Leben gibt, die ihm wichtig sind, die ihn verwundbar machen. Er erkennt, dass er seine Arbeit als Polizist, das Ermitteln vermisst, ist es doch das Einzige was ihm geblieben ist.

Der Autor hat mit Erik Donner eine Figur mit Wiedererkennungswert geschaffen. Ich habe lange überlegt, an welche Filmfigur er mich erinnert, konnte aber keine bestimmte ausmachen. Erik Donner weist einige Parallelen zu anderen Ermittlern auf, ist aber in sich so speziell und eigen, dass es nicht abgekupfert auf den Leser wirkt. Genauso mag ich es!

  • Cover
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