Makula ist per Definition ein Bereich der Netzhaut, der für das präzise Sehen verantwortlich ist, der Details erkennt und Farben wahrnimmt. Um detaillierte Wahrnehmung geht es auch in den Erzählungen von ...
Makula ist per Definition ein Bereich der Netzhaut, der für das präzise Sehen verantwortlich ist, der Details erkennt und Farben wahrnimmt. Um detaillierte Wahrnehmung geht es auch in den Erzählungen von Harald Darer, um einen präzisen Blick hinter die Kulissen, unter die Oberfläche, unverklärt, echt und manchmal auch unbequem. Das weit geöffnete stilisierte Auge auf dem Cover deutet es an, hier hat jemand ganz tief geblickt und gut beobachtet.
Das Buch enthält mehrere ganz unterschiedliche Erzählungen, die den Leser manchmal auch durchaus etwas ratlos zurücklassen. Da begleitet man eine Gruppe junger Leute zu einer Party, die etwas aus dem Ruder läuft, einen jungen Mann, der auf dem Weg zu einem Angelausflug einen Unfall hat, oder erlebt eine Sonnenfinsternis auf einem Firmenparkplatz. In all diesen Momentaufnahmen liegt aber noch so viel mehr, da werden Verwicklungen erkennbar, Hintergründe, Wechselwirkungen und immer wieder geht es um den Blick auf Menschen, auf Beziehungen, auf Lebenswege. Manchmal ist es als würde der Filter von einem Foto entfernt und man würde plötzlich klar sehen, so wie etwa bei der beschriebenen Indienreise.
Der Stil des Autors macht es leicht die Geschichten zu lesen, das finale Verstehen ist da nochmal eine ganz andere Sache, denn hier muss man sich als Leser schon auch ein bisschen anstrengen. Die Storys sind speziell, manchmal etwas wirr, ihre Bedeutung nicht unbedingt direkt zu erkennen. In gewisser Weise muss man sich einlassen. Auf jeden Fall ist dies ein Buch, das man vielleicht ein zweites und sogar ein drittes Mal lesen muss, um wirklich alle Details zu ergründen und zu verstehen. Eine eher spezielle lektüre, definitiv nicht null acht fünfzehn.
Ich glaube nur wenige Erkrankungen ängstigen Menschen so sehr wie Demenz und Alzheimer. Die Vorstellung sich Selbst zu verlieren, nur noch eine Hülle ohne Erinnern und ohne Erkennen zu sein ist kaum zu ...
Ich glaube nur wenige Erkrankungen ängstigen Menschen so sehr wie Demenz und Alzheimer. Die Vorstellung sich Selbst zu verlieren, nur noch eine Hülle ohne Erinnern und ohne Erkennen zu sein ist kaum zu ertragen und doch ist die Gefahr groß im Alter daran zu erkranken. Noch gibt es keine Heilung, allerdings kann man einiges zur Vorbeugung tun und hier gilt, es ist nie zu früh und nie zu spät mit der Prävention zu beginnen.
Natürlich gehöre auch ich zu denen, die sich vor dem Vergessen im Alter fürchten, nicht nur auf Grund der Tatsache, dass ich mir schon jetzt kaum eine Telefonnummer merken kann, von Namen ganz zu schweigen und ständig irgendwas vergesse. Meine Kinder haben da natürlich ihre Freude dran, kann man doch so immer behaupten man hätte mir etwas ganz bestimmt erzählt und ich könnte mich halt einfach nur nicht mehr dran erinnern. Aber Spaß beiseite, so witzig wie sich das anhört ist es natürlich nicht und ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mich das nicht zum Nachdenken bringt.
Mit diesem Buch hatte ich mir nun einen Ratgeber erhofft, der mir Übungen zeigen würde, mit denen ich meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen könnte, Rätsel, Rechen - und Denkaufgaben für die kleinen grauen Zellen, Übungen, um sich Zahlen besser merken zu können, Gehirnjogging sozusagen. Leider enthält das Buch genau diese aber fast gar nicht, am Ende gibt es zwar einen Trainingsplan, aber der umfasst in erster Linie die anderen Punkte, die für die geistige Fitness wichtig sind und in diesem Buch viel ausführlicher beschrieben werden.
In erster Linie erfährt man viel über den Aufbau unseres Gehirns, über seine Aufgaben, seine Arbeitsweise, das Wechselspiel mit den anderen Organen, aber auch viel darüber, was gefährlich für dieses hochkomplexe und noch so wenig erforschte Organ ist, eas es schädigt, negativ beeinflusst und eben sogar krank machen kann. Drogen und Alkohol fallen einem da natürlich als erstes ein, aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, oder Erkrankungen wie Diabetes sind der Hirngesundheit nicht förderlich. Der Autor zeigt hier sehr detailliert die Wechselwirkungen, erklärt nachvollziehbar den Stand der Forschung und sagt einiges zur Entstehung von Demenz und wie man schon früh das Risiko einer Erkrankung erkennen und somit gegensteuerrn kann.
So interessant und wichtig das alles ist, so sehr fehlt mir aber eben letztlich der praktische Teil, den ich mir halt einfach von diesem Buch erhofft hatte. Die enthaltenen Tipps zum Thema gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, Vermeidung von Stress etc. sind halt leider zu allgemeingültig und im Grunde eigentlich auch bekannt. Hier hatte ich einfach ganz andere Erwartungen.
Gemma lebt glücklich mit Mann und kleinem Sohn in Chicago, sie liebt ihren Job als Kosmetikerin und ist bei ihren Kollegen und Kundinnen beliebt. Über ihre Vergangenheit spricht sie nicht viel, am liebsten ...
Gemma lebt glücklich mit Mann und kleinem Sohn in Chicago, sie liebt ihren Job als Kosmetikerin und ist bei ihren Kollegen und Kundinnen beliebt. Über ihre Vergangenheit spricht sie nicht viel, am liebsten würde sie sie vergessen. Gerade jetzt an Halloween, an dem Tag im Jahr, an dem die Erinnerungen nur schwer zu verdrängen sind, würde sich Gemma am liebsten in ihrem Haus verstecken und niemandem die Tür öffnen, geschweige denn mit ihrem Sohn auf Süßes oder Saures Tour gehen.
Direkt im Prolog lernt der Leser Gemma kennen, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Gemma ist. Ein junges Mädchen, das große Angst hat und als letzten Ausweg die Flucht aus ihrem Zuhause und ihrer Heimatstadt sieht. Ein junges Mädchen, das alles zurücklässt, sogar ihre eigene Identität. In dieser Nacht wird Gemma geboren, Gemma, die man dann Jahre später wieder trifft, die sich ein neues Leben aufgebaut hat, ein Leben, wie es ihre tote Freundin nie haben wird.
Mike Omer schafft mit Hauptfigur Gemma quasi eine Figur ohne Basis, ohne wirkliche Tiefe, denn Gemma ist eine Person ohne Vergangenheit. Als Leser spürt man das trotz der vielen Andeutungen und Flashbacks, die einen kurzen Blick in Gemmas Jugendzeit ermöglichen. Gemma bleibt dem Leser über weite Stecken fremd, ihre Figur ist irgendwie nicht greifbar, man hat wenig Empathie ihr gegenüber, schließlich bleibt unklar, was damals geschehen ist und welche Rolle Gemma bei den Ereignissen spielte. Auch durch ihre ganze Art, ihre übertriebene Fürsorge ihrem Sohn gegenüber macht sie es mir als Leser nicht wirklich leicht sie zu mögen. Erst als die Figur des Schattenmanns, wie sie die Person nennt die auf so drastische Weise in ihr Leben eindringt, ins Spiel kommt, fängt man als Leser langsam an Gemma zu mögen, denn sie verändert sich hier, hört auf sich zu verstecken, ihre Vergangenheit zu leugnen, Angst zu haben. Mit dem Auftreten des Schattenmannes wird Gemma endlich "echt" und somit zu einer Figur, mit der ich als Leser endlich mitfühlen kann und der ich es plötzlich gönne, dass sie ihr Leben zurückbekommt.
In Gemmas Geschichte erzählt der Autor von Ausgrenzung, vom Andersein, von der Identitätsuche, von Mobbing in der Schule und dessen dramatischen Folgen, erzählt von Missbrauch und von Stalking. Stalking ist an sich schon übel für die Betroffenen, aber hier wird es auf eine überaus perfide Art und Weise dazu verwendet Macht über Andere zu erlangen, Informationen aus dem Netz werden dazu verwendet Betroffene zu erpressen und letztlich zu Taten zu veranlassen, die dem eigentlichen Täter nutzen und zuarbeiten. Es entsteht ein beängstigend höriges Netzwerk, dessen sich der Stalker nach Belieben bedienen kann, um seine Vorteile daraus zu ziehen. Mich hat dieses Szenario schon etwas verstört, gerade wenn man liest wie leicht die späteren Opfer hier in die Falle getappt sind und wie schnell sie bereit waren Dinge zu tun, die eigentlich undenkbar für sie wären, nur um zu verhindern, dass der Partner von einer Affaire erfährt, der Chef von Nacktfotos, oder die Nachbarn von der sexuellen Orientierung. Es heißt nicht umsonst - das Netz vergisst nicht - und ich denke die meisten von uns sind sich gar nicht bewusst, welche Informationen über einen selbst hier zu finden sind. Wie gesagt, verstörend und beängstigend.
Natürlich gibt es irgendwann einen Punkt, an dem man beginnt aus den Flashbacks und Erinnerungsfragmenten Gemmas die Ereignisse zu erahnen, die zu ihrer Flucht aus ihrem alten Leben führten. Trotzdem schafft es der Autor einen dann doch mit den brutalen Einzelheiten zu überraschen. Ich glaubte eigentlich ich hätte das ganze durchschaut, den Schattenmann enttarnt, aber ich lag knapp daneben. Obwohl ich zu Beginn des Buches wirklich gehadert habe, mir vieles zu plump und wenig raffiniert, sogar offensichtlich durchschaubar vorgekommen ist, hat es der Autor letztlich doch geschafft Spannung aufzubauen, psychologisch Ängste zu schüren und mich der Hauptfigur näher zu bringen.
Hercule Poirot langweilt sich und so kommt es ihm gerade recht, dass sein alter Bekannter Kommissar Spence mit einem Anliegen bei ihm vorspricht. Spence hat gerade den Fall um die Ermordung einer älteren ...
Hercule Poirot langweilt sich und so kommt es ihm gerade recht, dass sein alter Bekannter Kommissar Spence mit einem Anliegen bei ihm vorspricht. Spence hat gerade den Fall um die Ermordung einer älteren Dame abgeschlossen, verurteilt dafür ihr mittelloser Untermieter. Aber irgendetwas lässt Spence zweifeln und so bittet er Poirot sich den Fall noch einmal anzusehen.
Viele werden "Vier Frauen und ein Mord" eher durch die Verfilmung mit Margaret Rutherford in der Rolle der Miss Marple kennen. Wie man aber an der Tatsache, dass im Film Miss Marple ermittelt und nicht, wie im Buch Poirot, schon erahnen kann, sind sich Buch und Verfilmung nur bedingt ähnlich. Wer also Angst hat, den Täter zu früh zu entlarven, dem sei gesagt, das ist gar nicht so einfach.
In gewohnter Manier steigt man in die vermeintliche Idylle eines britischen Dörfchens ein, es wird geklatscht und getratscht als gebe es kein Morgen, jeder kennt irgendwie jeden und natürlich weiß auch jeder irgendwas über seine Nachbarn zu berichten. Das Buch strotzt nur so vor amüsanten Figuren, die sich natürlich auch alle im Verlauf der Geschichte mal verdächtig machen, einfach weil sie Poirot etwas verschweigen, sich merkwürdig benehmen, oder durch ihre Vergangenheit gut ins Profil passen würden. Es gibt AC typisch wieder zig Hinweise, Andeutungen und Nebenhandlungen, von denen man nie weiß, ob sie am Ende wichtig sein werden.
Ein wirkliches Miträtseln ist in diesem Gewirr nicht wirklich möglich und auch, wenn man durch den Film eigentlich in eine gewisse Richtung denkt, kommt die Auflösung dann doch eher überraschend. Trotzdem hat mir das Buch gefallen, es zeigt sehr eindringlich, wie stark Drehbuchautoren die Vorlage oft verändern und mit der Darstellung der etwas nervigen Schriftstellerin Ariadne Oliver hat Agatha Christie ihre Meinung zu diesem Thema auf humorvolle Art und Weise eingebracht. Das Buch fordert eine gewisse Aufmerksamkeit vom Leser, um den Faden nicht zu verlieren, zum Glück gibt es am Ende wieder Poirots typische detailreiche Auflösung und plötzlich ergibt alles einen Sinn.
Bonnie ist eine der Teilnehmer*innen an einer neuen TV-Show, die sich am Escape Room Konzept orientiert. Schauplatz ist eine stillgelegte Militärfestung mitten im Ärmelkanal, in der Bonnie und ihre Mitstreiter ...
Bonnie ist eine der Teilnehmer*innen an einer neuen TV-Show, die sich am Escape Room Konzept orientiert. Schauplatz ist eine stillgelegte Militärfestung mitten im Ärmelkanal, in der Bonnie und ihre Mitstreiter sich unter ständiger Kamerabeobachtung durch verschiedenen Aufgaben und Rätsel arbeiten müssen. Vom ersten Moment an ist das Ganze irgendwie merkwürdig, es gibt keine Begrüßung bei der Ankunft, kein abschließendes Briefing und vor allem kein Produktionsteam, das das Ganze koordiniert, anscheind ist die Gruppe allein in der Festung.
Die Thematik des Buches ist nicht unbedingt neu, es gab vor einigen Jahren mal die Fernsehshow "Fort Boyard", in der Prominente die verschiedensten Aufgaben in einer alten Militärfestung lösen mussten und auch an Filme wie "Escape Room" fühlt man sich direkt beim Klappentext erinnert. Da ich solche Szenarien eigentlich sehr mag, wollte ich das Buch unbedingt lesen.
Die Figuren sind auf den ersten Blick eine bunt zusammengewürfelte Truppe, doch recht schnell merkt man, dass hier einem bewährten System gefolgt wird. Da gibt es die hübsche Influencerin, die nur auf Clicks aus ist, den großmäuligen Sportler, die schweigsame Außenseiterin, den Nerd, das graue Mäuschen, den Traum aller Schwiegermütter und eben Bonnie, die eher zufällig in das Ganze stolpert. Eine Mischung, wie man sie aus diversen Realityformaten kennt, die aber absolut austauschbar ist. Spannungen sind so natürlich vorprogrammiert, aber leider auch sehr vorhersehbar.
Wärend dem Leser recht schnell klar ist, dass hier so einiges mega falsch läuft, redet und trinkt die Gruppe sich erstmal alles schön und läuft so direkt in ihr vorprogrammiertes Verderben. Als dann bereits klar ist, dass es sich definitiv nicht mehr um ein Spiel handelt agieren die Figuren so, wie es ihre Rolle vorgibt, es gibt irgendwie keine Überraschung für den Leser, die Story plätschert vor sich hin, nur unterbrochen von einigen wenigen Effekthaschereien. Überrascht wurde ich dann allerdings von einer Wendung der Geschichte, die für mich zu einem total unpassenden Zeitpunkt kam. Sie bringt natürlich eine vollkommen neue Dynamik in die Geschichte, weckt zeitgleich eine unglaubliche Erwartungshaltung, die leider aber nicht erfüllt wurde. Ich kann den Gedanken dahinter nachvollziehen und das hätte auch richtig spannend werden können, mich hat es aber nicht überzeugt und irgendwie wirkte das folgende Finale dann auf mich eher gehetzt und unausgewogen.
Die Grundidee, wie gesagt, nicht neu, aber durchaus mit Potential, dass hier nicht ausgeschöpft wurde. Die Figuren flach, ohne Substanz und austauschbar. Die Story in Teilen durchaus spannend und unvorhersehbar, in Teilen aber dann auch wieder ohne Thrill und zu Mainstream. Für Leser, die es ein bisschen ruhiger mögen, oder die noch relativ neu im Genre sind sicher ein guter Einstieg, ich habe da schon weitaus spannenderes gelesen.