Profilbild von reni74

reni74

Lesejury Star
offline

reni74 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit reni74 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Identitätssuche über Generationen hinweg

Real Americans
0

Lily, Tochter chinesischer Einwanderer ist 22 als sie während eines Praktikums den Neffen ihres Chefs auf der Firmenweihnachtsfeier kennenlernt. Matthew ist klug, witzig, überaus charmant und um Geld muss ...

Lily, Tochter chinesischer Einwanderer ist 22 als sie während eines Praktikums den Neffen ihres Chefs auf der Firmenweihnachtsfeier kennenlernt. Matthew ist klug, witzig, überaus charmant und um Geld muss er sich keine Gedanken machen, anders als Lily, die unbezahlt für Matthews Onkel arbeitet. Lily und Matthew fühlen sich sofort zueinander hingezogen und werden recht schnell ein Paar, doch Lily fühlt sich zunehmend unwohl ob ihrer finanziellen Situation und beendet die Beziehung überraschend.

Schon im Klappentext des Buches ist zu lesen, dass dies keinesfalls das Ende der Geschichte ist, gegen alle Widrigkeiten werden Lily und Matthew ein Paar, heiraten bekommen einen Sohn. Dieser Abschnitt beginnt 1999 und bildet den ersten des in drei Teile gegliederten Buches. In Teil Zwei springt die Geschichte ins Jahr 2021, Nick, Lilys und Matthwes Sohn steht kurz vor seinem Schulabschluss und der Leser begleitet ihn in seinem Alltag und bei der Suche nach einem passenden College. Im dritten Teil dann erfolgt wieder ein größerer Zeitsprung und wir sind nun im Jahr 2030 und Lilys Mutter wird nun zur Hauptperson, in ihren Gesprächen mit Nick erfährt der Leser nun etwas aus ihrer Vergangenheit, über ihre Herkunft, ihre Flucht aus China und ihr neues Leben in Amerika.

Jeder der drei Abschnitte ist somit einer anderen Figur gewidmet und wird jeweils aus deren Sicht erzählt. Beginnend mit Lily, der Tochter, über Nick, den Enkel, hin, oder besser zurück zu May, der Großmutter. Hier wird dann auch endlich der Bogen zum Prolog geschlagen und es gibt eine Erklärung, auf die der Leser schon seit langem wartet, ob befriedigend, oder nicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, mir hat sie leider nicht ausgereicht. Der Punkt um den es hierbei geht, beschäftigt Figuren wie Leser gleichermaßen über weite Strecken des Buches, bildet ein verbindendes Element zwischen ihnen, gibt der Geschichte fast etwas phantastisches und bleibt leider das Einzige, das man als roten Faden bezeichnen könnte.

Rachel Khong schreibt fesselnd und erschafft eine generationenübergreifende Familiengeschichte, die einige sehr spannende Elemente enthält. Trotzdem bleiben die Figuren recht blass, erreichen mich als Leser nicht wirklich, wecken zwar Emotionen, schaffen es aber nicht, dass ich über längere Zeit bei ihnen bleibe. Über weite Strecken des Buches plätschert die Geschichte im alltäglichen vor sich hin, während fast banale Szenen seitenlang erzählt werden, bekommen die wichtigen Elemente, die Fragen, die den Leser beschäftigen, zu wenig Raum, bleiben unkommentiert, oder verlaufen im Sand. Als dann endlich eine Aufklärung kommt, ist es nicht das, was ich nach all diesem Hinarbeiten erwartet habe. Letztlich wurde ich hier eher enttäuscht.

Eigentlich hat die Story unglaublich viel Potential, es werden total interessante Themen angeschnitten, familiäre Traumata, Gentechnik, Rassismus, die Problematik der Identitätsfindung bei Kindern aus Einwandererfamilien, es geht um Migration, um Zugehörigkeit, um Herkunft, um Loyalität, um Ethik, um Moral, um nationales und kulturelles Erbe, um Individualität, Freiheit, Flucht und Verfolgung und politischen Fanatismus, aber auch um Familie und Liebe und um die Frage, was, oder wer ist "real american". So viele Themen, die alle in das Leben der Figuren verwoben sind, die das Leben dieser Figuren bestimmen, die dabei aber leider oft zu oberflächlich bleiben.

In der Gesamtheit habe ich das Buch gern gelesen, auch über die teilweise vorhandenen Längen hinweg. Grund dafür war einfach der Drang, endlich Klarheit zu bekommen, eine Antwort auf all meine Fragen, eine Erklärung für all diese Andeutungen. Irgendwie habe ich ständig gehofft, auf die nächste Seite, auf das nächste Kapitel, darauf, dass sich die Geschichte zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Wirklich zusammengefügt hat sich leider nur wenig, die Figuren stehen über weite Strecken isoliert und für sich allein, erzählen ihre Geschichte ebenso isoliert, eine Verbindung gibt es erst spät im Buch, mir leider zu spät.

Was das Buch allerdings erreichen konnte, ist ein unglaublich intensiver und interessanter Austausch innerhalb der Leserunde, in der ich es gelesen habe. Das zeigt, dass diese Geschichte polarisiert, auf jeden Leser anders wirkt und die Grundaussage von jedem Leser anders gedeutet wird. Die Autorin wirft viele Themen in den Raum und bietet mit ihrem Buch die Basis für Diskussionen und Auseinandersetzung. Auch das muss man als Autor*in erstmal schaffen. "Real Americans" ist definitiv ein Buch das mich noch lange beschäftigen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Klassische Horrorelemente

BLACKWATER - Eine geheimnisvolle Saga - Buch 1
0

Der kleine Ort Perdido Alabama lebt von der Holzverarbeitung in den am Fluss angesiedelten Sägewerken. Im Frühjahr 1919 tritt aufgrund langanhaltender Regenfälle der Perdido_Fluss über die Ufer und überschwemmt ...

Der kleine Ort Perdido Alabama lebt von der Holzverarbeitung in den am Fluss angesiedelten Sägewerken. Im Frühjahr 1919 tritt aufgrund langanhaltender Regenfälle der Perdido_Fluss über die Ufer und überschwemmt die ganze Stadt. Einige der wohlhabenden Familien haben sich in die Kirche gerettet, unter ihnen auch Oscar Caskey. Um sich das Ausmaß der Verwüstung anzusehen, ist er mit seinem Gärtner Bray im Boot unterwegs durch die Stadt und findet im überschwemmten Hotel eine junge Frau, die dort anscheinend schon seit Tagen allein ausharrt. Bray spürt schnell, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, sein Arbeitgeber tut die bedenken allerdings als Aberglaube ab.

Das Buch ist der Beginn der "Blackwater-Saga" , die insgesamt aus sechs Bänden besteht und bereits 1983 veröffentlicht wurde. Sie gilt als eine der besten unheimlichen Erzählungen und verbindet klassische Horror/Gruselelemente mit einer Familiensaga über mehrere Generationen hinweg. Der Geschichte zugrunde gelegt ist eine alte Legende, die sich die Einwohner von Perdido seit Ewigkeiten erzählen und nach der in einem Strudel im Fluss ein Monster lebt, das immer wieder menschen in die Tiefe reißt. Am Ende des Buches gibt es ein sehr interessantes Nachwort.

Der Erzählstil des Autors ist sehr leichtgängig und bildhaft, allerdings hatte ich über weite Strecken Probleme damit mir die Zeit zu vergegenwärtigen, in der die Geschichte spielt. Vom Setting, den Figuren und auch der Sprache des Buches, fühlte ich mich eher fünfzig, oder mehr Jahre früher. Besonders durch das Verhalten der wohlhabenden Familie Caskey ihren schwarzen Angestellten gegenüber und die allgemeine Beschreibung der Lebensumstände, hatte ich dieses Gefühl und da konnte auch die Erwähnung des Autos der Familie und andere Details nichts ändern. Vielleicht ist dieses, ich will nicht sagen antiquierte Setting aber auch absichtlich so gewählt, um die Grundstimmung der Geschichte zu unterstreichen.

Obwohl es dem Leser schon im Prolog ähnlich wie Brady geht und man direkt eine leichte Gänsehaut bekommt, verläuft die Story erstmal relativ unaufgeregt. Es gibt immer mal wieder kleine Spitzen, versteckte Andeutungen, Zeichen, die dem Leser, aber natürlich nicht den Figuren auffallen und so wir der Eindruck aus dem Prolog weiter verstärkt und die gesamte Geschichte hinweg unterschwellig aufrecht erhalten. Im Vordergrund steht hier erstmal eindeutig die Familiengeschichte der Caskeys, im Besonderen die von Müttern zu ihren Kindern und Schwiegermüttern zu ihren Schwiegertöchtern.

Das Buch enthält viele klassische Gruselelemente, die es schaffen über die gesamte Länge der Geschichte eine ängstigende Atmosphäre zu erzeugen, ohne dabei zu blutig, oder plakativ zu werden, obwohl es natürlich auch eine solche Szene gibt, wahrscheinlich um zu verdeutlichen, welches Grauen da tatsächlich lauert. Der erste Band endet für mich überraschend und schockierend, der Autor hat mich hier kalt erwischt, denn mit allem hätte ich gerechnet, aber damit nicht. Trotz dieser Entwicklung und obwohl mir die Story gut gefallen hat, bin ich mir unsicher, ob ich die Reihe zeitnah weiterlesen werde. Für meinen Geschmack darf das Tempo im zweiten Teil gern etwas anziehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Poirot und Ariandne Oliver im Team

Die vergessliche Mörderin
0

Poirot langweilt sich, wiedereinmal und als unangemeldet eine junge Frau in seiner Wohnung auftaucht, bringt das, wenigstens kurzzeitig etwas Abwechslung. Die junge Dame benimmt sich recht merkwürdig, ...

Poirot langweilt sich, wiedereinmal und als unangemeldet eine junge Frau in seiner Wohnung auftaucht, bringt das, wenigstens kurzzeitig etwas Abwechslung. Die junge Dame benimmt sich recht merkwürdig, ist zerstreut, fahrig, verängstigt und mit der Aussage zu einem Mord, den sie möglicherweise begangen hat weckt sie natürlich Poirotˋs Neugier. Weitere Informationen bekommt Poirot allerdings nicht, denn die junge Dame verschwindet wieder und das, ohne auch nur ihren Namen genannt zu haben. Keine guten Voraussetzungen.

In ihrem 57. Kriminalroman lässt Agatha Christie ihren berühmten Ermittler Hercule Poirot ermitteln und da der Fall sich ziemlich merkwürdig darstellt, bekommt er Hilfe von seiner guten Bekannten Ariadne Oliver, ihres Zeichens Autorin von Kriminalromanen, in deren Figur sich A. C. eindeutig selbst verewigt hat. Die quirlige, manchmal ziemlich anstrengende Ariadne dient hier wieder als gut unterrichtete Informationsquelle und bringt mit ihren Alleingängen den ein, oder anderen Hinweis ans Licht. In den meisten Romanen ist mir ihre Figur schnell zu viel, hier allerdings hat sie sich erstaunlich gut eingefügt.

Wie in den meisten Büchern der Autorin wird man auch hier von Beginn an mit vielen Figuren bekannt gemacht. In diesem Fall die bereits erwähnte junge Dame, deren Familie, ihr Freund und später auch ihre Mitbewohner. Wieder sind es teilweise etwas skurile Figuren und zu jeder gibt es Informationen, von denen man nie weiß, ob sie in irgendeiner Form für die Geschichte und den Kriminalfall wichtig sind. A.C. versteht es wieder meisterhaft falsche Spuren zu legen und vollkommen banale Dinge so präsent in den Fokus zu rücken, dass man beim Lesen fest davon überzeugt ist, dass das etwas bedeuten muss, nur um ein paar Seiten später zu merken, dass es das eben doch nicht tut. Mitkriminalisieren ist unter diesen verworrenen Umständen fast unmöglich und nimmt so ein ganz klein wenig den Spaß am Buch. Die Auflösung kommt natürlich wieder ganz in A.C. typischer Manier, wenn Poirot seine Abschlussrede hält fügt sich plötzlich alles zusammen, man sieht Poirot fast bildlich vor sich, wie er irritiert den Kopf darüber schüttelt, dass man nicht selber drauf gekommen ist.

Für mich ist dieser Fall leider wieder einer ihrer schwächeren. Die so offensichtliche Lösung ist nur bedingt plausibel, die falschen Spuren zwischenzeitlich einfach eine zu viel und die verschiedenen Richtungen in die die Ermittlungen laufen verwirren den Leser. Natürlich gibt es ein paar Details, auf die man kommt, teilweise sogar früher als Poirot und Ariadne selber, aber um den Fall aufzudröseln reicht das leider nicht aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

So viele Bücher, so wenig Zeit

Bibliomanie
0

Hallo, ich heiße Bodo, ich bin biblioman..." Mit diesen Worten stellt sich Bodo bei seinem ersten Treffen in der Selbsthilfegruppe für Büchersüchtige vor, gezwungenermaßen, denn seine Mutter ist davon ...

Hallo, ich heiße Bodo, ich bin biblioman..." Mit diesen Worten stellt sich Bodo bei seinem ersten Treffen in der Selbsthilfegruppe für Büchersüchtige vor, gezwungenermaßen, denn seine Mutter ist davon überzeugt, Bodo hätte ein Problem, als ob drei-, viertausend Bücher, die meisten davon noch ungelesen, ein Problem wären. Leider droht Mutti damit Bodo den Geldhahn zuzudrehen wenn er sich nicht helfen lässt und so fügt sich dieser in sein Schicksal und macht das Beste aus der Situation. Immerhin trifft er so auf die faszinierende Tamara, die ihn kurzerhand zu ihrem ganz persönlichen Vorleser macht.

Ich kann mir vorstellen, dass man als Autor natürlich selber ein bisschen buchverrückt ist. Über die Größe der hauseigenen Bibliothek von Mark Jischinski kann ich nur spekulieren, aber ich denke es steckt schon ein gutes Stück von Bodo in ihm. Ich konnte mich natürlich direkt mit Bodo identifizieren, auch wenn ich es nicht auf eine so große Anzahl ungelesener Bücher schaffe, ist mein Stapel, im Fachjargon SUB genannt schon etwas größer, wobei Stapel nicht das richtige Wort ist, in meinem Fall trifft es Schrank schon eher und natürlich finden sich auch bei mir, genauso wie bei Bodo, in jedem Raum Bücher, außer auf der Toilette, da bin ich raus.

Bodo hat also direkt meine Sympathie, genauso wie auch die anderen doch eher skurrilen Figuren in dieser Geschichte, die der Autor mit wunderbar schwarzem Humor erzählt. Genau wie Bodo kenne auch ich das problem, dass die Zeit einfach nicht ausreicht, um all die tollen Bücher zu lesen, die es gibt. Familie, Haushalt, Arbeit, alles Störfaktoren, die für Bodo zwar nicht gelten, die Sache deshalb aber keinesfalls einfacher machen. Und so kann ich nachvollziehen, dass er eine Lösung für dieses Dilemma sucht. Seine Idee Bücher zu Pulver zu verarbeiten um dieses dann zu schniefen, wäre jetzt eher nicht meins (obwohl es für jeden Schüler die Rettung wäre, einfach morgens, kurz vor Beginn der Deutschstunde eine Prise "Faust Der Tragödie erster Teil" geschnuppft und der Aufsatz kann kommen), seine Forschung an der Lesekapsel hingegen finde ich mega spannend.

Wer jetzt beim Lesen denkt, hä?, was?, den kann ich natürlich verstehen, aber man muss es einfach gelesen haben, um die wunderbare Absurdität dahinter zu erkennen. Mark Jischinski treibt hier die Liebe zu Büchern auf die Spitze. Jeder Buchverrückte wird sich ein klein wenig in der Geschichte wiederfinden, die natürlich von den Übertreibungen, den überzeichneten, teilweise klischeehaft dargestellten Figuren (Therapeut Volker mit seinen Birkenstocks) und dem spitzzüngigen Humor lebt. Das Buch ist Hommage und Satiere zugleich und soll natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass man Suchtthematiken ernst nehmen und sich Hilfe suchen sollte.

Wie bei den meisten Büchern des Autors, ich kenne und liebe bereits einige davon, wird es Leser geben, die begeistert sind, so wie ich, aber auch solche, die damit überhaupt nichts anfangen können. Liegt wohl in der Natur der Sache. Ich habe mich köstlich amüsiert, so viele Kleinigkeiten in der Geschichte entdeckt, die mir ein Lächeln, oder ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert haben. Ich habe mit Bodo gelitten, als er ohne ein Buch anzusehen durch den Thalia laufen musste, habe mich über seine unbeholfene Verliebtheit gefreut, begeistert mit ihm Bukowski-Gedichte gelesen und am Ende sogar getrauert. Und als wäre das noch nicht genug, liefert der Autor noch reichlich Futter für meine Buchseele, denn Bodo erzählt von so vielen Schätzchen aus seiner Sammlung, dass mein SUB wohl in nächster Zeit einiges an Zuwachs bekommen wird.

Absolute Empfehlung für Leseratten und Büchermenschen, ich hab schon einige im Kopf, die das Buch von mir geschenkt bekommen werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

Sammlung für Erwachsene

Das Licht hinter den Sternen
0

Mit Märchen kommen wir in unserer frühesten Kindheit zum ersten mal mit Literatur, mit Büchern in Kontakt. Da noch klassisch mit Prinzen und Prinzessinnen, mit Hexen, dem bösen Wolf, unheimlichen Stiefmüttern, ...

Mit Märchen kommen wir in unserer frühesten Kindheit zum ersten mal mit Literatur, mit Büchern in Kontakt. Da noch klassisch mit Prinzen und Prinzessinnen, mit Hexen, dem bösen Wolf, unheimlichen Stiefmüttern, oder lustigen Zwergen. Unser kindliche Phantasie kann auf die Reise gehen, wir werden spielerisch, im geschützten Raum unseres Bettes mit unseren Ängsten konfrontiert, immer mit der Gewissheit, das am Ende alles gut werden wird. Die Hexe landet im Ofen, der Wolf im Brunnen und der Prinz und seine Prinzessin leben glücklich bis an ihr Ende.
Für viele Kinder vergeht die Faszination für diese Art von Geschichten, wächst sich aus, macht im besten Fall Platz für etwas Neues. Für manche, so wie mich, bleibt die Faszination allerdings erhalten und so liebe ich Märchen auch heute noch.
Unter dem Pseudonym Fuchstraum hat Autor Christoph Große in diesem Büchlein Märchen für Erwachsene geschaffen. Märchen voller Melancholie, voller Zauber, Hoffnung und Poesie. Auf nur wenigen Seiten erzählt er magische Geschichten mit Botschaft. In einer leisen unaufdringlichen Art und Weise, erschafft er Bilder mit großer Kraft, unterstützt durch wunderschöne schwarzweiß Zeichnungen der Künstlerin Krajamine.
In vielen seiner Geschichten geht es um das Schreiben, etwa wenn ein Schriftsteller erkennt, das die Figuren seiner Geschichten lebendig werden, aber in der Enge der Schreibtischschublade traurig sind. Man lernt einen Bären kennen, der für die Liebe zum Mann wird, oder begleitet einen alten Mann auf seinem letzten Weg.
Das Büchlein hat mir sehr gut gefallen, es ist genau richtig zum Verschenken und macht sich richtig gut auf dem Nachttisch, um vorm schlafen gehen nochmal kurz in magische Welten abzutauchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere