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Veröffentlicht am 01.04.2020

Lust auf Mehr

Feuertaufe. Lorenz Lovis ermittelt
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Lorenz Lovis ist Beamter der Staatspolizei in Südtirol und macht gerade eine schwere Zeit durch. Sein Onkel, bei dem er nach dem Tod seiner Eltern groß geworden ist ist verstorben und Lovis musste ihm ...

Lorenz Lovis ist Beamter der Staatspolizei in Südtirol und macht gerade eine schwere Zeit durch. Sein Onkel, bei dem er nach dem Tod seiner Eltern groß geworden ist ist verstorben und Lovis musste ihm auf dem Totenbett versprechen sich um dessen Bauernhof zu kümmern. Lovis ist alles andere als ein Bauer, nicht ohne Grund hat er das Dorf direkt nach der Schule verlassen, als es aber zu einer neuen Konfrontation im Dauerstreit mit seinem Vorgesetzten kommt, schmeißt Lovis den Polizeijob hin und kehrt in die Heimat zurück. Die Idylle des Bauernhofes trügt aber. Von der Landwirtschaft keine Ahnung und mit einem Berg von Schulden muss Lovis dringend an Arbeit kommen und warum dann nicht als Privatdetektiv. Blöd nur, wenn der Auftraggeber kurz darauf ermordet wird und Lovis nun selbst unter Verdacht gerät.

Die Autorin Heidi Troi schafft mit ihrer Figur des Lorenz Lovis eine eher untypische Ermittlerfigur, total verpeilt, ohne wirkliche Ahnung und Motivation, aber mit viel Charme, Herz und Humor. Manchmal möchte man ihn schütteln, oder in den Hintern treten, manchmal über den Kopf streicheln und trösten. Generell findet man im Buch einige spezielle Charaktete, die mit sehr viel Liebe angelegt sind.

Der Schreibstil ist sehr leichtgängig und humorvoll. Neben der eigentlichen Geschichte lässt die Autorin wunderschöne Landschaftsbeschreibungen einfließen. Das Buch macht Lust seinen Urlaub dort zu verbringen. Ich würde das Buch eher in Richtung Cosy Krimi einordnen und das ist durchaus positiv gemeint. Wilde Verfolgungsjagden, Geballer, oder Blutvergießen gibt es nicht, trotzdem ist man gern mit Lovis auf Verbrecherjagd und wünscht dem charmanten Chaoskopf noch ganz viele weitere Fälle.

Perfekte Urlaubslektüre!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2020

Eher langatmig

Mord in Mesopotamien
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Mit Mord in Mesopotamien haben wir wieder einen Fall für Hercules Poirot, allerdings tritt der Meisterdedektiv erst etwas später im Buch in Aktion, denn er ist nicht von Beginn an zugegen. Der Leser erfährt ...

Mit Mord in Mesopotamien haben wir wieder einen Fall für Hercules Poirot, allerdings tritt der Meisterdedektiv erst etwas später im Buch in Aktion, denn er ist nicht von Beginn an zugegen. Der Leser erfährt die Handlung als eine Art Tatsachenbericht einer anwesenden Krankenschwester. Diese erzählt rückblickend davon, wie sie vom Leiter einer archäologischen Ausgrabung engagiert wird, um sich um dessen Ehefrau zu kümmern, die unter nervösen Zuständen leidet und sich verfolgt fühlt. Angekommen im Kreis der Expeditionsteilnehmer wird schnell deutlich, dass eine sehr merkwürdige, angespannte Stimmung herrscht und wie zu erwarten passiert schließlich ein Mord.

Die Figur der Krankenschwester übernimmt hier den Part des Erzählers und nimmt diese Mission sehr ernst, ihre Beschreibungen sind teilweise sehr ausführlich, was mir manchmal etwas zu viel war. Auch die Befragungen nach dem Mord durch Poirot wirken eher bemüht auf mich, wirkliche Spannung kommt eher nicht auf. Die Hintergrundgeschichte ist sehr speziell, dadurch aber auch wieder verwirrend, durch die vielen verwickelten Personen fällt es schwer den Überblick zu behalten. Die Aufklärung des Mordes am Schluss erfolgt in typischer Poirot Art, ein sehr langer Monolog, in dem der Hergang der Tat bis ins Kleinste dargelegt wird. Auch hier muss der Leser aufpassen, den Überblick nicht zu verlieren, denn Poirots kleine graue Zellen arbeiten auf Höchststufe.

Für mich leider eins der schwächeren Werke von Agatha Christie, eine verworrene, unübersichtliche Geschichte mit vielen verschiedenen Personen und einer konstruiert wirkenden Auflösung. Als Fan der Autorin findet man natürlich trotzdem den Spaß am Lesen. Wer die Autorin erst kennenlernen möchte sollte sich aber lieber ein anderes ihrer Bücher dafür aussuchen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2020

Vorhersehbar

Gerecht ist nur der Tod
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Ina ist Psychologin und hat viele Jahre in der Opferbetreuung gearbeitet, irgendwann wurde ihr das allerdings zuviel und sie wechselt zum Journalismus. Auch hier lassen sie die Geschichten der Opfer nicht ...

Ina ist Psychologin und hat viele Jahre in der Opferbetreuung gearbeitet, irgendwann wurde ihr das allerdings zuviel und sie wechselt zum Journalismus. Auch hier lassen sie die Geschichten der Opfer nicht los und sie schreibt hauptsächlich zu diesem Thema, dass ihr das alles ziemlich nahe geht merkt der Leser gleich und auch ihre momentane Zusammenarbeit mit der Mordkommission macht die Sache nicht besser. Ina begleitet die Ermittlungen zu einem aufsehenerregenden Mordfall, ein bekannter Unternehmer wird auf dem Weg zu seiner Hochzeit vor der Kirche und den Augen der Braut und vieler Schaulustiger erschossen, die Polizei steht vor einem Rätsel.

Ina ist die Ich -Erzählerin, der Leser begleitet sie durch ihren Alltag und bei der Arbeit mit der Polizei, dabei erfährt man einiges über ihre Person, sowie die Mordermittlung. Schnell ist klar, dass Ina tiefsitzende psychische Probleme hat, die durch ihre Arbeit noch verstärkt werden. Was der Grund für diese Probleme ist wird anfangs nur angedeutet und der Spekulation des Lesers überlassen.

Leider kommt das Buch nur recht langsam in Fahrt, es wechseln sich Szenen ab, in denen Ina mit sich und ihren Dämonen beschäftigt ist und Szenen, die die Ermittlungen wiedergeben. Ich hatte ziemlich früh eine Ahnung zum Motiv und auch zum Täter, dadurch kam beim Lesen nicht wirklich Spannung auf. Interessiert haben mich letztlich nur die genaueren Zusammenhänge. Die Motivation hinter der Tat empfinde ich als nicht unbedingt plausibel, natürlich ist die Hintergrundgeschichte erschütternd, aber die daraus abgeleiteten späteren Ereignisse wirken doch etwas bemüht und konstruiert.

Der Schreibstil der Autorin ist eigentlich leicht lesbar, ich hatte das Buch in wenigen Stunden durch. Die Hauptfigur ist sehr zerissen und kaputt, die interessanten Nebenfiguren kamen zu wenig zum Tragen. Die Spannung, die ich auf Grund des Klappentextes erwartet hatte, hat sich bei mir nicht eingestellt. Das Buch hat es trotz der vielversprechenden Geschichte nicht geschafft mich zu packen. Da wäre sicher mehr drin gewesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2020

Blick hinter die Fassade

Vor Rehen wird gewarnt
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Ich kriege immer, was ich will ist das Lebensmotto von Ann Ambrose und ja, nach der Lektüre ihrer Lebensgeschichte kann man dem nur zustimmen. Der Leser begegnet Ann und ihrer Stieftochter Joy wärend einer ...

Ich kriege immer, was ich will ist das Lebensmotto von Ann Ambrose und ja, nach der Lektüre ihrer Lebensgeschichte kann man dem nur zustimmen. Der Leser begegnet Ann und ihrer Stieftochter Joy wärend einer Zugreise, es zeigt sich nach aussen das Bild einer liebenswürdigen, älteren Dame, der man gern behilflich ist. Doch hinter der Fassade erahnt der Leser schnell, dass liebenswürdig nicht der Ausdruck ist, mit dem man Ann Ambrose treffend charakterisiert.

Vici Baum nimmt uns, mit ihrer unvergleichlichen Art, Charaktere zu beschreiben, mit auf die Reise durch das Leben ihrer Hauptfigur. Wir lernen die kleine Ann kennen, die bereits früh lernt, durch Manipulation ihren Willen durchzusetzen. Die kleine Ann, die von allen immer als schwach und kränklich empfunden wird macht sich dies zu Nutze, um so die Menschen in ihrer Umgebung zu beeinflussen. Besonders zu spüren bekommt das ihre Schwester und in späteren Jahren ihre Stieftochter, aber auch der eigene Ehemann wird zu ihrem Opfer.

Die Autorin erzählt die Geschichte mit einem solchen Überschwang, ihre Beschreibungen sind opulent und üppig, der Zeitgeist der Geschichte wird so treffend erfasst. Ihre Charaktere sind auf den Punkt und zeugen von einer unglaublichen Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe. Die Geschichte wird leicht und flüssig erzählt, es ist eine Freude durch die Seiten zu schwelgen, trotz der Schicksale, die sich darin verbergen. Stellenweise habe ich mich durch das Verhalten der Hauptfigur, aber auch durch den Erzählstil stark an "Vom Winde verweht" und Scarlett O'Hara erinnert gefühlt.

Das Buch ist ein wiederentdeckter Klassiker von einer wunderbaren Erzählerin. Die Geschichte zeigt das Bild einer Frau, geprägt durch Erziehung und Gesellschaft, der Ansehen und Prestige wichtiger sind, als das Glück ihrer Lieben. Die Geschichte zeigt eine Frau, die alles hatte, mit nichts zufrieden war und ohne Rücksicht ihr persönliches Glück über das von Anderen stellt, eine Frau, die am Ende ungeliebt und einsam mit ihren Dämonen zu kämpfen hat. Eine Frau, die ihre Liebe zum Vorwand nimmt für ihr Handel, obwohl ich mir unschlüssig bin, ob sie tatsächlich lieben kann.

Sie hat immer gekriegt, was sie wollte, am Ende ist ihr nichts davon geblieben und der Leser sieht zuletzt dann doch wieder nur die liebenswerte, hilfsbedürftige alte Dame vor sich. Grandioser Roman!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2020

Kein typischer Krimi

Verkauft
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Alma ist Patientin in einer gynäkologischen Klinik und kommt dabei zufällig kriminellen Machenschaften auf die Spur in die anscheinend auch ein Arzt für Kinderwunschtherapie verwickelt ist. Wie hängt das ...

Alma ist Patientin in einer gynäkologischen Klinik und kommt dabei zufällig kriminellen Machenschaften auf die Spur in die anscheinend auch ein Arzt für Kinderwunschtherapie verwickelt ist. Wie hängt das aber mit dem Asylantenheim zusammen, in dem gerade ein Ehrenmord an einer Schwangeren verübt wurde und wo generell irgendwie jede Frau im gebährfähigen Alter schwanger zu sein scheint? Almas Neugierig ist nach ihrer nächtlichen Beobachtung jedenfalls geweckt und sie beginnt mit Unterstützung ihrer Mutter auf eigene Faust zu ermitteln. Einmal Blut geleckt, nimmt sie selbst auf die eigene Gesundheit keine Rücksicht und bedient sich, um an Informationen zu kommen, der Hilfe ihrers Freundeskreises. Das kommt nicht bei jedem gut an und Probleme mit Familie und Freunden sind vorprogrammiert.

Die Figuren, die die Autorin geschaffen hat sind nicht unbedingt alltäglich. Ihre Charakterzüge und die Interaktion miteinander geben dem Buch viel Witz und manchmal auch etwas Absurdität. Die einzelnen Personen sind sehr liebevoll gezeichnet, haben alle ihre kleinen Macken und Eigenheiten, so sorgen sie für sehr viel Dynamik in der Geschichte. Diese Dynamik habe ich dagegen im beschriebenen Kriminalfall manchmal vermisst. Auch ist bei mir nicht wirklich Spannung aufgekommen. Die Ermittlungen der Hobbykriminalistin waren eher amüsant, sie stolpert oft völlig ohne Plan in die gefährlichhsten Situationen. Der Hintergrund der Geschichte ist aber ein durchaus ernstes Thema. Ich persönlich würde das Buch daher auch eher in die Kategorie Cosy Krimi einordnen und das meine ich nicht negativ.

Die Geschichte spielt ja in Wien und die Autorin verwendet viele ortstypische Begriffe, auch lateinische Aussprüche werden von Almas Mutter gern verwendet. Diese Begriffe sind dann mit Fussnoten versehen und werden am Ende der Seite erklärt. Für mich manchmal etwas zu viel, da viele Begriffe auch bei uns bekannt sind, oder aus dem Satz heraus erklärt wurden. Hätte ich jetzt in der Masse nicht unbedingt gebraucht, ist aber gut mitgedacht von der Autorin.

Alma Liebekind ist der perfekte Lesestoff für den Urlaub, oder ein langes Wochenende. Die Geschichte liest sich gut und schnell weg und ist sehr unterhaltsam. Wer auf Witz und skurile Figuren im Krimi steht, wird sich gut unterhalten fühlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere