Feministische Pflichtlektüre
Man muss nicht für jede Konstellation eine Lösung wissen, um die Gesellschaft verändern zu wollen - aber jede Veränderung beginnt mit Kritik am vorherrschenden System. Oder zwei Systemen, die sich gegenseitig ...
Man muss nicht für jede Konstellation eine Lösung wissen, um die Gesellschaft verändern zu wollen - aber jede Veränderung beginnt mit Kritik am vorherrschenden System. Oder zwei Systemen, die sich gegenseitig bedingen: Kapitalismus und Patriarchat.
Linda Biallas wird mit Mitte 20 ungeplant schwanger. Trotz der Tatsache, dass sie sich mitten im Studium befindet und der Kindsvater sich jeglicher Verantwortung entzieht, entscheidet sie sich für die Mutterschaft und wird in ein neues Leben katapultiert, in dem andere Regeln gelten. Als alleinerziehende Mutter lernt sie früh die strukturelle Schlechterstellung aus erster Hand kennen, der Frauen unterworfen werden, wenn sie nicht im heteronormativen Modell aus männlichem Versorger und weiblichem Kümmerer leben.
Allein erziehend, mit den ganzen einhundert Prozent des Mental Loads auf sich gestellt, zeigt sich für Biallas eine notwendige Notwendigkeit für alternative Familienmodelle, die geschaffen werden müssen. Denn das noch immer von Politik geförderte Modell der Kernfamilie aus Vater, Mutter, Kind(-ern) kann nie das sprichwörtliche Dorf ersetzen, das erforderlich ist, damit alle Mitglieder einer Familie (mental) gesund bleiben, weil die Verantwortung aufgeteilt ist und nicht nur auf den Schultern einer Person lastet. Diese eine Person ist nämlich in aller Regel die Mutter und Momshaming bereits in Krabbelgruppen, später in Kitas und Grundschulen, ein riesengroßes Problem (und eigentlich eine gar nicht so seichte Form des Mobbings irgendwo zwischen Schule und Beruf!).
Biallas kritisiert den noch immer regierenden frühkindlich herbeigeführten Sexismus, der sich schon anhand von Einordnungen in "Jungsblau" und "Mädchenrosa" äußert. Überhaupt plädiert die Autorin in ihrem Buch für feministische Mutterschaft, denn Feminismus denkt bedauerlicherweise Elternschaft selten mit.
Glücklicherweise bin ich keine Mutter, denn jedes Buch, das ich zum Thema Mutterschaft lese, ist das Resultat eines anstrengenden Weges, den die Autorin und Mutter hinter sich hat - und den ich echt nicht gehen wollen würde.
Bücher wie "Mutter, schafft." sind aber hochrelevant, nicht zu letzt auch für mich, gerade weil sich mir die strukturellen Probleme durch meine Weigerung, Mutter zu werden, nie erschlossen haben und auch ich ohne solche Werke einen Mütter inkludierenden Feminismus nicht mitdenken könnte.