Cover-Bild Traum von China
22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Rowohlt
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 20.08.2019
  • ISBN: 9783498001070
Ma Jian

Traum von China

Susanne Höbel (Übersetzer)

Einen höheren chinesischen Provinzbeamten verfolgen immer häufiger Albträume aus seiner gewalttätigen Vergangenheit in Zeiten der Kulturrevolution. Dabei hat er eigentlich, im Sinne von Xi Jinpings Ideen von einer "verjüngten Gesellschaft", den Auftrag, die Vergangenheit ruhen zu lassen und ein neues China zu erschaffen. Aber er kann nicht vergessen, dass er seine eigenen Eltern verraten hat…
In einer schneidenden, Orwell'schen Satire auf Präsident Xi Jinpings "Traum von China"-Propaganda zeigt Ma Jian, was für Mächte da am Werk sind: China heute ist ein totalitärer Überwachungsstaat modernster Prägung mit einer Mischung von nationalistischer Ideologie, grenzenlosem Materialismus und einer Herrschaft durch Gewalt und Lügen. In diesem Roman, der Kunst und Aufruf zum Kampf zugleich ist, verbindet sich die tragische und absurde Realität mit den Kräften des Mythos und der Phantasie zu einem ungeschönten Porträt des Landes an der Schwelle zur Weltherrschaft.

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Veröffentlicht am 24.12.2024

Auf dem Weg in einen psychotischen Nervenzusammenbruch

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Der chinesische Dissident Ma Jian entwickelt in seinem Roman "Traum von China" eine sich steigernde, fiebertraumartige Erzählung über einen hohen Beamten im aktuellen China, der nach und nach den Verstand ...

Der chinesische Dissident Ma Jian entwickelt in seinem Roman "Traum von China" eine sich steigernde, fiebertraumartige Erzählung über einen hohen Beamten im aktuellen China, der nach und nach den Verstand verliert. Ma Daode ist in der Provinz Leiter des Traum-von-China-Amts. Ein Amt, welches die Vorstellungen des amtierenden Staatoberhaupts Xi Jinping für ein zukünftig gloreiches China umzusetzen versucht. Dabei werden Postings im Internet kontrolliert und zensiert, Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, um riesige Industriestädte aufzubauen und am liebsten gleich noch die Erinnerung an frühere Zeiten ausgelöscht. Wir erinnern uns: Das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 wird heutzutage aus den Suchmaschinenergebnissen Chinas entfernt bzw. kommt gar nicht erst zur Erwähnung.

Ma Jian stellt in seiner Parabel den "typischen" (korrupt, rumvögelnd, linientreu) Beamten Chinas dar und treibt dessen Verhalten im Roman auf die Spitze. Entgegen hält er dramatische Erinnerungen des Protagonisten aus der Zeit Maos Kulturrevolution, während derer Ma Daode als Jugendlicher gekämpft und gemordet hat. Durchsetzt ist das Ganze von anzüglichen Massenger-Nachrichten der Geliebten von Ma Daode. Alles läuft auf einen psychotischen Zusammenbruch des Einzelnen in einem schizophrenen System hinaus. Klingt in der Kürze recht interessant. Ist aber über 180 Seiten schon ermüdend. Die Parallelen und Anspielungen sind schon nach der Hälfte klar. Literarisch konnte mich das Buch nicht mitreißen, obwohl die Grundidee dieser Gegenüberstellung von persönlichem Schicksal und dem staatlichen Kurs durchaus sehr kreativ ist. Am besten hat mir jedoch das Vorwort des Autors gefallen. Dieses gibt sehr gute Einblicke in das heutige China und lässt die europäische Leserin den folgenden Plot besser einordnen.

Letztendlich hätte ich aber wohl lieber einen ausführlichen Essay von Ma Jian zum Thema gelesen, als diesen Fiebertraum von einem Roman.