Nacht, Apotheke, Laterne, Straße
Roemer Simon Minderhout ist ein schlauer Junge und möchte eigentlich nur Philosophie in Leiden studieren. Sein Onkel hat aber andere Pläne und so wird Simon Apotheker mit einer Examensarbeit in Philosophie ...
Roemer Simon Minderhout ist ein schlauer Junge und möchte eigentlich nur Philosophie in Leiden studieren. Sein Onkel hat aber andere Pläne und so wird Simon Apotheker mit einer Examensarbeit in Philosophie und übernimmt das Geschäft seines Onkels in Maassluis. Er ist ein bisschen eigenbrötlerisch und bleibt eher für sich. Als er von Hillegonda, einer Netzflickerin, in seiner Funktion als Apotheker um Hilfe gebeten wird, ist ihm klar, dass er damit womöglich den Widerstand gegen die deutsche Besatzung unterstützt.
In drei Abschnitten beschreibt der Autor das Leben von Roemer Simon. Der unbeschwerten Kindheit - was man so unbeschwert nennt -, folgt die Zeitspanne als Apotheker während der Besatzung und die Begegnungen mit Hillegonda. Im letzten Abschnitt vermischen sich die beiden ersten Teile zu einem brisanten Konglomerat, das man so keinesfalls erwartet hat. Das Leben des alten Apothekers, der mittlerweile schon im Ruhestand ist, wird auf den Kopf gestellt und er muss schließlich bei einem Freund untertauchen.
Ich habe jeden Abschnitt mit Begeisterung gelesen und wie verblüffend kleinste Elemente der ersten beiden Teile im letzten eingefügt und (wieder-)verwendet werden, hat mich wirklich überrascht. Die Lebensgeschichte eines niederländischen Mannes, der diese selbst mit nur vier Worten erschreckend eindeutig beschrieben findet: "'Nacht, Apotheke, Laterne, Straße.' Als sei sein ganzes Leben mühelos darin zusammengefaßt." (S. 412)
Sprachlich ist es ein bisschen "bunt"; es geht häufig um Themen der Philosophie und Religion (da gab es zwei Stellen, die mir etwas langatmig erschienen). Für mich spiegelt sich das ein bisschen in der Sprache wider, etwas distanziert und verschlungen, wenn (auch vertraute) Personen mit einander sprechen. Musik spielt ebenfalls eine Rolle, besonders im letzten Abschnitt. Die Handlung liest sich einerseits unterhaltsam und leicht, andererseits gilt es immer wieder "theoretische" Überlegungen, Einsprengsel einzuordnen bzw. zu bearbeiten. Insgesamt eine Lektüre, die mich gefesselt hat. Eine vermeintlich mehr oder weniger gewöhnliche Lebens- und Liebesgeschichte, die im zweiten Teil, vor dem Hintergrund der deutschen Besatzung, eine nicht zu ahnende Entwicklung in Gang bringt.