"Frauenmacht": Ein Klassiker, der zwiespältige Gefühle auslöst
Mir wurde „Frauenmacht“ von Marion Knaths von einer Kollegin empfohlen. Mehrfach. Und die Kollegin hielt auch nicht mit Lob hinter dem Berg. Entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung.
Nun habe ich ...
Mir wurde „Frauenmacht“ von Marion Knaths von einer Kollegin empfohlen. Mehrfach. Und die Kollegin hielt auch nicht mit Lob hinter dem Berg. Entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung.
Nun habe ich eine 2021 erschienene Auflage gelesen, die noch immer die aktuellste verfügbare darstellt, und fühle mich irgendwie dumpf. Das Buch beschäftigt sich mit Inhalten, die nach wie vor aktuell sind. Insbesondere die Darlegungen des hierarchischen gegenüber des non-hierarchischen Systems hat mir etliche hilfreiche Erkenntnisse beschert.
Was ich jedoch auch mitgenommen habe aus der Lektüre: Offenbar bleibt uns Frauen, wenn wir erfolgreich sein und nicht nur recht haben wollen, nichts anderes übrig, als uns bestmöglich in ein offenbar immer weniger tragfähiges System einzufügen und dabei irgendwie die Karriereleiter zu erklimmen – so wir denn wollen und hinreichend dabei unterstützt und gefördert werden. Und wenn wir dann dort sind, besteht vielleicht sogar die Chance auf echte Veränderung. – Puh, das ist eine harte Erkenntnis.
Neben Passagen, die vermutlich so schnell nicht überholt sind, gibt es aber auch solche, die dringend einer Überarbeitung bedürften. Insbesondere mit Blick auf ins Feld geführte Politiker:innen, zum Teil seit einigen Jahren nicht mehr amtierend und mit deren Ausscheiden fundamental konträre Positionen und Weltbilder Einzug hielten. Die Beispiele aus vergangenen Tagen sind mit rückwärtsgerichtetem Blick noch immer korrekt und haben sich zugetragen, sind heute allerdings nicht mehr zutreffend. Dem wird leider überhaupt nicht Rechnung getragen; zugegeben, auch dem geschuldet, dass es keine wirklich aktuelle Auflage des Buches gibt.
Dass eine Politik unter Merz nicht mit der von Merkel vergleichbar ist, ist ebenso offensichtlich wie der Vergleich zwischen Biden und Trump. Wenn sich die Rahmenbedingungen so grundlegend gegen Frauen, deren gesellschaftliche Stellung, Teilhabe und Möglichkeiten entwickeln, sollte so ein Ratgeber das meiner Meinung auch aufgreifen und thematisieren. „Frauenmacht“ tut das an der Stelle jedoch leider nicht und bleibt, meinem Empfinden nach, auch schon hinter den 2021 aktuellen Gegebenheiten zurück.
Ich kann daher nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen.