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Veröffentlicht am 20.06.2026

"22 Bahnen" von Caroline Wahl – Mein Lese-Highlight des Sommers 2026

22 Bahnen
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Tilda führt ein Leben, das penibel durchgetaktet ist, um das Chaos um sie herum zu bändigen: Studium, Job an der Supermarktkasse, die Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida – und die ständige Sorge ...

Tilda führt ein Leben, das penibel durchgetaktet ist, um das Chaos um sie herum zu bändigen: Studium, Job an der Supermarktkasse, die Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida – und die ständige Sorge wegen der alkoholkranken Mutter, die das Leben der kleinen Familie unberechenbar macht. Tildas einziger Zufluchtsort sind die exakt 22 Bahnen, die sie jeden Tag im Freibad schwimmt. Als eine große Chance in Berlin winkt und gleichzeitig Viktor, ein Bekannter aus der Vergangenheit, im Freibad auftaucht, gerät Tildas mühsam aufrechterhaltenes Gleichgewicht ins Wanken. Sie muss sich fragen, wie viel sie opfern darf und kann, um ihr eigenes Leben zu leben.


Meine Meinung: Eine große, positive Überraschung

Ich muss ehrlich gestehen: Nach meiner sehr durchwachsenen Erfahrung mit Wahls Buch Die Assistentin hätte ich zu diesem Roman wohl freiwillig nie gegriffen. Zu tief saß die Skepsis gegenüber dem sperrigen Stil, der Die Assistentin kennzeichnet und für mich zur Herausforderung machte. Was für ein Glück, dass mir dieses Buch aus dem Freundeskreis nicht nur wärmstens empfohlen, sondern auch direkt ausgeliehen wurde! 22 Bahnen hat mich komplett überrollt und ist meine absolute Überraschung des Sommers 2026.



Ein Thema, das unter die Haut geht – getragen von authentischen Figuren

Caroline Wahl widmet sich hier einem Thema, das gesellschaftlich in dieser bitteren Ausprägung kaum Raum erhält: Das Leben von Kindern in suchtbelasteten Familien. Die erdrückende Verantwortung für jüngere Geschwister, die Co-Abhängigkeit und die ständige Alarmbereitschaft gehen unter die Haut.



Dass die Geschichte so einen Sog entfaltet, liegt an den fantastisch und absolut authentisch gezeichneten Charakteren. Ob die pflichtbewusste Tilda, die sensible Ida, der unaufgeregte Viktor oder selbst die alkoholkranke Mutter – jede Figur wirkt echt, ungeschönt und tiefgründig.



Direkt, mathematisch und emotional brillant gelöst

Die Sprache ist angenehm direkt und einfach gehalten, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Ein großartiges Detail: Tilda denkt alles in Zahlen. Statt „einmal“ steht im Text konsequent „1-mal“. Was auf den ersten Blick ungewohnt wirken mag, entpuppt sich schnell als ein unglaublich authentisches Stilmittel, das Tildas inneres Bedürfnis nach Struktur und Kontrolle inmitten des familiären Chaos perfekt widerspiegelt.



Das eigentliche Meisterstück des Buches ist jedoch die Tonalität: Caroline Wahl gelingt hier der perfekte Spagat zwischen einem extrem ernsten Thema, Momenten tiefer Verzweiflung, trockenem Humor und einer sommerlichen Leichtigkeit.



Fazit

Dieses Buch hat mir unfassbar gut gefallen. Wo Die Assistentin mich noch handwerklich distanziert und angestrengt zurückließ, hat mich 22 Bahnen emotional tief berührt und von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen. Ein wunderschönes, wichtiges und feinfühliges Buch, das jede einzelne Empfehlung mehr als verdient hat.



Ein absolutes Herzensbuch – mein Sommer-Highlight!

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Veröffentlicht am 06.06.2026

Lebensklug, tiefgründig, hoffnungsvoll – Eine Geschichte, die mitten ins Herz trifft und den Blick aufs Leben verändern kann

Die Mitternachtsreise
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Wilbur Budd hat sein Leben gelebt, gerade ist er gestorben. - Was wie das Ende klingt, ist der Beginn einer fantastischen Reise, die Wilbur durch sein Leben unternimmt. Er hat die einmalige Chance, auf ...

Wilbur Budd hat sein Leben gelebt, gerade ist er gestorben. - Was wie das Ende klingt, ist der Beginn einer fantastischen Reise, die Wilbur durch sein Leben unternimmt. Er hat die einmalige Chance, auf ganz besondere Art und Weise Schlüsselmomente nochmal zu erleben – und sich die Frage zu stellen, wie er hätte entscheiden, was anders tun sollen, um ein erfüllteres Leben zu leben.

Eine gute inhaltliche Einleitung zu diesem Buch zu schreiben, ohne zu viel über seinen Inhalt zu verraten, ist ein schwieriges Unterfangen, an welchem ich womöglich gescheitert bin 😅 Daher lest gerne direkt weiter, wie es mir gefallen hat.

Lebensklug, warmherzig, traurig, intelligent und voller Fantasie – Matt Haig hat mit „Die Mitternachtsreise“ ein absolut fantastisches Buch geschaffen, das mich zutiefst berührt.

In eingängiger und in weiten Teilen leicht zugänglichen Sprache widmet sich der Autor einem Thema, das uns letztlich alle im Innersten betrifft: Welcher Mensch will ich eigentlich sein? Wer bin ich im Laufe der Zeit geworden? Und was ist mir in meinem Leben wirklich wichtig?

Die Geschichte lehnt sich dabei sehr unaufdringlich an den Bestseller „Die Mitternachtsbibliothek“ an und schafft es, dessen Idee um weitere, berührende Perspektiven zu ergänzen.

Matt Haig versteht es auf einmalige Weise, eine zutiefst traurige Ausgangslage in etwas Hoffnungsvolles zu verwandeln und die Leserinnen und Leser ab der ersten Seite bedingungslos mitzunehmen.

Unterwegs begegnet man zahlreichen wunderschönen, klugen Sätzen. Ich habe beim Lesen selten so viel herausnotiert wie hier, weil mir die transportierten Fragen und Gedanken so gut gefallen und mich emotional so intensiv erwischt haben. Das Buch lädt auf zahlreichen Seiten dazu ein, innezuhalten und das eigene Dasein zu hinterfragen. – Eine wunderschöne Reise auch für Leser:innen, die mit sich in den Dialog treten möchten. Sicherlich nicht immer einfach oder angenehm, dafür umso wichtiger.

Fazit: „Die Mitternachtsreise“ ist ein wundervolles, berührendes Werk, das noch lange nachhallt. Es ist eine unbedingte Leseempfehlung für jeden von uns – insbesondere aber für all jene, die ihr Leben nicht nur auf der Überholspur verbringen, sondern eine mit sich selbst im Einklang befindliche Art und Weise des Seins finden wollen.

Eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Tiefsinnig, schmerzlich, hoffnungsvoll – ein Roman, der nachdenklich macht und unter die Haut geht

Solange ein Streichholz brennt
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Bohm ist obdachlos, Alina von Sorgen geplagt, die ihr den Schlaf rauben. Die Leben der beiden könnten nicht weiter voneinander entfernt sein und doch kreuzen sich ihre Wege. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, ...

Bohm ist obdachlos, Alina von Sorgen geplagt, die ihr den Schlaf rauben. Die Leben der beiden könnten nicht weiter voneinander entfernt sein und doch kreuzen sich ihre Wege. Was als Zweckgemeinschaft beginnt, innerhalb derer jede:r eigene Ziele verfolgt, entwickelt sich schnell zu einem emotionalen Geflecht, das Leser:innen in seinen Bann zieht, nachdenklich, traurig und zugleich auch hoffnungsvoll macht.


Christian Huber zeichnet nach „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ den nächsten, hervorragend gezeichneten und in Worte gekleideten Roman, der unter die Haut geht. Die gewählte Sprache ist direkt, eingänglich, humorvoll. Es fällt leicht, den verschlossenen Bohm ins Herz zu schließen und mehr von ihm wissen zu wollen. Auch Alina ist hervorragend gezeichnet, warm und doch zunächst oberflächlich. Die Geschichte, die sich zwischen und mit den beiden entwickelt, hat mich an einer Vielzahl von Stellen zum Nachdenken gebracht. – Wie schnell (ver)urteile ich selbst Menschen, die nicht der Norm entsprechen? Schenke ich den Schicksalen dieser Menschen überhaupt Beachtung oder gehe ich, in meine eigenen vermeintlichen Sorgen versunken, blind – oder auch ganz bewusst – an ihnen vorbei? Würde ich genauso hinsehen und unvoreingenommen sein wie Alina?


Dieser Roman schafft eine seltene Spannung zwischen wunderbarer Lektüre und schwerer Kost, auch weil die Sprache des Autors so exzellent durch dieses schwierige und auch gesellschaftlich prekäre Thema führt.


„Solange ein Streichholz brennt“ wird noch lange in mir nachhallen und ich bin sicher, dass sich durch dieses Buch auch mein Blick auf obdachlose Menschen verändert hat. Es kann tatsächlich jedem von uns passieren. Als mir schmerzlich klar wurde, dass Menschen nicht obdachlos oder ohne gesellschaftliche Teilhabe geboren werden, sondern dass das Leben und die Menschen, denen wir entlang dieser Wege begegnen, ihren Teil dazu beitragen, wurde mir mulmig – ist es immer noch, um ehrlich zu sein. Hinter jedem Schicksal steckt eine Geschichte. Statt uns anzumaßen, über andere Menschen urteilen zu dürfen, sollten wir öfter hinterfragen, warum wir zu diesem Urteil kommen. Unserer Gesellschaft und den allermeisten würde das auch auf persönlicher Ebene gut zu Gesicht stehen.


Fazit:
Christian Huber hat kein bloßes Buch über soziale Kälte geschrieben, sondern ein flammendes Plädoyer für die Menschlichkeit. Es ist eine Erzählung, die einen erst frösteln lässt und dann – genau wie das titelgebende Streichholz – eine ganz eigene, fragile Wärme spendet. Wer bereit ist, seinen Blickwinkel zu verschieben und sich auf eine Reise einzulassen, die wehtut und gleichzeitig heilt, sollte zu diesem Buch greifen.

Eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Feinsinnige Gesellschaftssatire in unaufgeregtem Gewand

In einem Zug
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Eduard Brünhofer ist ein bekannter Autor – oder war er es? Irgendwie scheint er beides gleichzeitig zu sein. Jedenfalls sitzt besagter Brünhofer nun im Zug von Wien nach München und wird von einer Mitreisenden ...

Eduard Brünhofer ist ein bekannter Autor – oder war er es? Irgendwie scheint er beides gleichzeitig zu sein. Jedenfalls sitzt besagter Brünhofer nun im Zug von Wien nach München und wird von einer Mitreisenden in ein Gespräch verwickelt, das er eigentlich gar nicht führen möchte – behauptet er jedenfalls. Doch vielleicht rührt diese Unbekannte genau an den Stellen in seinem Inneren, die schon lange darauf warten, erkundet zu werden.

Die beiden unterhalten sich über eine geraume Weile sehr angeregt. Während Brünhofer das Gespräch mit eigenen, oft bissigen Gedanken garniert, die er nicht mit seiner Reisegefährtin teilt, steuern beide auf ein Geheimnis zu, das erst in München gelüftet wird. Auf den ersten Blick passiert wenig, doch auf den zweiten Blick offenbart sich die ganze Meisterschaft der Erzählung.

Die Magie des Buches liegt in den Zwischentönen und der unterschwelligen Gesellschaftskritik. Glattauer lässt Brünhofer herrlich ehrlich über seine Ehe, seine Karriere und die mysteriöse Mitreisende reflektieren. Besonders gelungen: Die vom Wein gefärbte Stimmung Brünhofers spiegelt sich meisterhaft in der Sprache wider. Man mag darüber streiten, wie positiv der Alkohol hier wegkommt, aber Glattauer nutzt ihn auf charmante Weise als Katalysator für die Auflösung der Geschichte.

Sicherlich ist dieses Buch, das fast ausschließlich aus einem Dialog besteht, nicht für jeden Geschmack geeignet. Wer äußere Action und klassische Spannung sucht, wird hier weniger fündig. Wer sich jedoch an präziser, differenzierter Sprache und psychologischen Nuancen erfreuen kann, findet in dieser Geschichte eine echte Bereicherung.

Fazit: Kurzweilige, kluge und amüsante Unterhaltung für alle, die das Abenteuer im Alltäglichen suchen. Mir hat es sehr gefallen!

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Veröffentlicht am 28.04.2026

50 inspirierende Fragen – Leichtigkeit mit einer Prise Exklusivität

50 Fragen, die das Leben leichter machen
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Karin Kuschiks aktuelles Werk steht seinem Vorgänger in nichts nach: Eine unnachahmlich „gesprochene Schriftsprache“ trifft auf hohen Nutzwert und wertvolle Impulse für die innere Ausgeglichenheit und ...

Karin Kuschiks aktuelles Werk steht seinem Vorgänger in nichts nach: Eine unnachahmlich „gesprochene Schriftsprache“ trifft auf hohen Nutzwert und wertvolle Impulse für die innere Ausgeglichenheit und ruhige Schlagfertigkeit im Alltag.

Wie sehr die einzelnen der 50 Fragen mit dem eigenen Charakter resonieren, darf jede:r selbst entscheiden. Ich persönlich konnte mich mit den allermeisten Impulsen sehr gut anfreunden und habe einige davon direkt dankbar umgesetzt. Das Buch lässt sich zudem wunderbar „stückeln“, ohne dass der Lesefluss oder die Qualität leiden.

Einziger Stolperstein: Die Autorin schreibt aus einer sehr privilegierten Welt heraus. Wenn Schauplätze wie Dachterrassen auf Mallorca oder Berliner Designerlofts den Rahmen für ihre Erkenntnisse bilden, ist das zwar inspirierend zu lesen, schafft aber eine Distanz zum eigenen Erleben und Wiedererkennen.

Es geht mir dabei ausdrücklich nicht um Missgunst. Vielmehr treibt mich die Frage um, wie alltagstauglich diese Tipps für den „Normalo“ sind, wenn die Rahmenbedingungen und das soziale Umfeld der Autorin so exklusiv sind. Die gedankliche Hürde, diese Konzepte der Leichtigkeit in einen weniger exklusiven Arbeits- und Lebensalltag zu übertragen, ist dadurch mitunter hoch.

Fazit: Ein absolut gelungenes und bereicherndes Buch, das zum Nachdenken anregt – sofern man bereit ist, die Transferleistung aus der „Kuschik-Welt“ in das eigene Leben selbst zu erbringen. Ein lesenswertes Vergnügen!

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