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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein wahr gewordener Fiebertraum über Macht und Ohnmacht

Die Assistentin
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Caroline Wahls Die Assistentin ist kein Buch, das man gerne liest, das als „leichte Lektüre“ oder gar gefällig gelten kann. Es ist eine Zumutung im besten und im anstrengendsten Sinne. Die Assistentin ...

Caroline Wahls Die Assistentin ist kein Buch, das man gerne liest, das als „leichte Lektüre“ oder gar gefällig gelten kann. Es ist eine Zumutung im besten und im anstrengendsten Sinne. Die Assistentin ist ein Werk über Machtmissbrauch und dessen Opfer – ein Thema, das ich in unserer Gesellschaft als oft weggelächelt oder hinter verschlossenen (BürTüren begraben sehe.

Der Schreibstil als Spiegel der Psyche
Der Schreibstil ist zweifellos eine Herausforderung. Wahls Sätze sind mitunter quälend lang, der Text wirkt unsortiert und von Redundanzen sowie willkürlichen Zeitsprüngen durchsetzt. Mitten im Kapitel bricht die Erzählung für wenige Sätze aus, nur um dann ohne Übergang fortzufahren.

Doch genau hier liegt für mich die handwerkliche Brillanz: Dieser vermeintliche Stil ist kein Zufall. Er spiegelt den aufgewühlten, fragilen Zustand der weiblichen Hauptfigur wider. Die Form zahlt direkt auf das Gefühl des Unbequemen ein; man liest nicht nur über Charlottes Zerrissenheit, man spürt sie durch die anstrengende Textstruktur am eigenen Leib.

Der Blick hinter den Vorhang - Autorinnenperspektive
Als Caroline Wahl auf Seite 110 plötzlich in eine Meta-Perspektive wechselt, wird klar: Sie weiß ganz genau, was sie ihren Leser:innen hier zumutet, und sie spielt sehr gekonnt damit! Dieser Moment zeigt das hervorragende literarische Handwerkszeug, das hinter der scheinbaren Willkür steckt. Es ist ein spannendes, außergewöhnliches Stilmittel, das dem Buch eine zusätzliche Ebene verleiht.

Systemkritik und die Täter-Opfer-Frage
Kernstück des Romans ist die beißende Systemkritik am Beispiel von Ugo Maise, „mu“. Das Buch stellt schmerzhafte Fragen:
• Wie kann ein einzelner Mensch ungestraft so viele andere verschleißen und schikanieren?
• Warum ziehen das Umfeld und das System keine Grenzen?

Besonders stark ist die Analyse der Dynamik: Warum decken Menschen dieses Verhalten oder werden sogar zu Mittätern, indem sie untätig bleiben oder ihn sogar unterstützen? Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen hier zusehends, was eine klare Kategorisierung fast unmöglich macht und die bittere Realität toxischer Hierarchien gekonnt abbildet.
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Mein Fazit
Die Assistentin ist ein wichtiges Buch über ein Thema, das mehr Raum braucht. Die Idee ist gut, das Handwerk dahinter vermutlich sogar exzellent. Dennoch muss ich ehrlich sagen: Mich konnte das Gesamtpaket leider nicht überzeugen. Es ist ein literarisches Experiment, das die Grenze zur Unlesbarkeit für den persönlichen Geschmack streckenweise überschreitet. Wer eine klassische Erzählung sucht, wird mit diesem Roman keine Freude haben. Wer sich jedoch auf einen unbequemen, ehrlichen und systemkritischen Roman einlassen will, findet hier viel Diskussionsstoff und Anregung zum Reflektieren.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Ein schlummerstarkes Abenteuer mit kleinen „Sichtproblemen“

Herr Hütchen sagt Gute Nacht - Neue Einschlaf-Geschichten aus dem Wald
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Herr Hütchen ist ein kleines Eichelmännchen, dessen Aufgabe es ist, den Tieren im Wald in den Schlaf zu helfen. Der kleine Mann tut das mit absoluter Hingabe und auf so herzerwärmende Art, dass nicht nur ...

Herr Hütchen ist ein kleines Eichelmännchen, dessen Aufgabe es ist, den Tieren im Wald in den Schlaf zu helfen. Der kleine Mann tut das mit absoluter Hingabe und auf so herzerwärmende Art, dass nicht nur die Kinder beim Zuhören ihre helle Freude haben, sondern auch die Leser:innen auf ihren Geschmack kommen.

Besonders schön: Die Geschichten sind regelmäßig mit kleinen Achtsamkeitsübungen verbunden, die so geschickt Teil eingewoben wurden, dass die Kinder fast automatisch mitmachen – auch wenn sie keine Achtsamkeits-Fans sind. Ebenfalls eine schönes Ritual: Herr Hütchens Gute-Nacht-Lied, welches zum Abschluss fast jedes Kapitel gesunden (oder vorgelesen 😉) werden kann.

Wortwitz, der Groß und Klein verbindet
Was „Herr Hütchen sagt Gute Nacht“ im Weiteren besonders macht, sind die liebevollen und herrlich kreativen Einfälle. Während die Kinder über die leuchtenden Fühler der SMS (Schnelle-Mitteilungs-Schnecke) staunen, amüsieren sich die Vorleser:innen über Charaktere und Anspielungen wie Astro-Axel.

Ein absoluter Favorit (womöglich nicht nur für meinen 5-jährigen Mitleser) ist der Weckkäfer Klickklack. Er ist die perfekte Mischung aus leicht grummelig und herzensgut. Wenn am Ende sein obligatorisches „Ab ins Bett und Pilze aus!“ erschallt, folgt gleich darauf herzliches Kinderlachen und das Wissen, dass es bald ins Bett geht.

Zeit einplanen: Ein ausgiebiges Ritual
Vorleser:innen und Zuhörer:innen sollten sich bewusst sein, dass die Geschichten etwas ausführlicher ausfallen. Das ist wunderbar für lange Kuschelabende, an denen man das Zubettgehen so richtig zelebrieren möchte. An Tagen, an denen die Zeit knapp oder die Müdigkeit schon zu groß ist, sollte eine Geschichte ggfs. aufgeteilt werden.

Ein kleiner Wermutstropfen: Die Lesbarkeit
Wo viel Licht oder in diesem Fall auch Lob ist, ist (leider) auch ein bisschen. Die Gestaltung des Buches ist künstlerisch zwar wunderschön, aber die Wahl von schwarzer Schrift auf dunklem Hintergrund ist für ein Vorlesebuch im gedimmten Kinderzimmer eine echte Herausforderung. Abhilfe kann eine Leselampe schaffen, da es andernfalls auf manchen der Seiten schon sehr anstrengend und herausfordernd für die Augen werden kann.

Fazit
„Herr Hütchen sagt gute Nacht“ Band 2 ist eine süße Empfehlung für gemütliche Vorlesestunden. Es besticht durch den herzensguten Herrn Hütchen, den Charakterkopf Klickklack, fantasievolle Details wie die SMS und allgemein viel Herz, Verständnis für die verschiedenen Bedürfnisse der unterschiedlichen Tiere und jede Menge zwischenmenschliche Wärme. Wäre die Typografie auf den dunklen Seiten etwas kontrastreicher, wäre es perfekt. So bleibt es ein inhaltliches Highlight mit leichtem Punktabzug in der B-Note der Handhabung.

Für alle Fans von Klickklack und Co. aber definitiv ein Muss im Bücherregal!

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein gelungener Thriller, jedoch weniger stark als Band 1

Sie kann dich hören
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Millie ist zurück! Seit ihrem ersten Auftritt sind mehrere Jahre vergangen, Millie hat Fuß in der Gesellschaft gefasst und strebt gerade ihren College-Abschluss an. Noch immer finanziert sie sich ihren ...

Millie ist zurück! Seit ihrem ersten Auftritt sind mehrere Jahre vergangen, Millie hat Fuß in der Gesellschaft gefasst und strebt gerade ihren College-Abschluss an. Noch immer finanziert sie sich ihren Lebensunterhalt mit „Putzjobs“. Ihr neuer Auftraggeber Douglas Garrick scheint nett zu sein, zudem ist er überbordend reich. Bald erkennt Millie aber auch hier, dass Vieles nicht so ist, wie es scheint…

Der zweite Band der „Housemaid“-Serie beginnt mit einem mysteriösen und sehr vielversprechenden Prolog (mit grandioser Auflösung und Twist am Ende des Buchs), zieht sich jedoch hiernach unangenehm in die Länge. Erst nach rund 200 Seiten wurde es meinem Empfinden nach richtig spannend, temporeich und Millies bis dato oft unglaubwürdiges und in Teilen auch sehr naives Handeln und Denken kommen zu einem Ende. – Ab Teil 2 geht es dann jedoch Schlag auf Schlag.

Millie kommt in diesem Band nicht gut weg; kein Vergleich zu der toughen, starken und klugen Frau aus Band 1. Über etliche Passagen habe ich mich geärgert, wie naiv Millie in „Sie kann dich hören“ gezeichnet wird. Vor diesem Hintergrund fiel es mir schwer, eine Stringenz in ihrer Persönlichkeit zu erkennen.

Die letzten rund 160 Seiten haben den schwachen ersten Eindruck jedoch in großem Umfang wettmachen können: Irre und unvorhersehbare Twists, üble Charaktere und zum Ende doch noch eine Millie, wie ich sie mir gewünscht und auch erwartet hätte.

Kurzum: Für mich schwächer als der erste Band, jedoch durchaus lesenswert!

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Veröffentlicht am 16.02.2026

"Frauenmacht": Ein Klassiker, der zwiespältige Gefühle auslöst

FrauenMACHT!
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Mir wurde „Frauenmacht“ von Marion Knaths von einer Kollegin empfohlen. Mehrfach. Und die Kollegin hielt auch nicht mit Lob hinter dem Berg. Entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung.

Nun habe ich ...

Mir wurde „Frauenmacht“ von Marion Knaths von einer Kollegin empfohlen. Mehrfach. Und die Kollegin hielt auch nicht mit Lob hinter dem Berg. Entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung.

Nun habe ich eine 2021 erschienene Auflage gelesen, die noch immer die aktuellste verfügbare darstellt, und fühle mich irgendwie dumpf. Das Buch beschäftigt sich mit Inhalten, die nach wie vor aktuell sind. Insbesondere die Darlegungen des hierarchischen gegenüber des non-hierarchischen Systems hat mir etliche hilfreiche Erkenntnisse beschert.

Was ich jedoch auch mitgenommen habe aus der Lektüre: Offenbar bleibt uns Frauen, wenn wir erfolgreich sein und nicht nur recht haben wollen, nichts anderes übrig, als uns bestmöglich in ein offenbar immer weniger tragfähiges System einzufügen und dabei irgendwie die Karriereleiter zu erklimmen – so wir denn wollen und hinreichend dabei unterstützt und gefördert werden. Und wenn wir dann dort sind, besteht vielleicht sogar die Chance auf echte Veränderung. – Puh, das ist eine harte Erkenntnis.

Neben Passagen, die vermutlich so schnell nicht überholt sind, gibt es aber auch solche, die dringend einer Überarbeitung bedürften. Insbesondere mit Blick auf ins Feld geführte Politiker:innen, zum Teil seit einigen Jahren nicht mehr amtierend und mit deren Ausscheiden fundamental konträre Positionen und Weltbilder Einzug hielten. Die Beispiele aus vergangenen Tagen sind mit rückwärtsgerichtetem Blick noch immer korrekt und haben sich zugetragen, sind heute allerdings nicht mehr zutreffend. Dem wird leider überhaupt nicht Rechnung getragen; zugegeben, auch dem geschuldet, dass es keine wirklich aktuelle Auflage des Buches gibt.

Dass eine Politik unter Merz nicht mit der von Merkel vergleichbar ist, ist ebenso offensichtlich wie der Vergleich zwischen Biden und Trump. Wenn sich die Rahmenbedingungen so grundlegend gegen Frauen, deren gesellschaftliche Stellung, Teilhabe und Möglichkeiten entwickeln, sollte so ein Ratgeber das meiner Meinung auch aufgreifen und thematisieren. „Frauenmacht“ tut das an der Stelle jedoch leider nicht und bleibt, meinem Empfinden nach, auch schon hinter den 2021 aktuellen Gegebenheiten zurück.

Ich kann daher nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Wenn sich Vergangenheit und Gegenwart die Hand reichen…

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Hannah Borowski ist zurück und ihr Leben noch immer turbulent. Nach einer etwas ruhigeren Phase wird Hannah unvermittelt mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, ihr Vater steht plötzlich vor der Tür, obwohl ...

Hannah Borowski ist zurück und ihr Leben noch immer turbulent. Nach einer etwas ruhigeren Phase wird Hannah unvermittelt mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, ihr Vater steht plötzlich vor der Tür, obwohl er sich seit ihrer Geburt nicht um sie scherte. Und auch in der Gegenwart hält Veränderung Einzug bzw. Auszug und Hannah stellt sich einmal mehr die Frage, wer sie eigentlich ist und zu wem sie gehört.

Auf einer zweiten und dritten Zeitachse lernen wir Marlen kennen. Es stellt sich die spannende Frage, wie genau die Leben der beiden Frauen miteinander verbunden sind.

Alena Schröder hat abermals einen tollen Roman aufgelegt, der durch leichte und zugängliche Sprache besticht. Die Charaktere sind gut gezeichnet, konnten mich jedoch nicht ganz überzeugen oder so berühren wie es die Geschichte in manchen Szenen grundsätzlich zugelassen hätte. Jemand wie die kernige Evelyn Borowski fehlt, der Charakter der Wilma kommt ihr nahe, kann aber nicht gleichziehen.

Die verschiedenen Zeitebenen sind klar gestaltet und ersichtlich. Die dritte Zeitebene (1989/90) spielt auch nur ganz am Rande eine Rolle, was eine gute Orientierung konstant möglich macht.

Neben bereits bekannten Charakteren lernt die Leserin / der Leser neue Personen kennen, die mit Hannahs Leben verbunden sind. „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ lässt sich auch unabhängig von den beiden Vorgängerbänden lesen. Es erschließen sich jedoch einige Details und Kontext unter Kenntnis der beiden ersten Bände „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“. Eine Mehrgenerationen-Frauen-Saga, wenn man so möchte.

Ich empfand die Handlung des aktuellen Bandes in Teilen als etwas gedehnt, auch aufgrund des mäßig ausgeprägten Spannungsbogens. Die Auflösung am Ende konnte mich auch nicht ganz überzeugen, aber Enden sind und bleiben Geschmackssache!

Für Fans von Alena Schröder mit Sicherheit wieder ein toller Roman; für Erst-Leser:innen der Autorin empfehle ich allerdings „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“.

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