Cover-Bild Vom Fällen eines Stammbaums
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Rowohlt
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 15.05.2026
  • ISBN: 9783498007461
Martin Piekar

Vom Fällen eines Stammbaums

Marcin wächst auf in prekären Verhältnissen: Seine Mutter floh in den 1980ern aus Polen nach Deutschland, um ihn, ihr zweites Kind, hier großzuziehen. Sie arbeitet hart als Altenpflegerin, sie trinkt zu viel, und irgendwann sieht sie in ihrem Sohn nur noch den Antagonisten. Währenddessen versucht Marcin, mit Videospielen, Nu Metal und Gedichten herauszufinden, wer er ist und hier in Deutschland sein kann.  In dieser Spannung leben die beiden mit- und gegeneinander.

Erst spät im Leben – die alternde Mutter ist schwer krank, und Marcin pflegt sie – offenbart sich die Familiengeschichte in Gänze: eine Lebenserzählung zwischen Anekdote und Abgrund. Der Krieg ist nicht vorbei. Kein Krieg ist je vorbei. 

2023 fand Martin Piekar mit einem Auszug aus diesem Roman beim Bachmann-Preis in Klagenfurt begeistertes Echo; er wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis 2024 ausgezeichnet und war 2025 für den Alfred-Döblin-Preis nominiert.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2026

Großartig

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Marcin lebt zusammen mit seiner Mutter in Deutschland. Sie ist aus Polen geflohen und möchte nie mehr zurück. Die meisten Brücken dahin hat sie abgebrochen. Im Altersheim arbeitet sie hart. Für ihren Sohn ...

Marcin lebt zusammen mit seiner Mutter in Deutschland. Sie ist aus Polen geflohen und möchte nie mehr zurück. Die meisten Brücken dahin hat sie abgebrochen. Im Altersheim arbeitet sie hart. Für ihren Sohn hat sie nicht mehr viel Kraft übrig. Irgendwann hat sie auch keine Kraft mehr arbeiten zu gehen. Dafür steigt ihr Alkoholkonsum immer weiter an. Marcin wächst nebenher auf und ist viel auf sich gestellt. Im weiteren Verlauf der Geschichte, setzt sich Marcin viel mit der Vergangenheit seiner Familie auseinander und beginnt Zusammenhänge zu erkennen. Immer mehr wird er zur einzigen Stütze seiner Mutter, die ihm noch das ein oder andere Familiengeheimnis offenbart.

Martin Piekar verbindet in diesem Roman auf ganz wunderbare Weise seine eigene Geschichte mit den Themen Herkunft und generationenübergreifende Traumata. Die Beziehung zu seiner Mutter ist schwierig aber er liebt sie, ist immer für sie da. Nur wer ist für ihn da? Trost findet er in der Musik, Gedichten und Videospielen . Im Roman kommen immer wieder Textstellen aus Songs vor. So hatte ich immer wieder neue Ohrwürmer. Und genau deshalb muss ich natürlich auch den Musikgeschmack des Autors loben. Die Sprache hat mich sehr begeistert. Direkt und schonungslos erzählt er. Vor allem die Dialoge zwischen Marcin und seiner Mutter veranschaulichen dem Leser die schräge Beziehung zueinander.

„Bist du bekloppt oder was? Ich rede mit Wand, Marcin, mit mir selba, verstehst du? Ich habe keine Freunde zum reden. …. Ich brauche auch keine, Aaschloche alles.“

Ab und zu musste ich wirklich lachen, so traurig-komisch ist das Buch. Emotional ging es unheimlich tief. Verluste, Krankheit und Familienkonflikte werden beschrieben, ohne sentimental zu werden. Doch das Geschriebene hat mich erreicht, mitten ins Herz getroffen und genau da wird es auch bleiben. Eine Geschichte, mit so viel Liebe, Angst, Traurigkeit, über Migration und den große Wunden, die bleiben. Eine ganz große Empfehlung von mir.

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