Cover-Bild Der Einzeller
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Abera
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 204
  • Ersterscheinung: 02.2013
  • ISBN: 9783939876007
Mizuko Masuda

Der Einzeller

Roman
Eduard Klopfenstein (Herausgeber), Heike Patzschke (Übersetzer)

Der 25-jährige Student Shiiba Mikio verlor seine Mutter bereits als kleines Kind, und seit dem plötzlichen Tod seines Vaters vor neun Jahren lebt er nun ganz allein in Tokyo. Der Student kämpft sich ab, jobbt neben seinem Studium der Agrarwissenschaften in Teilzeit als Nachhilfelehrer, um sich über Wasser zu halten.
Im Spätherbst fährt er für zwei Wochen in einen Gasthof aufs Land, wo er in der Ruhe der Abgeschiedenheit seine Abschlussarbeit schreiben möchte. Eigentlich wollte er danach an der Universität bleiben und als Wissenschaftler seine Studien weiterführen. Doch sein Professor hat ihn abgeschrieben und empfiehlt ihm, sich stattdessen einen Job zu suchen. In seiner Enttäuschung darüber macht Mikio keine Fortschritte mehr und quält sich mit der Fertigstellung seiner Masterarbeit über die Überlebensfähigkeit von isolierten Zellen.
Nicht bereit, sich Gedanken über seine Zukunft zu machen, dreht sich nun in seinem Kopf alles um die Vergangenheit. Rückblickend ist er erstaunt darüber zu sehen, dass er nach dem Tod seines Vaters nahezu alle Verbindungen zu anderen Menschen gekappt hat. Um über die Runden zu kommen hat er sich in jeder freien Minute in die Arbeit vergraben.
Am letzten Tag seines Aufenthalts im Gasthof lernt er Ryôko kennen, der er in einer Nacht zuvor auf mysteriöse Weise zuvor schon einmal begegnet war. Während seiner Heimreise trifft er sie auf einem Bahnhof erneut. Als sie ihm gesteht, dass sie es sich nicht leisten könne, den Fahrpreis für die weitere Heimfahrt aufzubringen, reisen sie gemeinsam zurück nach Tokyo. Ryôko zieht bei Mikio ein, doch verfällt sie in Schweigen. Nach einiger Zeit verschwindet sie plötzlich.
Die Geschichte liest sich wie ein wissenschaftliches und anspruchsvolles literarisches Experiment zugleich: Was passiert, wenn ein Single, der als Waise nach und nach seine Verbindungen zur Außenwelt abgeschnitten hat, fast wie ein isolierter Einzeller lebt und einen nahezu animalischen Geruchssinn hat, auf ein Single des anderen Geschlechts trifft, der sich, getrieben von dem unbändigen Verlangen, allein zu sein, ebenfalls von seinen Mitmenschen zurückzieht?
Die Erfahrungen der Autorin als Doktorandin der Agrarwissenschaften kommen in diesem Roman in vielerlei Hinsicht zum Tragen und verleihen ihm einen ganz ungewöhnlich realistischen Aspekt.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2025

Emotionale Isolation in Japan! 🇯🇵 🌸

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Mit „Der Einzeller“ möchte ich Euch mal wieder eins der Werke aus meiner geliebten Japanischen Literatur vorstellen. Es war ein Zufalls-Antiquariatsfund, über den ich mehr als glücklich bin.

Aber worum ...

Mit „Der Einzeller“ möchte ich Euch mal wieder eins der Werke aus meiner geliebten Japanischen Literatur vorstellen. Es war ein Zufalls-Antiquariatsfund, über den ich mehr als glücklich bin.

Aber worum geht’s?!
Wir erfahren die Geschichte des 25-Jährigen Tokioter Agrarwissenschaftsstudenten und Vollwaisen Mikio. Mit fünf Jahren verlor er zunächst seine Mutter (an die er keinerlei Erinnerung mehr hat) und mit 16 Jahren dann schließlich seinen Vater. Das Leben macht ihn zu einem Einzelgänger und er passt somit perfekt in die heute stetig wachsende Single-Gesellschaft. Da er kein großes Erbe zum Verleben hat, hält er sich mehr schlecht als recht als Teilzeit-Nachhilfelehrer über Wasser. In seinen Gedanken ist seine Vergangenheit omnipräsent und er struggelt zunehmend mit dem Gedanken sich nach dem Tod seines Vaters komplett isoliert zu haben. Mikio verbringt nahezu seine gesamte Zeit an der Uni mit dem Ziel in ein Doktorandenprogramm aufgenommen zu werden. Leider vergeblich, denn sein Professor hat andere Pläne für seine berufliche Zukunft geschmiedet. Das gibt ihm letztlich den Anstoß, seine ganze Energie in die Fertigstellung seiner Masterarbeit investieren zu wollen - zu diesem Zwecke bucht er sich für zwei Wochen in einen Gasthof ein, in dem er sich zunächst vollends einer einzelnen Ameise zuwendet, die mit ihm sein dortiges Zimmer bewohnt. Bis schließlich vier junge Japanerinnen sich auch dort einbuchen, unter ihnen auch Ryôko, die später noch eine größere Rolle in seinem Leben spielen wird.

Doch was hat es mit dem Buchtitel „Der Einzeller“ auf sich?!
Der Begriff Einzeller wird im Japanischen auch als Synonym für „einfache Seele, einfältiger Mensch“ verwendet. Und das könnte eine sehr treffende Umschreibung für unseren Protagonisten Mikio sein. Seine Masterarbeit verfasst er über die Überlebensfähigkeit von isolierten Zellen.

„Die isolierten Zellen lebten in der Tat auch einzeln weiter, wenn alle Bedingungen stimmten, weshalb man von unabhängigen Lebewesen sprechen konnte. Doch nach einer gewissen Zeit wurden die Zellwände ungewöhnlich fleischig, das heißt die das Leben schützende Schale wurde zu dick, so dass die Zellen schließlich erstickten, weil sie keine Nährstoffe mehr von draußen aufzunehmen vermochten. Das Verdicken der Zellwände war eine übertriebene Abwehrmaßnahme, um den empfindlichen Inhalt zu schützen. Damit einhergehend verlor die Zelle auch ihre Fähigkeit zur Teilung. Das Prinzip war das gleiche wie bei einem Ei, dessen Schale zu dick geworden ist und daher nicht mehr ausgebrütet werden kann. Die isolierten Zellen starben bei dem jetzigen Stand der Dinge schon in der ersten Generation. Darüber hinaus wurden sie auch nicht alt.“

Nicht nur Zellen brauchen Gesellschaft, um überlebensfähig zu sein, Menschen ebenso. Doch was passiert, wenn ein Mensch wie ein isolierter Einzeller lebt, welche Erfahrungen er macht und welche Auswirkungen auf seine Psyche so ein Leben mit sich bringt, erzählt uns die Autorin Masuda Mizuko in „Der Einzeller“ (sie selbst studierte Agrarwissenschaften und Biochemie in Tokyo und verwebt ihre eigenen Erfahrungen in diesem Roman).

Für mich persönlich war „Der Einzeller“ eine herausragende Leseerfahrung über emotionale Isolation und die Einsamkeit einzelner Individuen in der Gesellschaft. Ich habe es geliebt, dass die Autorin auch großen Wert auf wissenschaftlich korrekte Recherche gelegt hat, denn alles was wir hier über Einzeller, die Psyche und co lesen, entspricht den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen (das kennt man von dem einen oder anderen Werk leider! auch anders, daher gibts dafür meinerseits besondere Wertschätzung).
Lest es, wenn Ihr Lust habt, Euch mit dem Thema Einsamkeit in literarischer Weise auseinanderzusetzen und dass es sich bei „Der Einzeller“ um Japanische Literatur handelt, gibt nochmal einen extra Pluspunkt, einfach weil ich den Vibe dieser Literatur so liebe!
(Es ist glaube ich nur noch antiquarisch erhältlich, aber sollte es Euch mal irgendwo begegnen: Schlagt zu!)

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