Halt in der Literatur
„Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani
Sie ist Schriftstellerin, in ihren Vierzigern, verheiratet und Mutter eines Teenagers, als ihre Welt zu zerbrechen droht. Ihre iranischen Eltern leben schon lange ...
„Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani
Sie ist Schriftstellerin, in ihren Vierzigern, verheiratet und Mutter eines Teenagers, als ihre Welt zu zerbrechen droht. Ihre iranischen Eltern leben schon lange in Deutschland, so dass die Protagonistin zwischen zwei Kulturen aufwuchs. Nun ist ihre Mutter gestorben. Ihre eigene Ehe steht vor dem Aus, als plötzlich der geliebte Sohn schwer krank wird. Alles schlägt über ihr zusammen und erschüttert sie zutiefst. Zwischen alltäglichen Handlungen und den Schrecken, die Trauer und Krankheit mit sich bringen sucht sie verzweifelt einen Rettungsanker und findet diesen in der Literatur. In ihrer Lesegruft warten viele ungelesene Bücher auf sie. So beginnt sie diese nach Autoren alphabetisch zu ordnen und zu lesen. Neben ihrer eigenen Geschichte taucht der Leser so auch in die weite Welt der Literatur ab. Navid Kermani nimmt uns mit durch Klassiker von Hermann Hesse, Ringelnatz oder Péter Nádas, aber auch durch die persische und deutsche Kultur. Dieses Buch war für mich keine leichte Kost. Mehrere Monate habe ich immer wieder darin gelesen und es dann für einige Zeit wieder weggelegt. Die Sprache empfand ich als poetisch und dennoch am Puls der Zeit. Eine Mutter die Angst um ihren Sohn hat. Eine Frau mit Lebenserfahrung und dennoch erschüttert von Krisen, die meinen alle gleichzeitig über ihr hereinbrechen zu müssen. Also das Leben wie es ist, manchmal einfach grausam und dennoch die Literatur als Schönheit des Lebens mit allen Facetten, die durch Krisen trägt und als ein Halteseil zum Leben dient. Ich denke für jeden Literaturbegeisterten ist dieses Buch eine Hommage an die Kunst des Wortes. Und Navid Kermani hat es uns vorgemacht: Egal wie wild das Leben auch tobt, sucht den Halt im Wort.