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Veröffentlicht am 12.05.2022

Wie willst du leben?

Über Carl reden wir morgen
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Bei der Lektüre dieses Buch stellte sich für mich klar eine Frage: Wie wollen wir leben? Und wie leben wir? Heute verzweifeln wir eher an der schier unendlichen Auswahl und den Möglichkeiten, die sich ...

Bei der Lektüre dieses Buch stellte sich für mich klar eine Frage: Wie wollen wir leben? Und wie leben wir? Heute verzweifeln wir eher an der schier unendlichen Auswahl und den Möglichkeiten, die sich einem bieten. Die Familien damals im Mühlviertel des 19. Jahrhunderts hatten weniger Wahl und dennoch den Drang das Beste aus ihrem Leben zu machen. Harte Arbeit prägte die Familie über Generationen und feste Rollenbilder, in die sich jeder einzufügen hatte. Die Frauen bekamen Kinder und konnten glücklich sein, wenn sie dies überlebten. Sie sorgten für Haus, Kinder und Mann. Der Mann war der Ernährer der Familie, das Oberhaupt. Die Familie, die uns Judith W. Taschler hier in ihrem Buch vorstellt, ist fest eingebunden in die Traditionen und Weisen des ländlichen Lebens. Und dennoch erkennen wir deutlich die Kraft und Naivität der jungen Generation, die nach Glück und Freiheit strebt. Die Geschichte hat einen unglaublichen Sog und hat mich von der ersten Seite an total gefesselt. Wir lernen einzelne Familienmitglieder sehr genau kennen. Alle Charaktere sind geprägt von ihrer Einzigartigkeit, alle machen eine Entwicklung durch. Und die Geschichten, die sie erzählen, sind überraschend, originell und geistreich. Die Frage vom Anfang bleibt und wird auch weitere Generationen beschäftigen. Denn mit jedem neuen Leben wird auch wieder diese Frage geboren.
Für mich war es ein Buch zum „Nächte durchlesen“, eines von dem ich auch morgen noch reden werde, dass uns ein Stück mitnimmt und fragend zurücklässt.

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Veröffentlicht am 07.05.2022

Die Chance liegt auf dem Meer

Auch junge Leoparden haben Flecken
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Wenn ich an die Piratengeschichten denke, die ich früher meinem Sohn vorgelesen habe, dann waren Piraten lustige, wilde Männer mit fehlenden Körperteilen, großen schwarzen Hüten, gestreiften Hosen und ...

Wenn ich an die Piratengeschichten denke, die ich früher meinem Sohn vorgelesen habe, dann waren Piraten lustige, wilde Männer mit fehlenden Körperteilen, großen schwarzen Hüten, gestreiften Hosen und Augenklappe. Sie sind über die Weltmeere gesegelt mit Schatzkarte und Spaten und haben Kanonen abgefeuert. Nie habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass es sie noch gibt, wer sie sind und wie sie leben. In Andreas Brettschneiders Buch lernen wir sie kennen, die heutigen Piraten! Geedi ist erst 15 Jahre alt, als er seinem großen Bruder und Helden Aayan in das Piratenleben folgt. In Somalia herrscht bittere Armut, während nicht weit vor der Küste schwer beladene Frachter mit allem Lebensnotwendigem vorbeifahren. Ab und an wird auch in Somalia mal Fracht abgeladen, doch zumeist nur Müll oder Sondermüll der reichen Länder. Wohlgemerkt sind dies meine Worte, denn das Buch ist nicht anklagend oder belehrend. Es erzählt auf wunderbare Weise die Geschichte von jungen Menschen, die einen Ausweg aus ihrer Perspektivlosigkeit suchen. Trotz der erdrückenden Realität hat dieses Buch auch etwas Märchenhaftes. Das Leben der Piraten ist hart und grausam und doch auch so hoffnungsvoll. Der Perspektivwechsel ermöglicht uns auch einen Blick auf uns selbst, die wir auf der anderen Seite der Bordwand stehen. Mich hat die Geschichte sehr begeistert und in ein paar Jahren wird sie mein Sohn lesen können. Ich bin jetzt schon sehr gespannt ob er sie auch so lieben wird wie ich.

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Veröffentlicht am 03.05.2022

Da rast was auf uns zu...

Violas Versteck (Tom Babylon-Serie 4)
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BAM! Das wars! Der letzte Teil der Tom-Babylon-Reihe. Was für ein spektakuläres Finale. Tom sucht seit 23 Jahren nach seiner Schwester Viola. Als 10jährige ist sie eines nachts spurlos verschwunden. Wenig ...

BAM! Das wars! Der letzte Teil der Tom-Babylon-Reihe. Was für ein spektakuläres Finale. Tom sucht seit 23 Jahren nach seiner Schwester Viola. Als 10jährige ist sie eines nachts spurlos verschwunden. Wenig später wurde angeblich ihre Leiche im Teltowkanal gefunden. Doch Tom glaubte nie daran. Und auch uns Leser hat dieses Schicksal nicht losgelassen. Von Band zu Band schwankte man ständig hin und her: Ist Viola doch tot, bildet sich Tom alles nur ein oder sprechen bestimmte Indizien doch dafür, dass sie noch lebt. Aber wenn ja wo ist sie und warum meldet sie sich nicht? Vier Bände lang haben mich diese Fragen umgetrieben und mich die Bücher nicht aus der Hand legen lassen. Und auch hier im vierten und letzten Teil gab es keine ruhige Minute. Zeitsprünge ermöglichten uns eine Perspektive in die Gegenwart und die Vergangenheit. Beide Zeitebenen liefen aufeinander zu und gipfelten in einem großen Knall. Und nun bin ich einerseits selig hinter das Geheimnis gekommen zu sein und andererseits traurig die liebgewonnenen Charaktere Tom und Sita nicht mehr wiederzusehen. Für alle die diese Reihe noch vor sich haben kann ich nur sagen: Freut euch drauf! Sie ist großartig!

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Veröffentlicht am 28.04.2022

Inselflair und Verbrecherjagd

Die kalte Mamsell
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„Die kalte Mamsell- Ein Seebad-Krimi“ von Elsa Dix
In diesem Cosy Crime geht’s ab auf die Insel, nach Norderney des Jahres 1913. Viktoria ist eine junge Lehrerin mit starken Nerven und dem richtigen Spürsinn. ...

„Die kalte Mamsell- Ein Seebad-Krimi“ von Elsa Dix
In diesem Cosy Crime geht’s ab auf die Insel, nach Norderney des Jahres 1913. Viktoria ist eine junge Lehrerin mit starken Nerven und dem richtigen Spürsinn. Christian, ein frischer Kriminalassistent und nun auf Norderney beheimatet. Die beiden verbindet ein vergangenes kriminalistische Abenteuer. Und kaum treffen sie wieder zusammen tauchen auch schon die ersten beiden Leichen auf: die Kaltmamsell des Hotels und ein schräger Feriengast werden tot im Eiskeller gefunden. Und Viktoria traut ihren Augen nicht als sie die tote Küchenhilfe näher unter die Lupe nimmt.
Die Geschichte hat mich gleich total abgeholt. Nicht nur, dass Norderney eine besondere und einzigartige Insel ist, auch das Flair des frühen 20.Jahrhunderts ist deutlich zu spüren. Ich habe die Standspaziergänge mit Viktoria genossen und bin aufgeregt mit Christian nach Helgoland gefahren. Ich war bestürzt über die Wendungen der Geschichte und fasziniert von den damaligen Errungenschaften der Technik. Die Geschichte ist spannend und ereignisreich und das Setting ganz nach meinem Geschmack. Für mich ein Volltreffer unter den Cosy Crimes.

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Veröffentlicht am 17.04.2022

Der Vater von Greater NY

Der große Fehler
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„Der große Fehler“ von Jonathan Lee
Kennst du den Vater von Greater New York? Nein? Macht nichts ich kannte ihn vorher auch nicht. Und ich hätte mir wohl auch nur ein müdes Nicken abgerungen, wenn mir ...

„Der große Fehler“ von Jonathan Lee
Kennst du den Vater von Greater New York? Nein? Macht nichts ich kannte ihn vorher auch nicht. Und ich hätte mir wohl auch nur ein müdes Nicken abgerungen, wenn mir jemand erzählt hätte, dass er der Schöpfer des Central Parks war. Was ich jedoch nicht mehr vergessen werde ist die wunderbare Geschichte die Jonathan Lee uns hier über Andrew Haswell Green erzählt. Lyrisch und poetisch zeigt er uns das New York des 19. Jahrhunderts. Wo ein Tellerwäscher tatsächlich noch zum Millionär werden konnte. Wo viele ihre Träume lebten und einige ihre Alpträume. Die Geschichte beginnt mit einem Ende. Andrew wird im Alter von 83 Jahren vor seiner Haustür erschossen. Warum- fragst du dich? Diese Frage habe ich mir auch gestellt und die Antwort ist erschütternd. In Jonathan Lees Erzählung ist die Ermordung eine Verkettung von Missverständnissen die das Leben mit sich bringt, und aus denen sich manches mal wahres Glück und ein anderes Mal schreiendes Unglück ergibt. Ein Trost kann Andrew und uns sein langes, erfolgreiches Leben sein und das was er den Menschen hinterlassen hat.
Mit Jonathan Lees Worten wirkt die Lebensgeschichte von Andrew Green wie ein warmer Sommerregen: überraschend, zart und warm.

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