Was lange währt wird endlich gut? Der neue Zamonienroman von Walter Moers.
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene NachtmahrIch ängstige dich, also bin ich." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 82)
Kurzmeinung:
Eine Reise durch das eigene Gehirn bis tief ins Herz der Angst. Wie von Moers gewohnt erzählt er die Geschichte in sprachlicher ...
Ich ängstige dich, also bin ich." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 82)
Kurzmeinung:
Eine Reise durch das eigene Gehirn bis tief ins Herz der Angst. Wie von Moers gewohnt erzählt er die Geschichte in sprachlicher Schönheit und mit großem Einfallsreichtum. Dennoch nicht Moers bester Roman. Dafür fehlt eine Prise Abenteuer und eine große Portion Zamonien.
Meine Meinung:
So lange habe ich sehnsüchtig auf einen neuen Roman von Walter Moers gewartet. Und jetzt war es endlich so weit. "Prinzessin Insomnia" konnte mich dann leider nicht ganz so sehr begeistern, wie ich es sonst von den Moers Büchern gewöhnt bin.
Aber erstmal das Positive:
Ich habe die ersten Seiten des Buches gelesen und zuerst sind mir die wunderschönen Illustrationen von Lydia Rode aufgefallen. Ich war ja erst skeptisch, als ich gehört habe, dass jemand anderes das Buch illustriert. Wo ich doch Moers Zeichnungen so mag. Aber die bunten Wasserfarben haben mir sehr gut gefallen und zum "Traumhaften" der Geschichte sehr gut gepasst. Sie machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.
Als ich dann die ersten Sätze gelesen habe, war es wie ein nach Hause Kommen. Ich bin sofort in Moers einzigartige, wunderschöne Sprache eingetaucht und habe in schönen Zamonien- Erinnerungen geschwelgt, als die Worte Fhernhachen, Florinth, Hutzenberge, Zamomin oder Nattifftoffen fielen.
Die Geschichte war voller kreativer Einfälle und einer sprachlichen Schönheit, wie ich sie sonst kaum lese. Man merkt Moers die Freude an der Sprache einfach an. Er benutzt wunderschöne Umschreibungen und ausgefallene, oder veraltete Wörter, wie zum Beispiel "ennuyant". Das finde ich einfach fabelhaft, denn die deutsche Sprache hat so viele fantastische Wörter zu bieten, die man nur mal wieder mehr nutzen müsste.
Texte von Moers zu lesen ist mir einfach immer wieder ein Genuss. Aber nicht nur wegen der schönen Sprache.
In dem Buch stellt Walter Moers auch erneut seinen schier endlosen Einfallsreichtum unter Beweis, auch wenn der Anfang sich etwas in die Länge zieht. Aber Havarius Opal und die Prinzessin sich dann erstmal auf den Weg in ihr Gehirn machen, überschlagen sich die Ereignisse und die beiden müssen so manches Abenteuer bestehen.
Interessant fand ich, dass das Buch eine reale Krankheit, das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) thematisiert. Lydia Rode, die Illustratorin, leidet, genau wie Prinzessin Dylia, an dieser Krankheit und hat Moers zu dem Roman inspiriert. Ich finde es sehr gut, dass Moers dieses Thema so einer breiteren Masse zugänglich macht. Für Betroffene ist dieses Buch vielleicht noch interessanter zu lesen.
Gut fand ich auch, wie Moers das menschliche Gehirn beschrieben hat und im Zuge der Reise die verschiedenen Hirnregionen und deren Funktionen dargestellt hat. Durch mein Studium kenne ich mich etwas mit Neuroanatomie aus und ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Moers das in seinem Roman umgesetzt hat. So manches mal musste ich schon darüber schmunzeln, wie Moers die Funktionen bestimmter Hirnregionen beschreibt.
Gelungen fand ich ebenfalls die Metapher für Depressionen, mit dem schlechten Wetter im Kopf und den Irrschatten, die Dunkelheit verbreiten und einem jede Zuversicht nehmen. In sofern ist das Buch vielleicht auch für alle interessant, die solche Krankheiten besser verstehen wollen, oder für Betroffene, die es anderen besser verständlich machen wollen.
Aber nicht alles an dem Roman hat mir gefallen.
Sechs Jahre lang habe ich auf ein neues Buch von Moers gewartet. Und ja, ich habe die Lektüre von "Prinzessin Insomnia" genossen, denn ich mag einfach die Art und Weise, wie dieser Autor schreibt. Nicht umsonst gehört er zu meinen Lieblingsautoren.
Aber dieser Roman konnte mich nicht ganz so begeistern, wie die anderen. Mir hat einfach etwas gefehlt.
Zunächst fand ich schade, dass der Roman eigentlich nur zu Anfang wirklich in Zamonien spielt. Der Großteil der Handlung spielt in Dylias Gehirn und das ist eben eine ganz eigene Welt. Die war zwar auch interessant, aber so gab es eben kein Wiedersehen mit alten Bekannten, was ich sehr traurig fand.
Außerdem hat mir bei diesem Buch ein bisschen das große Abenteuer gefehlt. Es gab zwar viele tolle Szenen, aber an die Genialität von "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Die Stadt der träumenden Bücher" konnte es einfach nicht heranreichen.
Eingangs habe ich zwar die Sprache von Moers gelobt, und sie ist ja auch wirklich schön. Aber die Satzkonstruktionen, die Vergleiche und Aufzählungen wirken dieses mal nicht ganz so stimmig, wie gewohnt. Zugegeben, Moers hat sich selbst auch eine verdammt hohe Messlatte gelegt, aber ich kam nicht umhin, diese Geschichte mit seinen "großen Werken" zu vergleichen, und da konnte sie leider nicht mithalten.
"Man benötigte nämlich nicht nur einen exquisiten Geschmack, um etwas Gutes zu bevorzugen, oh nein, sondern auch, um das Falsche zu verschmähen." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 41)
Fazit:
Mit den schönen Illustrationen von Lydia Rode, dem moers'schen Schreibstil und seiner schier endlosen Kreativität ist "Prinzessin Insomnia und der alptraumhafte Nachtmahr" ein lesenswerter Roman. Mit Walter Moers großen Werken wie "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Die Stadt der träumenden Bücher" kann er aber leider nicht mithalten. Dazu fehlt mir eine Prise Abenteuer und eine große Portion Zamonien.