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Veröffentlicht am 09.10.2017

Was lange währt wird endlich gut? Der neue Zamonienroman von Walter Moers.

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
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Ich ängstige dich, also bin ich." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 82)

Kurzmeinung:
Eine Reise durch das eigene Gehirn bis tief ins Herz der Angst. Wie von Moers gewohnt erzählt er die Geschichte in sprachlicher ...

Ich ängstige dich, also bin ich." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 82)

Kurzmeinung:
Eine Reise durch das eigene Gehirn bis tief ins Herz der Angst. Wie von Moers gewohnt erzählt er die Geschichte in sprachlicher Schönheit und mit großem Einfallsreichtum. Dennoch nicht Moers bester Roman. Dafür fehlt eine Prise Abenteuer und eine große Portion Zamonien.


Meine Meinung:
So lange habe ich sehnsüchtig auf einen neuen Roman von Walter Moers gewartet. Und jetzt war es endlich so weit. "Prinzessin Insomnia" konnte mich dann leider nicht ganz so sehr begeistern, wie ich es sonst von den Moers Büchern gewöhnt bin.

Aber erstmal das Positive:
Ich habe die ersten Seiten des Buches gelesen und zuerst sind mir die wunderschönen Illustrationen von Lydia Rode aufgefallen. Ich war ja erst skeptisch, als ich gehört habe, dass jemand anderes das Buch illustriert. Wo ich doch Moers Zeichnungen so mag. Aber die bunten Wasserfarben haben mir sehr gut gefallen und zum "Traumhaften" der Geschichte sehr gut gepasst. Sie machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.
Als ich dann die ersten Sätze gelesen habe, war es wie ein nach Hause Kommen. Ich bin sofort in Moers einzigartige, wunderschöne Sprache eingetaucht und habe in schönen Zamonien- Erinnerungen geschwelgt, als die Worte Fhernhachen, Florinth, Hutzenberge, Zamomin oder Nattifftoffen fielen.

Die Geschichte war voller kreativer Einfälle und einer sprachlichen Schönheit, wie ich sie sonst kaum lese. Man merkt Moers die Freude an der Sprache einfach an. Er benutzt wunderschöne Umschreibungen und ausgefallene, oder veraltete Wörter, wie zum Beispiel "ennuyant". Das finde ich einfach fabelhaft, denn die deutsche Sprache hat so viele fantastische Wörter zu bieten, die man nur mal wieder mehr nutzen müsste.

Texte von Moers zu lesen ist mir einfach immer wieder ein Genuss. Aber nicht nur wegen der schönen Sprache.
In dem Buch stellt Walter Moers auch erneut seinen schier endlosen Einfallsreichtum unter Beweis, auch wenn der Anfang sich etwas in die Länge zieht. Aber Havarius Opal und die Prinzessin sich dann erstmal auf den Weg in ihr Gehirn machen, überschlagen sich die Ereignisse und die beiden müssen so manches Abenteuer bestehen.

Interessant fand ich, dass das Buch eine reale Krankheit, das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) thematisiert. Lydia Rode, die Illustratorin, leidet, genau wie Prinzessin Dylia, an dieser Krankheit und hat Moers zu dem Roman inspiriert. Ich finde es sehr gut, dass Moers dieses Thema so einer breiteren Masse zugänglich macht. Für Betroffene ist dieses Buch vielleicht noch interessanter zu lesen.
Gut fand ich auch, wie Moers das menschliche Gehirn beschrieben hat und im Zuge der Reise die verschiedenen Hirnregionen und deren Funktionen dargestellt hat. Durch mein Studium kenne ich mich etwas mit Neuroanatomie aus und ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Moers das in seinem Roman umgesetzt hat. So manches mal musste ich schon darüber schmunzeln, wie Moers die Funktionen bestimmter Hirnregionen beschreibt.
Gelungen fand ich ebenfalls die Metapher für Depressionen, mit dem schlechten Wetter im Kopf und den Irrschatten, die Dunkelheit verbreiten und einem jede Zuversicht nehmen. In sofern ist das Buch vielleicht auch für alle interessant, die solche Krankheiten besser verstehen wollen, oder für Betroffene, die es anderen besser verständlich machen wollen.


Aber nicht alles an dem Roman hat mir gefallen.

Sechs Jahre lang habe ich auf ein neues Buch von Moers gewartet. Und ja, ich habe die Lektüre von "Prinzessin Insomnia" genossen, denn ich mag einfach die Art und Weise, wie dieser Autor schreibt. Nicht umsonst gehört er zu meinen Lieblingsautoren.
Aber dieser Roman konnte mich nicht ganz so begeistern, wie die anderen. Mir hat einfach etwas gefehlt.
Zunächst fand ich schade, dass der Roman eigentlich nur zu Anfang wirklich in Zamonien spielt. Der Großteil der Handlung spielt in Dylias Gehirn und das ist eben eine ganz eigene Welt. Die war zwar auch interessant, aber so gab es eben kein Wiedersehen mit alten Bekannten, was ich sehr traurig fand.
Außerdem hat mir bei diesem Buch ein bisschen das große Abenteuer gefehlt. Es gab zwar viele tolle Szenen, aber an die Genialität von "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Die Stadt der träumenden Bücher" konnte es einfach nicht heranreichen.
Eingangs habe ich zwar die Sprache von Moers gelobt, und sie ist ja auch wirklich schön. Aber die Satzkonstruktionen, die Vergleiche und Aufzählungen wirken dieses mal nicht ganz so stimmig, wie gewohnt. Zugegeben, Moers hat sich selbst auch eine verdammt hohe Messlatte gelegt, aber ich kam nicht umhin, diese Geschichte mit seinen "großen Werken" zu vergleichen, und da konnte sie leider nicht mithalten.

"Man benötigte nämlich nicht nur einen exquisiten Geschmack, um etwas Gutes zu bevorzugen, oh nein, sondern auch, um das Falsche zu verschmähen." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 41)


Fazit:
Mit den schönen Illustrationen von Lydia Rode, dem moers'schen Schreibstil und seiner schier endlosen Kreativität ist "Prinzessin Insomnia und der alptraumhafte Nachtmahr" ein lesenswerter Roman. Mit Walter Moers großen Werken wie "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Die Stadt der träumenden Bücher" kann er aber leider nicht mithalten. Dazu fehlt mir eine Prise Abenteuer und eine große Portion Zamonien.

Veröffentlicht am 05.10.2017

Der neue Roman von Toni Morrison

Gott, hilf dem Kind
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"Wo die Angst regiert, ist Gehorsam die einzige Wahl, um zu überleben." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.42)

Kurzmeinung:
Ein Buch, von dem ich etwas ganz anderes erwartet habe, dass mich aber dennoch nicht ...

"Wo die Angst regiert, ist Gehorsam die einzige Wahl, um zu überleben." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.42)

Kurzmeinung:
Ein Buch, von dem ich etwas ganz anderes erwartet habe, dass mich aber dennoch nicht enttäuscht hat. Es lässt mich allerdings etwas ratlos zurück und ich muss immer noch oft an die Lektüre zurückdenken, die mich bewegt hat, von der ich mir aber auch mehr gewünscht hätte.


Meine Meinung:
Toni Morrison wirft einen direkt in das Geschehen und ich war von der ersten Seite an gefesselt. Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Der Schreibstil ist etwas anders und man muss sich vielleicht etwas reinlesen. Mir hat er aber sehr gut gefallen.

Sehr gelungen ist auch der Wechsel zwischen den verschiedenen Ich- Erzählern und Erzählperspektiven aus der dritten Person. Dies wird jeweils durch den Namen des jeweiligen Erzählers über den Kapitel verdeutlicht, so dass auch nie Verwirrung beim Leser entsteht.

Anfangs wird der Leser im Unklaren über die Zusammenhänge gelassen. Erst nach und nach entfaltet sich das Gesamtbild und man kann die einzelnen Episoden zusammenfügen.


"Lügen. Schweigen. Einfach nicht aussprechen, was die Wahrheit ist oder warum etwas geschieht." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.178)

In den Abschnitten von Bride, ehemals Lula Ann, konnte ich über die Grausamkeit der Mutter Sweetness nur den Kopf schütteln. Wie kann man seinem eigenen Kind nur so sehr die Liebe verweigern? Das Thema Missbrauch und Rassismus ist hier zentral.
Es gab zwar auch Abschnitte aus Sweetness' Sicht, die einem ihr Verhalten näher bringen sollte. Nachvollziehbar war es für mich allerdings trotzdem nicht, obwohl schon zu erkennen war, dass sie nur getan hat, was sie dachte, sei das beste für ihr Kind.

Bookers Abschnitte sind voller intellektueller Auseinandersetzungen mit Sklaverei, Geld, Macht und Politik. Aber auch hier sind die wiederkehrenden Themen Missbrauch und Rassismus zu finden.

Jeder der Charaktere hat seine eigene Geschichte, und niemand hatte einen leichten Weg.


"Ich riskiere nichts. Ich sitze auf dem hohen Ross und weise anderen ihre Mängel nach. Ich war besoffen von meiner Intelligenz und meinen moralischen Ansprüchen und der Unduldsamkeit, die damit einhergeht." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.184)

Zwischendurch gibt es auch immer wieder überraschend brutale Szenen, die mich zunächst abgeschreckt haben. Dennoch fügen sie sich trotzdem gut in den sonst eher ruhigen Ton der Geschichte ein.

Außerdem gibt es viele überraschende Wendungen. Bei manchen der wie zufällig wirkenden Episoden war ich mir nicht ganz sicher, was sie mir sagen wollten und war manchmal zunächst etwas ratlos. Die einzelnen Passagen fügen sich dann am Ende aber zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

"Jeder wird sich an eine kleine Story von Frust und Verletzten Klammern von irgendwelchen Problemen und Schmerzen, die das Leben über ihren unschuldigen, reinen Seelen ausgekippt hat." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.181)


Fazit:
Ein Buch darüber, welche Macht die Vergangenheit über uns haben kann. Wie sie unsere Gegenwart bestimmen kann. Wie sehr Leid in der Kindheit unser Leben prägen kann. Über Missbrauch und Rassismus. Überraschend viele Themen in so einem schmalen Buch. Es hat mich nicht tief bewegt, aber ich habe definitiv viel über den Buch und seine Aussage nachdenken müssen.

"Und er, der so gut wusste, wie Kindheitswunden eitern und nie verschorfen (...)." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.157)

Veröffentlicht am 24.09.2017

Interessantes Setting und spannende Beziehungsdynamiken

Die Terranauten
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Kurzmeinung:
Interessantes Setting, spannende Wendungen und komplexe Beziehungsdynamiken. Sympathisch war mir zwar keiner der Charaktere, aber das hat den Lesegenuss in keiner Weise geschmälert.


Meine ...

Kurzmeinung:
Interessantes Setting, spannende Wendungen und komplexe Beziehungsdynamiken. Sympathisch war mir zwar keiner der Charaktere, aber das hat den Lesegenuss in keiner Weise geschmälert.


Meine Meinung:
Das Setting des Romans ist wie gesagt wirklich interessant. Mitten in der nordamerikanischen Wüste haben Wissenschaftler eine große Glaskuppel errichtet, unter der sie das Leben auf der Erde nachstellen. In einem geschlossenen System wollen sie biologische Systeme erforschen und verstehen, wie man nachhaltiger leben kann, eventuell auch das Leben auf der Erde auf anderen Planeten nachstellen kann. Diese Glaskuppel heißt "Ecosphere 2" und soll nun für zwei Jahre von 4 Forscheren und 4 Forscherinnen bewohnt werden – den sogenannten Terranauten.

Die Geschichte der Terranauten wird uns nun aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt. Da wäre zum einen die schöne Dawn. Sie ist für die Nutztiere unter der Kuppel verantwortlich. Der charmante Ramsay ist ebenfalls im Terranauten- Team und für Kommunikation zuständig. Außerdem bekommen wir das Geschehen noch aus Lindas Sicht geschildert. Sie hat sich auch auf einen Platz als Terranautin beworben, ihr Platz wurde aber durch ihre beste Freundin Dawn besetzt.

Das ganze Projekt wird finanziert von "Gottvater", einem superreichen Visionär. Unterstützt wird er von seiner jungen Geliebten Judy, von allen "Judas" genannt.

Wir begleiten die Protagonisten durch verschiedene Phasen des Projekts. Alles beginnt mit der Auswahl der Terranauten, die für die Mission geeignet sind und unter die Glaskuppel dürfen und endet einige Zeit nach dem "Wiedereintritt", also dem Ende der Mission.

Während des Einschlusses kommt es natürlich zu einigen heiklen Situationen. So wird zum Beispiel der Sauerstoff knapp und auch die Nahrungsmittel sind nie ausreichend. Am interessantesten fand ich aber, wie sich die Beziehungen entwickeln. Was macht es mit Menschen, wenn sie Tag und Nacht in einer kleinen Gruppe zusammen eingeschlossen sind. Wenn sie zusätzlich große Strapazen ertragen müssen und ständig überwacht werden? Das mediale Interesse an dem Projekt ist nämlich sehr groß und auch "Mission Control", also Gottvater und sein Team, haben die Terranauten immer im Blick.

Boyle schildert uns die Ereignisse wenig schmeichelhaft, aber mit viel Witz und Sarkasmus. Es wird nichts beschönigt oder verklärt. Boyle zeigt die Menschen, wie sie sind, mit ihren niederen Motiven, ihrem Neid, Egoismus, ihrer Naivität und Missgunst. Dennoch ist das Buch nie bedrückend, denn alles wird mit einem Augenzwinkern erzählt. Dieser Stil hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen.

Außerdem werden die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung für unseren Planeten thematisiert. Boyle bringt immer wieder sehr interessante Fakten in die Geschichte, über Biotope und Klima, über den Einfluss des Menschen, die Verschwendung und Verschmutzung. Über das labile Gleichgewicht und wie wir es gefährden.

Besonders spannend fand ich, dass dieser Roman auf einer wahren Begebenheit beruht. Es hat tatsächlich so ein Projekt gegeben.

Kleiner Kritikpunkt: Nicht so gut fand ich, das der Klappentext schon so viel verrät.


Fazit:
Ein Buch, das durch sein außergewöhnliches Setting etwas Besonderes ist. Es spricht viele wichtige Themen an und unterhält mit wissenschaftlichen Fakten und zwischenmenschlichen Dramen. Besonders gut gefallen hat mir der ehrliche und schonungslose Blick auf die Menschen und ihre Gedanken und Gefühle. Für mich eine gelungene Kombination aus Wissenswertem und Unterhaltung.

Veröffentlicht am 19.09.2017

Erst etwas zäh, dann schockierend und bewegend!

Und es schmilzt
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Kurzmeinung:
Ein Buch, das erst im letzten Viertel wirklich überzeugt, mich dafür aber dann mit voller Wucht getroffen hat, mich schockiert und bewegt hat, wie es lange kein Buch getan hat. Dennoch keine ...

Kurzmeinung:
Ein Buch, das erst im letzten Viertel wirklich überzeugt, mich dafür aber dann mit voller Wucht getroffen hat, mich schockiert und bewegt hat, wie es lange kein Buch getan hat. Dennoch keine uneingeschränkte Leseempfehlung, da der Inhalt für manche vielleicht wirklich nicht das Richtige ist.


Meine Meinung:
"Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt" – das ist wirklich nicht übertrieben!
Von dem Buch hatte ich im Vorfeld schon sehr viel gehört. Dass es echt heftig sei und schockierend. Mit diesen Erwartungen habe ich dann angefangen und war zunächst etwas verwirrt. Denn da passierte nichts Schockierendes. Es wurde einfach die Geschichte von drei Freunden erzählt, die in einem kleinen Dorf aufwachsen. Und das alles sehr episodenhaft. Es brauchte sehr lange, bis Schwung aufkam. So sehr im Dunkeln gelassen fühlte ich mich lange von keinem Buch und ich war mir nicht so sicher, ob ich das mag. Einerseits hat es mich sehr neugierig gemacht. Andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, etwas orientierungslos durch die Geschichte zu stolpern.

Den Eindruck verstärkt hat noch die Tatsache, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt wird. Einmal gibt es die Eva in der Gegenwart, die sich mit dem Eisblock im Kofferraum auf den Weg in ihr Heimatdorf macht. Und dann gibt es noch die Eva in der Vergangenheit, wie sie und ihre Freunde ihre Kindheit in dem kleinen Dorf verbracht haben. Innerhalb der zwei Zeitebenen ist die Reihenfolge aber auch nicht chronologisch und durch die episodenhafte Erzählweise habe ich zwischendurch den Überblick verloren und konnte manche Ereignisse nicht einordnen. Das hat mir nicht so gut gefallen.


"Dass die Sommermonate mir später am intensivsten im Gedächtnis bleiben würden, wusste ich schon, bevor sie vorbei waren. Es fiel mehr Sonnenlicht auf unsere Bewegungen, Erinnerungen daran konnten sich schärfer entwicklen." (Aus "Und es schmilzt", S.163)


Der Anfang hat sich also etwas gezogen und ich musste mich orientieren. Zusammenhangslose Episoden aus der Gegenwart und der Vergangenheit wechselten sich ab. Die Bedeutung hat sich mir nicht immer erschlossen. Mir fehlte der rote Faden und auch die Spannung wollte sich nicht so recht aufbauen.
Doch die zunehmend düstere Stimmung ließ dunkle Vorahnungen aufkommen, dass da etwas Schlimmes passieren würde und machte mich schon neugierig. Wirklich spannend wurde die Geschichte aber erst im letzten Viertel. Ab da konnte ich das Buch dann auch nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe trotz großer Müdigkeit bis tief in die Nacht gelesen, bis ich das Buch beendet hatte. An Schlaf war danach nicht mehr zu denken.

Ich möchte jetzt nicht näher auf den Inhalt eingehen, weil ich niemandem etwas vorwegnehmen will. Aber das Buch hat mich schockiert und bewegt. Ich habe geweint und ich wollte das nicht lesen. Wirklich nicht. Eigentlich hätte ich keine weitere Seite ertragen können. Aber irgendwie musste ich dann doch weiterlesen. Noch Tage später beschäftigt es mich und es ist mir sehr schwergefallen, Worte für diese Rezension zu finden.
Im Nachhinein wünschte ich manchmal fast, ich hätte das Buch nicht gelesen. Aber eben nur fast, denn das Buch ist auch wirklich sehr gut – vielleicht gerade wegen seiner Schockwirkung.

Dennoch kann ich keine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Mir hat das Buch zwar gut gefallen, aber eben auch sehr – wirklich SEHR – mitgenommen. Und das, obwohl ich eigentlich sehr hart im nehmen bin. Ich hätte mir irgendeine Warnung gewünscht, worauf man sich einlässt. Vielleicht sogar ein "Träger Warning". Denn dieses Buch ist bestimmt nicht für jeden etwas!


Fazit:
Die erste Hälfte des Buches ist eher verwirrend und langatmig. Dann nimmt die Geschichte aber Fahrt auf, wird immer düsterer und was dann kommt, übersteigt selbst die schlimmsten Vorahnungen. Es hat mich schockiert, bewegt, erschüttert. Das Buch hat mich nicht mehr losgelassen und noch Tage später musste ich all meinen Freunden von diesem Buch erzählen, weil ich einfach darüber sprechen musste.
Keine uneingeschränkte Leseempfehlung, weil die Themen und die expliziten Beschreibungen bestimmt nicht für jede
n das Richtige sind. Dennoch ist dieses Buch auch wirklich gut – gerade weil es so echt, roh und düster ist. Wer sich also traut, beim Lesen aus seiner Komfortzone herauszukommen und bereit ist zu leiden, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

Veröffentlicht am 04.09.2017

Interessantes Thema, aber mir hat etwas gefehlt.

Underground Railroad
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Kurzmeinung:
Ich hatte mir mehr von diesem Buch versprochen; vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch. Historisch Interessantes und erschütternde Passagen wechseln sich ab mit langatmigen und mäßig spannenden ...

Kurzmeinung:
Ich hatte mir mehr von diesem Buch versprochen; vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch. Historisch Interessantes und erschütternde Passagen wechseln sich ab mit langatmigen und mäßig spannenden Abschnitten. Insgesamt kann ich das Buch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen, finde es aber wegen des wichtigen Themas trotzdem lesenswert!

Meine Meinung:
Das Thema Sklaverei und Rassismus ist so wichtig und ich denke, wir können auch heute noch so viel aus der Geschichte lernen. Schon auf den ersten Seiten lässt sich erkennen, dass Colson Whitehead sich dem Thema sehr sensibel nährt. Die Charaktere allerdings blieben mir beim Lesen fremd. Ich habe nicht so sehr mit ihnen mitgelitten, ihre Geschichten haben mich nicht so stark berührt, wie ich es bei so einem Buch erwartet hätte.

Es ist wirklich unvorstellbar, was Menschen anderen Menschen antun können. Den Sklaven wurde vollkommen ihre Menschlichkeit abgesprochen, sie wurden als bloße "Ware" betrachtet.


"Sie wurde, nicht zum ersten Mal, gebrandmarkt und an die anderen Erwerbungen des Tages gekettet." (aus "Underground Railroad, S. 11)


"Wenn man ein Ding war – ein Karren, ein Pferd oder ein Sklave – bestimmte der Wert, den man besaß, die Möglichkeiten, die man hatte." (aus "Underground Railroad, S. 13)


Das Ausmaß der Ausbeutung ist wirklich unvorstellbar. Sklaven wurden wie Eigentum behandelt, misshandelt, ausgenutzt und erniedrigt. Allerdings vermischt Colson Whitehead historische Fakten mit Fiktion und Ereignissen, die so nicht belegt sind, wie zum Beispiel die medizinischen Tests an Sklaven. Warum das nötig war, ist mir nicht so richtig klar, denn die Geschichte ist schon schrecklich genug, als das man da noch Dinge hinzudichten müsste, finde ich.

Das Buch veranschaulicht die Grauen der Sklavenzeit, die Absurdität der damals vorherrschenden Gedanken. Die Protagonistin Core erlebt was Menschen einander antun können, erlebt die Menschen in ihrem schlimmsten Verhalten. Aber sie erlebt sie auch in ihrem Besten, wenn Fremde ihr Leben riskieren, um ihr und anderen Sklaven zu helfen. Die alles opfern, um für Gerechtigkeit zu kämpfen und der guten Sache zu dienen.


"Auf dem Auktionspodest hakten sie die Seele ab, die bei jeder Versteigerung gekauft wurden, und auf den Plantagen hielten die Aufseher die Namen der Arbeiter in Reihen von enger Kursivschrift fest. Jeder Name ein Vermögenswert, atmendes Kapital, fleischgewordener Profit." (aus "Underground Railroad", S. 247)


Durch die Perspektivwechsel erlebt man die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln: vom Sklaven bis zum Sklavenfänger. Dadurch kann man sich ein Stück weit in alle Seiten hineinversetzen, allerdings konnte mich keiner der Charaktere so richtig erreichen und berühren. Der Funke wollte beim Lesen einfach nicht überspringen. Der Schreibstil ist nett und die Geschichte lässt sich recht flüssig lesen. Gegen Ende ist aber kaum noch Spannung vorhanden und durch die letzten 70 Seiten habe ich mich richtig durch gequält.
Ich weiß nicht genau, woran es lag. Vielleicht war mir dieses Buch etwas zu sehr Abenteuerroman und etwas zu wenig der einzigartige, aufwühlende und bewegende Anti- Rassismus- Roman, auf den ich gehofft hatte.

Zentral für die Geschichte ist natürlich die "Underground Railroad". Eigentlich ein Helfernetzwerk, das Sklaven bei der Flucht aus dem Süden in den sicheren Norden unterstützte, macht Whitehead die Metapher zur Realität und schreibt von einer tatsächlich unterirdisch verlaufenden Eisenbahn. Auch dieses Element habe ich nicht so recht verstehen können. Es hat mich zwar weniger gestört, als die anderen "Ergänzungen", aber ich hätte mir einfach einen Roman gewünscht, der näher an den historischen Tatsachen bleibt. Das wäre in seiner Wirkung vielleicht sogar noch kraftvoller gewesen.

"Zuerst sind die Menschen gut, und dann macht die Welt sie gemein." (aus "Underground Railroad", S. 334)


Fazit:
Ein Buch, das sich gut lesen lässt und ein wichtiges Thema behandelt. Uneingeschränkt empfehlen kann ich es jedoch nicht. Dazu hat mir beim Lesen einfach etwas gefehlt. Auch die Bedeutung hinzuerfundenen Elemente, ist mir nicht ganz klar und lassen mich eher verwundert zurück. Dennoch, historisch ist dieses Buch sehr interessant und wegen der Bedeutung des Themas trotzdem lesenswert.