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Veröffentlicht am 27.07.2024

Der Nächste bitte!

Ehemänner
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In der Buchhandlung wäre der Roman bei mir wohl durchgefallen. Ich hätte ihn allein wegen des Titels und des seltsamen pink-roséfarbenen Karnickel-Covers entweder geflissentlich übersehen oder spontan ...

In der Buchhandlung wäre der Roman bei mir wohl durchgefallen. Ich hätte ihn allein wegen des Titels und des seltsamen pink-roséfarbenen Karnickel-Covers entweder geflissentlich übersehen oder spontan als „nichts für mich“ abgetan. Tja, so kann man sich täuschen. Manchmal greife ich der schönen Optik wegen zu Büchern, die mir dann inhaltlich überhaupt nicht gefallen. Wer weiß, wie viele Juwelen mir im Gegenzug schon entgangen sind, weil die Aufmachung mich einfach nicht angesprochen hat. Hier wäre es definitiv so gewesen. Und deshalb bin ich doppelt und dreifach froh, auf dieses Buch aufmerksam gemacht worden zu sein.
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Darum geht’s: Lauren ist Single. Da gibt’s nichts dran zu Rütteln. Eigentlich. Denn als sie nach einem feucht-fröhlichen Abend nach Hause kommt, wird sie in ihrer Wohnung von ihrem Ehemann begrüßt. Und als der Unbekannte wenig später auf dem Dachboden verschwindet, kommt ein anderer Ehemann wieder herunter. Lauren zweifelt an ihrem Verstand. Als es aber munter so weiter geht, versucht sie das Beste aus der Situation zu machen…
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Äh, wie bitte? Klingt ziemlich abgedreht, oder? Ist es auch. Aber ich habe diese ungewöhnliche Liebesgeschichte geliebt. Sie erscheint auf den ersten Blick total verrückt. Auf den zweiten Blick erkennt man aber, wie unendlich viel von unserem heutigen Leben darin steckt. Die Verpackung mag seltsam anmuten, aber im Kern steckt doch viel Wahres drin. EHEMÄNNER bildet quasi das moderne Dating-Verhalten ab. Statt Tinder hat sich für Lauren der Dachboden der unbegrenzten Männer-Möglichkeiten geöffnet. Ein Mann nach dem anderen taucht auf und verschwindet wieder. Das Ausschlussprinzip funktioniert schnell und meist spielen dabei Äußerlichkeiten und Kleinigkeiten eine Rolle. Mit einem Wisch ist der Mann weg und der Nächste kann bewertet werden. Der Roman entpuppt sich als wunderbare Satire. Unsere Ansprüche und Entscheidungen werden in einem hypnotisch-wirren Strudel beleuchtet, in dem man den Überblick und sich selbst zu verlieren droht.
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Holly Gramazio trifft mit ihrem ersten Roman absolut den Zeitgeist. Der Plot ist äußerst interessant angelegt. Die Geschichte pendelt ständig zwischen Humor und Ernst. Das Erzähltempo ist angemessen. Man könnte meinen, dass sich handlungsmäßig gar nicht so viel tut. Stück für Stück habe ich aber festgestellt, dass die Geschichte vor Nuancen und Feinheiten nur so strotz. Ich hatte beim Lesen unendlich viele Was wäre wenn-Momente, die mich zum Nachdenken gebracht und zum Philosophieren angeregt haben. EHEMÄNNER schaut klug, scharfsinnig und sehr unterhaltsam auf die Partnersuche und Bindungsprobleme unserer Zeit. Der Roman hätte das Zeug, um zu einem Klassiker zu werden.

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Veröffentlicht am 26.07.2024

Strindberg zum Dritten

Die Frau im Eishaus
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Zum dritten Mal geht es in diesem Schwedenkrimi ins beschauliche Hövenäset. Es ist ein schönes Wiedersehen mit dem Ort, Protagonist August Strindberg und den anderen bereits bekannten Charakteren. Ich ...

Zum dritten Mal geht es in diesem Schwedenkrimi ins beschauliche Hövenäset. Es ist ein schönes Wiedersehen mit dem Ort, Protagonist August Strindberg und den anderen bereits bekannten Charakteren. Ich habe direkt wieder diese typische Reihen-Verbundenheit gespürt.
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Darum geht's: Unbekannte sorgen in Hövenäset für Aufsehen. Ein Mann wird erhängt unter dem Sprungturm gefunden. Hat die 19-jährige Iben Syrén etwas damit zu tun? Sie ist gerade in das berüchtigte Eishaus gezogen, wo August Strindberg die zerstückelte Leiche von Lydia Broman gefunden hatte. In den Fall kommt wieder Bewegung…
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Band 3 knüpft also an Geschehnisse aus dem Serienauftakt an. Das hat mir ein herrlich vertrautes Gefühl gegeben. Überhaupt war ich auch diesmal schnell wieder in der Reihe drin. Hövenäset und seine Einwohner machen einfach Freude. Ohlsson verknüpft hier den klassischen Skandinavien-Krimi mit Cosy Crime-Elementen. Sie sorgen dafür, dass es nicht ganz so düster zugeht. Für Wohlfühlmomente sorgt diesmal die Vorbereitung eines Backwettbewerbs sowie allgemein das Zwischenmenschliche. Dass der Sommer auf Hövenäset diesmal kein Sommer ist, sondern im Nebel versinkt - ich hab’s wegen der Parallele zum deutschen Regen-Sommer 2024 ganz besonders gefühlt. Aber auch in Hövenäset tun sich Abgründe und Geheimnisse auf. Auch diesmal entwickelt Ohlsdon einen spannenden Handlungsstrang. Eine Perspektive, die in kurzen Kapiteln zwischengeschaltet wird, ist besonders interessant. Man weiß nicht, wer in diesen Abschnitten spricht und um wen es geht. Diese Abschnitte sorgen für ein beklemmendes Gefühl und führen auf eine gewisse Spur. Der Twist, den die Sache letztendlich nimmt, konnte mich überraschen.
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Der Krimi hat eine gewisse Grundspannung. Diese steht aber nicht durchgängig im Vordergrund, weil Ohlsson auch mal etwas aus- und abschweift und dem Privatleben ihrer Protagonisten viel Raum gibt. Aber so muss es sein. Ich zumindest möchte von Band zu Band mehr über die Hauptfiguren erfahren, tiefer in ihr Leben eintauchen und ihre Entwicklung verfolgen. Dass das Erzähltempo auch mal etwas entschleunigt, passt schon so - zumal der Spannungsbogen ja dann auch regelmäßig wieder anzieht.
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Krimi mit Cosy und Persönlichkeit - der Mix macht’s. Von der Anmutung und Gewichtung her ist die Reihe mit den Sandham-Krimis von Viveca Sten vergleichbar, die ich ja auch sehr mag. Kristina Ohlsson hat mich jedenfalls einmal mehr gut unterhalten und mir hat es Spaß gemacht, wieder Zeit auf Hövenäset zu verbringen. So darf es gerne weitergehen.

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Veröffentlicht am 23.07.2024

Überraschend tiefgründige Liebesgeschichte

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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Der Roman lässt ein locker-leichtes RomCom-Lesevergnügen erwarten. Schön, aber vielleicht etwas oberflächlich. Von wegen! Die Geschichte ist tiefgründiger und berührender als angenommen und hat mich damit ...

Der Roman lässt ein locker-leichtes RomCom-Lesevergnügen erwarten. Schön, aber vielleicht etwas oberflächlich. Von wegen! Die Geschichte ist tiefgründiger und berührender als angenommen und hat mich damit echt überrascht.
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Darum geht’s: Erins kräftig annotiertes Lieblingsbuch gerät aus Versehen in den Bücherschrank. Zum Glück findet sie es darin wieder - angereichert mit den Kommentaren eines Unbekannten. Daraus entwickelt sich ein lebhafter Gedankenaustausch in weiteren Büchern. Der geheimnisvolle Buchfreund lässt Erins Herz höher schlagen…
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Die Story wird im Wechsel aus der Sicht von Erin und James erzählt. Er verpasst ihr den Spitznamen “Kritzelqueen”. Für sie ist er schlicht und ergreifend der “Mystery Man”. Als Leser*in erfährt man schnell, dass sich beide alles andere als fremd sind. Wir haben hier einen Friends-to-Enemies-to-Lovers- + Second Chance-Trope. Die Protagonisten sind Anfang 30 und schleppen beide ganz schön viel Ballast mit sich herum. Entsprechend wird hier auch eine ganze Reihe von schweren Themen zur Sprache gebracht. Im Klappentext ist kurz erwähnt, dass Erin den Tod ihrer besten Freundin zu verarbeiten hat. Das überliest man aber so leichthin, während dieser Strang dann im Buch doch eine große und wichtige Rolle spielt. Auf James Seite geht es außerdem um das Thema Mobbing. Und die Autorin packt im Großen oder Kleinen noch andere Aspekte mit ins Buch, die zum Nachdenken anregen. Klingt jetzt ein bisschen überladen. Es hätte vielleicht auch nicht alles auf einmal gebraucht, denn der Austausch in den Büchern wird dadurch teilweise fast zur Rand-Botschaft. Und trotzdem fügt sich die Story irgendwie harmonisch und schön zusammen.
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Ich bin der Story von Erin & James sehr gerne gefolgt - auch, wenn sie letztendlich anders war als erwartet. Die Handlung ist feinfühlig und emotional erzählt. Und natürlich gibt es auch humorvolle Szenen. Ich habe die Lesestunden im Großen und Ganzen genossen. Tessa Bickers sollte man nach diesem Romandebüt wohl auf dem Schirm behalten, wenn es um erwachsene Liebesgeschichten mit einem gewissen Anspruch geht.

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Veröffentlicht am 21.07.2024

Ein Meisterwerk

Eulenschrei
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Max Bentow stellt mich vor ein Rätsel. Wie schafft man es, mit steter Regelmäßigkeit solch herausragende Thriller abzuliefern? Jedes Buch ein Knaller, auf den dann ein noch größerer Knaller folgt. Auch ...

Max Bentow stellt mich vor ein Rätsel. Wie schafft man es, mit steter Regelmäßigkeit solch herausragende Thriller abzuliefern? Jedes Buch ein Knaller, auf den dann ein noch größerer Knaller folgt. Auch “Eulenschrei” kann ich wieder nur in den höchsten Tönen loben. Ein Psychothriller der Extraklasse, mit dem Bentow mich erneut komplett abgeholt und begeistert hat.
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Darum geht’s: Eine Serie grausamer Morde. Zwischen den Opfern scheint es keine Verbindung zu geben - außer dass Lebkuchenmänner den Weg zu ihnen weisen. Einen entscheidenden Hinweis liefert ein verstecktes Gemälde des Malers Robert Lumen, auf dem eine mysteriöse Frau zu sehen ist. Trojan & Weiss kommen dem Täter langsam aber sicher immer näher…
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“Eulenschrei” wird als Auftakt der neuen Serie um das Ermittlerduo Carlotta Weiss und Nils Trojan deklariert. Es ist ein geschmeidiger Neuanfang, denn bereits in “Engelsmädchen” dem 11. Band der Trojan-Reihe, war Profilerin Carlotta Weiss als neue Figur grandios eingeführt worden. Jetzt ermitteln Trojan & Weiss offiziell Seite an Seite. Und eins ist bereits klar: Hier hat ein unglaublich starkes Duo zusammengefunden.
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“Eulenschrei” hat alles, was ein richtig guter Psychothriller braucht. Der Fall ist grausam und liefert zunächst kaum einen Anhaltspunkt für zusammenhängende Ermittlungen. In alle möglichen Richtungen verlaufen lose Fäden. Die werden dann langsam immer mehr angezogen und verdichtet sowie am Schluss kunstvoll zu einem Großen Ganzen vereint. Allein das ist schon aller Ehren wert. Aber Bentow setzt noch so viel mehr obendrauf. Der Autor beherrscht wirklich die ganz große Kunst des Psychothrillers. “Eulenschrei” ist auf der einen Seite brutal und spannend, auf der anderen Seite aber auch sanft und leise. Im einen Moment fährt die Handlung volle Power, während sie gleich darauf sensibel und feinsinnig daherkommt. Bentow hat ein unglaubliches Gespür dafür, Szenen bildhaft und emotional auszugestalten und mit Leben zu füllen. So hat mich der Plot gleichermaßen geschockt, wie auch berührt.
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“Ich muss in das Gemälde hinein” (S. 418) sagt Carlotta an entscheidender Stelle im Buch und nimmt damit wieder ihre einzigartige Profiler-Position bei den Ermittlungen ein. Genau so war ich als Leser quasi von Beginn an mitten im Buch. Ich habe jeden Winkel der Geschichte ausgeleuchtet und verschiedene Perspektiven eingenommen. Und es wurde auf allen Ebenen extrem. Extrem spannend, extrem gruselig, extrem fesselnd, extrem berührend, extrem überraschend und einfach extrem gut konstruiert.
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Fazit: Es war für mich wieder ein Fest, lieber Max Bentow! Ein Psychothriller par excellence mit Sternchen. Definitiv ein Jahreshighlight.

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Veröffentlicht am 20.07.2024

La Dolce Vita und ein Mord

Salute - Der letzte Espresso
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Etwas Neues beginnt. Mit “Salute - Der letzte Espresso” startet Friedrich Kalpenstein eine zweite Krimireihe. Diesmal also nicht Brunngries, sondern der Gardasee. Voller Vorfreude habe ich meinen Koffer ...

Etwas Neues beginnt. Mit “Salute - Der letzte Espresso” startet Friedrich Kalpenstein eine zweite Krimireihe. Diesmal also nicht Brunngries, sondern der Gardasee. Voller Vorfreude habe ich meinen Koffer gepackt und den Aufenthalt wirklich rundum genossen.
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Darum geht’s: Der Münchener Ex-Hauptkommissar Paul Zeitler hat in Bardolino ein neues Leben als Café-Besitzer begonnen. Als er das Café eines Tages schließt, findet er einen Gast tot auf der Toilette. Der Journalist wurde ermordet. Commissario Lanza von der örtlichen Polizeidirektion ermittelt. Und Zeitler mischt aus alter Gewohnheit natürlich kräftig mit…
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Wer Kalpensteins Prost-Krimis kennt und vermutet, dass Brunngries hier einfach nach Bardolino verfrachtet wird, der liegt falsch. Zwar ist auch die Salute-Reihe als Cosy Crime angelegt. Die Handlung verströmt aber allein durch das Setting komplett andere Vibes, als ich es von den Provinzkrimis gewohnt bin.
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Italienisches Flair ist hier Programm. La Dolce Vita wird geradezu perfekt eingefangen. So konnte ich hier voll und ganz eintauchen. Ich habe den Alltag links liegen lassen, mir einen Espresso bei Paul Zeitler im Café Monaco bestellt, dazu ein leckeres Gebäck von Manuel Leone genossen und meinen Blick dabei über den Gardasee schweifen lassen. Danach habe ich noch nebenan in Lisas Boutique vorbeigeschaut und über ihre Hündin Principessa gelacht, die schon wieder die Tauben gejagt hat. Mittendrin statt nur dabei ist hier das Motto.
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Neben purer Entspannung gibt es aber auch eine gute Portion Krimi-Spannung, für diejenigen, die es nicht ganz so ruhig mögen. Als ich mich gerade so richtig schön eingelebt habe, die frische Brise vom See und die wärmende Sonne auf der Haut spüre, zieht die Krimihandlung an. Ich darf ein bisschen Mäuschen spielen und hinter die Urlaubs-Fassade blicken. Und da tun sich auch am schönen Gardasee Abgründe auf. Ich bin bei einer rasanten Verfolgungsjagd und Schlägereien dabei und natürlich auch, als letztendlich der Mörder entlarvt wird.
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Was den Krimi ausmacht, sind die Atmosphäre und die Personen. Mit viel Gespür ist hier ein Setting aufgebaut worden, in dem ich mich in Null Komma Nix wohlgefühlt habe. Dazu tragen viele typisch italienische Kleinigkeiten bei. Z.B. Autos, die hierzulande in Krimis nicht gefahren werden würden. Außerdem habe ich gemerkt, wie meditativ es sein kann, Kaffeemehl in einen Siebträger zu füllen und mit dem Tamper zu verdichten. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet. Jeder hat seine Eigenheiten und ich kann sagen, dass mir einige direkt zu Freunden geworden sind. Die italienische Familie hat mich quasi in ihre Mitte aufgenommen. Allein mit dem etwas unterkühlten und distanzierten Commissario Lanza bin ich noch nicht so ganz auf Du und Du. Aber da arbeiten wir im nächsten Fall weiter dran.
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Fazit: Das Buch ist ein rundum gelungener Reihen-Auftakt. Ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen im Februar. Das Hotelzimmer ist quasi schon gebucht. Ciao!

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