Heimat zwischen Herzklopfen und Mettbrötchen
KUNTH Bildband Heimat DeutschlandMan schlägt dieses Buch auf und merkt nach wenigen Seiten: Das hier ist kein klassischer Deutschland-Bildband, der Sehenswürdigkeiten abhakt wie eine Checkliste. Das ist ein Bauchgefühl in Papierform. ...
Man schlägt dieses Buch auf und merkt nach wenigen Seiten: Das hier ist kein klassischer Deutschland-Bildband, der Sehenswürdigkeiten abhakt wie eine Checkliste. Das ist ein Bauchgefühl in Papierform. Heimat eben. Mal laut, mal leise, manchmal leicht schräg – und genau deshalb so verdammt stimmig.
Zwischen Mettbrötchen, Schrebergarten und Bauhaus entfaltet sich ein Deutschland, das nicht geschniegelt daherkommt, sondern ehrlich. Da tauchen Orte auf, die man kennt, aber plötzlich neu sieht. Kneipen, Straßen, Häfen, Eigenheiten – alles wirkt nahbar, als würde jemand erzählen, statt erklären zu wollen. Beim Blättern kommen Gedanken hoch wie: Stimmt, genau so fühlt sich das an. Oder: Da war ich auch schon. Oder: Da müsste man mal wieder hin.
Die Texte sind charmant, klug und angenehm unaufgeregt. Kein Heimatkitsch, kein erhobener Zeigefinger, keine patriotische Pose. Stattdessen viele kleine Beobachtungen, die hängen bleiben. Die Bilder machen genau das, was gute Fotografie soll: Sie lassen Raum für eigene Erinnerungen. Mal modern, mal rau, mal poetisch – immer mit Gefühl für den Moment.
Besonders stark ist diese stille Einladung, Heimat nicht festzunageln. Heimat darf sich verändern, darf mehrere Orte haben, darf widersprüchlich sein. Genau das transportiert dieser Bildband mit viel Herz und ohne großes Tamtam. Ein Buch zum Immer-wieder-Aufschlagen, zum Verschenken, zum Auf-dem-Tisch-liegen-Lassen – und zum leisen Wiederverlieben in dieses manchmal seltsame, oft wunderbare Land.