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AndyRiedl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

100 Jahre zurückgeblickt und fasziniert davon

Was vor uns liegt
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Zuvorderst, „Historischer Roman“ ist nicht die richtige Bezeichnung für dieses Buch. Dies ist ein klassischer Roman. Es geht Alba de Cespedes nicht darum, das Rom der 1930er Jahre im Nachhinein zu beschreiben. ...

Zuvorderst, „Historischer Roman“ ist nicht die richtige Bezeichnung für dieses Buch. Dies ist ein klassischer Roman. Es geht Alba de Cespedes nicht darum, das Rom der 1930er Jahre im Nachhinein zu beschreiben. Dies ist der Roman einer Zeitzeugin, die ihre Zeit festhält. Dabei führt sie eine feine Feder, technisch und in der Sprache wunderbar zu lesen.
Der Roman bringt dabei einen langsamen Erzählrhythmus und viele Charaktere mit. Es dauert eine Weile, bis man alle Personen zuordnen kann und sich in der Lektüre eingegroovt hat. Dann kann man die Lektüre dieses Romans am besten vergleichen mit einem Besuch in einem Kaffeehaus. Man sitzt dort in Ruhe und beobachtet, wie sich das Leben der Frauen in Rom entwickelt. Die Lebenslinien verlaufen überhaupt nicht geradlinig und de Cespedes gibt spannende Einblicke auch in die Gemütslage und das Innere ihrer Hauptfiguren.
Insgesamt habe ich das Gerne gelesen, auch wenn ich es nur in überschaubaren Häppchen verarbeiten konnte. Diese Häppchen hatten es aber in sich und es gab regelmäßig Sätze, die ich gern gelesen und die tief getroffen haben. In jedem Fall kein Fehlgriff, wobei mir ein schnellerer Erzählrhythmus grundsätzlich besser taugt.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Ein notwendiger Schlag in die Magengrube

Da, wo ich dich sehen kann
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Hierauf hatte ich mich sehr gefreut. Worauf? Auf einen neuen Roman von Jasmin Schreiber. Es ist nämlich so, dass ich all ihre vorherigen Romane sehr mochte und ihre Bücher sehr gerne lese. Auf der anderen ...

Hierauf hatte ich mich sehr gefreut. Worauf? Auf einen neuen Roman von Jasmin Schreiber. Es ist nämlich so, dass ich all ihre vorherigen Romane sehr mochte und ihre Bücher sehr gerne lese. Auf der anderen Seite lag das Buch dann länger im Regal als zuerst vermutet. Ich hatte nämlich mitgenommen, dass es in diesem Roman ernster zugehen würde, weil Jasmin Schreibers Geschichte sich um ein zentrales Thema dreht. Und dieses Thema hat es in sich. Jasmin Schreiber nutzt diesen Roman, um deutlich auf die Problematik der hohen Anzahl an Femizide aufmerksam zu machen und die brutalen Morde von Männern an Frauen aufzuzeigen und am Beispiel ihrer Geschichte die möglichen Folgen eines solchen Mordes auch für das gesamte Umfeld der Frauen zu veranschaulichen. Das geht ehrlich an die Substanz und ist unangenehm, aber notwendig.
Ich hätte mich allerdings davon nicht ein paar Wochen von der Lektüre abhalten lassen sollen. Wenn man diesen Aspekt mal wegnimmt, dann ist „Da, wo ich dich sehen kann“ weiterhin ein Schreiber-Roman. Das heißt es ist ein tolles Buch. Jasmin Schreiber vermag es erneut mich sprachlich und im Rahmen ihrer Erzählung mit auf eine Reise zu nehmen. Sie schreibt weiterhin höchst empathisch und mit viel Liebe zu ihren Figuren und nerdigen Themen wie der Astrophysik. Bei Jasmin Schreiber darf auch weiterhin gelacht werden und man lernt viel. Und wird berührt. Mir kamen mehrmals die Tränen bei der Lektüre und mich hat zuletzt kaum ein Buch so berührt. Am Ende ist es wieder mal ganz einfach: Lest das! Auf jetzt.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Highlight zum Abschluss des Jahres

Lass uns noch bleiben
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Lasst uns das vorweg packen: Die Cover-Gestaltung dieses Buchs ist mega gelungen und am liebsten würde ich nur solch schöne Bücher lesen. Ansonsten habe ich mir dieses Buch einfach auf gut Glück geholt. ...

Lasst uns das vorweg packen: Die Cover-Gestaltung dieses Buchs ist mega gelungen und am liebsten würde ich nur solch schöne Bücher lesen. Ansonsten habe ich mir dieses Buch einfach auf gut Glück geholt. Ich hatte vorher noch nicht bewusst etwas von Saskia Lukas gelesen. Und der Kein & Aber Verlag war mir vorher nicht bewusst im Gedächtnis geblieben. Beides hat sich durch dieses Buch geändert.
Dies liegt hauptsächlich daran, dass „Lass uns noch bleiben“ ein warmherziger und vielschichtiger Roman ist. An sich haben wir es mit einem Berliner Kammerspiel zu tun. Die Geschichte dreht sich um vier bis fünf Hauptcharaktere, die durch die Waschmaschine des Lebens geschleudert werden und die an einer gemeinsamen Kreuzung ihres Lebens beobachtet werden. Die Beobachtung erfolgt mit einem warmherzigen, empathischen Blick und Lukas` Sprache färbt die Geschichte in ein warmes Farbenspiel.
Insgesamt gibt es an dieser Geschichte nichts auszusetzen. Die Charaktere sind toll. Ich mag das Berlin dieses Romans und auch die anderen Schauplätze. Und die Waschmaschine des Lebens bringt genügend Schwung in die Handlung ohne es mit dem Schleudern zu übertreiben. Insgesamt ist „Lass uns noch bleiben“ somit eine sehr gelungene Lektüre zum Jahresabschluss, die ich sehr gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Leider mehr vom gleichen und wenig überraschend

Drei Tage im Schnee
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Wenn man das Buch in die Hand nimmt, dann spricht einem das gelungene Cover erstmal Mut zu, sich auf dieses Werk einzulassen. Es ist in jedem Falle ein hübsches Buch.
"Drei Tage im Schnee" muss direkt ...

Wenn man das Buch in die Hand nimmt, dann spricht einem das gelungene Cover erstmal Mut zu, sich auf dieses Werk einzulassen. Es ist in jedem Falle ein hübsches Buch.
"Drei Tage im Schnee" muss direkt neben den Strelecky Büchern "Das Café am Rande der Welt" und "Big 5 for Life" einsortiert werden. Neben diesen sollte man es in der Buchhandlung noch suchen. Es bedient sich recht offensichtlich an oftmals wiederholten Metaphern der Lebensgestaltung, vornehmlich dem Glas & Steine Ansatz. Sollte einem das jetzt alles nichts sagen, und man sich auf recht eingängige Art metaphorisch mit dem eigenen Leben auseinander setzen wollen, dann kann man hier zugreifen. "Drei Tage im Schnee" ist insofern erfrischend, weil die großen Bestseller in diesem Bereich oftmals männliche Perspektiven präsentieren und dies hier nicht der Fall ist. Zudem mag ich den Erzählraum der Hütte im Winter sehr gern. Beides hebt das Buch von "der Konkurrenz" ab.
Ich habe aber nun schon mehrere Bücher aus diesem Segment gelesen, es waren einige sich wiederholende Themen dabei, und entsprechend hat mich das Buch an manchen Stellen gelangweilt. Will heißen: dieses Buch wird nicht jeden überraschen. Augen auf, ob es für einen selbst passt. Kaputt macht man dabei aber auch nicht viel. Ich habe es schon fast wieder vergessen, während ich bei der nächsten Lektüre angelangt bin.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Eine gelungene Warnung

Heimat
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Zufällig ist mir in der Bibliothek Hannah Lühmanns Rman „Heimat“ in die Hände gefallen und ich habe diese ca. 170 Seiten lange Werk als Zwischendurch-Lektüre entliehen. Man muss diesem Roman voranstellen: ...

Zufällig ist mir in der Bibliothek Hannah Lühmanns Rman „Heimat“ in die Hände gefallen und ich habe diese ca. 170 Seiten lange Werk als Zwischendurch-Lektüre entliehen. Man muss diesem Roman voranstellen: er ist politisch. Er ist eine klare Warnung vor der Unterwanderung unserer Gesellschaft durch rechtsradikale Kräfte und die AfD. Diese Warnung ist gelungen.

Der Roman geht extrem sanft vor. Er spielt mit dem Einfluss tradierter Rollenbilder, Wissenschaftsfeindlichkeit, dem Rückzug der Gesellschaft aus Land, Preppertum und vielen anderen. Zudem zeigt er auf, welche Effekte Social Media in diesem Zusammenhang hat und wie die einzelnen Effekte zusammenfließen. Gerade der Einsamkeit und der Suche nach sozialem Anschluss kommt hierbei eine Katalysator-Rolle zu. Ich habe in anderen Rezensionen gelesen, dass das Zusammenspiel der einzelnen Einflussfaktoren zu klischeebehaftet ist. Es kommt meiner Meinung nach nicht darauf an, ob es „Jana“ in der Realität geben könnte. Ich fühle mich in vielen einzelnen Details allerdings überaus ertappt. Dies ist kein Wohlfühlroman. Das mulmige Bauchgefühl hat mich von vorne bis hinten begleitet. Lest das und lasst euch die Lektüre eine Warnung sein.

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