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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2024

Intensiv aber unnahbar

Kleine Monster
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Ehrlich gesagt habe ich basierend auf dem Klappentext etwas anderes erwartet - zumindest einen anderen inhaltlichen Fokus auf das Geschehen. Daher konnte ich mich zwar gut auf das Buch einlassen, habe ...

Ehrlich gesagt habe ich basierend auf dem Klappentext etwas anderes erwartet - zumindest einen anderen inhaltlichen Fokus auf das Geschehen. Daher konnte ich mich zwar gut auf das Buch einlassen, habe aber dennoch die ganze Zeit eine Wendung der Ereignisse erwartet, die nicht kam.

Ausgelöst durch einen Vorfall in der Schule mit ihrem Sohn, werden bei Pia ein Gedankenkarussell und Erinnerungen in Gang gesetzt, die von außen betrachtet schnell außer Kontrolle geraten.

Wenn das Buch anfangs noch dazu anregt, sich mit dem Thema Mutterschaft auseinanderzusetzen, wird schnell klar, dass ein tabuisiertes Kindheitstrauma bei der Protagonistin kein rationales Bewerten der Situation mehr zulässt.

Das Buch ließ sich gut und flüssig lesen, die Charaktere blieben aber unnahbar und die anfängliche Identifikationsfläche ging schnell verloren. Immer mehr rückte die toxische Beziehung zur Mutter und die Auswirkungen auf die eigene Mutter-Sohn-Beziehung in den Mittelpunkt, die teils schwer zu ertragende Auswüchse annahm.

Ein gut geschriebenes Buch, das seinen Schwerpunkt auf die Kindheitserinnerungen der Mutter legt und diese nach und nach enthüllt, einen aber auch etwas erschüttert zurücklässt.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Gelungene Fortsetzung

Winterwölfe
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Mit „Winterwölfe“ setzt Dan Jones seine Erzählung über die Essex Dogs gekonnt fort. Aus meiner Sicht empfiehlt es sich, zunächst den ersten Band „Essex Dogs“ zu lesen, da die Handlung hier fortgesetzt ...

Mit „Winterwölfe“ setzt Dan Jones seine Erzählung über die Essex Dogs gekonnt fort. Aus meiner Sicht empfiehlt es sich, zunächst den ersten Band „Essex Dogs“ zu lesen, da die Handlung hier fortgesetzt wird und die Bücher somit aufeinander aufbauen.

Auf ihrem Feldzug in und gegen Frankreich haben die Essex Dogs Verluste hinnehmen müssen und finden sich nun dezimiert vor den Toren von Calais wieder. Der zweite Band thematisiert schwerpunktmäßig die Belagerung der französischen Stadt durch die englische Armee 1346/1347.

Wie auch schon im ersten Band merkt man sehr deutlich, dass der Autor ein Historiker ist. Es gelingt ihm sehr eindrucksvoll, historische Fakten in eine durchweg spannende Handlung einfließen zu lassen: Die ersten Schießversuche mit Kanonen, Schmuggel, Gewalt, Drogen, der Aufbau der Belagerungsstadt Villeneuve etc.

Dabei geht es ihm auch hierbei darum, ein authentisches Bild zu zeichnen, extrem derbe Sprache und starke Gewalt inklusive. Eine Romanze im historischen Setting oder eine Verklärung des Krieges sucht man hier vergebens. Dieses Buch ist ganz eindeutig nichts für zart besaitete.

Die Charaktere sind vom Krieg stark gezeichnet, charakterlich sehr unterschiedlich aber allesamt äußerst spannend.

Mir hat der zweite Band sogar noch etwas besser gefallen als der erste - vielleicht auch, weil ich sehr schnell wieder im Geschehen war, mir die Charaktere bereits vertraut waren und mich der heftige Sprachstil nicht mehr überrascht hat.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Solider Krimi mit Schwächen

Todeskalt
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Ich habe mich sehr auf „Todeskalt“ gefreut, da der Krimi im Taunus angesiedelt ist und damit in einer Region, die ich gut kenne.

In diesem Fall begleiten wir die Ermittler auf der Jagd nach der von einer ...

Ich habe mich sehr auf „Todeskalt“ gefreut, da der Krimi im Taunus angesiedelt ist und damit in einer Region, die ich gut kenne.

In diesem Fall begleiten wir die Ermittler auf der Jagd nach der von einer Sagengestalt inspirierten „Erlöserin“. Zunächst einmal lässt sich sagen, dass die Idee hinter dem Fall wirklich sehr gut und spannend ist. Das ganze Setting ist sehr atmosphärisch und etwas bedrohlich - von der Winterlandschaft und der Kälte über die störrischen Dorfbewohner, die selbsternannte Wache bis zur etwas geheimnisvollen Tochter des Dorfwirts. Auch die Verbindung mit einer Sage, die Auseinandersetzung mit dem Thema Depressionen und der Spannungsbogen sind gut gelungen.

Was mich allerdings anfangs leicht, zum Schluss hin massiv gestört hat, ist das Verhalten der Ermittler, das mehr und mehr an Authentizität verloren hat. Immer öfter musste ich mich fragen, was das jetzt wieder sollte und welcher Ermittler so verantwortungslos handeln würde. Natürlich gibt es die schriftstellerische Freiheit, aber wenn man sich für einen Krimi als Sujet entscheidet, in dem klassische Ermittlungsarbeit aufgegriffen wird, erwarte ich auch eine möglichst realistische Umsetzung.

Insgesamt ein unterhaltsamer und solider Krimi, bei dem man bei den Entscheidungen der Ermittler doch mal beide Augen zudrücken oder wahlweise verständnislos den Kopf schütteln muss.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Ein großer, sprachgewaltiger Roman

In den Farben des Dunkels
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„In den Farben des Dunkels“ hat mich wirklich begeistert. Es ist ein Buch das Zeit braucht, denn die Themen sind nicht locker-fröhlich, der Autor lässt sich viel Zeit, seine Handlung und die Charaktere ...

„In den Farben des Dunkels“ hat mich wirklich begeistert. Es ist ein Buch das Zeit braucht, denn die Themen sind nicht locker-fröhlich, der Autor lässt sich viel Zeit, seine Handlung und die Charaktere zu entwickeln und es wirkt definitiv auch noch nach.

Patch und Saint sind beste Freunde als Patch entführt wird und das Leben der beiden dadurch auf absolut prägende und tragische Weise nachhaltig verändert wird. Für Saint bleibt das Leben still stehen und ihr einziges Ziel ist es, ihn wieder zu finden. Tatsächlich gelingt es ihr, doch weiterhin überschattet das Ereignis ihr Leben.

Das Buch ist von vorne bis hinten stimmig und folgt erzählerisch gekonnt seinem roten Faden. Motive wie das Piratentum oder auch die Kunst sind komplett durchdacht in die Handlung eingebettet.

Dabei entwickelt der Autor unheimlich starke Charaktere. Vom Leben nicht gerade mit Blumen überschüttet, gehen sie ihren Weg ohne die Menschen, denen ihr Herz gehört jemals aus den Augen zu verlieren. Zeitweise dachte ich, einige Passagen hätten etwas schneller sein können, aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr war ich der Überzeugung, dass es so genau richtig ist. Geschildert wird eine Suche, ein ganzes Leben und ein Schicksalsschlag, der so viele Menschen nachhaltig erschüttert hat - dies wird somit sehr deutlich aufgezeigt und für den Leser greifbar gemacht ohne langweilig zu werden.

Dieser Roman ist wirklich ein sehr intensives Hörerlebnis über so viele starke Themen - insbesondere über bedingungslose Liebe, aber auch über Schicksal, Verlust und die Wirren des Lebens. Der Sprecher setzt die Stimmung sehr gut um und verleiht den Personen ihren einzigartigen Charakter. Auch über die etwas längeren Passagen im Mittelteil hat er mich gut mitgenommen und meine Aufmerksamkeit zu keinem Zeitpunkt verloren.

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch und diesen Autor für mich entdeckt habe - das wird für mich nicht das letzte Buch aus seiner Feder bleiben.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Düster und absolut fesselnd

Starling House
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„Starling House“ ist eines meiner diesjährigen Highlights. Alleine dieses wunderschöne Buch in den Händen zu halten - das edle Cover ist insbesondere in Kombination mit dem passenden Farbschnitt ein absoluter ...

„Starling House“ ist eines meiner diesjährigen Highlights. Alleine dieses wunderschöne Buch in den Händen zu halten - das edle Cover ist insbesondere in Kombination mit dem passenden Farbschnitt ein absoluter Hingucker.

Und auch der Inhalt konnte mich voll überzeugen. Das Buch spielt mit Horrorelementen und schafft es sehr überzeugend, eine düster-bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Dabei spielt die Autorin auch mit Elementen wie Fußnoten und diversen Theorien rund um das geheimnisvolle Starling House, die den Eindruck einer realen Begebenheit erwecken.

Besonders beeindruckt haben mich die beiden Protagonisten Opal und Arthur. Ihre Lebensgeschichten sind fesselnd und wir lernen die beiden nach und nach besser kennen. Dabei hat mich insbesondere begeistert, dass die Autorin komplett auf übliche Klischees verzichtet hat. Ich bin ein Fan von Opal, ihren schiefen Zähnen, ihrem bissigen Mundwerk, ihren Lügen, ihrer Feigheit, ihrer Unangepasstheit - hinter der letzten Endes dramatische Erlebnisse, Selbstlosigkeit und ein riesiges Herz stecken. Und von Arthur, seiner Hakennase, seiner Wut und Verzweiflung, seiner Unnahbarkeit und am Ende auch der Stärke und Zugewandtheit, die er besitzt.

Mich hat das Buch von Anfang bis Ende in seinen Bann gezogen. Die Story ist stimmig und birgt auch die ein oder andere Überraschung.

Absolute Leseempfehlung für Leser, die es auch gerne mal etwas düster und mysteriös mögen.

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