Platzhalter für Profilbild

Annafrieda

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Annafrieda ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Annafrieda über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2026

Das Ende der Welt wie wir sie kennen?

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
0

Das Gleichgewicht der Natur ist in Schieflage geraten. An vielen Ecken der Erde droht sie umzukippen. Da alles miteinander verbunden ist, löst das eine Kettenreaktion aus. Von vielen Menschen verharmlost, ...

Das Gleichgewicht der Natur ist in Schieflage geraten. An vielen Ecken der Erde droht sie umzukippen. Da alles miteinander verbunden ist, löst das eine Kettenreaktion aus. Von vielen Menschen verharmlost, nimmt das Unheil seinen Lauf. Manche sehen nur ihren Profit, andere haben Angst um ihre Position. Doch es gibt auch die, die kämpfen. Marc Elsberg ist bekannt als Autor solcher Szenarien und hier schöpft er aus dem Vollen.

Das Buch macht es uns am Ende nicht leicht. Wenn man auf eine Lösung dieser globalen Probleme gehofft hatte, wird man enttäuscht. Aber ich denke so ist nicht gewollt und wäre an den Haaren herbeigezogen gewesen. Somit ist der kleine Lichtblick am Ende hier schon ein Hoffnungsschimmer. Dafür wären Politiker mit Rückgrat notwendig. Doch wie wir hier gesehen haben, nützt Goodwill auch nichts, wenn alle anderen in eine andere Richtung schauen. Der Appell des Autoren könnte lauten: Alles ist Fiktion und doch so nah an der Realität. Jetzt ist der Zeitpunkt, um noch was abzuwenden, lasst uns den nicht verpassen.

Fazit: Die Story macht betroffen, da so nah an der Realität, an dem, was werden kann. Sie macht aufmerksam und wir tun gut daran, die Welt als Ganzes zu sehen und dementsprechend zu handeln.

Dennoch ist die Story für mich nicht ganz rund, es waren mir zu viele aneinandergereihte Katastrophen, viele Infos, die für mich zum Teil schwer verständlich waren. Ein bisschen weniger davon und mehr Auseinandersetzung mit der jeweiligen Sache hätte dem Ganzen gut getan. Die ziemlich kurzen Kapitel standen jedes für sich und mir fehlte der Zusammenhang. Auch war die Entwicklung der Protagonisten sehr voraussehbar und der fehlende Gefühlsanteil machte diese eindimensional. Somit bin ich etwas zwiegespalten, der Plot ist toll, die Umsetzung in meinen Augen over the top.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Wenn Rache tötet

Warum sie sterben musste
0

Bei einer Sturmflut stirbt auf bestialische Art ein junges Mädchen in der Ostsee. Der Verdächtige flüchtet und wird nach vielen Jahren auf derselben Weise am selben Ort getötet. Die Ermittlungen decken ...

Bei einer Sturmflut stirbt auf bestialische Art ein junges Mädchen in der Ostsee. Der Verdächtige flüchtet und wird nach vielen Jahren auf derselben Weise am selben Ort getötet. Die Ermittlungen decken hinter gutbürgerlicher Fassade ein Geflecht aus Lügen, Korruption und Machenschaften auf. Das Ermittlerteam wird mit jahrelanem systematischen Missbrauch junger Mädchen konfrontiert, der bis in höchste Kreise reicht.
Am Ende wartet eine tolle Auflösung mit unerwarteten Wendungen und Überraschungen. Es ist wirklich eine komplexe Story mit frischen Ideen und einem straff gezogenen Spannungsbogen, das hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und mir gefielen besonders die sehr gegensätzlichen Figuren von den Ermittlern Beddenbrooks und Cinzia, sie machen Lust auf Mehr. Der Schreibstil ist toll, er hat mich fesselnd durch das Buch geführt.
Am Ende gab es mir zugegebenermaßen zu viel Infodump, es forderte viel Aufmerksamkeit, den ganzen unterschiedlichen Namen, Handlungen und Verflechtungen zu folgen. Das mag der sehr breit gefächerten Story geschuldet sein, für mich stoppte es zum Schluss hin ein bisschen den Lesefluss.
Das Buch hat mir aber im ganzen sehr gut gefallen, der Plot hebt sich angenehm ab. Die Autorin hat ein komplexes, düsteres Thema beleuchtet, das betroffen macht.

Unter anderem haben mich die Orte des Geschehens auf eine Reise an Orte mitgenommen, die ich kenne. Ich bin neugierig auf Beddenbrooks und Cinzias neuen Fall an der Nordsee.
Fazit: Ich kann das Buch jedem wärmstens empfehlen, der einen ungewöhnlichen Plot zu schätzen weiß.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2026

Suizid in der Kanzlei

Der unsichtbare Elefant
0

Thomas Siebenmorgen, ein aufstrebender Anwalt einer großen Kanzlei, begeht auf seiner Arbeitsstelle Selbstmord. Man beauftragt Simon, einen internen Anwalt, und Viktor vom Kriseninterventionsstab mit der ...

Thomas Siebenmorgen, ein aufstrebender Anwalt einer großen Kanzlei, begeht auf seiner Arbeitsstelle Selbstmord. Man beauftragt Simon, einen internen Anwalt, und Viktor vom Kriseninterventionsstab mit der Untersuchung des Falls. Vorrangig, um die Kanzlei reinzuwaschen.

Es ist berührend, wie das Leben des Thomas Siebenmorgen, und damit sein Weg in die Depression, langsam aufgeschlüsselt wird. Auch die Beleuchtung des Falls durch verschiedene Augen ist sehr interessant, es wird deutlich, dass so manch einer mit unterschiedlichen familiären Traumata zu kämpfen hat. Das Klassentreffen war mir dann ein bisschen zu viel des Guten. Zu viele Geschichten, die von dem Hauptstrang abgelenkt haben und eher verwirrten. M. E. hätte es gereicht zu zeigen, welche Auswirkungen Siebenmorgens Suizid auch auf die Menschen hatte, die mit diesem Fall betraut worden waren.

Das Augenmerk in diesem Buch lag auf der Suche nach Gründen für Thomas Siebenmorgens Suizid und macht am Ende deutlich, daß wir alle ein Produkt unserer Vergangenheit sind und wie wichtig es ist, dieses zu erkennen. Denn nur dann haben wir die Chance, uns damit auseinander zu setzen und vielleicht sogar zu heilen. Und wenn nötig, Hilfe anzunehmen. Das ist etwas, was mir hier gefehlt hat. Die Auseinandersetzung der Personen in diesem Buch mit ihren eigenen Schatten, die nun im Raum stehen.

Die Bezüge zu Kunst (besonderes zu Joseph Beuys), Literatur und Musik sind passend, auch wenn ich einige nicht zuordnen kann.

Der Schluss war für mich nicht ganz vollendet und abrupt. Mir fehlt hier der Lösungsansatz. Daher würde ich mir eine Fortsetzung in diese Richtung sehr wünschen.
"Der unsichtbare Elefant" liefert uns am Ende keine endgültige Lösung, doch er macht eindrucksvoll deutlich, wie vielfältig das Thema der transgenerationalen Traumata sein kann.
Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen, eine tolle Erzählsprache.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2026

Das Gemälde aus der Vergangenheit

Sophie L.
0

Die Gedächtnisexpertin Olivia wird zu ihrer Oma nach Paris gerufen, da diese im hohen Alter plötzlich einen vor 80 Jahren begangenen Mord gestanden hat. In zwei Zeitebenen nimmt uns der Autor mit auf die ...

Die Gedächtnisexpertin Olivia wird zu ihrer Oma nach Paris gerufen, da diese im hohen Alter plötzlich einen vor 80 Jahren begangenen Mord gestanden hat. In zwei Zeitebenen nimmt uns der Autor mit auf die Reise in die Vergangenheit und in die Auflösung des Falls.
Keiner der Protagonisten kam mir richtig nah, mir fehlte die Tiefe der Personen. Zu Olivia fand ich keinen richtigen Zugang, trotz ihrer Trauer erschien sie mir oberflächlich. Ihre Gedanken schweiften zu allem möglichen ab, nichts wurde richtig vertieft. Ihr Sohn war eine Randfigur und bekam auch durch Olivia keine Tiefe. Ich nehme ihr die innere Betroffenheit über die schlimmen Ereignisse nicht ab. Auch hatte ich erwartet, daß ihre Expertise als Gefächtnisexpertin mehr zum Thema gemacht werden würde, das hätte sich unbedingt angeboten, da es auch so im Vorfeld angekündigt wurde. Doch dem war nicht so, auch das blieb blass im Hintergrund. So blieb mein Mitfiebern bei Fortschreiten der Ermittlungen allmählich auf der Strecke. Dabei hätte diese tolle Grundidee viel mehr Potential gehabt.
Die Geschichte von Sophie und Josephine nach Kriegsende im Lutetia fand ich berührend und gut gelungen. Leider war der Täter für mich schon recht früh zu erkennen.
Allgemein finde ich, dass hier viele überflüssigen Informationen eingestreut sind, die den Spannungsbogen immer wieder unterbrechen. Für mich war es kein Thriller, eher ein Spannungskrimi. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, passte mit den vielen unnötigen Informationen aber nicht zu einem Thriller.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2025

In den Falten der Zeit

Das Buch der verlorenen Stunden
0

Die 11jährige Jüdin Lizavet wird 1938 während der Reichskristallnacht von ihrem Vater, einem Uhrmacher, vor der Verfolgung der Nazis gerettet, indem er sie in einen Raum schubst, in dem Zeit eine andere ...

Die 11jährige Jüdin Lizavet wird 1938 während der Reichskristallnacht von ihrem Vater, einem Uhrmacher, vor der Verfolgung der Nazis gerettet, indem er sie in einen Raum schubst, in dem Zeit eine andere Dimension hat. Er ist gefüllt mit den Erinnerungen der Menschen, die hier in Büchern aufbewahrt werden. Die Zeithüter entscheiden, welche Erinnerungen bleiben, welche nicht. Lizavet lernt, in die verschiedenen Zeiten zu gelangen.
Am Anfang war es etwas verwirrend mit den Zeiten klarzukommen. Das hat sich aber schnell gegeben, da es der Autorin sehr gut gelungen ist, die verschiedenen Stränge miteinander zu verknüpfen. Es wurde sehr schnell klar, in welche Richtung es geht. Dass die Zeit von Agenten verschiedener Staaten genutzt wird.
Der Schreibstil ist sehr angenehm, die Autorin hat wunderbare Beschreibungen gefunden, um die Welt zwischen den Zeiten auferstehen zu lassen. Doch zum Ende des Buches hin gelingt es ihr nicht mehr ganz die Faszination des ersten, doch eher fantastischen Teils, aufrecht zu halten. Von der Entwicklung der Protagonistin bin ich etwas enttäuscht. Natürlich möchte sie ihre Tochter retten, doch warum ist sie mit ihrer Begabung so hilflos? Ihre Handlungen und Entscheidungen entwickelten sich in eine Richtung die ich ihr nicht zugetraut hätte. Sie scheint auf der einen Seite so taff und bestimmt und auf der anderen hart und skrupellos zu sein. Das passte nicht zueinander. Und auch das Ende kam für mich zu schnell daher, ich hätte eine schlüssigere Auflösung bevorzugt.
Dennoch war der Spannungsbogen bis zum letzten Viertel gut gespannt, die oft poetischen Aussagen haben mir äußerst gut gefallen, ebenso wie der Schreibstil. Daher bin ich doch eher bei vier als bei drei Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere