Profilbild von Arbade

Arbade

Lesejury Star
offline

Arbade ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arbade über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.11.2025

Stimmungsvoller Roman

Flusslinien
0

In dem Roman „Flusslinien“ spielen drei Personen gleichzeitig eine wichtige Rolle.
Die wichtigste Hauptperson ist wohl die heutzutage hundertzweijährige Margit Raven, die ihren Lebensabend in einer Seniorenresidenz ...

In dem Roman „Flusslinien“ spielen drei Personen gleichzeitig eine wichtige Rolle.
Die wichtigste Hauptperson ist wohl die heutzutage hundertzweijährige Margit Raven, die ihren Lebensabend in einer Seniorenresidenz an der Elbe verbringt. Margrit schwelgt in Erinnerungen an die vielen Jahre ihres erfüllten Lebens, an ihre Kindheit und an ihre Liebhaber. Ihre Gedanken an die vergangene Zeit wurden von den täglichen Fahrten in den Römischen Garten beflügelt. Margrit kann sich gut an die Gärtnerin Else, die intime Freundin ihrer Mutter, erinnern, die damals den Garten neugestaltet hat.

Margrit sorgt sich auch um ihre achtzehnjährige Enkelin Luzie, die kurz vor dem Abitur ihre Schule abgebrochen und das Zuhause verlassen hat. Jetzt will das Mädchen als Tätowiererin ihren Lebensunterhalt verdienen. Ihre erste Praxis richtet sie in der Seniorenresidenz ein.

Die dritte Hauptperson des Romans ist Arthur, der früher als Taucher in der Schweiz jobbte. In Hamburg fährt er die Senioren zu ihren Terminen, er fährt auch Margrit jeden Tag in den Römischen Garten.

Während ich als Leserin Margrits Gedanken von Anfang an folgen und die Geschichte ihres Lebens erfahren kann, bleiben Luzie und Arthur mit ihren bisherigen Lebenserfahrungen für mich zuerst ein Rätsel.

Langsam plätschert die ganze Geschichte wie ein Fluss vor sich hin, hier und da von einer kurzen, unerwarteten Episode unterbrochen. Erst fast zum Schluss verrät die Autorin die Geheimnisse von Luzie und Arthur, erzählt über die dramatischen Ereignisse, welche das Handeln von Luzie und das Leben von Arthur geprägt haben.

Viele wichtige, brisante Themen wurden in dem Roman zwischendurch erwähnt. Dazu gehören u.a. das fortgeschrittene Alter, Demenz, Traumata, Gewalt, Klimakrise, Nazizeit, Krieg in der Ukraine, künstliche Sprachen, Freundschaften und vieles mehr, die leider nur angesprochen und nicht weiter ausgeführt wurden. Der Roman wirkt dadurch etwas überladen, die übrigen Figuren bleiben blass.

Der Roman punktet dagegen mit seiner feinfühligen Sprache. Bildhafte Beschreibungen der Natur, flüssiger Erzählstil mit etwas Humor und Witz, lassen diesen stimmungsvollen Roman auf eine ruhige Art und Weise genießen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2025

Spannender zweiter Teil der Krimireihe mit Lanza und Zeitler

Salute - Die letzte Fahrt
0

Der zweite Band der Salute-Krimireihe lädt uns erneut nach Bardolino am Gardasee ein, wo Paul Zeitler sich inzwischen als Barista in seinem Café sehr wohl fühlt. Doch als Ex-Kommissar kann er nicht aus ...

Der zweite Band der Salute-Krimireihe lädt uns erneut nach Bardolino am Gardasee ein, wo Paul Zeitler sich inzwischen als Barista in seinem Café sehr wohl fühlt. Doch als Ex-Kommissar kann er nicht aus seiner Haut und mischt sich gerne in die laufenden Ermittlungen der hiesigen Polizei ein.
Bei einem Spaziergang am See wurde er zum Zeuge eines vermeintlichen Schwimmunfalls. Für den im Seewasser treibenden Körper kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Noch bevor die Polizei eintrifft, entdeckt Zeitler einige Hinweise dafür, dass es sich hier nicht um einen Unfall handelt. Auch Commissario Lanza vermutet, dass der Ertrunkene das Opfer eines Verbrechens geworden ist.

Die Ermittlungen verlaufen äußerst spannend.
Commissario Lanza entdeckt einige drastischen Ereignisse aus dem Leben des Opfers. Sowohl sein Privatleben, wie auch sein Bootsbauerunternehmen stecken in Schwierigkeiten.

Auch Paul Zeitler stellt Nachforschungen, welche die Auflösung des Falles wirksam beschleunigen. Der unerschrockene Ex-Kommissar scheut keine Mittel und Wege, um der Wahrheit näherzukommen. Und riskiert dabei sehr viel.
Beide Ermittler kommen verborgenen Machenschaften auf die Spur, entdecken Wahrheiten, die bis in die Vergangenheit reichen. Hochspannend ist das dramatische Finale.

Für den gemütlichen Teil des Romans sorgen die unterhaltsamen Szenen im Café Monaco.

Der spannende Krimi überzeugt mit seiner temporeichen Handlung und dem hochspannenden Finale. Authentisch wirkende Charaktere und die gekonnt dargestellten Schauplätze sorgen für gute Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein besonderes Leseerlebnis

Rom sehen und nicht sterben
0

„Rom sehen und nicht sterben“: bewusst wählt Peter Wawerzinek diesen Titel für seinen neuesten Roman, in dem er über den bewegenden Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Die Geschichte fängt in Rom an, ...

„Rom sehen und nicht sterben“: bewusst wählt Peter Wawerzinek diesen Titel für seinen neuesten Roman, in dem er über den bewegenden Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Die Geschichte fängt in Rom an, wo der Autor als Stipendiat in der berühmten Villa Massimo zehn Monate verbringen darf. Er will dort einen neuen Roman schreiben; die Eindrücke dafür sammelt er während der langen Spaziergänge durch die Ewige Stadt.

Doch die Corona-Pandemie durchkreuzt diese Pläne; ab sofort herrscht die Ausgangssperre und durch eine technische Panne geht seine bisherige Arbeit an dem neuen Roman verloren. Doch der Autor gibt nicht auf, nach dem Aufenthalt in der Villa zieht er nach Trastevere um, und beginnt von neuem zu schreiben.

Bereits bei der Ankunft in Rom gab es die ersten Anzeichen des drohenden Unheils. Roms Stadtteil Trastevere, wo die Krankheit endgültig ausbricht, bekommt vom Autor den Namen „Trostwerdemir“. Sein guter Arzt in Berlin stellt die verheerende Diagnose fest: Es ist Krebs.

Für Peter Wawerzinek beginnt ein langer Leidensweg: unzählige Untersuchungen, Chemotherapie und eine riskante OP. Er berichtet darüber ausführlich, detailreich. Spricht offen über seine Gefühle und Ängste, verrät seine „einfache“ Methode mit der Krankheit umzugehen:
„Es ist Krebs und nichts weiter als ein Wort. Du musst dem Schlimmen nur einen neuen Namen verpassen, schon nimmst du ihm den Schrecken.“ (58)

Und er ist entschlossen gegen den Feind in seinem Körper zu kämpfen:
„Verbanne das Wort aus meinem Leben. Tilge es aus meinem Sprachgebrauch. Setze den unerwünschten Begriff vor die Tür. Spreche ihm seine Allmacht ab.“ (59)

Die Geschichte definiert er als einen Brief an eine ihm nahestehende Person, deren Identität er nicht preisgibt. Dafür erwähnt er liebevoll seine Großmutter, deren kluge Sprüche und einfache Weisheiten er oft zitiert.

Der Roman ist in einer eigenständigen, ungewöhnlichen Sprache gehalten: Kurze temporeiche Sätze, in denen oft Personalpronomen fehlen, Wortwitze und Wortspielereien, emotionale Gedanken und anschauliche Beschreibungen verleihen seiner Erzählung eine sehr persönliche Note. Er schreibt mit viel Optimismus und voller Hoffnung, er will nicht sterben, er will die Ewige Stadt nochmal sehen. Er kämpft gegen den Krebs und schreibt darüber. Das Schreiben gibt ihm die Kraft um zu kämpfen und überleben. Genauso wie die neue Liebe, der er zufällig begegnet.

Peter Wawerzinek hat den Kampf gegen den Krebs gewonnen. Und ein Buch geschrieben, das Mut und Trost spenden kann. Er hat uns eine Geschichte erzählt, die bewegt und nachdenklich stimmt.
Für mich war der Roman ein besonderes Leseerlebnis.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.10.2025

Verstörende Nachrichten von den spurlos verschwundenen Frauen

The Business Trip
0

Stephanie und Jasmine, die einander fremd sind, fliegen mit demselben Flugzeug nach Denver. Beide Frauen würden mit dem bisherigen Leben gerne abschließen, beide träumen von einer besseren Zukunft.
Die ...

Stephanie und Jasmine, die einander fremd sind, fliegen mit demselben Flugzeug nach Denver. Beide Frauen würden mit dem bisherigen Leben gerne abschließen, beide träumen von einer besseren Zukunft.
Die 44-jährige Jasmine, die bisher als Servicekraft in einer Kneipe jobbte, will vor ihrem gewalttätigen Freund fliehen und ein besseres, sicheres Leben anfangen. Die 45-jährige Stephanie, Nachrichtenchefin des lokalen Fernsehsenders, ist geschieden und lebt allein. Sie will ihrem stressigen Alltag und ihrer Einsamkeit entfliehen.
Der Flug ist für Stephanie eine Dienstreise, für Jasmine: ein gefährliches Abenteuer. Noch ahnt Stephanie nicht in welche Gefahr auch sie sich begibt.

So beginnt der spannende Thriller, deren kurze Leseprobe mich sofort in den Bann gezogen hat. Fesselnd erzählt die Autorin über den Flug nach Denver, nach und nach verrät sie Details aus dem Leben der beiden Frauen. Die Sprache ist flüssig, die Handlung fesselnd.

Die Spannungskurve steigt rapide nach oben, als beide Frauen plötzlich spurlos verschwinden und ihre Freunde und Bekannte seltsame Nachrichten von ihnen bekommen. Eine direkte Kontaktaufnahme scheint unmöglich zu sein.
Ab dem Moment konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Denn die folgenden Ereignisse sind so frappierend, dass es mir schwerfiel, sie für möglich zu halten. Die Spannung hält kontinuierlich an, viele falsche Fährten und überraschende Wendungen sorgen für den ständigen Nervenkitzel. Zum Schluss wurde die ganze Geschichte plausibel aufgeklärt.

Mich hat der spannende Thriller bis zum Schluss in Atem gehalten. Eine klare Leseempfehlung!
Der Thriller ist im Oktober 2025 im dtv Verlag erschienen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2025

Ein eigener Garten Eden

Wilder Honig
0

In ihrem neuesten Roman „Wilder Honig“ erzählt Caryl Lewis über drei Frauen, die nach schicksalhaften Lebensereignissen einen Neuanfang wagen.

Eine davon ist Hannah, die gerade um ihren verstorbenen ...

In ihrem neuesten Roman „Wilder Honig“ erzählt Caryl Lewis über drei Frauen, die nach schicksalhaften Lebensereignissen einen Neuanfang wagen.

Eine davon ist Hannah, die gerade um ihren verstorbenen Mann trauert. John war ihre große Liebe, mit ihm hat sie viele Jahre in einer glücklichen Ehe verbracht - dachte sie. Aber dann erfährt sie aus den Briefen, die John ihr hinterlassen hat, sein großes Geheimnis. Und ihre Welt gerät ins Wanken.

Sadie, Hannahs Schwester, unterstützt sie in der schweren Zeit. Sie selbst ist vor langer Zeit aus dem Elternhaus ausgezogen und hatte den Kontakt mit der Familie abgebrochen. Auch sie hütet ein Geheimnis, auch sie ist vom ihren bisherigen Leben enttäuscht.

Und dann ist noch Megan, eine junge Frau, die von den Schwestern auf den Hof in Berllan Deg eingeladen wurde. Ihr eigenes Geheimnis verrät Megan erst zum Schluss.

In seinen Briefen an Hannah erzählt John, der Schriftsteller und Imker war, viel über Bienen und ihr Leben, zieht in diesen Erzählungen Parallelen zur Ehe mit Hannah. Mit diesen Metaphern versucht John sein Handeln und seine Gefühle zu erklären.
Dieses Buch hat mich vor allem mit seiner Sprache überzeugt. Die bildhaften Beschreibungen der Natur, des Bienenlebens und des lebenden Gartens haben mir sehr gefallen. Anstrengend jedoch fand ich die detaillierten Schilderungen der einzelnen Arbeitsschritte bei der Gartenpflege oder in der Imkerei. Viel lieber hätte ich mehr über die Vergangenheit von Megan oder Sadie erfahren; darüber fallen nur gelegentlich am Rande kurze Bemerkungen.

„Wilder Honig“ ist eine ruhige Geschichte, die vielen Emotionen weckt und zum Nachdenken anregt. Manches in dem Roman bleibt – genauso wie im wahren Leben - bis zum Schluss unerklärt, offengelassen.

Und manche weisen Botschaften -wie diese von Hannah - sollte man sich merken, und am besten befolgen:
…in letzter Zeit denke ich immer wieder darüber nach, wie es wäre, wenn man seinen eigenen Garten Eden, nach seinen Vorstellungen, erschaffen würde…und all das, was man ererbt hat, vergessen würde.“ (179)

Ein schöner Satz, ein schöner Traum! Eine schöne Lebensaufgabe!
Der Roman „Wilder Honig“ – lehrreich, lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere