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Veröffentlicht am 28.08.2025

Unfassbares Leseerlebnis, meisterhaft geschrieben

Asa
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Thula – ein kleines Ort von Wäldern umgeben, in der Nähe ein malerischer See. Eine verschworene Dorfgemeinschaft und eine herrschende Familie – alle seit hundert Jahren einer Tradition folgend. Jungen ...

Thula – ein kleines Ort von Wäldern umgeben, in der Nähe ein malerischer See. Eine verschworene Dorfgemeinschaft und eine herrschende Familie – alle seit hundert Jahren einer Tradition folgend. Jungen und Mädchen, die von klein auf ausgebildet wurden, damit sie später die harte Prüfung überstehen können. Doch viele sterben dabei.
Asa, von ihrem Vater ausgebildet, hat ihre Prüfung mit 14 bestanden.
Nachdem Asa in ihrem jungen Leben viele ihrer Liebsten verloren hatte, will sie Rache nehmen. Während sie sechs Jahre im Gefängnis saß, konnte sie ihre weiteren Schritte genau planen. Und dann steht sie ihrem wahren Feind gegenüber: ihrer eigenen Familie.

Eine außergewöhnliche Geschichte erzählt Zoran Drvenkar in seinem neuesten Thriller „Asa“.
Das 700-seitige Buch fesselt von der ersten Seite an. Es erzählt die Geschichte einer Familie, die mit vielen tragischen Schicksalsschlägen fertig werden musste; viele Verluste verkraften und immer wieder den Neuanfang meistern. Diese bewegende Geschichte umfasst einen Zeitraum von mehr als hundert Jahre und wurde abwechselnd aus Sicht der verschiedenen Personen erzählt. Asas persönliche Geschichte erzählt der Autor in der „Du“ Perspektive. Dadurch hatte ich das Gefühl alles hautnah zu erleben, mit der Protagonistin mitdenken und mitfühlen zu können. Diese Kapitel des Romans empfand ich als sehr emotional und besonders interessant.

Für die Familie und für die Dorfgemeinschaft sind Kinder das Wichtigste: „Sie sind unser Erbe, sie tragen die Wurzeln weiter.“ (234) Im Sinne der Tradition bilden sie ihre Kinder aus: „…wir existieren, um zu siegen, denn wenn wir nicht siegen, dann unterliegen wir, und wenn wir unterliegen, dann sind wir bald nicht mehr.“ (208)
Die Szenen der Ausbildung der Kinder, von denen möglichst viele zum Jäger werden sollten, und der darauffolgenden Prüfung wühlen auf. Es ist unvorstellbar, was die Kinder leisten, was sie ertragen mussten.
Die Tradition hat das Leben von Asa stark geprägt, ihr Denken und Handeln beeinflusst, Asa selbst geformt. Und letztendlich ihr Rachefeldzug besiegt.

Da die Geschichte nicht zeitlich geordnet und aus Sicht von verschiedenen Personen erzählt wurde, wäre ein Personenverzeichnis sehr hilfreich. Ansonsten sind die sieben hundert Seiten des super spannenden Romans im Nu ausgelesen.

„Asa“, der außergewöhnliche Thriller hat mir ein unfassbares Leseerlebnis beschert. Meisterhaft erzählt, bewegend, hat mich die Geschichte total in ihren Bann gezogen. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Zwei unterschiedliche Sommergeschichten

Der Sommer am Ende der Welt
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Zwei Sommergeschichten erzählt Eva Völler in ihrem Roman „Der Sommer am Ende der Welt“. Beide spielen auf der Insel Borkum.

Die erste Geschichte, die zwar fiktiv ist, aber auf realen Vorfällen und Zuständen ...

Zwei Sommergeschichten erzählt Eva Völler in ihrem Roman „Der Sommer am Ende der Welt“. Beide spielen auf der Insel Borkum.

Die erste Geschichte, die zwar fiktiv ist, aber auf realen Vorfällen und Zuständen basiert, erzählt über die Ereignisse im Jahr 1963. In dem Jahr machten viele Kinder aus ganz Deutschland ihre Kur auf der Insel. Sechs lange Sommerwochen verbringen die Verschickungskinder dort; für die meisten von ihnen ist es der schlimmste Sommer ihres Lebens, ein Kuraufenthalt, über den sie später nie sprechen wollen.

Die zweite fiktive Geschichte erzählt über die Journalistin Hanna, die ihren Urlaub an dem Ort verbringt, wo früher alles geschah. Denn Hanna versucht die Kurerlebnisse der damaligen Verschickungskinder zu erforschen und will darüber einen Artikel schreiben.
Hannas Urlaub auf Borkum verläuft recht abenteuerlich. Zusammen mit ihrer 16-jährigen Tochter Katie checkt sie in dem Hotel ein, wo sich früher das Kinderkurheim befand. Ihr Erscheinen dort sorgt für viel Wirbel im Ort; besonders kritisch wird ihr Flirt mit dem Inselarzt Ole beäugt. Ole unterstützt Hanne bei ihrer Recherche, die viele vertuschte, tragische Ereignisse von Damals ans Tageslicht brachte.

Beide Geschichten sind sehr spannend. Besonders die Ereignisse im Sommer 1963 wecken viele Emotionen beim Lesen. Das Tagebuch einer ehemaligen Betreuerin, das Hanna von einer unbekannten Person bekommt, beschreibt den grausamen Alltag im besagten Kinderkurheim. Diese Tagebucheintragungen gehen tief unter die Haut, es ist schwer vorstellbar, was die Verschickungskinder während der Kur miterleben mussten.

Doch diese erschütternde Geschichte wurde durch Hannas Urlaubserlebnisse etwas überdeckt. Die Leichtigkeit der Urlaubsromanze – nicht nur Hanna verliebt sich in Ole, auch Katie macht ihre ersten Erfahrungen in Sachen Liebe – nimmt dem Hauptthema des Buches die Schwere. Aber auch viele anderen Nebenhandlungen, wie die Enthüllung der Nazi-Vergangenheit der zwei Protagonisten, verworrene Familiengeschichten und sogar ein Krimifall zum Schluss, lenken stark von der tragischen Sommergeschichte der Verschickungskinder ab.

Fazit: ein kurzweiliger Unterhaltungsroman, der gleichzeitig auf das Thema Verschickungskinder aufmerksam macht.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Commissario Gallo ermittelt in der Stadt der Hexen

Riviera Express - Schatten über Triora
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In der Nacht vom 31. Oktober wurde bei einer Jagd auf Wildschweine in der Nähe von Triora die Leiche eines Jägers gefunden. Es ist fraglich, ob es ein Unfall war, denn auch ein Jäger aus der Truppe ist ...

In der Nacht vom 31. Oktober wurde bei einer Jagd auf Wildschweine in der Nähe von Triora die Leiche eines Jägers gefunden. Es ist fraglich, ob es ein Unfall war, denn auch ein Jäger aus der Truppe ist spurlos verschwunden. Auch eine Naturforscherin aus Deutschland wurde als vermisst gemeldet. Gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Fällen?
Commissario Gallo versucht das Rätsel zu lösen, was sich als ziemlich kompliziert erweist. Denn es ist Halloween, ein Fest, das in Triora groß gefeiert wurde. Massen der feiernden, verkleideten Touristen überströmen die Straßen der berühmten Hauptstadt der Hexen an dem Tag. Die Suche nach Vermissten und Verdächtigen wurde dadurch sehr erschwert.

„Schatten über Triora“ ist ein zweiter Fall für Commissario Gallo, der dank dem eingespielten Team seiner Mitarbeiter jeden Fall blitzschnell lösen kann. Sehr interessant, aber auch etwas konstruiert, fand ich Commissario Rubbano, der über ein fotografisches Gedächtnis verfügt und alle benötigten Informationen, wie ein Computer, parat hat.

Den aktuellen Fall fand ich nicht besonders spannend; es wurde von Anfang an nur nach einem Verdächtigen gesucht, der sich offenbar in der Nähe versteckt hielt.
Viel interessanter dagegen fand ich die Geschichte über die Hexenstadt Triora, über die weisen Frauen im 16. Jahrhundert, die für ihr Engagement und Wissen verfolgt und getötet wurden. Dieser Handlungsstrang wurde parallel zu der Jagdgeschichte in gesonderten Zwischenkapitel geführt. Sehr ausführlich wurde sowohl die Geschichte der berühmten Hexe von Triora, wie auch über die Folgeereignisse in der Gegenwart, erzählt. Eine Straffung hier hätte dem gesamten Krimi mehr Spannung verleiht.
Trotzdem habe ich den Krimi mit großem Interesse gelesen und würde dem Commissario Gallo noch eine Chance ge
ben. 😉
Die Fortsetzung der Reihe mit Commissario Gallo erschien bereits im März 2025 genauso wie zwei erste Bänder im Gmeiner Verlag.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Zerstörte Nester

Das Nest
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Das Leben von Fran an einem kleinen Küstenort verläuft ziemlich monoton; jeder Tag gleicht dem anderen. Die täglichen Pflichten als Ehefrau und Mutter scheinen sie immer mehr zu belasten. Auch die Aufgaben ...

Das Leben von Fran an einem kleinen Küstenort verläuft ziemlich monoton; jeder Tag gleicht dem anderen. Die täglichen Pflichten als Ehefrau und Mutter scheinen sie immer mehr zu belasten. Auch die Aufgaben rund um den Campingplatz, den Fran dort seit zwei Jahren betreibt, rauben ihr die Kraft und ihre wertvolle Zeit. Die Zeit, die sie lieber mit der Beobachtung der an der Küste lebenden Vögel verbringt. Denn Fran ist eine leidenschaftliche Vogelbeobachterin, die stundenlang dem Treiben der unzähligen Vögel zusehen kann. Fran hofft sehnlichst eine Zwergseeschwalbe entdecken zu können:
„Eine Zwergseeschwalbe zu sehen, würde diese Woche – nein, würde dieses ganze Jahr aufwerten.“ (39)

Bis dahin verläuft die Geschichte monoton; sehr ruhig erzählt die Autorin über Frans Alltag und ihre Liebe für Vögel. Obwohl hier und da Anmerkungen fallen, die ich zu dem Zeitpunkt nicht zuordnen konnte, empfand ich das Buch zuerst als nicht besonders interessant, fast langweilig.

Vieles ändert sich, als im Dorf, direkt am Frans Campingplatz, die reisenden Roma ihre Wohnmobile aufstellen. Die Roma bringen eine gewisse Unruhe mit sich, für viel Aufregung sorgt auch neue Lehrerin, die von den meisten Eltern sehr kritisch beäugt wurde.
Die Geschichte bekommt dramatische Züge, als plötzlich die unbeliebte Lehrerin verschwindet und später tot aufgefunden wurde. Gleichzeitig entdeckt man an verschiedenen Orten kleine Vögel mit abgetrennten Köpfen und auch die Kinder verhalten sich äußerst merkwürdig.

Ab diesem Moment konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Obwohl weiterhin ruhig erzählt, bekommt die Geschichte dramatische Risse, die Atmosphäre wirkt viel geheimnisvoller und bedrohlicher, und die Handlung wirft immer mehr Fragen auf.

Zum Schluss weckt die Geschichte viele Emotionen: überraschende Wendungen enthüllen zum Teil schockierende Geheimnisse. Der Mordfall wurde zwar aufgeklärt, die Auflösung wirkte jedoch ziemlich konstruiert. Auch Frans abschließende Entscheidung war für mich nicht nachvollziehbar. Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen zugeklappt.

FAZIT: ein ruhiger, atmosphärisch dichter Roman über dysfunktionale Familien, über gefährliche Gerüchte, Vorurteile und Geheimnisse, über Nester, die man selbst zerstört.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Commissario Gallo erster Fall

Riviera Express - Dynamit in der Villa Nobel
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Mit dem Band „Riviera Express – Dynamit in der Villa Nobel“ eröffnet Stephan R. Meier die Krimireihe mit dem Commissario Tomas Gallo.
Ausführlich berichtet der Autor über den Commissario, erläutert ganz ...

Mit dem Band „Riviera Express – Dynamit in der Villa Nobel“ eröffnet Stephan R. Meier die Krimireihe mit dem Commissario Tomas Gallo.
Ausführlich berichtet der Autor über den Commissario, erläutert ganz genau seine Herkunft und den bisherigen Werdegang. Genauso umfangreicht stellt er die übrigen Beamten des Teams vor und da er diese Beschreibungen immer wieder wiederholt, ziehen sich die Seiten des Krimis in die Länge.

Der Mordfall selbst ist spektakulär, doch die Polizei tappt lange im Dunkeln; es fehlen Beweise und Zeugen. Es ist schon bemerkenswert, dass der Commissario den Fall lösen kann.

Interessant erzählt der Autor über das Leben auf der schönen Riviera und ihre Sehenswürdigkeiten. Er vermittelt viel Wissenswertes über die Villa Nobel und das Leben von Alfred Nobel und seiner Familie.

Fazit: ein interessanter Fall, die Handlung nicht zuletzt durch viele Wiederholungen in die Länge gezogen.

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