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Veröffentlicht am 06.04.2017

De Creatione Hominis

Das mordsmäßig merkwürdige Verschwinden der Lily Cooper
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Selina ist dreizehn und hat ihr ganzes Leben lang in Indien verbracht, doch jetzt ist ihre Mutter der Meinung, dass sie eine ordentliche Schulausbildung in England braucht. Aus diesem Grund soll sie bei ...

Selina ist dreizehn und hat ihr ganzes Leben lang in Indien verbracht, doch jetzt ist ihre Mutter der Meinung, dass sie eine ordentliche Schulausbildung in England braucht. Aus diesem Grund soll sie bei ihrer Tante und ihrem Onkel wohnen, doch als sie endlich bei denen angekommen ist, herrscht Chaos pur: Lily, ihre gleichaltrige Cousine, ist verschwunden. Die Polizei vermutet lediglich, dass Lily (wieder einmal) ausgerissen ist, doch Lilys bester Freund Eric und auch Selina glauben nicht daran. Gemeinsam machen sie sich daran herauszufinden, wo sie sein könnte. Dabei kommen sie einem verschollenen Manuskript, mechanischen Tieren und einem gruseligen Geheimnis auf die Spur.

Eigentlich eine tolle Geschichte mit spannenden Ideen, welche es schafft, gelegentlich sogar Grusel einzubauen. Dass es keine ganzen vier oder gar fünf Punkte gab, lag eher daran, dass sich fast alle Leute irgendwie sehr irrational verhielten. Bei dreizehnjährigen Kindern/Jugendlichen ist das meistens noch entschuldbar, aber wenn die Erwachsenen das Verschwinden eines Kindes auf die leichte Schulter nehmen, ist das nicht nachvollziehbar. Die Polizei sprach nur vom Weglaufen, groß gekümmert hat sich keiner. Der Onkel beschäftigt sich nur mit seiner Arbeit, die Tante ist ständig zugedröhnt, keiner versucht, irgendetwas über ihre Tochter herauszufinden und machen höchstens ihrer Nichte Vorwürfe, die eben jenes versucht. Das erscheint eher unwahrscheinlich. Auch die Sache, dass das Handy immer dann klingelt, wenn es ungünstig ist oder genau dann nicht aufgeladen ist, wenn man es am nötigsten braucht, ist ein ausgelutschter Trick. Ansonsten: spannend und interessant. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 04.04.2017

Ratgeber und Nachschlagewerk

Mein Obstgarten
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Dieses Buch bekommt gerade für Anfänger (wie ich es bin im Gartenbereich) eine absolute Empfehlung. Es ist nicht nur ein Ratgeber, sondern auch als Nachschlagewerk konzipiert, dank Querverweisen in den ...

Dieses Buch bekommt gerade für Anfänger (wie ich es bin im Gartenbereich) eine absolute Empfehlung. Es ist nicht nur ein Ratgeber, sondern auch als Nachschlagewerk konzipiert, dank Querverweisen in den einzelnen Themen.

Aufgebaut ist es so, dass erst einmal darüber darüber nachgedacht wird, welche Art von Garten man sich überhaupt vorstellen kann. Dabei wird sowohl auf wenig als auch auf viel Platz eingegangen, ob man mehr Wert auf Beeren, ganzjähriges Naschen, eher Bäume oder Sträucher, legt, oder ob man eine Kombination von allen oder mehreren umsetzen möchte (und kann). Hat man sich halbwegs entschieden und vielleicht schon angefangen, gibt es Ratschläge zu eigentlich allem. Beschneiden von Ästen, das korrekte Einpflanzen, welche Pflanzen wo am besten aufgehoben sind. Sehr gut finde ich die Illustrationen und Fotos, auch die zuvor schon erwähnten Querverweise zur Vertiefung eines Themas, denn ich habe das Buch mehr als Nachschlagewerk genutzt, da manche Themen (wie zum Wein und Kiwi) mich nicht primär interessierten.

Ich habe angefangen, vieles von dem umzusetzen, was in dem Buch erklärt wird; noch kann ich natürlich nicht sagen, ob alles funktioniert (außer der positiven Tatsache, dass bis jetzt nichts eingegangen ist), aber ich fühle mich mittlerweile weitaus sicher, was meinen Umgang mit dem Garten umgeht.

Eines finde ich noch erwähnenswert: Das Kapitel, in dem auf die Tiere im Gartenbereich eingegangen wird, denn bestimmte Tiere wirken sich positiv auf Pflanzen und deren Wachstum aus. Und last but not least ein paar Seiten, in denen beschrieben wird, wie man Marmelade oder Saft herstellt - absolut interessant. Also: sehr interessantes Buch mit vielen Anregungen und gut konzipiert.

Veröffentlicht am 03.04.2017

Wäre sie nicht so reich, würde ich sie heiraten

Es klingelte an der Tür
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Archie Goodwin ist der Assistent von Nero Wolfe, dem fetten, berühmten Detektiv, den alle Welt für genial hält. So auch Mrs Bruner, die unfassbar reiche Witwe, die sich vom FBI belästigt fühlt. Seit Mrs ...

Archie Goodwin ist der Assistent von Nero Wolfe, dem fetten, berühmten Detektiv, den alle Welt für genial hält. So auch Mrs Bruner, die unfassbar reiche Witwe, die sich vom FBI belästigt fühlt. Seit Mrs Bruner auf die Idee kam, 10.000 Bücher eines Enthüllungsbuches über das FBI zu kaufen und an Größen in Wirtschaft, Medien und andere wichtige Persönlichkeiten zu schicken, wird sie permanent überwacht. Das passt ihr nicht, und sie möchte, dass Nero Wolfe etwas dagegen unternimmt. Ein Scheck über 100.000 Dollar dient als Anreiz. Gleichzeitig untersuchen Archie und Wolfe den Mord an einem Journalisten, der über das FBI recherchierte - hat der Geheimdienst sogar da die Hände im Spiel?

Wahrscheinlich muss man sich bei diesem Buch vor Augen halten, dass es vor etwa 50+ Jahren geschrieben wurde. Die Uhren tickten wohl langsamer, das merkt man dem Krimi auch an. Da werden ausführliche Beschreibungen abgeliefert, wie jemand ein Haus betritt, den Hut abnimmt, seinen Mantel dem Butler/Dienstmann/Assistenten übergibt. Solche Szenen gibt es zuhauf, wahrscheinlich würden sie heute dem Lektor zum Opfer fallen. Dadurch entstehen bis zur Mitte der Story gewisse Längen, die dem Homo Sapiens Zwotausendsiebzehnus möglicherweise langweilig vorkommen, andererseits ist es auch ein Blick in eine gewisse Zeit. Mir persönlich kam die Falle, die Wolfe dem FBI stellt, zu einfach vor, was sollte den Geheimdienst abhalten, sämtliche Beteiligten umzubringen? Aber schöne heile 60iger-Jahre-Welt, die Guten siegen, die Bösen kriegen einen auf den Hut (im Sinne des Wortes) und einen gewissen altmodischen, verstaubten Omacharme hatte das Ganze auf jeden Fall.

Veröffentlicht am 02.04.2017

Coole Sprecher, sehr untypische Handlung

Sherlock Holmes Chronicles 02
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Sherlock Holmes ist seit drei Jahren tot. Zumindest glaubt das die Bevölkerung, denn der Detektiv starb ja bei den Reichenbachfällen. Doch auf wundersame Weise taucht er wieder auf, den berüchtigten Colonel ...

Sherlock Holmes ist seit drei Jahren tot. Zumindest glaubt das die Bevölkerung, denn der Detektiv starb ja bei den Reichenbachfällen. Doch auf wundersame Weise taucht er wieder auf, den berüchtigten Colonel Moran im Gepäck - oder besser in Handschellen. Ein dringender Ruf aus London rief ihn aus seiner Versenkung, und jetzt, da sein zweitschlimmster Feind gefangen und auf dem Weg zum Schafott ist, kann er sich den Ereignissen in der Hauptstadt des britischen Empires widmen. Menschen verschwinden in der Nacht, Gerüchte machen die Runde über Geister oder Monsterwesen, welche sie entführen. Zusammen mit Inspector Kent begibt sich Holmes auf eine Reise, die ihn nicht nur die Bekanntschaft von H. G. Wells machen lässt, sondern auch durch Raum und Zeit führt.

Und der letzte Satz des ersten Abschnittes ist das, was von dem Holmes, den man zu kennen glaubt, völlig wegführt. Anfangs gibt es relativ normale Ermittungen, mitsamt Holmes' Regulars und dem typischen Verkleiden des Detektivs. Doch als es dann mit den Zeitreisen losging (hier ist es übrigens von Vorteil, die Geschichte von H. G. Wells "Die Zeitmaschine" zu kennen oder wenigstens eine Ahnung von ihr zu haben), wurde es immer abgedrehter. Es war auch nicht unspannend, tatsächlich hat mich gerade der Schluss über eine wirklich langweilige Autofahrt gut unterhalten, vor allem wach halten können, aber mit einer Holmes-Geschichte hatte das nicht mehr viel zu tun. Die Sprecher dieses Hörspiels sind super ausgewählt und machen einen klasse Job, aber die Geschichte selbst lässt mit gemischten Gefühlen zurück.

Veröffentlicht am 01.04.2017

Eine Pinkerton-Detektivin mischt London auf

Das Geheimnis der Madame Yin
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1877: Celeste Summersteen ist Pinkerton-Detektivin in Chicago, wobei sie eher als Mädchen für alles beschäftigt ist. Das ändert sich, als sie (zähneknirschend) den Auftrag erhält, die junge Dorothea nach ...

1877: Celeste Summersteen ist Pinkerton-Detektivin in Chicago, wobei sie eher als Mädchen für alles beschäftigt ist. Das ändert sich, als sie (zähneknirschend) den Auftrag erhält, die junge Dorothea nach England zu begleiten. Dorothea ist die Tochter eines Adligen, doch das ist nicht der einzige Grund, dass sie Schutz braucht. Einige ihrer Freundinnen wurden ermordet, und die Tante Dorotheas fürchtet, dass es auch jemand auf das Mädchen abgesehen hat. Kaum in England angekommen, wird Celeste somit in die Verfolgung eines Serienkillers verwickelt; außerdem muss sie sich mit einer brutalen Bande herumärgern, die sich unter anderem auf Erpressung spezialisiert hat. Dann ist da auch noch der extrem nervige Inspector Edwards, für den Frauen an den Herd gehören und der alles andere als erfreut ist, dass Celeste mit ihren Ermittlungen schneller vorankommt als er.

Man taucht tief in das dreckige, schmutzige London, besonders auch Whitechapel und East London ein, das ja elf Jahre später traurige Berühmtheit durch Jack the Ripper erlangen sollte. Winters schafft es, eine gute, viktorianische Atmosphäre zu schaffen und sowohl auf das Leben der Adligen als auch der Ärmsten der Armen einzugehen, die alle eigenen Zwängen unterliegen. Er nimmt uns mit zu den Docks, zu Hundekämpfen, in Bordelle und hält auch die Spannung gut hoch. In vielen Actionszenen jedoch schießt er manchmal über das Ziel hinaus, so dass man sich ab und zu vorkommt wie in einem Blockbuster am Abend, in dem halb tote Leute noch andere, kriminelle Leute verprügeln. Einmal ein bisschen in der Hinsicht zurücktreten wäre in diesen Fällen mehr gewesen, aber ich habe mich ansonsten gut unterhalten gefühlt und würde auch gern eventuelle - durch einen Cliffhanger angedeutete - Nachfolger lesen.