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Veröffentlicht am 13.04.2019

Über das Ziel hinausgeschossen...

Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem. (Golden Cage 1)
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Faye und Jack sind das Traumpaar schlechthin, führen ein millionenschweres schwedisches Unternehmen und haben eine entzückende Tochter. Doch hinter der scheinbar perfekten Fassade bröckelt es gewaltig. ...

Faye und Jack sind das Traumpaar schlechthin, führen ein millionenschweres schwedisches Unternehmen und haben eine entzückende Tochter. Doch hinter der scheinbar perfekten Fassade bröckelt es gewaltig. Faye ist unglücklich mit der Ehe und wird von Jack bewusst unterdrückt. Nach dem folgenschweren Bruch ihrer Ehe, wird Faye auf eine harte Probe gestellt und muss sich behaupten. Langsam steigen Wut und Enttäuschung über Jacks Verhalten und eine altbekannte Dunkelheit in Faye erwacht, die nur nach einem giert: Rache.



Insgesamt besteht das Buch aus drei Teilen, die sich inhaltlich voneinander abgrenzen. Im ersten Teil wird Jacks und Fayes Familienleben dargestellt, durchbrochen durch Rückblicke auf die erste Zeit an der Handelshochschule und das Kennenlernen der beiden. Es wird bereits da ein großes Geheimnis um Fayes Vergangenheit gemacht und ihre eigene Familie scheint kaum zu existieren. In der Gegenwart wirkt sie sehr eingeschüchtert, nicht selbstbewusst und kuscht immer vor Jack, obwohl sie das nicht nötig hat. Ihre Naivität und die ganzen Autosuggestionen sind einfach traurig und beinahe erbärmlich. Sie klammert sich so sehr an eine Vorstellung, die kaum mit der Realität übereinstimmt, dass sie sich selbst damit schadet. Dabei wird sie nur verletzt und gedemütigt. Wie man nur so blind sein kann, war mir beim Lesen oft unbegreiflich. Vor allem da sie in den Rückblenden stark, unabhängig und selbstbestimmt auftritt und sich nicht unterkriegen lassen möchte. Wo diese Faye dann bleibt, ist fraglich.

Im zweiten Abschnitt baut sie sich ihr zerbrochenes Leben wieder auf und hatte zwei tolle Freundinnen, die ihr zur Seite stehen. Langsam wird sie selbstständiger und der Wunsch nach Rache flammt auf. Diese Entwicklung hat mir sehr gut gefallen und endlich erkennen sowohl der Leser als auch Faye was wirklich in ihr steckt. Die alte Stärke kommt wieder und ist intensiver als je zuvor. Dieser Reflexionsprozess hat ihr mehr Sympathiepunkte eingebracht als im vorhergehenden Abschnitt. Ab da beginnt es spannend und etwas unheimlich zu werden. Sie schmiedet Pläne um Jack zu vernichten und sich ihre eigene Existenz aufzubauen. Auch wenn ich ihr Bestreben nach Rache verstehen kann, wirkte sie auf mich etwas zu sehr darauf fokussiert, als würde sie immer mehr wollen, immer weiter gehen, bis sie ihn ganz zerstört hat.

Der dritte und letzte Abschnitt kann als Showdown betrachtet werden, da Faye ihre endgültige Kraft wieder hat und sie dazu nutzt ihre Feinde gnadenlos zu vernichten. Sogar als diese schon am Boden liegen muss sie es noch weiter treiben und ihr Hass scheint unermesslich, die Wut grenzenlos. Sie wurde mir wieder unsympathisch, weil sie maßlos übertreibt, es aber nicht merkt, da sie die Rache gerechtfertigt und verdient betrachtet. Da fehlte wieder die Selbstreflexion. Was sie aber wirklich ausgezeichnet schafft, ist den Schein zu wahren. Gute Miene zum bösen Spiel zu machen und ihre ahnungslosen Feinde aus dem Hinterhalt zu attackieren, bis sie am Boden sind. Sie ist intelligent, manipulativ, zielorientiert und skrupellos und geht dabei mit einer immensen Überzeugungskraft vor. Das Ende konnte ich bereits im Voraus erahnen und deswegen konnte es mich kaum überraschen, wie es womöglich bei anderen Lesern der Fall war. Dennoch eine kluge und überzeugende Wendung, wenn auch übertrieben. Die Rückblicke verraten mehr über ihre familiäre Situation in der Vergangenheit und decken einen Trick auf, einen klugen Schachzug, der sich wiederholt.

Die Charaktere, allen voran Jack und Faye, sind sehr klischeehaft dargestellt und es wird immer wieder der Aspekt der Unterdrückung der Frauen im privaten wie wirtschaftlichen Bereich thematisiert. Dies ist auch die Grundlage für Fayes Rache, auch wenn ich es paradox fand, dass sie sich genauso gegeben hat, wie die männderdominierende wirtschaftliche Gesellschaft sie betrachten wollte (z.B. hat sie sich figurbetont gekleidet, tiefe Ausschnitte gehabt). Auch wenn es nur dem Schein diente, hat sie doch gleichzeitig ihre Ideal verraten und sich selbst, da sie sich so nicht wohl fühlte.

Fazit: Ein unterhaltsamer Roman mit Thrillerelementen und (klischeehaften)Themen, die hochaktuell und diskutabel sind, allerdings in meinen Augen zu übertrieben dargestellt wurden, genauso wie die ganze Racheaktion. So werden keine Vorurteile entkräftet und Stereotype aufgelöst.

Veröffentlicht am 12.04.2019

Schauerliche echte Kriminalfälle

stern Crime - Wahre Verbrechen
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Diese Zeitschrift beschreibt sehr ausführlich unglaubliche True Crime Fälle aus der ganzen Welt, die häufig ein ganz anderes Täterprofil einnehmen, als man zuerst vermutete. Die zahlreichen Abbildungen ...

Diese Zeitschrift beschreibt sehr ausführlich unglaubliche True Crime Fälle aus der ganzen Welt, die häufig ein ganz anderes Täterprofil einnehmen, als man zuerst vermutete. Die zahlreichen Abbildungen und Fotos, die die Stimmung auf einmalige Art und Weise einfangen, sind farbig passend gewählt, häufig in dunklen Tönen und düster. Besonders eine wirklich schauerliche Geschichte um eine kleine Stadt in den USA hat es mir angetan und die Atmosphäre ist farblich perfekt eingefangen worden. Der Grauen und der Wahnsinn kommen durch die Bildgestaltung hervorragend zur Geltung. Der Reiz in vielen Geschichten liegt auch in der Ungewissheit, da oftmals jemand öffentlich als schuldig bezeichnet und verurteilt wird, obwohl diese Person als Täter*in unwahrscheinlich ist. Das bedeutet der Schuldige/die Schuldige treibt(e) frei immer noch sein/ihr Unwesen. Gruselfaktor garantiert!

In dieser Ausgabe fand ich vor allem das Interview mit den Krimi-/Thrillerautoren besonders aufschlussreich und interessant.

Daraus und aus der Ausführlichkeit und Detailverliebtheit lässt sich erkennen, dass die Reporter und Journalisten sich über einen längeren Zeitraum mit den Fällen befasst haben und viele Materialien gesammelt haben um so nah wie möglich an die wahren Ereignisse zu kommen. Zusätzlich haben mir die kurzen Geschichten und das Interview mit einer Kriminologin und Schriftstellerin gefallen, die einen gesellschaftskritischen Blick eröffnet hat.



Insgesamt auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man gerne Krimis/Thriller liest.

Veröffentlicht am 12.04.2019

Sehr berührende und ergreifende Fantasygeschichte

Children of Blood and Bone
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Seite der tragischen und schicksalhaften Blutnacht, in der alle magisch begabten Menschen sterben mussten, herrschen Diskriminierung, Terror und Unterdrückung im Land Orïsha. Vor allem die Nachkommen der ...

Seite der tragischen und schicksalhaften Blutnacht, in der alle magisch begabten Menschen sterben mussten, herrschen Diskriminierung, Terror und Unterdrückung im Land Orïsha. Vor allem die Nachkommen der einstigen Magier, die allerdings magielos sind, werden unterdrückt und benachteiligt. Eine von ihnen ist Zélie, die zusehen musste wie ihre Mutter brutal getötet wurde. Als es erstmals nach so vielen Jahren wieder Hoffnung gibt die Magie zurückzubringen, setzt sie alles daran und macht sich auf eine gefährliche Reise. Doch wem kann sie vertrauen? Wer ist Feind und wer Freund?



Besonders begeistert hat mich die tolle Karte zu Beginn des Buches und die ganzen fantasievollen Namen der Clans und deren Kräfte. Das alles bildet einen tollen Überblick: Gerade am Anfang wird recht viel erklärt und es werden viele Bezeichnungen genannt, deren Bedeutungen sich nicht immer gleich erschließen. Da ist so eine Übersicht absolut hilfreich. Die Welt mitsamt ihrer Legenden ist äußerst spannend und interessant gestaltet und man merkt dass dahinter viel mehr steckt als nur eine einfache Idee. Alles wird mit viel Liebe und Herzblut beschrieben und hinter allem stecken viele Gedanken und Emotionen, die man ständig spürt. Vor allem Zorn und Trauer werden eindrücklich und umfassend in der Geschichte zum Ausdruck gebracht.

Die Charaktere Zélie, Amari, Inan und Tzain waren mir alle sympathisch. Zélie ist eine Kämpferin durch und durch und tut alles für ihre Liebsten, sogar sich selbst würde sie aufgeben, damit andere es gut haben. Absolut beeindruckend! Amari ist mutig, auch wenn sie manchmal wie das zerbrechliche Prinzesschen wirkt, kann sie eine ungeahnte Stärke entwickeln und sich unerschöpflich für andere einsetzen. Inan ist für mich der spannendste Charakter, da ihm die Befehle des Königs eingeimpft wurden und er von daher zwischen seinen Ängsten vor der Magie, der Gefahr der Magie, seinen Befehlen vom König und den Vorteilen der Magie und Zélie hin- und hergerissen ist und in seinen Entscheidungen schwankt, obwohl er tief im Inneren weiß was richtig und was falsch ist. Tzain ist ein sehr beschützerischer junger Mann, der klare Vorstellungen hat und anderen nicht so leicht vertraut. Diese Mischung sorgte für viele genüssliche und entspannte, aber auch schwierige und konfliktreiche Lesestunden. Insgesamt eine ausgewogene Mischung.

Wunderbar finde ich die beiden dargestellten Perspektiven der Magie. Einerseits gibt es diejenigen die dafür kämpfen und sich gegen die Unterdrückung zur Wehr setzen, andererseits werden auch die Gefahren der Magie - besonders von Magiern, die nichts Gutes im Schilde führen - beleuchtet, sodass es nicht nur gut und böse, schwarz und weiß gibt, sondern verschiedene Facetten betrachtet werden.

Das Nachwort der Autorin ist rührend und beschreibt die Hintergründe des Buches, die Unterdrückung von dunkelhäutigen Menschen und wie sie mit ihnen mitgelitten hat und mitleidet. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf ihr eigenes Volk, denn sie hat nigerianische Wurzeln, sondern allgemein auf alle Menschen, die aufgrund unwichtiger Merkmale - sei es die Hautfarbe oder irgendeine Einschränkung - stigmatisiert, gedemütigt und unterdrückt werden. Diese Hingabe und der Wille darauf aufmerksam zu machen, findet man immer wieder im Buch. Denn dadurch dass dahinter echte Gefühle, Gedanken und Wünsche stehen, werden die Emotionen der Charaktere erst authentisch und echt und wirken nicht nur ausgedacht und fiktiv, denn sie sind ausgehende von der Autorin auch echt.

Ein tolles Fantasydebüt mit einer wichtigen Botschaft, super verpackt in eine aufregende, berührende fantastische Geschichte in der die Emotionen authentisch wirken und transparent werden.Ich freue mich schon auf den zweiten Teil!

Veröffentlicht am 09.04.2019

Süße und authentische Liebesgeschichte

#ichwillihnberühren
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In diesem dünnen Büchlein wird der Beginn einer sehr authentischen und ehrlichen Liebesbeziehung zwischen zwei jungen Männern geschildert. Aufgeteilt in Geschehnisse und Situationen aus 12 Tagen die in ...

In diesem dünnen Büchlein wird der Beginn einer sehr authentischen und ehrlichen Liebesbeziehung zwischen zwei jungen Männern geschildert. Aufgeteilt in Geschehnisse und Situationen aus 12 Tagen die in Wirklichkeit so (ähnlich) geschehen sind, werden diese aus den beiden Perspektiven der Beteiligten OJ und ER beschrieben. Dabei stehen vor allem die Gefühle, Gedanken, Sorgen und Bedenken im Vordergrund, da keiner der beiden weiß ob der jeweils andere Interesse an ihnen bzw. allgemein an Männern hat. Und diese Unsicherheit führt zu einem hin und her zwischen den beiden und sehr sehr langsamen Annäherungsversuchen, die wirklich total süß zu lesen sind. Aber nach einer Weile hatte ich das Gefühl dass sich das alles unnötig in die Länge zieht, weil keiner den Mut hat die Karten offen auf den Tisch zu legen. Natürlich ist es verständlich, dass sie nicht zu viel wagen und die Freundschaft nicht gefährden wollen, aber wie sagt man so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass es sich in echt so in der Art abgespielt hat und keine fiktive Geschichte ist. Unter diesem Gesichtspunkt ist es dann ganz in Ordnung und einfach nur authentisch, wenn auch auf Dauer etwas nervig und anstrengend.

Der Schreibstil beider ist definitiv verschieden und man kann einige Persönlichkeitsmerkmale anhand der Art die Geschehnisse und Gefühle zu beschreiben erahnen. Etwas Schwer tat ich mich mit dem Teil von OJ, der sich sehr viele Gedanken macht und in dessen Sorgen und Bedenken ich mich oft verloren habe und nicht ganz verstanden habe worauf er hinaus möchte. Das hat den Lesefluss ungemein gestört und das Verfolgen der Ereignisse erschwert. Da fand ich den Teil von ER wesentlich angenehmer, auch gut aufgelockert durch die Whatsapp Nachrichten.Andererseits empfand ich viele Gedankengänge als anregend und interessant, sodass ich mir selbst Gedanken über einige Punkte gemacht habe, vor allem die die eher aus der Sicht eines/einer Homosexuellen bestehen können.

Insgesamt eine wirklich tolle, wenn auch spannungsarme Geschichte über den Mut etwas zu wagen, auch wenn scheitern eine mögliche Option ist. Würde das Buch nicht auf wahren Begebenheiten beruhen, hätte ich ihm nur 3 Sterne gegeben. Da die beiden, wenn auch anonym, den Mut hatten etwas so Persönliches und Intimes zu veröffentlichen, gibt es dafür insgesamt 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.04.2019

Der ungewöhnliche Beginn einer Beziehung

Kaschmirgefühl
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Gottlieb fühlt sich einsam und beschließt spontan bei einer Sexhotline anzurufen um der Einsamkeit Einhalt zu gebieten. Doch ahnt er nicht wie sehr ihn die Stimme, die am Ende der Leitung ist, verzaubern ...

Gottlieb fühlt sich einsam und beschließt spontan bei einer Sexhotline anzurufen um der Einsamkeit Einhalt zu gebieten. Doch ahnt er nicht wie sehr ihn die Stimme, die am Ende der Leitung ist, verzaubern wird und ein ungewöhnliches Gespräch beginnt.

Gleich zu Beginn fällt besonders auf, dass die komplette Geschichte aus mehreren und nur Dialogsequenzen besteht. Keine Einleitung in die Geschehnisse oder Beschreibungen, sondern nur das Gespräch. Trotzdem werden die Hintergründe des Gesprächs schnell eindeutig und ein sehr unterhaltsamer Schlagabtausch zwischen beiden beginnt. Mal ist es provokant und aufbrausend, dann schlägt es wieder in Sanftheit und Mitgefühl um. Die meiste Zeit über ist nicht klar welche Informationen Lügen sind und welche die Wahrheit ist in diesem Lügenspiel der beiden. Dadurch entstehen erst recht Reibungspunkte und zwar soweit dass sie ihre Lügen gegenseitig entlarven, bis am Ende nur noch die einfache Wahrheit bleibt, die mich wiederum total verblüfft hat.

Auch wenn die Handlungen nicht über den Dialog hinaus gehen, sind der Schlagabtausch und die intervenierenden Aussagen, die die Geschichte in eine andere Richtung lenken, faszinierend und konnten mich dazu motivieren das Buch in einem zu lesen. Von einer Liebesgeschichte würde ich hier zwar nicht sprechen, dafür sind sie sich zu unbekannt. Es könnte sich aber etwas daraus entwickeln, da sie sich auf eine so ungewöhnliche Art kennenlernen, aus der sie vielleicht doch mehr Schlussfolgerungen ziehen können als Fremde bei ihrem ersten Date, wenn sie sich nur auf Oberflächliches beschränken. Die Charaktere von Gottlieb und Marie werden teilweise eindrucksvoll dargestellt und haben mich amüsiert und gut unterhalten.



Die unkonventionelle Schreibform erscheint mir innovativ und ungewöhnlich, doch genau darin liegt der Reiz diese kurze Geschichte in einem zu lesen und sich daran zu erfreuen, wie an einer einzigartigen und einmaligen Praline.