Nichts ist, wie es scheint
Party of LiarsWorum geht’s?
Sophie feiert ihren 16. Geburtstag und der ganze Ort feiert mit, denn heute ist es den Einwohnern möglich, in das Haus auf dem Berg, dessen eine Seite komplett aus Glas besteht, Einblick ...
Worum geht’s?
Sophie feiert ihren 16. Geburtstag und der ganze Ort feiert mit, denn heute ist es den Einwohnern möglich, in das Haus auf dem Berg, dessen eine Seite komplett aus Glas besteht, Einblick zu erhalten. Ist es ein Traumhaus oder eine Villa, in der der Geist von Ava Vogel, der „Mutter“ herumspukt?
Meine Meinung:
Mit „Party of Liars“ legt Kelsey Cox ein Thrillerdebüt hin, das es wirklich in sich hat. Die Perspektivwechsel sind meisterhaft inszeniert und der Schreibstil entwickelt gemeinsam mit den Ereignissen eine fast beklemmende Sogwirkung. Wie ein Blick durch die Glasfassade des Hauses: Man sieht alles und versteht trotzdem viel zu wenig. Alle reden, doch wer sagt die Wahrheit?
Wir begleiten die junge Mutter und zweite Frau von Ethan, Dani, die zunehmend an sich selbst zweifelt. Ist es wirklich nur eine postnatale Depression oder verliert sie langsam die Kontrolle? Gleichzeitig lesen wir aus der Sicht von Kim, Ethans Ex-Frau und Sophies Mutter, von Nanny Órlaith und von Mikayla, Sophies bester Freundin. Jede dieser Figuren trägt ihre eigenen Abgründe mit sich herum. Jede verbirgt etwas. Besonders Órlaith sorgt mit ihrer geheimnisvollen Art immer wieder für unterschwellige Unruhe. Und je weiter die Nacht voranschreitet, desto stärker entsteht das Gefühl, dass all diese Menschen auf erschreckende Weise miteinander verbunden sind.
Das gesamte Buch spielt ausschließlich in diesem außergewöhnlichen Haus auf dem Berg. Ein riesiges Anwesen mit einer gläsernen Front, offen wie ein Puppenhaus, beobachtet vom gesamten Ort. Und während Sophies Sweet-16-Party langsam eskaliert, tauchen wir immer tiefer in die Gedanken, Erinnerungen und Wahrnehmungen der Figuren ein. Die Autorin verwebt Misstrauen, Schuldgefühle und Verdächtigungen unglaublich geschickt miteinander. Jede Erinnerung wirkt verdächtig. Jede Beobachtung könnte eine Lüge sein. Jeder Blick hinter die Fassade öffnet nur neue Fragen. Besonders stark ist dabei die Atmosphäre. Dieses ständige Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Dass hinter den Glaswänden nicht nur eine Party stattfindet, sondern etwas viel Dunkleres lauert. Niemand kennt die ganze Wahrheit und genau das macht das Buch so spannend.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die ersten drei Viertel des Buches kaum echten Hintergrund liefern. Erst gegen Ende wird erklärt, warum diese Menschen überhaupt miteinander verbunden sind und welches größere Bild hinter allem steckt. Dadurch fühlt sich ein Teil der Handlung zunächst wie ein reines Kammerspiel voller Gänsehaut und psychologischer Spannung an, ohne klaren Kern. Die Auflösung funktioniert zwar, hätte aber früher mit kleinen Hinweisen vorbereitet werden können.
Trotzdem ist „Party of Liars“ ein Thriller, der zeigt, wie viel Potenzial in Kelsey Cox steckt. Düster, psychologisch und voller unterschwelliger Spannung. Von dieser Autorin möchte man definitiv mehr lesen.
Fazit:
„Party of Liars“ von Kelsey Cox ist ein atmosphärischer Psychothriller voller Geheimnisse, Misstrauen und düsterer Gedankenspiele. Besonders das gläserne Haus und die intensive Figurenpsychologie sorgen für eine fast klaustrophobische Spannung, die sich langsam immer weiter zuspitzt. Nicht jede Erklärung sitzt perfekt und manche Hintergründe kommen etwas zu spät, doch die unheimliche Stimmung und die clever verflochtenen Perspektiven machen das mehr als wett. Ein starkes Debüt, das Lust auf weitere Thriller der Autorin macht.
4 Sterne von mir.