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Veröffentlicht am 06.07.2018

Eine interessante Story mit enttäuschendem Ende

Without You - Ohne jede Spur
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Die Familie verliert die ältere ihrer beiden Töchter durch ein Schiffsunglück, nur die Schwimmweste wird treibend auf dem Wasser gefunden. Das Cover passt sehr gut zu dieser Einführung.
3 weibliche Hauptpersonen ...

Die Familie verliert die ältere ihrer beiden Töchter durch ein Schiffsunglück, nur die Schwimmweste wird treibend auf dem Wasser gefunden. Das Cover passt sehr gut zu dieser Einführung.
3 weibliche Hauptpersonen - vom stillen jungen Mädchen über die toughe junge Frau bis zur verzweifelten, depressiven Mutter, 2 Männer, einer als ver- und gestörter Inselbewohner, ein gedankenlos grausamer Vater, der seine "tote" Tochter durch ein Au-Pair der gleichen Altersklasse ersetzen will:
Die Basis für eine spannende Story wurde gelegt.

Und es gab etliche weitere Hinweise, die versprachen, eine spannende oder faszinierende Story zu lesen.
Angefangen beim Hund Silver, einem Lurcher, einem Hund des „Fahrenden Volkes“, der doch danach ruft, sein Frauchen auf der Insel zu finden.
Weiter geht es über viele Hinweise aus der Vergangenheit: Ägypten, Inzest, ein gestandenes Liebespaar.
Es folgen Hinweise zu Eva: zu groß, zu dunkel, zu laut, falsches Haar… und zu weiteren Familiengeheimnissen: die Lüge der Mutter?
Und dann ist da natürlich noch Evas Schwester, die unsichtbare Schatten-Faith mit ihren Warzen und toten Tieren.
Und dann taucht zu allen Geheimnissen auch noch das Au-Pair Sophie auf, das mich von Anfang an irritierte.

So hat mich die Story anfangs sehr fasziniert und neugierig gemacht, welche Lösung es für all diese Randereignisse und Nebenstories geben wird und wie sich alles zusammenfügt.

Doch leider wurde ich im Verlauf der Geschichte immer mehr enttäuscht.

Das gestandene Liebespaar, das Bill und Eva verbindet, stirbt einfach ohne weiteren Einfluss auf die Geschichte, Faith vorübergehende Freunde sind nach einem gescheiterten Rettungsversuch einfach wieder weg.
Geheimnisse der Vergangenheit werden nicht gelöst und tauchen einfach nicht wieder auf.
Und warum war es für Eva eine so große Katastrophe, dass sie adoptiert ist? Wenn das ganze Dorf es doch sowieso schon weiß, wurde es ihr doch sicherlich auch schon mal zugetragen, mehr oder weniger freundlich?
Auch die esoterischen Einflüsse und Traumgeschichten machten die Story nur noch unübersichtlicher.

Und wo man hoffte, dass alle Erzählstränge zusammengeführt werden, wurde man plötzlich mit unerwarteten Lösungen konfrontiert.
Faith mit ihrer panischen Angst vor Wasser nach ihrem Bootsunfall mit 5 Jahren startet schon wieder einen lebensgefährlichen Rettungsversuch ohne Schwimmweste – die Kinder in diesem Alter, die ich kenne, sind auch ohne Panik vernünftiger…
Die Erklärung für Bills psychische Störung wird mit ein paar kurzen Sätzen begründet, die mir etwas weit hergeholt scheinen. Schließlich hat er davor schon mehrere Kriegs- und Todeserfahrungen hinter sich, die Erklärung erscheint mir zu dünn und einfach.
Das Au-Pair verschwindet einfach wieder im Nirwana.
Ein junger Mann wird in Lynchjustiz ermordet.
Und der massive Zufall trägt zur Rettung von Eva bei.
Doch für den ebenfalls noch jungen Bill bleibt nur Mord und Selbstmord?

Hier hätte ich deutlich mehr als Abschluss der Geschichte erwartet. Ich war zutiefst enttäuscht und empört über diese seltsamen, z.T. losen Enden der Story.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich das Buch sehr gerne gelesen habe – bis kurz vor dem Ende.
Der Schreibstil hat mir gefallen, er war etwas ungewöhnlich, aber interessant.
Aber alle meine Hoffnungen auf eine interessante Zusammenführung der verschiedenen Geschichten wurden enttäuscht, die Hinleitungen zum eigentlichen Ende waren unverständlich, unlogisch und verstörend.
Dieses Buch wird mir wohl nur als enttäuschend in Erinnerung bleiben.

Die zwei Sterne vergebe ich für den Schreibstil und die eigentlich gut angelegte Start-Story.

  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Handlung