Interessanter Ausflug ins 16. Jahrhundert
Der Gesang des FalkenInhalt
Paris, 1514: Marcelle, die Tochter des Großstallmeisters am königlichen Hof in Frankreich, ist wirklich glücklich nur fernab des Palastes beim Zeichnen und beim Trainieren der Falken mit ihrem ...
Inhalt
Paris, 1514: Marcelle, die Tochter des Großstallmeisters am königlichen Hof in Frankreich, ist wirklich glücklich nur fernab des Palastes beim Zeichnen und beim Trainieren der Falken mit ihrem einzigen Freund Jean, dem Sohn des Großfalkners. Bestimmte Umstände zwingen Marcelle dazu, sich als Hofdame der englischen Braut des Königs zu beweisen. Ihr wird die scheinbar perfekte Anne Boleyn zur Seite gestellt. Doch Marcelle blickt bald hinter die Fassade der jungen Engländerin und entdeckt in Anne eine Verbündete. Kann ihre Freundschaft den beiden helfen, sich zu behaupten und ihren eigenen Weg zu finden?
Meinung
Ich war sofort in der Geschichte drin. Die Sprache ist sehr angenehm und lebendig und doch nicht unpassend für Zeit, in der die Geschichte spielt. Hin und wieder eingeworfene altertümliche Begriffe jedenfalls lassen den Leser nicht vergessen, in welcher Zeit er sich gerade befindet.
Sowohl die Figuren sind differenziert dargestellt als auch die Ereignisse sehr nachvollziehbar beschrieben, und ich konnte mit den Figuren mitfühlen.
Ich habe es geliebt, in die Welt des 16. Jahrhunderts einzutauchen. Viele gut recherchierte Details machen die Geschichte spannend. So erfährt man neben der Falknerei auch einiges über die damaligen Ritterturniere und über das Leben der Frauen am Hofe.
Anne Boleyn ist eine sehr angenehme Protagonistin mit ihrer lebensfrohen Art. Leider erscheint sie in dieser Geschichte mitunter eher wie eine Nebenfigur.
Der Erzählstrang von Francoise, einer Hofdame und alten Freundin von Königin Claude, hatte mich gefangen genommen. Ich bekam jedes Mal Gänsehaut, wenn ich die vor Angst starre Francoise erlebte, sobald sie mit ihrem Gatten agierte (oder er mit ihr).
Marcelles Geschichte hingegen plätscherte zuerst ein bisschen dahin, nahm aber nach der Hälfte des Buches deutlich Fahrt auf.
Das Ende gibt dem Leser ein angenehmes Gefühl - ein Gefühl von Freiheit, mehr sei hier nicht verraten.
Die Personenliste am Buchanfang nebst Markierung, welche Personen historisch belegt sind, fand ich sehr hilfreich, und ich habe mehrmals darauf zurückgegriffen. Ebenso positiv hervorzuheben ist das hinten angehängte Kapitel darüber, was erdichtet und was Wahrheit ist. Wenn ein historischer Roman so eine Erläuterung nicht hat, fehlt mir immer etwas.
Fazit
Ich kann der jungen Autorin zu diesem grandiosen Debütroman nur gratulieren. Die jahrelange Recherche hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Wer etwas über das Leben am Hofe im 16. Jahrhundert erfahren möchte, ist mit diesem Buch gut bedient. Ich könnte mir vorstellen, weitere hoffentlich noch erscheinende Werke der Autorin zu lesen, wenn mich das Thema anspricht.
Von mir gibt es deshalb (unter Berücksichtigung, dass Anne Boleyn eher eine Nebenperson darstellte und Marcelles Geschichte anfangs etwas dahinplätscherte), 4/5 Sterne.