Für echte KATAPULT-Fans ist dieses Buch garantiert ein absolutes Muss! Es bietet eine unterhaltsame Möglichkeit, schnell und größtenteils einfach aufbereitete Informationen zu konsumieren – perfekt geeignet, ...
Für echte KATAPULT-Fans ist dieses Buch garantiert ein absolutes Muss! Es bietet eine unterhaltsame Möglichkeit, schnell und größtenteils einfach aufbereitete Informationen zu konsumieren – perfekt geeignet, um spätere Recherchen anzustoßen oder beim nächsten Treffen mit Freunden für Gesprächsstoff zu sorgen.
Der Verlag:
Die Grundidee von KATAPULT ist ebenso einfach wie genial: Wissenschaft soll für alle zugänglich und verständlich werden – und das mit Hilfe origineller Karten und Grafiken. Nach diesem Prinzip entstehen auch die Bücher des KATAPULT Verlags: Das gesamte Team arbeitet gemeinsam an Recherche, Kartenerstellung, Text, Lektorat und Korrektur. Im Mittelpunkt steht dabei stets die fundierte Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das Verlagsprogramm umfasst Sachbücher und Atlanten zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen, ergänzt durch ausgewählte Romane, kreative Kalender und liebevoll gestaltete Kinderbücher.
Inhalt:
Die KATAPULT-Rubrik „Trock’ne Zahlen“ lässt einfache Fakten in einem ganz neuen Licht erscheinen und sorgt beim Lesen für großes Staunen. Entgegen ihrem Namen sind diese Zahlen alles andere als langweilig, sondern erkenntnisfördernd. Das Jubiläumsbuch vereint dafür die besten Beispiele aus zehn Jahren Magazingeschichte mit bisher unveröffentlichten, noch überraschenden Graphiken.
Gedanken zum Sachbuch:
Das Cover des neuen KATAPULT-Bandes beweist den gewohnten Humor des Verlags. Ein kleiner Regenschirm schützt den Buchtitel vor fallenden Regentropfen und bringt die „Trock’nen Zahlen“ sprichwörtlich ins Trockene – ein wunderbar satirischer Wink mit dem Zaunpfahl direkt zum Einstieg.
Auch das Format überzeugt: Das Buch ist handlich, angenehm schmal und ideal für unterwegs. Selbst in der Gesäßtasche findet es Platz (auch wenn es dort stolz ein Stückchen herausschauen wird).
Auf 80 Seiten präsentiert das Buch insgesamt 70 Infografiken aus den unterschiedlichsten Themenwelten. Mein Start mit dem Buch war allerdings leicht holprig: Die ersten beiden Grafiken waren gedanklich etwas schwer zu greifen, was kurz die Sorge weckte, das gesamte Buch könnte zu schwierig bleiben. Wer KATAPULT kennt, vermisst hier vielleicht an der einen oder anderen Stelle die gewohnten, kurzen Begleittexte, die komplexe Sachverhalte noch greifbarer machen.
Sobald man jedoch auf Themen stößt, bei denen man etwas Vorwissen mitbringt oder die das persönliche Interesse wecken, zündet das Konzept vollkommen. Die Zusammenhänge werden blitzschnell klar und bringen einen tatsächlich zum Staunen.
Fazit:
"Trock’ne Zahlen" ist ein unterhaltsames, lehrreiches Buch für zwischendurch! Und wer noch tiefer eintauchen möchte: Das ausführliche Quellenverzeichnis im Anhang lädt dazu ein, sich mit einzelnen Themen noch intensiver zu beschäftigen. Ein tolles Werk für alle Fans von visuellen Fakten.
Monsieur Mausebart mag zwar eine Maus sein, doch als weltberühmter Meisterdetektiv tritt er mit großem Selbstbewusstsein auf. Kaum ist er in Bath angekommen, wartet auch schon sein erster Fall auf ihn: ...
Monsieur Mausebart mag zwar eine Maus sein, doch als weltberühmter Meisterdetektiv tritt er mit großem Selbstbewusstsein auf. Kaum ist er in Bath angekommen, wartet auch schon sein erster Fall auf ihn: Der Restaurantbesitzer Gustav Giftzahn ist verschwunden. Gemeinsam mit seinem neuen Gehilfen Mopsi folgt Mausebart den Spuren des Bösewichts – und gerät dabei selbst immer wieder in brenzlige Situationen. Mir hat diese originelle Geschichte von Anfang an Spaß gemacht, denn sie verbindet einen unterhaltsamen Kriminalfall mit herrlichem Wortwitz und vielen überraschenden Ideen.
Die Autorin:
Charley Rabbit findet ihre Ideen in schlichten Formen und alltäglichen Geschichten. Ihre Illustrationen entstehen aus einer Mischung von Acryl, Tinte und Buntstiften. Arbeitet sie nicht gerade an ihrem Schreibtisch im Dachstudio, widmet sie sich der irischen Fiedelmusik, hört True-Crime-Podcasts oder denkt an ihren Traum, irgendwann nach Japan zu reisen. Zu Hause ist sie in Bath, einer besonders romantischen und märchenhaften Stadt. Dort lebt sie mit ihrem Mann Adam und ihrer zotteligen Dackeldame Doris, die sie beide liebevoll unterstützen.
Inhalt:
„Kaum ist der berühmte Mäusedetektiv Monsieur Mausebart in Bath angekommen, wird er schon mit seinem ersten Fall konfrontiert: Der bekannte Restaurantbesitzer Gustav Giftzahn ist plötzlich verschwunden. Mausebart macht sich sofort auf den Weg zum Ort des Geschehens, doch dort nimmt alles eine unerwartete Wendung. Seine Tasche wird gestohlen, jemand stößt ihn zu Boden und sogar sein Monokel geht zu Bruch. Schnell wird klar, dass nicht alle erfreut darüber sind, einen so berühmten Detektiv in der Stadt zu haben. Zusammen mit seinem neuen Helfer Mopsi nimmt Mausebart die Verfolgung des Übeltäters auf. Doch dieser scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Ob es den beiden gelingt, das Rätsel rechtzeitig zu lösen, bevor sie selbst in Gefahr geraten?“ (Produktbeschreibung)
Gedanken zum Comic-Roman:
Mit seinem kräftigen Gelb zieht das Cover sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Besonders gelungen ist die runde Ausstanzung, die als Lupe gestaltet ist. Dadurch scheint es, als würden wir bereits durch sie einen ersten Blick in das Innere der Geschichte werfen. Monsieur Mausebart steht mit Monokel, Lupe und gelbem Mantel direkt im Mittelpunkt und macht sofort neugierig auf seinen ersten Fall.
Der Comic-Roman überzeugt mit viel Humor, liebevollen Details und zahlreichen sprachlichen Einfällen. Beim Lesen kann man mitfiebern, mitraten und immer wieder schmunzeln. Besonders schön finde ich, wie bekannte Begriffe und Marken spielerisch verdreht werden. So trägt ein Blechbüchsenauto beispielsweise den Namen „Bohn-M-W“. Solche Ideen passen wunderbar zur Mäusewelt und sorgen dafür, dass es beim Lesen immer wieder etwas zu entdecken gibt.
Auch der Schreibstil passt hervorragend zur Geschichte. Die Texte sind gut verständlich und abwechslungsreich gestaltet. Geräusche, Ausrufe, Sprechblasen und unterschiedliche Schriftarten verleihen den Szenen zusätzlich Dynamik und lassen sie beinahe hörbar werden. Dadurch bleibt das Lesen leicht, kurzweilig und unterhaltsam.
Die Illustrationen von Charley Rabbit machen den besonderen Reiz des Buches aus. Sie sind ausdrucksstark, detailreich und auf wenige Farben reduziert. Vor allem Schwarz, Weiß und Gelb prägen die Seiten und geben dem Comic-Roman einen unverwechselbaren Look. Meinem Kind und mir hat es besonders gefallen, gemeinsam durch die Seiten zu blättern und immer wieder neue Details zu entdecken.
Monsieur Mausebart ist eine herrlich eigenwillige Figur: ein bisschen eitel, sehr überzeugt von sich selbst und trotzdem unglaublich charmant. Zusammen mit seinem neuen Gehilfen Mopsi entsteht ein Ermittlerduo, von dem ich sehr gerne noch mehr lesen würde.
Fazit:
"Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn?" ist ein rundum gelungener Comic-Roman, der mit seiner einfallsreichen Geschichte und seinen liebenswerten Figuren bestens unterhält. Die Geschichte lädt zum Miträtseln ein, überrascht immer wieder mit originellen Einfällen und macht einfach gute Laune. Besonders schön ist, dass der Kriminalfall kindgerecht erzählt wird, ohne dabei zu schlicht zu wirken. Für uns war das gemeinsame Lesen ein echtes Highlight, denn wir wollten jeden Abend unbedingt wissen, wie der Fall weitergeht. Darum wir hoffen sehr, dass Monsieur Mausebart bald in ein neues Abenteuer stolpert.
Anne Freytags Buch "Lügen, die wir uns erzählen" ist so eindrücklich geschrieben, total greifbar, aber eben auch unheimlich schwer im Herzen. Die Autorin nutzt hier oft eine so bildhafte Sprache, dass ...
Anne Freytags Buch "Lügen, die wir uns erzählen" ist so eindrücklich geschrieben, total greifbar, aber eben auch unheimlich schwer im Herzen. Die Autorin nutzt hier oft eine so bildhafte Sprache, dass man gar nicht anders kann, als mitzufühlen. Die Melancholie der Protagonistin Helene und ihr Entwicklungsweg sind berührend, wenn auch hin uns wieder etwas wiederholend.
Zitat: „Ich übersetzte, vermittelte, rieb mich auf – und geriet dann ins Kreuzfeuer. Einer der beiden schickte mich vor, der andere knallte mich ab.“ (Anne Freytag: Lügen, die wir uns erzählen. Seite 32)
Die Autorin:
Anne Freytag widmet sich nach einem holprigen Start mit BWL-Studium mitten in der Wirtschaftskrise, über 100 Absagen und Umwegen über Boutique-Jobs und Grafikdesign seit 2013 ganz dem Schreiben. Dass dieser Schritt genau richtig war, beweisen zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen für ihre Werke, darunter gleich zweifach für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Heute lebt und arbeitet die Autorin in München, wo auch ihre Romane "Lügen, die wir uns erzählen" und "Blaues Wunder" entstanden sind.
Der Inhalt:
Eigentlich wollte Helene ihren Mann schon vor Jahren für ihre große Liebe Alex verlassen, doch am Ende ist es Georg, der sie für eine andere sitzenlässt und ihr Leben mit einem simplen „Es ist einfach passiert“ zum Einsturz bringt. Was sich wie das absolute Ende anfühlt, kann für Helene jedoch ein dringend benötigter Befreiungsschlag sein. Der Ausbruch aus dem engen gesellschaftlichen Korsett, in dem sie als Tochter, Mutter, Ehe- und Karrierefrau immer nur versucht hat, den Erwartungen anderer zu entsprechen. Nun hat sie die Möglichkeit die alten Rollenbilder hinter sich zu lassen, zu ergründen, was sie selbst genau will und sich ein eigenes Ich und ein eigenes Heim aufzubauen.
Gedanken zum Roman:
Schon das Cover fängt die Stimmung perfekt ein: Man sieht eine nackte Frau in den Laken liegen. Ein Arm hängt schlapp nach unten, der andere liegt über den Augen. Da kommen sofort diese pure Erschöpfung, die Trauer sowie Melancholie rüber. Und trotzdem sind die Farben drumherum kräftig und lebendig – ein krasser Kontrast, der neugierig macht.
Zitat: „Innerlich schrie ich mir die Seele aus dem Leib. Ich schrie mich heiser, weinte, aber man sah es mir nicht an. Mein Gesicht, war wie immer, die Wimpern getuscht, die Lippen rot, das Haar glänzend.“ (Anne Freytag: Lügen, die wir uns erzählen. Seite 86)
Im Mittelpunkt steht Helene. Eine Frau, die eigentlich ihr ganzes Leben lang nur nach Liebe, Zuneigung und Wertschätzung gesucht hat. Und was hat sie dafür getan? Sich angepasst. Immerzu. Erst als Tochter an ihre Mutter. Später dann in die Rolle der Ehefrau komplett an ihren Mann Georg. Und daraufhin schlüpfte sie in die Rolle der Mutter und Karrierefrau. Überall beeinflusst durch die Menschen, die sie umgeben und nicht mit dem Blick ins eigene Innere.
Zitat: „Wenn Alex und mich eines verband, waren es Abschiede. Abschiede und Liebe. Das waren wir.“ (Anne Freytag: Lügen, die wir uns erzählen. Seite 305)
Ihre emotionalen Ausflüge aus diesem völlig festgefahrenen Leben sind ihre Erinnerungen an Alex. Er war ihre erste große Liebe. Aber sie hatte damals einfach nicht den Mut, mit ihm etwas Gemeinsames aufzubauen. Aus Angst hat sie dieser Liebe nie richtig nachgegeben. Jetzt schwelt da diese Sehnsucht nach ihm – wobei sie Alex über all die Jahre wahrscheinlich auch extrem idealisiert hat. Auch Alex hängt in der Vergangenheit fest. Und das Tragische ist: Helene lässt sich zwar zu Beginn auf die Beziehung mit ihrem Mann Georg ein, zieht sich dann jedoch irgendwann zurück… dieses ewige Hin und Her, gepaart mit schweren Schicksalsschlägen und der absoluten Unfähigkeit der beiden, miteinander zu reden, bricht der Liebe am Ende das Genick.
Zitat: „Ich hatte alles. Vielleicht war alles zu viel.“ (Anne Freytag: Lügen, die wir uns erzählen. Seite 230)
Was mich beim Lesen so richtig gepackt hat, ist, wie bildhaft Helene die ersten Jahre mit den Kindern beschreibt. Man spürt diese bleierne Müdigkeit, die Erschöpfung und die absolute Überforderung fast schon körperlich. Sie war so unfassbar allein. Ihr Mann Georg hat nur im absoluten Notfall mit angepackt – doch erst, wenn sie wirklich schon am Boden lag. Gleichzeitig war es für ihn völlig selbstverständlich, ihre Ressourcen mitzunutzen, wenn sein eigener Terminplan oder seine Fehler es verlangten.
Generell ist Georg ein schwieriger Charakter. Er scheint den Erfolg seiner Frau überhaupt nicht ertragen zu können, obwohl er selbst in seinem Job erfolgreich ist. Helene musste in ihrer Kindheit und Jugend so viel durchmachen, hatte später zwei Fehlgeburten – und er zeigt wenig Empathie. Klar, wir kennen hier nur Helenes Sicht der Dinge, aber es tut trotzdem weh beim Lesen. Georg ruht sich auf seiner gesellschaftlichen Stellung als Mann viel zu lange aus. Und als es ihm dann doch zu viel wurde, nahm er sich einfach eine Freundin.
Zitat: „Weil Nostalgie eine dreckige Lügnerin ist, die alles Vergangene schöner erscheinen lässt, als es tatsächlich war. Georg musste gegen Alex verlieren – er war real, Alex eine Fantasie. Ein endloses Was-wäre-wenn?, ein tiefes Bedauern.“ (Anne Freytag: Lügen, die wir uns erzählen. Seite 214)
Richtig spannend – und gleichzeitig total traurig – wird es, als plötzlich Tochter Anna eine eigene Stimme bekommt. Sie hat den emotionalen Kontakt zur Mutter verloren, ist ihr im Grunde aber so ähnlich: Sie will es auch immer nur allen recht machen und fühlt sich von ihrer Mutter überhaupt nicht gesehen. Hier prallen die unterschiedlichen Wahrheiten so richtig aufeinander. Helene versucht krampfhaft, sich zusammenzureißen, während die Tochter sich eigentlich nur wünscht, dass die Mutter mal echte Emotionen zeigt. Gleichzeitig beobachtet man, wie Helene dafür mit ihrem Sohn enger zusammenwächst, weil die beiden ein gemeinsames Projekt haben. Was ich mich allerdings wirklich gefragt habe: Warum sieht Anna eigentlich nicht, wie falsch ihr Vater den eigenen Bruder behandelt? Dass nicht der Bruder der „Böse“ ist, sondern der Vater das Problem hat? Das hat mich echt ein bisschen fassungslos gemacht.
So stark das Buch emotional ist, hatte es für mich auch ein paar Schwachstellen. Die Sprünge in der Zeitlinie fand ich manchmal echt schwer einzuordnen. Da wären ein paar einfache Jahreszahlen zwischendurch wirklich hilfreich gewesen, um sich besser zurechtzufinden. Außerdem war es mir an manchen Stellen einfach zu wiederholend und langgezogen. Da hätte man das Ganze hier und da ruhig ein bisschen kürzen können, um den Fluss nicht zu verlieren.
Fazit:
"Lügen, die wir uns erzählen" ist ein Buch, das wehtut, das wütend macht und das zum Nachdenken anregt. Es zeigt schonungslos, was passiert, wenn wir uns selbst für andere aufgeben und in den Lügen leben, die wir uns tagtäglich selbst erzählen. Anne Freytag arbeitet extrem gut und eindrücklich heraus, wie die Rolle der Frau und Mutter in unserer Gesellschaft oft aussieht. Dieses ständige Zurückstecken, die absolute Selbstverständlichkeit, mit der diese Last bei der Frau abgeladen wird, während der Mann sein Leben mit kaum einer Veränderung weiterlebt. Am Ende bleibt oft nur der Rückzug, die Kapitulation und eine tiefe Enttäuschung. Ein wirklich radikaler, feministischer Roman, der diese Missstände schonungslos aufzeigt. Trotz kleinerer Längen absolut lesenswert!
Mit ihrem Comic entführt uns Madita Schwenke in eine Wohngemeinschaft, in der die Flucht vor alltäglichen Auseinandersetzungen eine ganz neue, fast magische Bedeutung bekommt. Die Geschichte rund um die ...
Mit ihrem Comic entführt uns Madita Schwenke in eine Wohngemeinschaft, in der die Flucht vor alltäglichen Auseinandersetzungen eine ganz neue, fast magische Bedeutung bekommt. Die Geschichte rund um die liebenswerte Annie und ihren schwebenden Mitbewohner zieht einen sofort durch ihre ganz besondere, melancholische Ästhetik in den Bann. Schon das stimmungsvolle Cover deutet an, dass uns hier eine feinsinnige Erzählung über die großen und kleinen Fluchtversuche des Lebens erwartet.
Die Autorin und Illustratorin:
Madita Schwenke (1996 geboren) studierte Kommunikationsdesign in Potsdam und Illustration in Hamburg. In ihrer Wahlheimat Hamburg arbeitet sie heute als Gestalterin und Comiczeichnerin. Mit ihrem lockeren Strich schafft sie es, die Lebenswelt ihrer Protagonist:innen glaubhaft zu erzählen. Ihre Geschichten besitzen dabei eine Magie, die das Publikum fast an fliegende Menschen glauben lässt.
Inhalt:
Nach ihrem Einzug in eine neue WG stellt Annie fest, dass einer ihrer Mitbewohner eine höchst bizarre Angewohnheit besitzt. Anstatt aus der Tür zu gehen, steigt er kurzerhand aus dem Fenster und schwebt einfach in den Himmel davon. Als sich die Situation im WG-Alltag zuspitzt, beschließt Annie, dem rätselhaften Phänomen auf den Grund zu gehen und stellt schnell fest, dass sie ihrem Mitbewohner ähnlicher ist, als es den Anschein erweckte.
Gedanken zum Comic:
Das Cover fängt die magisch-realistische Stimmung des Comics perfekt ein. Am oberen Rand baumeln Füße im Leeren – ein wunderbar zweideutiges Bild, bei dem man sich unwillkürlich fragt, ob sie von einem Baum herabhängen oder direkt aus den Wolken ragen. Darunter läuft Annie, deren Blick nach oben gerichtet ist; in ihrem Gesicht mischt sich ungläubiges Staunen mit einer besorgten, fast schon detektivischen Neugier. Das gesamte Design ist in atmosphärischen, melancholischen Blautönen gehalten, während der Titel selbst wie aus flüchtigem Dampf oder einer Wolkenansammlung geformt wirkt.
Beim Aufschlagen setzt sich das blau-weiße Farbschema mit den schwarzen Konturen vom Cover fort, auch wenn die Zeichnungen im Innenteil ein Stück weit rudimentärer und dunkler wirken. Man fliegt förmlich durch die Seiten, weil die Bilder auch ohne viele Worte eine enorme Dynamik entwickeln und die Geschichte fast von alleine tragen. Besonders stark fand ich dabei die Mimik der Protagonist:innen, denn die Emotionen sind so deutlich in die Gesichter gezeichnet, dass man sofort mitfühlt.
Gleichzeitig ertappt man sich beim Lesen immer wieder bei der Frage, was genau eigentlich der Knackpunkt der Geschichte sein soll. Im Grunde geht es um die alltägliche Kunst des Ausweichens – um diesen tiefen Wunsch, Konfrontationen und Verantwortung einfach mal gepflegt aus dem Weg zu gehen. Das ist ein unglaublich starkes Motiv, allerdings muss man sich als Leser:in doch recht vieles selbst erschließen. Hin und wieder waren für mich auch die erzählerischen Sprünge schwer einzuordnen. Es gibt Rückblicke in Annies eigene Vergangenheit, die zeigen, dass sie scheinbar mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen hatte wie ihr schwebender Mitbewohner, hier hätte ich mir einfach eine klarere Kennzeichnung gewünscht.
Generell hätte die Geschichte für meinen Geschmack viel umfangreicher sein dürfen. Als ich das Buch beendet hatte, fühlte ich mich fast ein bisschen betrogen, weil ich einfach noch viel tiefer in diese Welt hätte eintauchen wollen und das Gefühl hatte, dass da noch so viel mehr drinsteckt. Alles in allem greift der Comic aber ein wichtiges Thema auf, dem viel mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Schließlich ist dieses Ausweichen und Verdrücken das reale Verhalten von sehr vielen Menschen, die im Alltag oft einfach keine Kraft mehr für die nächste harte Auseinandersetzung haben, weil das Leben an sich schon anstrengend genug ist.
Fazit:
Am Ende bleibt ein Comic, der trotz seiner Kürze und mancher erzählerischer Stolpersteine noch lange im Kopf nachhallt. Madita Schwenke schafft es mit ihren dynamischen, blau-weißen Bildern, ein zutiefst menschliches Gefühl spürbar zu machen, das viele von uns nur zu gut kennen. Auch wenn man sich manchmal etwas mehr Tiefe und Raum für die Geschichte gewünscht hätte, ist dieses Werk ein wunderschöner und empathischer Blick auf die Erschöpfung unserer Zeit.
Manchmal erwarten Eltern etwas von ihren Kindern, das gar nicht zu ihnen passt. Genau damit muss sich Grüna auseinandersetzen. Sie stammt aus einer Hexenfamilie, hat aber ganz eigene Vorstellungen davon, ...
Manchmal erwarten Eltern etwas von ihren Kindern, das gar nicht zu ihnen passt. Genau damit muss sich Grüna auseinandersetzen. Sie stammt aus einer Hexenfamilie, hat aber ganz eigene Vorstellungen davon, wer sie sein möchte. Der Comic verbindet magische Elemente mit alltäglichen Familienthemen und erzählt dabei von Erwartungen, Eigenwillen und dem Wunsch, den eigenen Weg zu finden.
Die Autorin und die Illustratorin:
Marie Desplechin wurde 1959 in Frankreich geboren und studierte Literatur sowie Journalismus. Sie hat zahlreiche Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben. Ihr mehrfach ausgezeichneter Jugendroman Verte erschien erstmals 1996 und diente als Vorlage für die Comic-Adaption Grüna. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist Marie Desplechin auch journalistisch tätig und schreibt Drehbücher.
Magali Le Huche wurde 1979 in Paris geboren. Nach ihrem Studium an der Kunsthochschule in Straßburg illustrierte sie direkt ihre ersten beiden Bilderbücher. Seitdem sind viele weitere Werke entstanden. Heute arbeitet sie für verschiedene Kinderbuchverlage sowie Zeitschriften und lebt in Paris.
Inhalt:
Mit elf Jahren müsste Grüna eigentlich längst erste Hexenfähigkeiten zeigen. Doch davon ist bei ihr kaum etwas zu merken. Im Gegenteil: Grüna möchte lieber ein ganz normales Mädchen sein und interessiert sich viel mehr für die Jungen aus ihrer Klasse als für Kräuter, Zauberei und Hexenwissen. Selbst den Zaubertrank, den ihre Mutter zu Hause anrührt, um den Hund der Nachbarn zu vergiften, bezeichnet Grüna nur als „Suppe“. Für ihre Mutter ist das ein echter Schock, denn sie findet es wichtig, dass eine Hexe ihr Wissen an ihre Tochter weitergibt. Weil sie nicht mehr weiterweiß, schickt sie Grüna einmal in der Woche zu ihrer Großmutter. Diese soll ihr die Grundlagen der Hexerei beibringen. Schon nach der ersten Unterrichtsstunde zeigen sich erstaunliche Ergebnisse, die Grünas Mutter sogar übertreffen — vielleicht sogar mehr, als ihr lieb ist.
Gedanken zum Kindercomic:
Schon das Titelbild macht neugierig auf den Comic. Es wirkt verspielt, verwunschen und mit viel Liebe zum Detail gestaltet – genau wie die Illustrationen im Inneren des Buches. Zwischen den vielen Pflanzen, kleinen Hexendetails und ungewöhnlichen Figuren gibt es einiges zu entdecken. Grüna steht neben Soufi selbstbewusst im Mittelpunkt, während ihre Mutter und Großmutter schon auf dem Cover sehr unterschiedlich wirken. Dadurch bekommt man direkt einen ersten Eindruck davon, dass es hier nicht nur um Hexerei geht, sondern auch um Familie, eigene Wünsche und darum, seinen Platz zu finden.
Die Geschichte hat mir gut gefallen, weil sie nicht einfach nur ein magisches Abenteuer erzählt. Hinter dem ganzen Hexenkrams steckt ein sehr alltägliches Thema: Grüna möchte selbst entscheiden, wer sie sein will. Ihre Mutter versucht dagegen, sie in eine Rolle zu drängen, die Grüna gar nicht ausfüllen möchte. Das sorgt für viele Konflikte, aber auch für Momente, die einen zum Schmunzeln bringen, weil manche Situationen ziemlich überspitzt wirken.
Grüna ist eine starke Hauptfigur. Sie weiß genau, was sie möchte und was nicht. Besonders schön finde ich, dass sie nicht einfach angepasst erscheint, sondern ihren eigenen Weg sucht. Ihre Mutter wirkt dagegen oft streng, abweisend und wenig verständnisvoll. Gerade weil sie eigentlich eine Vorbildrolle haben sollte, ist ihr Verhalten manchmal schwierig. Umso wohltuender ist die Großmutter, die viel liebevoller, gelassener und offener mit Grüna umgeht. Sie bringt frischen Wind in die Geschichte und nimmt Grüna so an, wie sie ist.
Die Sprache passt gut zu einem Comic für Kinder. Durch die Sprechblasen und die eher kurzen Texte lässt sich die Geschichte leicht lesen. Der Schreibstil ist direkt, lebendig und humorvoll. An manchen Stellen ist die Sprache etwas derber, vor allem bei Grünas Mutter. Das passt zwar zu ihrer aufbrausenden Art, macht aber auch deutlich, dass sie ihrer Tochter gegenüber nicht immer besonders feinfühlig ist. Insgesamt liest sich der Comic schnell und unterhaltsam, ohne oberflächlich zu wirken.
Auch die Illustrationen von Magali Le Huche tragen viel zur Wirkung bei. Sie sind verspielt, ausdrucksstark und voller interessanter Details. Die Figuren haben sehr markante Gesichtsausdrücke, sodass man ihre Gefühle sofort erkennt. Besonders schön ist die Mischung aus Alltag und Magie: Mal wirkt alles ganz normal, dann tauchen wieder kleine verwunschene Einzelheiten auf. Dadurch entsteht eine besondere Atmosphäre, die gut zur Geschichte passt.
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse ein wenig, was dem Comic noch einmal viel Tempo gibt. Trotzdem bleibt der Kern der Geschichte klar: Es geht um Familie, Erwartungen, Geheimnisse und darum, sich selbst treu zu bleiben. Schön ist, dass Grüna und ihre Mutter am Ende doch noch einen Weg zueinander finden. Das wirkt nicht kitschig, sondern eher so, wie das Leben manchmal spielt: chaotisch, anstrengend, aber mit der Möglichkeit, einander besser zu verstehen.
Fazit:
"Hexenkram – Grüna" ist ein eigenwilliger und liebevoll gezeichneter Kindercomic über ein Mädchen, das seinen eigenen Weg gehen möchte. Die Geschichte verbindet Hexerei mit ganz normalen Familienthemen und zeigt, dass man nicht in eine Rolle passen muss, nur weil andere es erwarten. Besonders gefallen haben mir die starke Hauptfigur, die verständnisvolle Großmutter und die vielen verspielten Details in den Bildern. Ein unterhaltsamer Comic für Kinder, die magische Geschichten mögen, aber auch Figuren mit Ecken und Kanten schätzen.