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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.09.2023

Ein außergewöhnliches Kinderbuch für Sehende und Blinde

Das schwarze Buch der Farben
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"Das schwarze Buch der Farben" ist ein ganz außergewöhnliches Kinderbuch. Es enthält etliche schwarze Doppelseiten, die sich jeweils einer Farbe widmen. Auf der linken Seite finden sich dabei Beschreibungen, ...

"Das schwarze Buch der Farben" ist ein ganz außergewöhnliches Kinderbuch. Es enthält etliche schwarze Doppelseiten, die sich jeweils einer Farbe widmen. Auf der linken Seite finden sich dabei Beschreibungen, wie die Farbe riecht, schmeckt oder sich anfühlt. Diese sind jeweils in lateinischer Schrift für Sehende sowie in Braille-Schrift für Blinde dargestellt. Auf der rechten Seite sind passende Bilder abgedruckt, die durch einen Relieflack ertastet werden können.
Das Buch ist eine tolle Möglichkeit für blinde Kinder, sich Farben besser vorzustellen. Sehenden hilft das Werk, ein Stück weit in die Welt der Nicht-Sehenden einzutauchen und Verständnis für sie zu entwickeln.
Leider scheint dieses Buch nicht mehr neu aufgelegt zu werden und ist daher in der deutschen Ausgabe nur noch vereinzelt gebraucht verfügbar.

Veröffentlicht am 13.09.2023

Der Weg zur Selbstfürsorge

Das Mosaik meines Lebens
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Nachdem ihr die Verantwortung im Alltag zu viel geworden ist, nimmt sich Lisa eine Auszeit von ihrem Mann Fin und den beiden Kindern. Sie reist nach Griechenland, wo sie schon bald auf eine alte Bekannte ...

Nachdem ihr die Verantwortung im Alltag zu viel geworden ist, nimmt sich Lisa eine Auszeit von ihrem Mann Fin und den beiden Kindern. Sie reist nach Griechenland, wo sie schon bald auf eine alte Bekannte trifft und mit ihr das "Mosaik des Lebens" entdeckt. In den darin dargestellten Frauen entdeckt sie Teile ihrer Selbst und findet schließlich den Schlüssel zum Glück.

Nach dem Lesen des Verlagstextes und der Leseprobe hatte ich bei diesem Buch einen Roman erwartet. Stattdessen handelt es sich jedoch um eine psychologisch-philosophische Erzählung.
Die Hauptfigur Lisa erfährt mit dem Mosaik von den 12 Urtypen des Ichs, die in jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sind und die unser Denken und damit unser Handeln bestimmen. Lisa lernt jeden dieser Archetypen kennen, wobei ich als Leser bis zum Schluss meine Schwierigkeiten damit hatte, mir deren Namen einzuprägen und sie auseinanderzuhalten. Die Protagonistin begreift allmählich innere Vorgänge und lernt, dass man niemanden für die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse verantwortlich machen kann, sondern dass jeder Mensch seine Bedürfnisse selbst erkennen und formulieren muss. Sie entdeckt also, dass sie nicht das Opfer ihrer eigenen Umstände ist, sondern findet ihre Selbstwirksamkeit wieder. Damit gibt das Buch auch dem Leser einen Anstoß dazu, in sich hineinzuhören, auf seine Gefühle zu achten und ggf. Wünsche zu verwirklichen. Die Erzählung kann somit ein Ratgeber zu mehr Achtsamkeit sein.
Die Gestaltung des Buches gefällt mir gut. Den Einband finde ich sehr ansprechend und die Darstellungen, die die Geschichte ergänzen, greifen den Inhalt treffend auf.

Veröffentlicht am 06.09.2023

Hass und Gewalt als Teil der Menschheit(sgeschichte)

NOVA
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Als seine Frau und sein Sohn bedroht werden, lernt sich Davide neu kennen. Trotz der Gefahr für seine Familie ist er nämlich nicht in der Lage, einzugreifen und sie zu beschützen. Stattdessen ist der Neurochirurg ...

Als seine Frau und sein Sohn bedroht werden, lernt sich Davide neu kennen. Trotz der Gefahr für seine Familie ist er nämlich nicht in der Lage, einzugreifen und sie zu beschützen. Stattdessen ist der Neurochirurg wie gelähmt und schaut zu, wie ein Fremder die Situation brutal klärt. Unfähig zu Gewalt macht sich Davide daran, seine Kräfte zu entdecken und zu lernen, diese einzusetzen.

In „NOVA“ lernen wir eine Hauptfigur kennen, die sehr gebildet erscheint und sanftmütig auftritt. Meinungsverschiedenheiten klärt Davide mit Worten – nichts läge ihm ferner als seinen Mitmenschen Schaden durch eine körperliche Auseinandersetzung hinzufügen zu wollen. Entsprechend beschreibt er sich selbst als „Feigling“. Dieser bleibt Davide jedoch nicht, denn er macht im Laufe des Romans eine deutliche Entwicklung durch: Er lernt Aggressionen, Wut und die damit verbundene Gewalt als Urinstinkte kennen, die in jedem Menschen tief verwurzelt sind und die sich nicht dauerhaft unterdrücken lassen. Sein Mentor vermittelt ihm jedoch, dass man die Gewalt beherrschen können muss, ehe sie den Menschen beherrscht. Nicht in jeder Situation gelingt das und so gipfelt auch der Roman in einem erschütternden Finale. Hier stellt sich die Frage, ob Wut, Hass und Gewalt wirklich der richtige Weg sind, um sich zur Wehr zu setzen.
Neben Davide stehen vor allem seine Frau Barbara und sein Sohn Tomasso im Fokus des Geschehens. Mit ihnen und ihren Erlebnissen enthält das Buch einige Nebenschauplätze, die zwar unterhaltsam, für den Kern der Handlung meines Erachtens jedoch nicht relevant sind.
Sprachlich empfand ich den Roman stellenweise etwas herausfordernd, da er viele fachliche Termini enthält, insbesondere solche aus dem medizinischen Bereich.

Veröffentlicht am 04.09.2023

Warum man seine Pläne nicht aufschieben sollte

Kleine Probleme
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Lars, 49 Jahre alt, Familienvater, hat große Pläne: Als Autor möchte er sein Lebenswerk, „das beste Buch der Welt“, schreiben. Außerdem will er mit dem Rauchen aufhören, muss noch die Steuererklärung machen ...

Lars, 49 Jahre alt, Familienvater, hat große Pläne: Als Autor möchte er sein Lebenswerk, „das beste Buch der Welt“, schreiben. Außerdem will er mit dem Rauchen aufhören, muss noch die Steuererklärung machen und das Bett seiner Tochter sollte er auch noch aufbauen. Wäre da nicht die fehlende Motivation, die dafür sorgt, dass er alles vor sich herschiebt, über Tage, Monate, Jahre. Als der 31. Dezember anbricht und sich damit wieder ein Jahr dem Ende neigt, versucht Lars endlich all seine Punkte auf der To-do-Liste abzuhaken und damit Johanna, die nach 25 Jahren Beziehung Abstand von ihm genommen hat, zurückzugewinnen.

Auf das Buch bin ich durch sein Cover aufmerksam geworden, das ein Bild des japanischen Malers Ohara Koson ziert und mir ausgesprochen gut gefällt! Der dargestellte weiße Reiher im Regen spiegelt den Protagonisten perfekt wider. Auch Lars, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, hat manchmal das Gefühl, im Regen zu stehen und abgehängt zu sein, denn aller Anfang ist schwer, wie er selbst feststellt. Als er nun am letzten Tag des Jahres all seine Aufgaben erledigen will, verlässt ihn immer wieder die Motivation. Er verliert sich ständig in Gedanken oder Erinnerungen, kommt dabei regelrecht ins Philosophieren und schweift mitunter sehr weit aus. All das kostet ihm eine Menge Zeit und so hatte ich als Leser das Bedürfnis, den Protagonisten wachzurütteln und anzutreiben. Ich konnte es Johanna, der Mutter seiner beiden Kinder, also gut nachempfinden, dass sie jahrelang das Gefühl hatte, sich um ihn kümmern zu müssen und schließlich Zeit für sich selbst brauchte.
Obwohl der Protagonist teilweise zu bedauern ist, schildert er seine Erlebnisse mit viel Humor, sodass ich an etlichen Stellen des Buches schmunzeln musste. Sprachlich war der Roman für mich sehr originell, da er mit teilweise langen Sätzen, manchmal unvollständigen Sätzen und kreativen Verbildlichungen daherkommt. Zuerst musste ich mich an diesen Erzählstil gewöhnen, fand dann aber doch schnell rein und habe ihn bis zum Schluss sehr genossen.
Eine klare Empfehlung für diesen Roman, mit dem Nele Pollatschek aufzeigt, warum man seine Pläne nicht aufschieben sollte.

Veröffentlicht am 30.08.2023

Essen ist auch (k)eine Lösung

Der berühmte Tiefpunkt
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Schon lange fühlt sich Marieke am Arbeitsplatz vergessen. Während ihre Kolleginnen mit den ihnen anvertrauten Senioren in einen Neubau wechseln durften, verbringt sie ihre Zeit als Pflegekraft noch immer ...

Schon lange fühlt sich Marieke am Arbeitsplatz vergessen. Während ihre Kolleginnen mit den ihnen anvertrauten Senioren in einen Neubau wechseln durften, verbringt sie ihre Zeit als Pflegekraft noch immer in dem maroden Gebäude, kümmert sich alleine um die Bewohner ihrer Station und füttert ihnen tagtäglich dasselbe Essen. Als sie nun auch noch ihr Freund vor die Tür setzt, scheint Marieke am absoluten Tiefpunkt angekommen zu sein. Sie leiht sich ein Auto, in dem sie von nun an schläft, und hat kaum mehr als die Kleider, die sie am Leib trägt. In all ihrem Kummer spendet ihr vor allem Eines Trost: Essen. Der Grund hierfür liegt in ihrer Vergangenheit, die sie bald einholt. Schritt für Schritt schreitet Marieke voran und findet allmählich einen Weg aus ihrer Situation.

Der Roman erzählt in kurzen Kapiteln von der ebenso liebenswürdigen wie bedauernswerten Protagonistin. Man begleitet sie bei ihrer täglichen Arbeit in einem Pflegeheim, in dem deutlich die Missstände aufgezeigt werden – vom Personalmangel über die damit verbundene Knappheit an Zeit für die einzelnen Senioren bis hin zur inakzeptablen Wohnsituation. Regelmäßige Rückblenden bringen uns Marieke näher, indem sie Aufschluss über ihre Kindheit geben und ihr Verhältnis zu den Eltern und Geschwistern beleuchten. Was anfangs noch nicht zu erkennen ist, wird nach und nach immer deutlicher: Mariekes Erinnerungen an eine glückliche Kindheit trügen sie und hervor treten zerrüttete Familienverhältnisse und ein Kindheitstrauma, das bis in die Gegenwart strahlt. Eine besondere Rolle in ihrem Leben nimmt in diesem Zusammenhang die Zubereitung aufwändiger Gerichte und der Genuss der Speisen ein. Ihre Leidenschaft ist es schließlich, die ihr ein Stück weit bei der Befreiung aus ihrer miserablen Situation hilft. Obwohl das Ende einen positiven Ausblick gewährt, hätte ich mir gewünscht, dass Marieke ihre schwierige Kindheit besser aufarbeitet.