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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2025

Ein Otto-Abenteuer mit Weihnachtsfeeling, aber einigen Abstrichen

OTTO fährt los – Weihnachten in Finnland
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Zum ersten Mal fährt Otto, der Campingbus, mit einer Familie in der Weihnachtszeit auf Reisen. Mit Rike, Jakob und deren Sohn Anton verschlägt es ihn nach Finnland, wo sie unter anderem den ältesten Weihnachtsmarkt ...

Zum ersten Mal fährt Otto, der Campingbus, mit einer Familie in der Weihnachtszeit auf Reisen. Mit Rike, Jakob und deren Sohn Anton verschlägt es ihn nach Finnland, wo sie unter anderem den ältesten Weihnachtsmarkt Helsinkis besuchen, in der Sauna schwitzen und die Nordlichter sehen. Ein Abstecher in das Dorf des Weihnachtsmannes, auf Finnisch Joulupukki, darf natürlich nicht fehlen, ehe die Familie gemeinsam den Heiligabend verbringt.

Das nunmehr vierte Buch der Reihe „Otto fährt los“ kommt in dem altbekannten Stil daher – und ist doch ganz anders. Einmal mehr verreist der sprechende Campingbus mit einer Familie in ein fremdes Land, doch ist er erstmals nicht im Sommer, sondern im verschneiten Winter unterwegs. Madlen Ottenschläger und Stefanie Reich bringen Kindern dieses Mal die Besonderheiten Finnlands in der Weihnachtszeit näher. In Text und Bild lernen die kleinen Leserinnen und Zuhörerinnen Einiges über die finnische Kultur, über Traditionen und Sehenswürdigkeiten. Die Geschichte fällt ein wenig kürzer aus als die bisherigen Abenteuer, ist mit ihrer einfachen Sprache aber gewohnt altersgerecht gestaltet. Alle Illustrationen sind großformatig sowie farbenfroh und laden zum Entdecken ein.
Die Route, die die Familie auf ihrer Reise mit Otto nimmt, lässt sich in dieser Ausgabe leider nicht mehr so einfach verfolgen: In den ersten Bänden war stets eine große Landkarte auf dem Vorsatzpapier zu finden, mit deren Hilfe man den Weg sehen und auch Sehenswürdigkeiten des jeweiligen Landes verorten konnte. Nun gibt es lediglich am Ende des Buches eine kleinere, stark vereinfachte und vor allem unbeschriftete Karte. Dort findet man zudem die Packliste der Familie in Form eines Notizzettels, womit wir beim zweiten Detail sind, das ich vermisse. In den bisherigen Geschichten wurde der Camper Otto zu Beginn abgeholt, ehe die jeweilige Familie vorgestellt und ihr Gepäck in Form einer großen Zeichnung dargestellt wurde. Der Finnland-Band startet stattdessen auf der Fähre. Hier wird die Familie gezeigt, bevor sie schon auf der nächsten Seite ihr erstes Ausflugsziel erreicht. Man stolpert, wie ich finde, also recht abrupt in das Reiseabenteuer. Tatsächlich mochte ich den langsameren, sanften Einstieg in die Geschichte etwas lieber.
Trotz kleiner Kritiken kommen Otto-Fans aber auch mit dem vierten Band wieder voll auf ihre Kosten und vor allem in besinnliche Weihnachtsstimmung.

Veröffentlicht am 13.09.2025

Gut durchdachtes Backbuch mit vielfältigen Rezepten

Einfach backen mit Sauerteig
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Inhalt:
Sauerteig verbessert das Aroma von Backwaren, sorgt für eine längere Haltbarkeit, gilt als gut verdaulich und lässt den Blutzuckerspiegel langsamer steigen. Grund genug für Christina Bauer, sich ...

Inhalt:
Sauerteig verbessert das Aroma von Backwaren, sorgt für eine längere Haltbarkeit, gilt als gut verdaulich und lässt den Blutzuckerspiegel langsamer steigen. Grund genug für Christina Bauer, sich in ihrem neuen Buch dem Backen mit Sauerteig zu widmen. Angefangen bei den Basics gibt sie einen Überblick über Mehltypen, beschreibt Schritt für Schritt, wie man einen Sauerteig ansetzt, und erklärt die Grundlagen des Brotbackens. Anschließend zeigt sie in 60 Rezepten die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten eines Sauerteigs: Von Brot und Brötchen über Pikantes bis hin zu süßem Gebäck bleiben keine Wünsche offen.

Meine Meinung:
Gleich vorab: Ich bin total begeistert von diesem Backbuch! Sowohl für Anfänger wie mich als auch für Fortgeschrittene hat Christina Bauer Wissenswertes sowie eine Menge Rezepte zusammengetragen, sodass das Buch für alle, die sich für das Backen mit Sauerteig interessieren, einen großen Mehrwert bietet. Im ersten Teil liefert sie interessante Hintergrundinformationen und notwendige Grundlagen. Hier erfährt man nicht nur, wie man Sauerteig ansetzt und haltbar macht, sondern beispielsweise auch, was es mit Autolyseteig und dem Mehlkochstück auf sich hat. Im zweiten Teil des Buches findet man anschließend unglaublich vielseitige Rezepte, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist: Misch- und Kartoffelbrot, Bierbrot und Dinkelvollkorntoastbrot, Baguette, Ciabatta, Dinkel-Bagels, Pizzastangen, Speckwurzeln, Brioche, Zimtknoten und Himbeerbuchteln sind nur einige der Rezepte.
Das gesamte Buch ist klar strukturiert, sodass man sich problemlos darin zurechtfindet. Auf den Rezeptseiten sind die Zutaten, die Zubereitung, die Zubereitungszeit sowie die Backzeit und -temperatur übersichtlich dargestellt. Die Erklärungen sind leicht verständlich und, wenn nötig, schrittweise bebildert. Außerdem sind alle Backwaren appetitlich in Szene gesetzt, wodurch ein Rezept verlockender ist als das andere. Insgesamt wirkt dieses Backbuch für mich von der ersten bis zur letzten Seite wirklich gut durchdacht.
Nachdem ich das Buch vor einiger Zeit erhalten habe, habe ich einen Sauerteig aus Roggenmehl angesetzt. Als Anfänger musste ich mich hierbei ein wenig ausprobieren, habe letzten Endes aber einen Ansatz erhalten, der nach knapp einer Woche einsatzbereit war. Mein erstes Brot, das Buttertoastbrot, ist nicht so stark aufgegangen wie es sollte, das war mit einem jungen Sauerteig aber zu erwarten. Den Tipp, anfangs noch etwas Hefe zuzugeben, sollte man also beherzigen. Als nächstes werde ich mich an ein einfaches Roggenbrot heranwagen, ehe ich mit mehr Triebkraft meines Sauerteigs in ein paar Wochen auch das eine oder andere süße Rezept nachbacken möchte.
„Einfach backen mit Sauerteig“ ist mein erstes Buch von Christina Bauer, die ich bis dato noch nicht kannte. Nachdem es mich so überzeugt hat, bleibt es bestimmt nicht das einzige in meinem Regal!

Veröffentlicht am 10.09.2025

Gegen Unterdrückung, für Freiheit - zeitlos und gleichzeitig aktueller denn je

Der Klang der Freiheit
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Inhalt:
Anlässlich eines Festzugs kommt der König in die Stadt. Für die Bewohner könnte das ein schöner Tag werden. Doch ihr König ist ein Tyrann. Wenn er sie besucht, müssen sie sich vor ihm niederwerfen. ...

Inhalt:
Anlässlich eines Festzugs kommt der König in die Stadt. Für die Bewohner könnte das ein schöner Tag werden. Doch ihr König ist ein Tyrann. Wenn er sie besucht, müssen sie sich vor ihm niederwerfen. Ein einzelner Mann wagt es jedoch, aufrecht stehen zu bleiben. Er möchte dem Gesang eines Vogels lauschen…

Meine Meinung:
„Der Klang der Freiheit“ ist ein Bilderbuch, das berührt und sehr nachdenklich stimmt. Es erzählt die Geschichte von einem König, der Angst und Schrecken verbreitet. Er unterdrückt sein Volk und bestraft ungehorsames Verhalten. Dennoch lässt sich ein Mann nicht einschüchtern und leistet Widerstand. Sein Mut bringt ihn ins Gefängnis, wo er Entsetzliches erleiden muss. Beim Lesen habe ich sehr mit ihm mitgefühlt – so sehr, wie es bisher noch kein Bilderbuch geschafft hat. Trotz allem, was dem Mann widerfährt, verliert er nie seine Hoffnung, sodass es die Obrigkeiten nicht schaffen, ihn zu brechen.
Die Erzählweise der Geschichte ähnelt der klassischer Märchen – mit dem Unterschied, dass letztere mit ihren fantastischen Elementen rein fiktiv sind, während der König in diesem Buch doch stark an den einen oder anderen Machthaber der Gegenwart erinnert. Und genau das ist es, was dieses besondere Bilderbuch ausmacht: Mit seinem Bezug zur Realität ist es ebenso zeitlos wie hochaktuell.
Die Illustrationen hat Valeria Docampo beigesteuert, die Vielen mit ihrem einzigartigen Stil aus „Die große Wörterfabrik“ und „Im Garten der Pusteblumen“ bekannt sein dürfte. Mit reduzierter Farbpalette schafft sie unglaublich ausdrucksstarke Bilder, die die Botschaft der Geschichte nicht besser transportieren könnten.
„Der Klang der Freiheit“ zeigt, dass man mutig sein sollte, sich gegen soziale Ungerechtigkeit aufzulehnen. Dass man seine Hoffnung nie aufgeben darf. Und dass man mit einem unbändigen Willen viel erreichen kann. Dieses Buch ist ein Plädoyer für ein freiheitliches Miteinander und damit nicht nur für Kinder, sondern unbedingt auch für Erwachsene zu empfehlen. Auf jeden Fall eines meiner Bilderbuchhighlights!

Veröffentlicht am 08.09.2025

Wie die Welt sein könnte – ein poetisches Bilderbuch für Erwachsene

Was wäre, wenn ...
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Was wäre, wenn alle freundlich zueinander wären? Wenn die Menschen einander anlächeln würden?
Mit wenigen Fragen zeichnet Sabine Bohlmann eine Welt, wie sie sein könnte, wenn jeder Mensch das Potential ...

Was wäre, wenn alle freundlich zueinander wären? Wenn die Menschen einander anlächeln würden?
Mit wenigen Fragen zeichnet Sabine Bohlmann eine Welt, wie sie sein könnte, wenn jeder Mensch das Potential erkennen könnte, das in ihm ruht. Stella Dreis steuert die Illustrationen zu diesem poetischen Geschenkbuch für Erwachsene bei.

Wenn sich eine Bestsellerautorin und eine preisgekrönte Illustratorin zusammentun, sind die Erwartungen hoch. Und Sabine Bohlmann und Stella Dreis enttäuschen nicht. Mit „Was wäre, wenn …“ haben die beiden ein Buch gestaltet, dass mit wenigen Worten und zarten Bildern zum Nachdenken anregt. Sie zeigen, dass es kein Geld benötigt, um einen Unterschied machen: kleine Gesten gegenüber den Mitmenschen, Dankbarkeit für vermeintlich Alltägliches, Wertschätzung für das, was wir haben. Mit ihren Ideen stößt Sabine Bohlmann Träume von einer besseren Welt an, einer Welt des Miteinanders, ohne Ängste und Sorgen, eine Welt in Frieden. Sie motiviert ihre Leser:innen dazu, all die Möglichkeiten zu erkennen, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. Und sie lässt uns mit diesem Buch mit dem Gefühl voller Hoffnung zurück.

Veröffentlicht am 03.09.2025

Geschickt konstruierte, unerwartete Entwicklungen

Gym
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Auf der Suche nach einem neuen Job stellt sie sich in einem Fitnessstudio vor. Das Gespräch läuft gut, bis Ferhat, der Inhaber des Gyms, sie auf ihre Vorbildfunktion für die Kunden hinweist. Sie hätte ...

Auf der Suche nach einem neuen Job stellt sie sich in einem Fitnessstudio vor. Das Gespräch läuft gut, bis Ferhat, der Inhaber des Gyms, sie auf ihre Vorbildfunktion für die Kunden hinweist. Sie hätte vor Kurzem erst entbunden, meint die namenlose Erzählerin mit Blick auf ihre überschüssigen Pfunde und bekommt mit dieser Notlüge den Job. Doch nun muss sie sich nicht nur den Fragen der Kollegen nach ihrem vermeintlichen Nachwuchs stellen, sondern bekommt von ihrem Chef auch einen Trainingsplan verpasst, um ihren Körper in Form zu bringen. …

Mit einem lockeren, leichten Schreibstil weiß Verena Kessler mich mit ihrem Roman „Gym“ von Beginn an zu fesseln. Die Protagonistin der Geschichte, die ohne Namen bleibt, erzählt von ihrem Arbeitsbeginn in einem Fitnessstudio. Durch die Ich-Perspektive erhält man hin und wieder Einblick in die Gedanken der Figur, die oft sarkastisch, fast schon zynisch sind und mich als Leserin großartig amüsiert haben. In Rückblenden lernt man die Erzählerin besser kennen, erfährt von früheren beruflichen und einigen familiären Gegebenheiten. Dadurch versteht man allmählich auch, was die Figur zu ihrer Bewerbung im Fitnessstudio geführt hat.
Was unterhaltsam beginnt, bekommt zunehmend mehr Spannung und Dramatik: Der Trainingsplan, den ihr ihr Vorgesetzter Ferhat geschrieben hat, dient hier als Ausgangspunkt. Die Hauptfigur fängt an sich zu verändern, physisch wie auch psychisch. Angestachelt durch einen Konkurrenzkampf, in den sie sich selbst begeben hat, arbeitet sie immer verbissener an ihrem Körper. Ihre Entwicklung war für mich nicht nur überraschend, sondern zugleich verstörend. Aus der (trotz ihrer Notlüge) anfangs sympathischen Frau wurde eine Figur, die man wohl als wahnhaft und furchteinflößend beschreiben kann. Obwohl ich die Erzählerin zuletzt nicht mehr mochte, fand ich die Art und Weise, wie Verena Kessler deren Wandlung konstruiert hat, doch sehr gelungen. Vor allem die Rückblenden helfen zu verstehen, weshalb sie zu der Person geworden ist, die sie ist. Hier geht um mehr als nur Fitness, es geht um Konkurrenzdenken, Ehrgeiz und Anerkennung, um tiefe innere Kränkungen und Selbstzerstörung. An keiner Stelle des Romans habe ich ahnen können, wo all das am Ende hinführen wird, sodass mich der Schluss wirklich überrascht hat.
Wer herausfinden möchte, welchen Einfluss der sportliche Ehrgeiz der Erzählerin auf ihren Job im Fitnessstudio hat und ob ihr Chef am Ende erfährt, dass ihre angebliche Entbindung nur eine Notlüge war, sollte „Gym“ lesen.