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Chrystally

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2023

Literarisches Baklava

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
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Wer es nicht kennt: Baklava ist ein türkisches Gebäck mit Nüssen, das in Honig oder Zuckersirup getränkt wird. Sehr süß, sehr lecker, und ich kann immer nur ein kleines bisschen davon essen. Ähnlich ging ...

Wer es nicht kennt: Baklava ist ein türkisches Gebäck mit Nüssen, das in Honig oder Zuckersirup getränkt wird. Sehr süß, sehr lecker, und ich kann immer nur ein kleines bisschen davon essen. Ähnlich ging es mir mit dem „Bücherschiff des Monsieur Perdu“ von Nina George.
Die Handlung knüpft an ihren früheren Roman „Das Lavendelzimmer“ an – das Schiff mit der Literarischen Apotheke macht sich aus der Provence auf die Reise zurück nach Paris, der Apotheker und seine Crew begegnen auf dem Weg vielen neuen und alten Bekannten und sie müssen dabei ihren Weg durch verschiedene Irrungen und Wirrungen finden. Jedes Kapitel endet mit einem passenden Eintrag aus der Großen Enzyklopädie der kleinen Gefühle, dem Handbuch für Literarische Pharmazeutinnen.
Alles, wovon erzählt wird, ist schön. Sehr sehr schön. Man muss jeden einzelnen Charakter einfach sofort lieb gewinnen, wie in einem französischen Film haben sie alle ihre Ecken, Kanten und Spleens, aber alle sind herzensgut. Natürlich die altbekannten Protagonisten, aber auch die coole, emanzipierte Pauline, der kleine schicksalsgebeutelte Theo, die vierbeinige Merline, die so viel klüger ist als die Menschen (eine Reminiszenz an ihren Artverwandten aus „Was man von hier aus sehen kann“?), den linkischen Emile, der elegante Monsieur Bovary… Das Essen ist gut, die Getränke sind gut, das Wetter ist immer gut, wenn man es braucht. Die Beziehungen zwischen den Protagonisten sind gut, jeder ist verständnisvoll, geduldig, herzlich, offen, jeder kommt den Bedürfnissen des anderen zuvor und die Gespräche sind stets ausgefeilt und tiefgehend. Wenn Probleme auftauchen, weiß man, dass sie gelöst werden, was dann aber häufig hinter den Kulissen passiert, man erfährt nur die abschließende Erleichterung. Kurzum, purer literarischer Honig. Und so schön das ist, wenn man sich in so eine emotionale Zuckerwattewolke hineinfallen lassen kann, war es mir nach einer Weile dann doch immer zu viel, wenn alle Paarbeziehungen trotz existenzieller Fragen stehen wie tausendjährige Eichen, es keinen Zweifel am Ausgang der Geschichte gibt und am Ende auch wirklich für jede Figur ein Happy End gefunden wird. Andererseits macht es das Buch zu einem absoluten Feelgoodroman, für den ich vielleicht persönlich momentan nur zu desillusioniert bin.
Das ganze Buch ist außerdem wieder ein enthusiastisches, hingebungsvolles Hohelied an Literatur, Bücher und das Lesen. Wie in einer Sinfonie, in der das Thema in unendlichen Variationen wiederholt wird, wird die Liebe zum Lesen und die vielen Arten, auf die Bücher Unterhaltung, Rat, Trost, Gewissheit, einen Möglichkeitsraum und vieles andere spenden können, in jedem Kapitel und besonders in den Einträgen der Großen Enzyklopädie der kleinen Gefühle besungen. Natürlich gibt es für Lesende, die gerade keine
n Literarische Apotheker*in an der Hand haben, Vorschläge für geeigneten Lesestoff und auch eine Auswahl von Autoren.
Das Buch hinterlässt mich wehmütig, dass die Wirklichkeit nicht so schön ist, wie George sie malt, aber in der beruhigenden Gewissheit, dass man immer Bücher als treue Weggefährten haben wird. Insgesamt daher eine klare Leseempfehlung.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 12.03.2023

Innerer Strukturwandel

Wovon wir leben
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In Birgit Birnbachers Roman „Wovon wir leben“ erzählt die Protagonistin von ihrer Rückkehr in ihr Heimatdorf. Dort will sie ihre Kündigung und ihren gesundheitlichen Zusammenbruch verarbeiten, ist nach ...

In Birgit Birnbachers Roman „Wovon wir leben“ erzählt die Protagonistin von ihrer Rückkehr in ihr Heimatdorf. Dort will sie ihre Kündigung und ihren gesundheitlichen Zusammenbruch verarbeiten, ist nach dem Weggang ihrer Mutter mit ihrem Vater und ihrem pflegebedürftigen Bruder konfrontiert, ebenso wie mit den sozialen Strukturen eines ländlichen Dorfs, und lernt einen Mann kennen, der, wenn auch unter anderen Vorzeichen, wie sie an einem Scheidepunkt im Leben steht. Das Coverbild sieht aus, als würden die beiden in einer Wiese schwimmen, und so „schwimmen“ sie tatsächlich nach dem Verlust ihres bisherigen Lebensentwurfs, während das Dorf einen Raum, aber auch Grenzen für einen Neuanfang absteckt.
Das Buch handelt von Selbst- und Fremdbestimmung, Strukturwandel und Rollen-, vor allem Geschlechterbildern, und wie das eigene Weltbild das Handeln bestimmt. Erst spät merkt man an einzelnen Worten, dass die Geschichte in Österreich spielt, aber für das Geschehen ist das eh nebensächlich, dieselben Themen wird man auch in Deutschland, Italien oder der Türkei antreffen. Die Handlung des Buchs ist glaubwürdig und die Personen in Julias Umfeld sind anschaulich charakterisiert.
Nur Julia als Erzählerin blieb mir die ganze Geschichte über hinweg wenig greifbar. Am ehesten konnte ich mit ihr mitfühlen, als sie ihre alte Arbeitsstätte verlässt, aber ansonsten erschien mir der innere Monolog über weite Strecken sehr rational und merkwürdig gefühlsarm. Vielleicht deshalb fand ich manche Entwicklungen, vor allem das Verschwinden der Atemprobleme und das Finden einer neuen beruflichen Perspektive, zwar möglich, aber als Leserin schlecht nachvollziehbar. Dazu trägt auch bei, dass nach einer detaillierten Schilderung von Julias ersten Tagen im Dorf ein Zeitraffer einsetzt, bei dem ganze Wochen oder Monate zusammengefasst werden.
Die Stärke des Buchs liegt dagegen in den scharfen Analysen der Personen und zwischenmenschlichen Situationen und den kurzen, treffenden Bildern, die die Autorin findet. Sie haben das Buch für mich zu einem Lesevergnügen gemacht, auch wenn sie stellenweise in Szenen mit schneller Handlung nicht so recht in den Ich-Erzähler-Stil passten – ich zumindest denke bei der plötzlichen Begegnung mit einer alten Freundin selten in so eleganten Formulierungen wie „Bea ist winterhart, Bea blüht ganzjährig.“
Im Gedächtnis bleiben wird mir das Ende des Buchs, von dem ich auch eine Woche später nicht sagen kann, ob es nun ein Happy End ist oder nicht. Insgesamt hat Birgit Birnbacher einen nachdenklichen Roman geschaffen, den ich gerne gelesen habe.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 12.03.2023

Rätselheft der nächsten Generation

Stay alive! Rätsel-Challenge - Überlebe im magischen Wald
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Der Prinz ist verschwunden und das Königreich wird von Katastrophen heimgesucht – nur wenn du den Einsiedler im Magischen Wald findest, kannst du diesen merkwürdigen Ereignissen auf den Grund gehen. Und ...

Der Prinz ist verschwunden und das Königreich wird von Katastrophen heimgesucht – nur wenn du den Einsiedler im Magischen Wald findest, kannst du diesen merkwürdigen Ereignissen auf den Grund gehen. Und um ihn zu finden, musst du dich einer Reihe von Herausforderungen stellen: den Rätseln in diesem Buch.
Die Rätsel: Die Rätsel haben uns großen Spaß gemacht. Sie sind sehr vielseitig - Wörterrätsel, Matherätsel, Suchrätsel, Logikrätsel… - und manche habe ich (trotz viel Rätselerfahrung) in der Form noch nicht gesehen. Die Besonderheit, dass es drei Schwierigkeitsstufen gibt, war richtig gut umgesetzt, vor allem, wenn sich die Aufgabe auf jeder Stufe ein bisschen verändert. Bei manchen Rätseln, v.a. gegen die Zeit, fanden wir die Rätsel selbst als Erwachsene herausfordernd, also sollten Spieler*innen aller Altersstufen auf ihre Kosten kommen. Damit können auch Personen mit unterschiedlichen Rätselfähigkeiten, z.B. zwei unterschiedlich alten Kindern, gut zusammen spielen. Der „Kampf“ mit dem Endgegner war leider bisweilen etwas langatmig, aber das macht ja nur einen Bruchteil der Spielzeit aus.
Die Geschichte: Man „durchreist“ mehrere Gebiete, die man durch gesammelte Punkte „öffnet“. In jedem gibt es mehrere Rätsel zur Auswahl, die man nicht alle lösen muss, sondern nur so viele, bis man eine bestimmte Menge Punkte gesammelt hat. Zu jedem Rätsel gibt es einen netten kleinen Einleitungstext, der erzählt, wem man im Wald begegnet und welche Aufgabe zu lösen ist – das macht nochmal extra Lust auf das Rätsel. Ich hatte erwartet, dass die Rätsel in irgendeiner Form eine fortlaufende Geschichte erzählen, das war leider nicht der Fall. Theoretisch kann man die Rätsel also in beliebiger Reihenfolge lösen, da man aber keinen Überblick bekommt, macht man sie dann doch wahrscheinlich einfach der Reihe nach. Hier wären Orientierungsseiten schön gewesen, auf denen man (z.B. auf einer Art Karte) sieht, welche Orte/Figuren man in dem Gebiet besuchen kann.
Das Material: Grafisch hat mir das Buch gut gefallen - die Bilder sind in einem farbenfrohen Comicstil gehalten, modern, aber nicht plump, und transportieren schön die Stimmung an den verschiedenen Handlungsorten. Es gibt gut verständliche Lösungsseiten, einen Punktezähler, für den man eine Schere braucht, und eine Lösungsmatrix. Die Punktezähler haben wir nicht benutzt, das ging auch gut mit einer Strichliste, aber vom Material her funktionieren sie bestimmt gut. Auch die Matrix zum Lösen mancher Rätsel hat ihren Zweck erfüllt. Die Farbe auf den Feldern wird durch erwärmen durchsichtig, sodass man die Lösung sehen kann – in kalten Zimmern reichte rubbeln nicht immer, aber Hand drauflegen hat immer funktioniert. Kleiner Wermutstropfen für mich: Ausdrücke wie "Brainpunkt" und "challenge" klingen für mich etwas albern. Aber das tut den Rätseln keinen Abbruch.
Insgesamt gebe ich trotz kleiner Schwächen eine klare Empfehlung für Leute, die Spaß an vielseitigen Rätseln, kleinen Geschichten und schönen Bildern gleichzeitig haben.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 17.02.2023

Inhalt bedrückend, Sprache gewaltig

Der Inselmann
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Dirk Gieselmann schildert die Lebensgeschichte von Hans, dem späteren Inselmann, mit einer Poesie, Ruhe und Bedacht, die in krassem Kontrast zu dem herzergreifenden Erleben des Protagonisten steht. Hans‘ ...

Dirk Gieselmann schildert die Lebensgeschichte von Hans, dem späteren Inselmann, mit einer Poesie, Ruhe und Bedacht, die in krassem Kontrast zu dem herzergreifenden Erleben des Protagonisten steht. Hans‘ Familie flieht vor der Stadt, dem engen Untermieterzimmer und der schmutzigen Fabrikarbeit, um autark auf einer Insel im nahegelegenen See zu leben. Doch vor der eigenen Sprachlosigkeit kann man nicht fliehen, und so bleibt der emotional vernachlässigte Hans auch dort alleine mit sich, vermisst seinen Freund, findet aber auch Trost bei den Tieren und in der Natur, bis ihn die gesellschaftlichen Zwänge in Form der Schulpflicht einholen. Und eine einfache Rückkehr gibt es nicht.
Gieselmann findet eindringliche Bilder und eine passende Sprache für eine sprachlose Familie. Oft wird mit feiner Beobachtungsgabe schlicht beschrieben, was Hans erlebt oder was um ihn herum geschieht, und weder großes Glück noch tiefes Unglück und Unrecht werden dabei bewertet, was diesen Schilderungen eine rohe Kraft verleiht. Kleine Naturbeobachtungen lassen die Inselwelt vor dem inneren Auge lebendig werden. Immer wieder erhält man aber auch Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt von Hans, die ihm meine Sympathie eingebracht haben und in ihrer Einfachheit und Direktheit überzeugend für ein emotional vernachlässigtes Kind waren.
Als Leserin hatte ich oft Mitleid mit Hans, habe ihn aber auch für seine Stärke und Resilienz bewundert, wie er trotz aller Widrigkeiten glückliche Momente findet. Daher ist die Geschichte zwar einerseits bedrückend, andererseits aber auch eine Inspiration zum Anderssein, zum Immerwiederaufstehen und dazu, auch das kleine Glück zu schätzen. Insgesamt von mir daher eine klare Leseempfehlung.
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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Veröffentlicht am 06.02.2023

Der 7. Hummel-Himmel

SAMi – dein Lesebär - Die kleine Hummel Bommel
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Das Cover ist eher schlicht gestaltet, im Buch selbst gibt es mehr zu entdecken. Ich finde die Illustrationen von Joelle Tourlonias einfach unglaublich goldig, sehr gefühlvoll und trotzdem nicht kitschig. ...

Das Cover ist eher schlicht gestaltet, im Buch selbst gibt es mehr zu entdecken. Ich finde die Illustrationen von Joelle Tourlonias einfach unglaublich goldig, sehr gefühlvoll und trotzdem nicht kitschig. Für kleine Kinder ist außerdem toll, dass die Bilder übersichtlich sind, man aber auch viele Details entdecken kann. So auch in der Geschichte der Hummel Bommel. Die Figuren sind vielfältig und - bis auf die anderen Krabbelgruppenkinder (ein sehr schönes Wortspiel, wo es doch um Insekten geht) - sympathisch. Die Geschichte ist für Kinder gut verständlich geschrieben und nachvollziehbar. Als Erwachsene habe ich beim Lesen/Hören an ein paar Stellen gestutzt, die mir nicht logisch erschienen, wie die Begründung des Vaters für die kleinen Flügel, aber das hat nicht weiter gestört. Die Message, dass man sich nicht einreden lassen sollte, was man kann und was nicht, und auch, wie gut es ist, sich Rat zu holen, kann man ja gar nicht oft genug hören.
Die Umsetzung für den Sami-Lesebär hat gut funktioniert. Die Vorlesestimme ist sympatisch, es gefällt mir, dass die Geschichte durch Sounds und Musik untermalt wird. Auch die Soundqualität des Lieds ist gut, Maite Kelly singt persönlich - dass ich das Lied nicht mag, weil es keinen richtigen Rhythmus, kein Reimschema hat und der Text mir zu sehr nach Selbsthilfeliteratur klingt, wird nicht auf jeden zutreffen.
Technisch ist der Bär einfach zu bedienen, und das auch, wenn man die Audiofiles nicht übers W-Lan, sondern über Kabel übertragen will. Auch die Kopplung ans Buch ist einfach und für Kinder gut umsetzbar. Wenn man nicht weiterblättert, erinnert einen Sami nach einer Weile sehr freundlich daran, dass man nach dem Anschauen der Seite umblättern kann, wenn man möchte - das ist schön gelöst. Trotzdem finde ich den Slogan "macht Vorlesen zu einem Erlebnis" unverschämt dreist - klar kann ich als Vorlesende nicht alle Soundeffekte produzieren, aber beim Lesen kuscheln, mit den Fingern auf die Bilder zeigen, Fragen beantworten, DAS kann eben nur ein Mensch und keine Plastikfigur. Etwas mehr Bescheidenheit wäre hier angebracht.
Davon unabhängig sind Sami und Bommel aber eine Kombi, die mir Spaß gemacht hat. Ich freue mich auf weitere Lesebärbücher!
Disclaimer: Ich habe das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten. Dies beeinflusst meine Rezension nicht.

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