Profilbild von Cora

Cora

Lesejury Star
offline

Cora ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Cora über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2017

Brisantes Tabuthema in den 50er Jahren

Zeit der Schwalben
0

Um den nahenden Tod ihrer Mutter nicht miterleben zu müssen, wird die 16-jährige Elizabeth Holloway Ende der 50er Jahre von ihrem Vater zu einer befreundeten Familie ans Meer gebracht. Dort verbringt sie ...

Um den nahenden Tod ihrer Mutter nicht miterleben zu müssen, wird die 16-jährige Elizabeth Holloway Ende der 50er Jahre von ihrem Vater zu einer befreundeten Familie ans Meer gebracht. Dort verbringt sie einen unbeschwerten Sommer und verliebt sich zum ersten Mal.

Vierzig Jahre später erfährt Adele Harington am einjährigen Todestag ihrer Mutter, dass sie eine Schwester hat. Die Suche nach der Wahrheit beginnt….

Der Plot wird aus Sicht von Adele in der Ich-Form erzählt. Einzelne Kapitel werden durch die Tagebucheinträge der jungen Elizabeth ergänzt. Durch diese Einträge bekommt der Leser vermittelt, was sich tatsächlich Ende der 50er Jahre ereignete und was es mit der Schwester von Adele auf sich hat. Das Buch startet schnell mit dem Todestag der Mutter und lässt Spannung aufkommen. Die beiden Schwestern machen sich zusammen auf den Weg der Wahrheitsfindung. Wenn man die Länge in der Mitte überwunden hat, wird man ab Seite 380 für das Durchhalten belohnt und erfährt endlich die rücksichtslose Wahrheit.

Elizabeth ist ein junges naives Mädchen, das eine sehr enge Bindung zu ihrer Mutter hat. Der Vater ist ein gefühlskalter Mann, der mit seiner Tochter nicht so recht etwas anzufangen weiß. Die schwere Krankheit der Mutter belastet sie sehr und man kann gut nachvollziehen, wie sie den Sommer am Meer genießt. Nach dem Tod ihrer Mutter fällt Elizabeth in ein tiefes Loch, welches der Vater nicht zu füllen vermag. Dass Elizabeth sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt, ist nur allzu verständlich. Leider wird ihr das zum Verhängnis.

Adele lebt sehr zurückgezogen und ist kein Freund von Veränderungen. Gerne verdrängt sie so manche Sache. Nachdem ihre Schwester vor der Tür steht, muss sie sich jedoch mit ihr auseinandersetzen. Im Laufe der Zeit öffnet sie sich ihr gegenüber und durchlebt im Ganzen einen Reifeprozess.

Fazit: Meiner Meinung nach hätte das Buch kürzer gefasst werden können, damit der Spannungsbogen aufrecht erhalten bleibt. Dieses war mein erstes Buch aus den 50er Jahren und ich bin schockiert, wie in dieser Zeit mit dem Thema umgegangen wurde. Von daher war es sehr lehrreich und ich kann es Lesern, die Bücher, die in zwei Zeiten spielen, bevorzugen, weiterempfehlen. Ich danke Was liest du und dem Verlag für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars.

Veröffentlicht am 27.10.2017

Zarte Liebesbande

Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt
0

Bea Weidemann ist eine fleißige Arbeitsbiene und Kontrollfreak. Der Buchverlag, bei dem sie für Marketing und Presse verantwortlich ist, steht kurz vor der Pleite. Einzige Rettung ist der Bestseller Autor ...

Bea Weidemann ist eine fleißige Arbeitsbiene und Kontrollfreak. Der Buchverlag, bei dem sie für Marketing und Presse verantwortlich ist, steht kurz vor der Pleite. Einzige Rettung ist der Bestseller Autor Tim Bergmann, der jedoch für sein überaus pöbelhaftes Verhalten in der Öffentlichkeit bekannt ist. Zur Rettung des Verlages muss Bea wider Willen mit Tim auf Lesereise gehen und macht dabei die ein oder andere, nicht nur persönliche, Entdeckung.

Durch den ungezwungenen und flüssigen Schreibstil, gekoppelt mit Situationskomik, kommt man schnell in die Geschichte rein und liest den Plot in einem Rutsch durch. Kristina Günak erschafft zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein können. Einerseits die strebsame und sich stets aufopfernde Bea. Auf der anderen Seite der ungehobelte Tim, den es nicht im Geringsten interessiert, was die Anderen von ihm denken. Bea hat eine schlimme Kindheit hinter sich und aufgrund dessen einige Zwänge angeeignet. Tim ist ebenfalls durch seine Kindheit gezeichnet. Durch die Lesereise kommen die beiden sich näher als ihnen lieb ist und müssen erkennen, dass sie sich viel ähnlicher sind, als sie sich eingestehen wollen.

Fazit: Dies ist ein Liebesroman der leisen Art, dadurch aber nicht weniger wertvoll. Das unflätige Benehmen von Tim sorgt immer wieder für einen Lacher. Leser von Romanen dieser Art werden mit Sicherheit sehr gut unterhalten, zumal der Plot auf jeglichen Schnulz und Erotik verzichtet. Ideale Lektüre für zwischendurch mit einem interessanten Einblick in den Ablauf des Verlagswesens.

Veröffentlicht am 25.10.2017

Spannung pur!

Die stille Kammer
0

Susan Webster hat ihren drei Monate alten Sohn Dylan umgebracht. Nachdem sie drei Jahre in einer Psychiatrie verbracht hat, beginnt sie unter dem Namen Emma Cartwright ein neues Leben. Doch bereits kurz ...

Susan Webster hat ihren drei Monate alten Sohn Dylan umgebracht. Nachdem sie drei Jahre in einer Psychiatrie verbracht hat, beginnt sie unter dem Namen Emma Cartwright ein neues Leben. Doch bereits kurz nach ihrer Entlassung erhält sie ein Foto von einem dreijährigen Jungen, auf dessen Rückseite die Worte „Dylan – Januar 2013“ stehen. Ist Dylan noch am Leben?

Jenny Blackhurst lässt den Plot aus Susans Sicht in der Ich-Form erzählen. Parallel handeln einige Kapitel aus der Vergangenheit beginnend im Jahr 1987 von einem Jungen namens Jack. Die Verflechtung der beiden Erzählstränge erschließt sich dem Leser im späteren Verlauf des Buches. Durch die kurzen Kapitel erhält die Geschichte einen kontinuierlichen Spannungsaufbau. Als Leser ist man dadurch sehr gefesselt und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Viele psychologische Kicks sorgen für Nervenkitzel.

Susan wirkt sehr naiv und man fragt sich oft, warum sie trotz ihrer Erfahrung in der Vergangenheit gegenüber einigen Personen so leichtgläubig ist. Ihre Freundin Cassie, die sie in der Psychiatrie kennen gelernt hat, ist das genaue Gegenteil. Die weiteren Figuren sind psychologisch gut gezeichnet. Nachdem sich die Puzzleteile nach und nach zusammensetzen, bleibt man als Leser am Ende überwältigt zurück, wie sich solche Verstrickungen durch reine Manipulation und Erpressung ergeben können.

Fazit: Meiner Meinung nach ist dies ein äußerst gelungener Psychothriller, der alle wichtigen Elemente für einen Roman dieser Art enthält. Lediglich die deutsche Übersetzung des Titels lässt zu wünschen übrig. Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung mit fünf Sternen. Abschließend danke ich der Lesejury für die Zurverfügungstellung des Buches im Rahmen einer Leserunde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 12.10.2017

Syzygie

Kopf aus, Herz an
0

Lillys komplett gedanklich durchdachtes Leben gerät völlig aus den Fugen, als ihr Verlobter Michael sie zehn Minuten vor der Trauung sitzen lässt. Kurz entschlossen fährt sie allein in die geplanten Flitterwochen. ...

Lillys komplett gedanklich durchdachtes Leben gerät völlig aus den Fugen, als ihr Verlobter Michael sie zehn Minuten vor der Trauung sitzen lässt. Kurz entschlossen fährt sie allein in die geplanten Flitterwochen. Bereits im Flugzeug lernt sie den optisch anmutenden Bad Boy Damien kennen. Damit beginnt ein Abenteuer der ganz anderen Art….

Jo Watson hat einen herrlich erfrischenden und direkten Schreibstil. Mein Lieblingssatz lautet: „Als Damien und seine Schlampenbagage ihren Trockensex beendet hatten, schleifte er die beiden zu mir herüber…..“ Man gleitet mit Leichtigkeit durch die Geschichte und fühlt sich bestens unterhalten. Bevor die romantischen Szenen allzu kitschig werden, weiß Lilly das durch ihre Tollpatschigkeit zu verhindern.

Lilly ist im Grunde eine Träumerin und tritt gerne mal ins Fettnäpfchen. Sie erlebt wegen ihrer Vorliebe für Reality-Shows einige Szenen wie im Film. Sie möchte ihr Leben nach dem von ihr selbst erarbeiteten Plan „abarbeiten“: Heirat, Haus, Kind & Hund. Ihr Verlobter macht ihr allerdings einen gehörigen Strich durch die Rechnung, indem er nicht zur Hochzeit erscheint. Im Laufe des Plots durchlebt Lilly einen großen Reifeprozess, wird unabhängiger und braucht nicht mehr die starke Unterstützung ihrer Familie und Freunde.

Damien erscheint nur optisch als Bad Boy, tief in seinem Herzen ist auch er ein Romantiker allerdings mit Bindungsangst. Nicht umsonst macht er sich jedes Jahr auf die Reise um den Burning Moon zu sehen.

Fazit: Dies ist der ideale Roman „für zwischendurch“ um abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. Locker und leicht, gespickt mit einer Prise Humor. Ich freue mich schon auf den nächsten Roman von Jo Watson und vergebe mit großem Vergnügen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 05.10.2017

Lässt den Leser mit vielen offenen Fragen zurück

Mein Wille geschehe
0

Nach der Scheidung von ihrem kontrollsüchtigen Mann Robert führt Derya ein einsames Leben. Sie bestreitet zwei Jobs und hat lediglich Kontakt zu einer Freundin, die im gleichen Haus wohnt. Ihr Kater Odin ...

Nach der Scheidung von ihrem kontrollsüchtigen Mann Robert führt Derya ein einsames Leben. Sie bestreitet zwei Jobs und hat lediglich Kontakt zu einer Freundin, die im gleichen Haus wohnt. Ihr Kater Odin gibt ihr ein wenig Halt. Plötzlich taucht ihre große Jugendliebe Jakob wieder auf und Derya lässt wieder Gefühle zu. Doch mit Jakobs Erscheinen gehen zeitglich merkwürdige Dinge einher. Derya fühlt sich verfolgt und auch Jakob scheint etwas zu verbergen.

Derya ist eine einsame indes nicht soziophob veranlagte Frau, die ihr Herz nach der Scheidung regelrecht eingefroren hat. In Anbetracht der katastrophal geführten Ehe ist dies gut nachvollziehbar. Ihre Freundin Susanne genannt „Sonne“ ist der einzige Lichtblick in Deryas Leben. Im Verlauf der Handlung lernt Derya ein junges Mädchen von der Straße kennen. Ihre Person gewinnt nach und nach an Bedeutung für Derya. Jakob erscheint von Anfang an sehr undurchsichtig. Was es mit seiner Figur auf sich hat, erfährt der Leser erst ganz zum Schluss.

Der Plot wird in der dritten Person aus Deryas Sicht erzählt. Am Ende einzelner Kapitel sind einige Seiten in Kursivschrift gedruckt, deren Bedeutung im Laufe der Geschichte Klarheit gewinnen. Leider braucht die Geschichte ziemlich lange um endlich Fahrt aufzunehmen und an Spannung zu gewinnen. Teilweise überhäufen sich plötzlich die seltsamen Geschehnisse und erst ganz am Ende wird dem Leser die Auflösung präsentiert, diese jedoch nicht so klar und deutlich, dass man nachdenklich zurückbleibt und die komplette Entwicklung infrage stellt. Die Thematik als solche ist gut gewählt, wurde durch den komplizierten Kapitelaufbau gleichwohl nicht fesselnd umgesetzt.

Fazit: Meiner Meinung nach ist dieses Buch nur bedingt ein Psychothriller. Einige Psychoelemente sind vertreten, jedoch nicht packend genug umgesetzt. Ich lese gerne Bücher, die noch ein wenig „nachklingen“ und zum Nachdenken anregen. Hier habe ich allerdings das Gefühl, dass, selbst wenn man das Buch direkt noch einmal lesen würde, auch beim zweiten Mal wieder völlig ratlos zurückbleibt, weil einem die wahre Auflösung nicht klarer wurde. Für mich ist auch der Titel nicht passend gewählt. Von Titel und Klappentext hatte ich mir deutlich mehr versprochen und kann daher nur drei Sterne vergeben.