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Veröffentlicht am 26.11.2021

Nele Neuhaus lässt in der Verlagsszene ermitteln

In ewiger Freundschaft (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 10)
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Der neueste Taunuskrimi von Nele Neuhaus erzählt die Geschichten ihrer Figuren weiter und bringt einen spannenden Kriminalfall mit.

Dieses Mal geht es in die Verlags- und Schriftstellerszene, ein Metier, ...

Der neueste Taunuskrimi von Nele Neuhaus erzählt die Geschichten ihrer Figuren weiter und bringt einen spannenden Kriminalfall mit.

Dieses Mal geht es in die Verlags- und Schriftstellerszene, ein Metier, in welchem sich Nele Neuhaus auskennen sollte. Für viele Leser werden dies neue und interessante Informationen sein, über die sie sich bislang noch nie Gedanken gemacht haben.

Heike Wersch, altgediente Verlagsmitarbeiterin, Lektorin und jahrelang verantwortlich für das literarische Programm ist vor wenigen Wochen gekündigt worden. Seid nicht ganz zwei Jahren hat der Verlag einen neuen Leiter, der den Verlag mehr auf Unterhaltung ausrichten und somit höhere Stückzahlen pro Buch verkaufen möchte.

Heike Wersch versuchte von Anbeginn, dem neuen Chef Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Deshalb kündigte er ihr. Also begann sie, mit Schmutz um sich zu werfen. Sie klagte vor dem Arbeitsgericht und brachte Plagiatsvorwürfe gegen hochangesehene Schriftsteller. Sie hat sich keine Freunde mehr gemacht, falls sie überhaupt welche hatte.

Dann ist sie plötzlich von einem auf den anderen Tag verschwunden. Pia Sander und Oliver von Bodenstein nehmen die Ermittlungen auf.

Nele Neuhaus hat diesen Krimi mit sehr vielen interessanten Infos gespickt. Nicht nur aus der Verlagszene. Auch bei anderen Gelegenheiten und den Örtlichkeiten im Taunus hält sie nicht mit ihren Informationen hinter dem Berg.

Besonders gut gelungen fand ich die Weiterentwicklung der Figuren. Sowohl Pia Sander hat eine Vorgeschichte mit einem Ex-Mann und zofft mit dem jetzigen Ehemann, seines Zeichens Direktor des Opel-Zoos. Aber auch bei Oliver von Bodenstein läuft es familiär nicht sehr gut, dafür ist das Verhältnis zu seiner Ex-Frau in besten Bahnen. Diese Familiengeschichten sind nicht minder spannend und sorgen für eine passende Atmosphäre. Als Leser taucht man in das Leben dieser Figuren ein und wird Teil deren Familien.

Nicht so schön fand ich die langen Absätze, die sich teils über ein bis zwei Seiten erstrecken. Sie hemmen den Lesefluss und verringern das Lesetempo. Öfters mal die Enter-Taste hätte nicht geschadet.

Allerdings ist letzteres kein Grund, diesen spannenden Kriminalroman nicht zu empfehlen. Deshalb also gerne einen dicken Daumen hoch und danke an Nele Neuhaus und dem Ullstein-Verlag für diese unterhaltsame und spannende Geschichte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Paris und seine Karussels

Das Karussell der verlorenen Träume
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Mit diesem Roman von Juliet Blackwell begeben sich die Leser mit Cady aus Kalifornien auf die Suche nach dem Hersteller des Kaninchens Gus. Gus ist ein Karussellkaninchen und hatte wohl vor vielen Jahren ...

Mit diesem Roman von Juliet Blackwell begeben sich die Leser mit Cady aus Kalifornien auf die Suche nach dem Hersteller des Kaninchens Gus. Gus ist ein Karussellkaninchen und hatte wohl vor vielen Jahren seine Runden auf einem Karussell gedreht.

Cady ist Fotografin und arbeitet manchmal für Zeitschriften. Sie hat ein persönliches Faible für alte Karussells. Sie fotografiert diese am liebsten und setzt sie mit unterschiedlichsten Techniken in Szene, um sie auf ihre Fotos zu bannen. Nachdem ihre Freundin verstorben ist, wird sie von einer anderen Freundin angespornt, nach der Herkunft des Kaninchens zu forschen. Das soll nämlich aus der berühmten Karussellschnitzerei Bayol in der Provence stammen. Cady geht den Spuren in Frankreich nach und lernt viel über die europäische Geschichte und Jean-Paul kennen.

Die Geschichte um Cady und Gus wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt, die wie Zahnräder ineinander greifen. Die Haupthandlung spielt in der Gegenwart. Dazu gehört der Tod ihrer Freundin, der Auftrag zu einem Fotobuch über Pariser Karussells, die Begegnung mit Jean-Paul.

In der Zeitebene um den Beginn des 20sten Jahrhunderts erfahren die Leser vom Wachstum der Karussellfabrik Bayol, seinen Künstlern und Schnitzern, von Auftraggebern für die Herstellung eines Karussells. Wie eine abgeschlossene Geschichte liest sich das Streben eines jungen Mädchens, das in die Männerwelt der Schnitzkünstler eindringen möchte, um Schnitzerin zu werden. Herrlich!

Mit der dritten Zeitebene geht es zurück in die Kindheit von Cady. Wir erfahren, wie es ihr als Kind ergangen ist, warum sie herumgereicht wurde und wie sie schließlich bei der Freundin gelandet ist, deren Tod sie nun betrauert. Die Geschichte von Cady sorgt für Verständnis, Nachvollziehbarkeit und Mitgefühl für ihr Verhalten in der Gegenwart. Ihr Streben, der Herkunft von Gus auf die Spur zu kommen, erscheint ganz klar.

Neben diesen Geschichten erzählt Juliet Blackwell in Bildern die Landschaften, Örtlichkeiten und das Verhalten der Menschen in dem für Cady fremden Land Frankreich. Mit glitzernden Augen können die Leser die zahlreichen Karussells in Paris bestaunen. Man hört die Glöckchen, das Rasseln, die Kinderstimmen und die Musik der sich drehenden Vergnügungsstätten. Aber auch den Lärm in den Pariser Straßenzügen.

Man spürt das Glück von Cady über ihr erstes selbstgekochtes Gericht. Man sieht ihre Röte im Gesicht, wenn Sie ein Kompliment erhält. Es ist anrührend!

Den Roman von Juliet Blackwell habe ich sehr genossen. Sowohl die Handlung um die Suche als auch die Liebesgeschichte haben mir gefallen. Als Parisliebhaber hatte ich wieder die Gelegenheit, auf den mir vertrauten Straßen zu wandeln.

Ein Roman, den ich sehr gerne empfehle und Leserinnen und Lesern anrate, die in eine spannende Geschichte eintauchen wollen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 06.11.2021

In der Tränennacht macht ein Serienkiller Jagd auf Frauen

Tränennacht
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In Karen Rose’s neuem Thriller bekommt man es mit einem Täter zu tun, wie er aus TV-Serien wie »Criminal Minds« bekannt ist.

Ein Serienkiller macht den Sacramento Jagd auf Frauen. Eines Abends sucht er ...

In Karen Rose’s neuem Thriller bekommt man es mit einem Täter zu tun, wie er aus TV-Serien wie »Criminal Minds« bekannt ist.

Ein Serienkiller macht den Sacramento Jagd auf Frauen. Eines Abends sucht er sich Daisy als Opfer aus. Doch damit gelangte er an die Falsche. Daisy hatte viele Jahre Nahkampftraining und weiß sich zu wehren. Sie schlägt ihn in der nächtlichen Straße in die Flucht, nicht ohne ihm eine Kette mit Medaillon vom Hals zu reißen.

Zu Daisys Freunden gehören viele Polizisten, es ist eine Cop-Familie. Ebenfalls dabei FBI-Mann Gideon. Der erkennt das Medaillon und es katapultiert ihn in seine eigene Vergangenheit. Daisy und Gideon machen sich gemeinsam auf die Spurensuche.

»Tränennacht« bietet einen fantastischen Plot, der mich sehr begeistert hat. Die ganze Story wird in zwei Strängen erzählt. Sie beginnt mit dem Strang um den Serientäter. Akribisch lässt Karen Rose in die Leben dieses Menschen blicken, wie er sich betrogen und missbraucht fühlt. Man erfährt alles über den Killer, nur nicht, wer es ist. Sehr, sehr lange nicht.

Der andere Strang schildert das Geschehen um die Ermittlungen und das Verhältnis zwischen Daisy und Gideon. Auch in diesem Handlungsgeschehen geht Karen Rose sehr detailliert die Biografien der Figuren ein. Man erfährt alles über sie, angefangen von ihrer Kindheit bis zur Gegenwart.

Da man auch den Täter beobachtet, hat man immer das Gefühl, dass etwas Schlimmes mit den Ermittlern passieren wird. Denn offenbar weiß er mehr über sie als sie über ihn.

Getrennt werden die einzelnen Szenen beider Stränge durch Ortsangaben und einer Chronologie bis hin zur Uhrzeit.

Die Gedanken einzelner Figuren stellen sowas wie eine zweite Ebene dar. Besonders in der wörtliche Rede während eines Dialogs werden diejenigen Gedanken gezeigt, die der- oder diejenige am liebsten gesagt hätte. Tatsächlich wird aber etwas anderes ausgesprochen. Damit wird ein detailliertes Bild von der jeweiligen Gefühlslage gezeichnet.

Der Thriller hat mir sehr gut gefallen, obwohl er viele Redundanzen aufweist. Mit neuen Personen – Polizisten, Zeugen, Nachbarn – wird immer wieder dieselbe Information geteilt. Das sind aber Informationen, die man als Leser längst weiß und in aller Regel auch nicht vergisst. Beispielweise, was die Bilder auf dem Medaillon bedeuten. Diese Wiederholungen machen den »Tränennacht« etwas langatmiger als er sein müsste.

Trotz allem ist »Tränennacht« sehr empfehlenswert und ich hebe einen dicken Daumen hoch!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 22.10.2021

Der Roman ist anders, aber auch wieder nicht

Keine Ruhe in Montana
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Wie der Titel bereits andeutet, ermittelt Dave Robicheaux, eine Protagonist des Schriftstellers James Lee Burke, diesmal nicht in Louisiana, sondern im nördlicher gelegenen Montana. Aber auch hier, woe ...

Wie der Titel bereits andeutet, ermittelt Dave Robicheaux, eine Protagonist des Schriftstellers James Lee Burke, diesmal nicht in Louisiana, sondern im nördlicher gelegenen Montana. Aber auch hier, woe auch der Schriftsteller James Lee Burke lebt, findet er keine Ruhe. Denn in dem vorliegenden Fall gönnt Burke seinem Protagonisten, dessen Frau Molly und dessen Freund Clete Purcel eine Auszeit aus dem Polizistendasein im Sheriffbüro im Iberia Parish.

Clete wirft die Angel aus. Er hat sich mit seinem Wagen und einem Zelt in die Wildnis zurückgezogen. Da tauchen plötzlich zwei Typen in einem Fahrzeug auf und beginnen, ihn anzumachen. Sie notieren Kennzeichen und motzen rum, von wegen Privatgelände und so. Es stellt sich heraus, dass Clete den einen Kerl kennt und schon mal mit ihm zusammengeraten war. Bei einem Zusammenstoß bleibt es allerdings nicht. Doch was suchen diese Kerle in Montana? Warum gehen sie Clete auf den Senkel? Hat das alles etwas mit den beiden ermordeten Pärchen zu tun, zu deren Ermittlungen der hiesige Sheriff Dave Robicheaux um Hilfe gebeten hat? Dem gefällt die Bitte des Sherriffs gar nicht, hier in Montana ein Deputy-Stern zu tragen.

»Keine Ruhe in Montana« unterscheidet sich meiner Meinung nach gewaltig von anderen Romanen der Dave- Robicheaux-Reihe. Es mag an den anderen Örtlichkeiten liegen, denn bekanntermaßen spielt dieser nicht in Louisiana. Hier wird weniger getrunken, es wird weniger auf die Fresse gehauen. Es heimelt eher beschaulich. Man möchte sagen, dass man Robicheaux kaum wiedererkennt. An Spannung büßt dieser Roman allerdings nichts ein. Überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass es sich eher um einen Clete-Purcel-Roman handelt.

Für Gegenden, Landschaften, Örtlichkeiten und historischen Hintegrund nimmt sich James Lee Burke Zeit , sie zu beschreiben. Zwar wird in Montana auch geangelt, aber offenbar anders. An diesen Handlungsorten riecht es viel weniger nach Südstaaten.

Wegen der Andersartigkeit dauert es auch ziemlich lange, bis man als Leser erfährt, worum es letztendlich geht. Aber es kribbelt anfangs mächtig. Man hat stets das Gefühl: Oh, oh. Da braut sich etwas zusammen. Ganz gehörig.

Wer Dave Robicheaux einmal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, sollte sich seinem Ausflug nach Montana nicht entgehen lassen. Aber, pst, nicht verraten: Dave hat sich tatsächlich genauso wenig verändert wie sein Freund Clete. Denn auch hier in Montana muss Dave seinen vor Kurzschlusshandlungen nicht geschützten Freund aus der Patsche holen.

Für Freunde eines modernen und thrilligen Western ist dieser Roman immer eine Empfehlung wert.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 05.10.2021

Iny Lorentz und ihre Wanderhure Marie

Die Wanderhure und der orientalische Arzt
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Mit diesem historischen Roman habe ich nach langer Zeit mal wieder einen Wanderhuren-Roman gelesen. Zwar hatte ich in den letzten Jahren viele andere Romane von Iny Lorentz gelesen, aber der jetzt neu ...

Mit diesem historischen Roman habe ich nach langer Zeit mal wieder einen Wanderhuren-Roman gelesen. Zwar hatte ich in den letzten Jahren viele andere Romane von Iny Lorentz gelesen, aber der jetzt neu erschienene historische Roman fühlte sich wie ein Nachhausekommen an. Mit Marie und Michel fühlte ich mich sofort wohl.

Es beginnt mit einem heimtückischen Wettkampf dreier Jungen. Für einen von ihnen geht es nicht glücklich aus. Dieser Junge erfährt die bittere Wahrheit über seine Freunde.

Jahre später sind Michel und Marie mit einigen ihrer Lieben auf dem Weg nach Hettenheim, den dortigen Grafen Heinrich zu besuchen. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf raufwütige Gesellschaft und eine von einem Pfeil getroffene Frau, die schwer verletzt ist. Maries Familie kümmert sich um sie und bringt sie nach Hettenheim. Dort werden sie in miese Zwistigkeiten einige Herrschaften hineingezogen.

Mit vielen informativen und plausiblen Details ausgestattet, begleitet man Marie und ihre Familie auf dem Weg in die Nachbarschaftsstreitigkeiten. Intrigen und böse Machenschaften stehen an der Tagesordnung.

Das Schriftstellerehepaar schafft es erneut, dass man flüssig in die Handlung einsteigt und sofort das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Sie schufen erneut eine Athmosphäre, die die Zeit von Damals in meinem Kopf auferstehen ließ. Wegen der gut beschriebenen Figuren, meint man sofort zu wissen, wer böse und wer gut ist. Doch da gibt es noch etwas Überraschung.

Obwohl die Kriminalhandlung an sich schon spannend ist, wird diese vor allem durch die kurzen Kapitel erhöht. Während der Roman in mehrere Teile untergliedert ist, besteht jeder Teil aus zehn bis zwanzig Kapitel mit jeweils einer bis fünf Seiten. Dadurch fliegen die Seiten nur so durch die Finger. Ich fühlte mich mitgezogen von der Handlung und ihrer Spannung.

»Die Wanderhure und der orientalische Arzt« ist ein würdiger Roman in der Reihe der Wanderhuren-Romane, den ich sehr gerne empfehle, weil er mit spannender Unterhaltung die Leser fesselt. Er wird sich besonders gut zum Jahresausklang unter dem Weihnachtsbaum anmachen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021