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Veröffentlicht am 25.06.2021

Hinreißende Leute von Nora Roberts vorgestellt

Nächte des Sturms
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Dieser Roman von Nora Roberts ist der zweite Band der Sturm-Trilogie und erschienen bei Blanvalet. Es ist die Liebesgeschichte von Mary Brenna O’Toole und Shawn Gallagher, die beide im irischen Ardmore ...

Dieser Roman von Nora Roberts ist der zweite Band der Sturm-Trilogie und erschienen bei Blanvalet. Es ist die Liebesgeschichte von Mary Brenna O’Toole und Shawn Gallagher, die beide im irischen Ardmore leben und als Kinder dort zusammen aufgewachsen waren.

Shawn ist ein künstlerisch veranlagter Mann, der im Pub, den seiner Familie gehört, als Koch arbeitet. Geführt wird der Pub von seinem Bruder, der hingegen zu Shawn mehr Geschäftsinteresse zeigt. Shawn macht lieber Musik, schreibt Lieder, träumt oft bis in den Tag hinein. Aber er kann hervorragend kochen. Auch seine Schwester arbeitet im Pub.

Brenna ist die älteste von fünf Töchtern des Handwerkermeisters in allen Dingen, Mick O’Toole. Sie kommt ganz nach ihrem Vater und arbeitet mit ihm zusammen als Handwerkerin. Ob ein Auto repariert, eine Steckdose gelegt oder ein Haus gebaut werden muss, Brenna ist die Richtige dafür. Am liebsten kleidet sie sich auch in entsprechenden männlichen Kleidungsstücken. Und sie hat einen sehr sturen Kopf.

Auf den ersten Seiten werden sehr detailliert mit Bildern und Vergleichen die beiden Hauptfiguren dieses Romans vorgestellt. Die beiden, Shawn und Brenna, werden so detailliert porträtiert, dass es kaum eine Möglichkeit gibt, sie nicht als sympathische Figuren wahrzunehmen.

Es sind fantastische Figuren, die Nora Roberts geschaffen hat. So gegensätzlich und dennoch anziehend. Man fühlt sich als Leser wohl in den Familien von Ardmore, trotz der nicht enden wollenden Streitgespräche.

Natürlich ist die Grundfrage, ob Brenna und Shawn am Ende zusammen kommen werden. Oft sieht es nicht danach aus, oft scheint alles vergeigt. Angehaucht hat Nora Roberts die Geschichte mit ein wenig Fantasy, was für diese Schriftstellerin nicht ungewöhnlich ist. Nicht selten unterhalten sich die Leute mit dem Feenprinzen Carrick und seiner Geliebten Lady Gwen, die immer dann erscheinen, wenn die Hauptfiguren in ihren Konflikten und Gedanken zu ersticken scheinen.

»Nächte des Sturms« von Nora Roberts ist ein hinreißender Roman, der mich selbst zwischen all den Thrillern, die ich verschlinge, auf andere Gedanken brachte und mir einige Glücksmomente beschehrte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 03.06.2021

James Lee Burke und sein Dave Robicheaux

Dunkle Tage im Iberia Parish
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Auch dieser Roman von James Lee Burke ist ein weiterer Hardcore-Kriminalroman um den Polizisten Dave Robicheaux. In diesem Roman ist Dave Robicheaux tatsächlich Polizist, und zwar im Iberia Parish Sheriffs ...

Auch dieser Roman von James Lee Burke ist ein weiterer Hardcore-Kriminalroman um den Polizisten Dave Robicheaux. In diesem Roman ist Dave Robicheaux tatsächlich Polizist, und zwar im Iberia Parish Sheriffs Department. Dort kümmert er sich um die alltäglichen Verbrechen, wie Unfälle mit Fahrerflucht, Straßenkriminalität, Handtaschendiebstahl, Alligatoren, die Schweine fressen und so weiter. Ansonsten ist Dave Robicheaux auch als Alkoholiker bekannt, der sich mal Privatdetektiv, mal als Detective beim New Orleans Police Department verdingt. Aber das ist in diesem Roman anders.

Dave Robicheaux erzählt zu Beginn von seiner Zeit bei einem Austauschprogramm der Polizei mit dem Miami Police Department vor zwanzig Jahren. Aber damals war er noch Trinker und musste zusehen, wie ein befreundeter Cop auf der Straße getötet wurde. Er konnte ihm nicht helfen, weil er zu dem Zeitpunkt betrunken war.

Burke holt im vorliegenden Roman die Vergangenheit in die Gegenwart. Dave Robicheaux ist trocken. Doch es ereignen sich einige Sachen rund um seinen Schreibtisch und Streifenwagen, von denen er der Meinung ist, dass sie zusammengehören. Vor allem tauchen Personen im Iberia Parish auf, welche aus Florida stammen und mit dem Tod seines Kumpels damals zu tun hatten. Das stinkt ihm mächtig.

Wie bei den Romanen des in Montana lebenden Schriftstellers Burke üblich, gibt es viel Informationen über das Leben und die Geschichte von Louisiana. Ausgefeilte, dem Handlungsgeschehen angepasste Figurenbeschreibungen lassen die Dialoge in Bildern geschehen. Der trockene Dave Robicheaux von Burke gefällt mir gleich zehnmal besser, obwohl sein Protagonist auch in anderen Romanen sympathisch ist.

Die örtlichen Beschreibungen sind so angenehm zu lesen, dass man Lust darauf bekommt, hier urlaub zu machen. Trotz aller Verbrechen, die in diesen Krimis geschehen. Hier ist mal ein Zitat aus dem Roman, damit ihr einen Eindruck gewinnen könnt, warum ich mich in solchen Beschreibungen so sehr heimisch fühle.

Alles in allem ist auch dieser Roman einer, den ich nicht missen möchte. Interessant, spannend, abenteuerlich und unterhaltsam! Total empfehlenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 28.05.2021

Steph Broadribb lässt ihre Kopfgeldjägerin erneut jagen

Die Jägerin - Übergabe
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Dies ist der dritte Band, den Steph Broadribb dieser Reihe beigesteuert hat. Bislang gibt es insgesamt vier Thriller um die Kopfgeldjägerin Lori Anderson aus Florida. Drei davon sind auf Deutsch bei Heyne ...

Dies ist der dritte Band, den Steph Broadribb dieser Reihe beigesteuert hat. Bislang gibt es insgesamt vier Thriller um die Kopfgeldjägerin Lori Anderson aus Florida. Drei davon sind auf Deutsch bei Heyne erschienen.

Lori hat nach dem letzten Fall wieder in ein normales Leben zurück gefunden. Sie lebt mit ihrer Tochter Dakota und deren Vater JT zusammen. JT ist immer noch der Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen möchte.

Als Lori ihre Tochter zur Schule bringt, wird sie kurz darauf selbst entführt. Sie wird in die Residenz des Mafiabosses von Miami gebracht. Der geht davon aus, dass Lori seinen Sohn getötet hat. Zur Wiedergutmachung fordert er die Erledigung eines Jobs: Sie soll seinen zweiten Mann aus den Klauen des FBI befreien.

Sein zweiter Mann hat mit dem FBI einen Deal gemacht und will ihn verraten. Der Mafiaboss will aber nicht, dass Lori ihn tötet sondern nur aus den Fängen des FBI befreit und zu ihm bringt. Doch dessen zweiter, noch lebender Sohn hat ganz andere Pläne.

Dieser Roman ist schwer in ein Genre zu fassen, jenachdem, welche Definition man für Thriller oder Krimi heranzieht. Denn eigentlich schickt Steph Broadribb ihre Protagonist nicht auf die Jagd nach einem Bösewicht. Vielmehr wird Lori selbst gejagt. Sie selbst ist das Ziel, nach ihr wird gejagt. Lori ist stets auf der Flucht. Aufgrund des rasanten Tempos würde ich diesen Roman also durchaus das Attribut eines Thrillers zuweisen. Da unterscheidet er sich kaum von dem ersten Band dieser Reihe »Die Jägerin – Auftrag«.

Loris Flucht aber ist extrem spannend und lässt die Seiten nur so durch die Finger gleiten.

Steph Broadribb lässt die Szenen rund um die Protagonistin von Lori selbst in der Gegenwart, Als Leser ist man sozuganen mittendrin, erlebt Loris Ängste, Schmerzen und Freuden zeitgleich und hautnah mit. Die Szenen ohne Lori werden von einem anderen Erzähler in dritter Person geschildert. Das betrifft hauptsächlich das Geschehen um Loris Tochter Dakota und deren Lebensgefährten JT, der selbst ein Kopfgeldjäger ist und von der Mafia gejagt wird, um Lori unter Druck zu setzen.

Zusätzlich erfährt der Leser viel über die Landschaften, wie z.b die Everglades, und wird dort zusammen mit den Figuren Gefahren ausgesetzt.

Für Leser, die gerne die Seiten durch die Finger drehen, ist dieser Roman ein Muss. Er ist actionreiches Kino mit gefühlvollen Momenten genauso wie Mafiosi, die nicht in jedem Moment abgrundtief böse sind. Diesen Roman empfehle ich sehr gerne!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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  • Cover
Veröffentlicht am 26.05.2021

ein quirliges Durcheinander

Agatha Raisin und der tote Auftragskiller
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Als ich »Agatha Raisin und der tote Auftragskiller« von M.C. Beaton las, kam mir als Erstes in den Sinn, wie treffend die Fernsehmacher der britischen TV-Serie um die Protagonistin Agata Raisin den Romanen ...

Als ich »Agatha Raisin und der tote Auftragskiller« von M.C. Beaton las, kam mir als Erstes in den Sinn, wie treffend die Fernsehmacher der britischen TV-Serie um die Protagonistin Agata Raisin den Romanen nachempfunden haben.

Es ist alles ein quirliges Durcheinander in der beschaulichen, ländlichen Idylle der Cotswolds. Aufgedreht, überspitzt, humorvoll und dazu ausnahmslos exotische und extravagante Figuren. „Normalos“ sucht man vergeblich.
Doch worum geht es in diesem Krimi von M.C. Beaton?

Agatha hat in Frankreich den Entschluss gefasst, aus ihren bisherigen Amateurermittlungen eine richtige gewerbsmäßige Privatdetektei zu machen. Sofort bewirbt sich eine selbstbewusste Nachbarin, um eine Stelle in der Detektei. Agatha muss ihr den Job geben, denn ihren ersten Fall löste diese mit Bravour. Dabei ging es um eine vermisste Katze. Ein Anfang war gemacht. Es kamen weitere Aufträge hinzu, auch Personenschutz. Bei allem berkommt Agatha viel Hilfe von Freunden und Nachbarn, obwohl sie zunächst von vielen Dorfbewohnern nicht erwünscht ist, weil sie mit ihrem Büro das Verbrechen ist Dorf holt.

Die Spannung dieses Romans baut sich anhand der Verbrechen auf. Was mit einer Katze anfängt, über die Bedrohung eines Menschen bis hin zum Mord geht.

Humorvoll und chaotisch sind die Beziehungen aller Leute untereinander. Es gibt ständig Zoff. Immer ist jemand beleidigt. Aber es wird sich auch wieder vertragen. Ein ständiges hin und her, bei dem der Leser den Durchblick behalten muss, was natürlich zusätzlich für Spannung sorgt.

M.C. Beaton präsentiert einen lesenswerten, amüsanten und spannenden Krimi für Leser mit britischen Schwächen. Wer Cornwall, England oder Schottland in der Literatur und Unterhaltung mag, der sollte auf M.C. Beaton nicht verzichten!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2021

Kimberly McCreight: Hochspannung vorprogrammiert!

Eine perfekte Ehe
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Der Roman von Kimberly McCreight ist voller Nervenkitzel. Jedes Umblättern sorgt für neue Fakten und erfordert ein Umdenken beim Leser.

Protagonistin in diesem Roman ist die New Yorker Anwältin Lizzie ...

Der Roman von Kimberly McCreight ist voller Nervenkitzel. Jedes Umblättern sorgt für neue Fakten und erfordert ein Umdenken beim Leser.

Protagonistin in diesem Roman ist die New Yorker Anwältin Lizzie Kitsakis, die einen Anruf von einem alten Studienkollegen bekommt. Der ist eigentlich unendlich reich – Kategorie Jeff Bezoz -, aber er ruft per R-Gespräch aus der berücjtigsten und gefährlichsten Justizvollzugsanstalt, dem Rikers Island in New York, an.

Eigentlich wollte Lizzie ihre Ehe und mit ihren Ehemann Sam, der ein Alkoholiker ist, kitten. Sie hat gar keine Zeit für andere Fälle. Jedoch kommt sie nicht umhin, das Mandat von Zach zu übernehmen, um ihn aus dem Gefängnis zu holen.

Stück für Stück wird man mit den Umständen konfrontiert, warum Zach im Gefängnis ist, warum eine Kaution abgelehnt wurde und und und.

Die Beziehungen zu Freunden, Kollegen, Verwandten und Bekannten werden mit jeder weitteen Seite konkretisiert. Alles, was einmal so harmlos klang, ist plötzlich nicht mehr harmlos, sondern brandgefährlich für die Protagonistin. Plötzlich steht alles auf dem Spiel, aber nicht nur für Lizzie. Kimberly McCreight meistert die verzwickten Konflikte mit einer Eleganz, sodass es pure Freude ist, diesen Verwicklungen zu folgen.

Ich möchte aber gerne hinweisen, dass der Thriller mit all seinen Winkelzügen nicht verworren ist. Im Gegenteil: Man ist sich als Leser zu jedem Zeitpunkt sehr sicher, alles richtig verstanden zu haben. Es ist alles plausibel und man möchte meinen, in der jeweiligen Situation würde man auch so handeln. Doch erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt.

Raffiniert sind die verschiedenen Perspektiven, aus denen Kimberly McCreight die Geschichte erzählt. Da ist zunächst die Sichtweise von Lizzie, die aus der Ich_Perspektiver erzählt wird und das ganze Geschehen der Gegenwart, der aktuellen Handlung beleuchtet. Dann gibt es die Rückblenden aus der Sicht des Opfers, immer von einer dritten Person geschildert. Die Rückblenden beschreiben unterschiedliche Zeiten vor der Tat bzw. vor der von Lizzie geschilderten aktuellen Handlung. Und schließlich gibt es Protokolle einerseits von einer Sicherheitsfirma und andererseits von der Staatsanwältin. Besonders die Protokolle der Zeugenaussagen widersprechen meist allen anderen Sichtweisen und sorgen für noch mehr Spannung beim Lesen.

Hier noch eine Information nebenbei: Als ich das Cover der deutschen Ausgabe dieses Romans betrachtete, dachte ich für einen kurzen Moment, dass es sich bei dem Foto um eines von Nicole Kidman handeln könnte. Aber dann wiederum stellte sich die Frage: Warum sollte der Droemer Verlag solch einen Hollywood-Star auf ein Cover nehmen? Doch dies klärte sich schließlich bei den Recherchen zu meinem Artikel „Top Ladies of Thrill – Nervenkitzel aus den USA„. Dieser Roman wird für Amazon Prime von Nicole Kidman und ihrer Produktionsfirma verfilmt. Wow! Klar!

Ich bin gespannt auf die Verfilmung. Das Buch kenne ich nun ja schon und kann es heiß empfehlen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021