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Veröffentlicht am 06.05.2020

Rivalität zweier Kinder wird zum Thriller

Wie tief ist das Wasser
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In diesem Roman »Wie tief ist das Wasser« von Susan Hill steuert die Geschichte unaufhörlich auf eine Katastrophe zu. Edmund Huber hatte nur kurze Zeit seinen Großvater auf dem Sterbebett liegen sehen. ...

In diesem Roman »Wie tief ist das Wasser« von Susan Hill steuert die Geschichte unaufhörlich auf eine Katastrophe zu. Edmund Huber hatte nur kurze Zeit seinen Großvater auf dem Sterbebett liegen sehen. Edmund ist zehn Jahre alt und wurde von seinem Vater, der älteste Sohn des alten Huber, großgezogen. Nun hatten sie diesen dieses Haus geerbt. Doch weil sein Vater oft in London sein würde, wollte er sich um einen Freund für seinen Sohn bemühen. Das ging schneller als erwartet. Der Vater hatte die verwitwete Ms Kingshaw kennengelernt, die einen ebenso alten Jungen wie Edmund großzog. Sie sollte eine besondere Haushälterin werden und Charles Kingshaw Edmunds Freund. Doch beide Jungs können sich schon vor ihrer Begegnung nicht ausstehen.

Beide Jungs legen eine Rivalität zutage, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Daraus bezieht der gesamte Roman seine Spannung. Aus diesem Konflikt entstehen Situationen, die den Roman auf die Spitze treiben. Prügeleien und Angeberei sind das kleinste Übel. Als Leser ahnt man, dass irgend etwas ganz Schreckliches passieren muss. Das ist unausweichlich, bei so viel Krieg zwischen Huber und Kingshaw. Und dann das Verhalten von Charles Mutter und Edmunds Vater. Manchmal möchte man das Buch in eine Ecke feuern.

In einem ruhigen Stil wird die Rivalität erzählt. Da die Hauptfiguren zwei Kinder sind, sind die Dialoge dem Alter entsprechend. Jeder Leser wird solche Gespräche noch aus seiner eigenen Kindheit kennen. Es ist nicht ungewöhnlich. Heute würde man es auch als Mobbing bezeichnen. In dem Stil der Erzählung geht einem das Verhalten unter die Haut, wobei man geneigt ist, Stellung für einen von beiden zu beziehen. Subtile Spannung von Anfang bis Ende.

Ein wiederentdeckter Roman, der die Rivalität zweier Kinder zum Thriller macht!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

Veröffentlicht am 06.05.2020

Spannende Nebenhandlungen!

Zum Greifen nah
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Durch den Pendragon Verlag habe ich hardboiled Thriller »Zum Greifen nah« kennengelernt, bei dem die Spannung an so vielen Enden angepackt wird, dass man einfach mit fortgerissen wird. Sara Cross ist als ...

Durch den Pendragon Verlag habe ich hardboiled Thriller »Zum Greifen nah« kennengelernt, bei dem die Spannung an so vielen Enden angepackt wird, dass man einfach mit fortgerissen wird. Sara Cross ist als Sheriff eine neue Protagonistin für mich. Bislang kannte ich von Wallace Stroby nur die Gangsterin Crissa Stone.

Mit einem Notruf fordert ein Sheriff Kollegen zur Verstärkung an. Sara am nächsten dran. Ihr Kollege Billy hat bei einer Fahrzeugkontrolle einen Afroamerikaner erschossen. Er schwört, dass der Tote eine Waffe in der Hand hatte. Im Kofferraum von dessen Wagen befindet sich eine Kiste voller Waffen. Alle Aussagen von Billy scheinen plausibel. Ein Problem ist allerdings, dass Sara mal mit Billy ein Paar gewesen war. Allerdings hatten sie sich schon vor einigen Monaten getrennt.

Als Leser erfährt man parallel von der Beauftragung eines Killers. Dieser soll das Geld holen, welches ihr Kurier zusätzlich zu den den Waffen transportieren sollte. Damit sollte ein großer Drogendeal finanziert werden. Von dem Geld war allerdings in den Medien nie die Rede, obwohl die Tötung des Afroamerikaners dort schon eine beachtliche Rolle spielte.

Damit weiß der Leser eine Menge mehr als die agierende Figuren und darf gespannt sein, wie die es ausgeht. Kommt es zu einem Drogenkrieg? Ich habe bereits oben darauf hingewiesen, dass es mehrere Spannungselemente gibt. Zwei davon kommen aus einer eher ungewöhnlichen Richtung: Der von der Drogengang angeheuerte Killer, der auch das Geld zurückbringen soll, hat Krebs. Eigentlich sollte er sich einer OP und anschließenden Therapie unterziehen. Und auch der sechsjährige Sohn von Sheriff Sara Cross hat Krebs. Auch hierüber erzeugt Stroby ein Spannungselement, denn Sara ist allein wegen Billy bereits in Stress und muss sich eigentlich noch viel mehr um ihren Sohn kümmern. Werden beide, Killer und Sohn, am Ende des Romans gesund werden? Es sind also zwei Figuren, auf denen der Leser gespannt sein darf.

Strobys Stil gefällt mir sehr. Knallharte Schlägereien und Schießereien neben gefühlsbetonten Elementen, die auf die Tränendrüse drücken und sogar für einen Killer Mitleid hervorrufen können. Gibt es sowas? Verrückt, aber fantastisch!

Ein solcher Kriminalroman ist immer eine Empfehlung wert!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2020

viel zu früh zu Ende

Wenn das Schlachten vorbei ist
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Mit dem Lesen des neuen Romans vom amerikanischen Schriftsteller Thomas Coraghessan Boyle schafft man sich einen der ungewöhnlichsten, aber tatsächlich existierenden Konflikte auf den Hals. Das Thema des ...

Mit dem Lesen des neuen Romans vom amerikanischen Schriftsteller Thomas Coraghessan Boyle schafft man sich einen der ungewöhnlichsten, aber tatsächlich existierenden Konflikte auf den Hals. Das Thema des Buches, das Ökosystem der Erde, ist zugleich der Konfliktstoff, den Boyle hier bearbeitet. Denn es treffen zwei Gruppen aufeinander, die zunächst einmal pauschal als „grün“ bezeichnet werden. Naturschützer vs. Tierschützer. Oder andersherum gefragt: Wie viel Tierschutz ist gestattet, ohne die Natur zu gefährden? Die Frage stellt sich nicht? Und was ist, wenn sich Ziegen auf einer Insel so ungebremst vermehren, dass die einzigarte Fauna und Flora durch den unstillbaren Drang des Fressens und den Exkrementen der Tiere vernichtet wird? Dürfen die Ziegen dann getötet werden, wie vor einigen Jahren auf den Galapagos-Inseln geschehen?
Doch zunächst der Reihe nach. Der Roman ist in zwei Teile untergliedert und spielt an der Südküste Kaliforniens. Die Naturschutzbehörden bemühen sich, die Inseln Anacapa (im ersten Teil) und Santa Cruz (im zweiten Teil) in ihren ursprünglichen Naturzustand zu versetzen. D. h. die dort durch Schiffe vor Jahrhunderten eingeschleppten fremden Tierarten, im ersten Teil sind es Ratten, im zweiten Schweine, müssen beseitigt werden, damit die heimischen Arten wieder zu ursprünglicher Blüte gelangen. Die Naturschutzbehörden werden personifiziert in der Biologin Alma Boyd Takesue, die zwar keinem einzigen Tierchen als Individuum ein Haar krümmen kann, für Ihre Ziele aber das Schlachten tausender Tiere für notwendig erachtet. Ihr Gegenspieler ist Dave LaJoy, ein erfolgreicher Unternehmer mit mehreren Elektronikläden, der eines Tages den Tierschutz für sich entdeckt hat. In dieser Aufgabe geht er auf, wird fanatisch und schreckt selbst nicht vor Verbrechen zurück, nur um ein einziges Tier zu retten. Beide, Alma und Dave, treffen immer wieder aufeinander, in der Natur, auf Veranstaltungen, oder vor Gericht. Erbittert versuchen beide, ihre Standpunkte hart zu verteidigen. Jeder für sich ist eine extrem widersprüchliche Figur. Da wird es z. B. sehr interessant, als Dave, der sich gerade einen neuen Rasen im Garten hat legen lassen mit Waschbären auf seinem neuen Rasen konfrontiert wird. Der mit dem Anlegen des Rasens beauftragte Gärtner ist erst zu einer Ausbesserung des Rasens bereit, wenn LaJoy die Waschbären entfernt. Gute Frage. LaJoy kommt in Nöten. Ist ihm sein Rasen wichtiger als es die Waschbären sind?
Die Geschichten um die beiden und deren Hintergrund wird in verschiedenen Zeitepochen, die beim Leser zunächst Fragen zurücklassen, erzählt. Außer dem Umstand, dass die Geschehnisse in der Vergangenheit darauf hinweisen, wie das „Ungeziefer“ auf die Inseln gelangt ist, gibt es lange Strecken keine Erklärung für diese kleineren Episoden. Aber keine Angst, die Fragen werden geklärt und je weiter der Leser in der Handlung fortfährt, umso erkennbarer werden die Zusammenhänge. Mich persönlich hat zudem die Erzählweise mit dem ständigen Wechsel in Rückblenden fasziniert. Diese Rückblenden können große Zeiträume bis hin zu mehreren Jahrzehnten genauso umfassen wie das Geschehen in der vorigen Stunde. Während die Handlung in der Gegenwart spielt, wird schon mal eine kleine Zeitspanne von wenigen Stunden übersprungen, um dann anschließend die Lücke erzählerisch in der Vergangenheit zu schließen. Hierfür ist eine sehr filigrane Textarbeit notwendig, an der der Übersetzer Dirk van Gunsteren sicherlich nicht ganz unschuldig ist. Einfach hervorragend.
Für die Erarbeitung dieses Romans bedurfte es eines tiefen Wissens und viel Recherchearbeit durch den Schriftsteller um das ökologische Gleichgewicht der Erde, die Notwendigkeiten der Ressourcenschonung. Allerdings brauchte es auch die überaus gute Erzählweise, um so manche kleine Durststrecke zu überwinden. Denn als Leser klebt man an der Handlung. Boyle jedoch versucht vor allem auf der ersten Hälfte des Buches, all sein Wissen an den Leser weiterzugeben, was für kleine Momente ermüdend wirken kann. Ähnlich auf die Folter gespannt wird der Leser bei der Überwindung zahlreicher Rezepte und man kommt beim Lesen dieser Passagen nicht umhin, eine Wette darauf abzuschließen, ob sich der amerikanische Schriftsteller demnächst in die Reihe der Kochbuchautoren einreihen möchte. Das Interesse an der Geschichte geht dabei aber niemals verloren und so wundert es nicht, dass der Roman schließlich viel zu früh zu Ende ist.
Wer sich bislang noch keine Gedanken um den Erhalt der Erde gemacht hat, kann mit diesem Roman beginnen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012

Veröffentlicht am 29.04.2020

von vorne bis hinten spannungsvoll

Léon und Louise
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Dieser Roman ist ein sehr sinnlicher und gefühlvoller Roman, der Lust auf Lesen macht. Grund hierfür sind der Erzählstil und die anrührende Geschichte. Den obersten Rahmen bildet die Beerdigung des Großvaters. ...

Dieser Roman ist ein sehr sinnlicher und gefühlvoller Roman, der Lust auf Lesen macht. Grund hierfür sind der Erzählstil und die anrührende Geschichte. Den obersten Rahmen bildet die Beerdigung des Großvaters. Sie wird beobachtet und erzählt von seiner Enkelin. Während sie über Opa und sein Leben nachdenkt, über die Geschichten, die sich in der Familie über ihn erzählt wurden, schmückt sie sich das Leben ihres Großvaters aus und erzählt es aus ihrer ganz persönlichen Sichtweise. Sie erzählt, wie ihr Großvater (Léon) sich vor der Front im Ersten Weltkrieg drückte, wie er seine erste Liebe (Louise) kennenlernte, wie er mit seiner Frau lebte und mit ihr Kinder bekam. Sie erzählt vom Leben Léons als Beamter in Paris. Die Bilder der Okkupation Frankreichs durch das Deutsche Reich werden lebhaft und detailgenau dem Leser nahe gebracht. Obwohl Léon seine Louise bereits im Ersten Weltkrieg verloren hat und tot glaubt, hört er nie auf, sie zu lieben. Zehn Jahre später begegnen sie sich in Paris, verbringen eine Nacht miteinander. Bis zum nächsten Kontakt werden erneut Jahre vergehen. Die deutsche Besetzung hat die Pariser verändert. Dies wird an der Ehefrau Léons deutlich erkennbar. Obwohl mir das Buch ausnehmend gut gefallen hat, habe ich mich über kleine Überlängen geärgert. Längen, in denen Passagen und Geschichten erzählt werden, die nicht das Niveau anderer Episoden erreichen. Denn unverkennbar wollte Capus nicht die Geschichte des Liebespaares erzählen, sondern das Leben in Frankreich zu beiden Zeiten der Weltkriege. Es sollte die Geschichte des zurückhaltenden, kleinen Widerstandskämpfers erzählt werden. Um die Episoden aus dem Leben Léons nicht losgelöst erscheinen zu lassen, wurde eine gefühlvolle Liebesgeschichte als roter Faden geschmiedet, der eine spannende, solide Grundlage bildet, auf die sowohl Autor als auch Leser immer wieder Erdung bekommen. Die ruhige Erzählweise als auch die knappen Dialoge schaffen es, beim Lesen eine Stimmung hervorzurufen, die einen Zuschauer beim Betrachten eines gefühlvollen französischen Spielfilms beschleicht. Obwohl man bedauern kann, dass es in dem Buch nur um Léon und nicht um Louise geht, ist der Roman dennoch von vorne bis hinten spannungsvoll und macht Spaß.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012

Veröffentlicht am 29.04.2020

Ein Eifelkrimi, der Spaß macht auf mehr

Tote gehen nicht den Eifelsteig
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Wer die Krimis von Carola Clasen kennt, der weiß, dass man um den Humor darinnen nicht herum kommt. Charmanter Humor, der nicht durch die Vordertür hereinpoltert, sondern ganz feinsinnig zwischen den Zeilen ...

Wer die Krimis von Carola Clasen kennt, der weiß, dass man um den Humor darinnen nicht herum kommt. Charmanter Humor, der nicht durch die Vordertür hereinpoltert, sondern ganz feinsinnig zwischen den Zeilen zu entdecken ist. So auch in dem aktuellen Krimi „Tote gehen nicht den Eifelsteig“ aus dem KBV-Verlag. Den Anfang nimmt das Desaster in der „Klinik am Wald“. Hier ist der Posten des Chefarztes demnächst neu zu besetzen. Die beiden Oberärzte, die bis dato enge Freunde aus der Schulzeit waren, streben diese Stelle an. Der Verwaltungsdirektor und der Noch-Chefarzt mögen keine Entscheidung zwischen den beiden Bewerbern treffen. Was liegt da schon näher, sie den beiden selbst zu überlassen. Aber selbst bei so langjährigen Freunden ist eine friedliche, im Gespräch getroffene Einigung schwer vorstellbar. Also einigen sich beide auf einen Wettstreit: Wanderung auf dem Eifelsteig, einem 330 Kilometer langen Wanderweg von Aachen bis nach Trier, quer durch den Nationalpark Eifel. Einer von ihnen startet in Aachen, während sich der andere in Trier auf den Weg macht. Auf halber Strecke sollten sie sich über den Weg laufen. Die zurückgelegte Strecke ist mit Hotelbelegen und Fotos nachzuweisen. Als sie dieses Wettrennen vereinbaren, ahnt keiner, dass ihr Weg mit Leichen gepflastert sein wird. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf. Ein Eifelkrimi, der sich dieses Mal der gesamten Eifel annimmt und in welchem die bereits bekannte Protagonistin Hauptkommissarin Sonja Senger unentwegt auf dem Strohhalm kaut, weil sie sich gerade das Rauchen abgewöhnen will. Ein Eifelkrimi, der Spaß macht auf mehr. Sowohl, was das Lesen angeht, als auch das Wandern in der Eifel. Für ersteres steht mit „Die Eifel sehen und sterben“ schon der nächste Clasen-Krimi in den Startlöchern.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2012