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Veröffentlicht am 02.06.2018

Die Kurzkrimis zeigen, mit wieviel Rafinesse und Spannung selbst winzige Begebenheiten ausgestattet werden können.

OWL kriminell
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Mit „OWL kriminell“ hatte Anfang 2009 eine neue Krimireihe im KBV Verlag ihre Premiere. Unter dem Reihennamen „Mordlandschaften“ werden Kurzkrimis aus einzelnen deutschen Regionen in Form einer Anthologie ...

Mit „OWL kriminell“ hatte Anfang 2009 eine neue Krimireihe im KBV Verlag ihre Premiere. Unter dem Reihennamen „Mordlandschaften“ werden Kurzkrimis aus einzelnen deutschen Regionen in Form einer Anthologie herausgebracht, zu der zwanzig regional und überregional bekannte Krimiautoren ihre Beiträge liefern.

In dem ersten Buch der neuen Reihe melden sich Autoren aus und mit Geschichten über die Region Ostwestfalen-Lippe zu Wort. Viele Orte, in denen die spannenden Geschichten spielen, dürften auch Uneingeweihten ein Begriff sein, beispielsweise Paderborn, Bielefeld, Detmold, Gütersloh, Bad Salzuflen und viele weitere. Wenn man dem Titel der Reihe glauben schenkt, müsste es unheimlich sein, in diesem Landstrich Deutschlands zu leben, denn es handelt sich um eine einzigartige Mordlandschaft.
Das Buch bietet sehr kurzweilige Vergnügen und eignet sich alllein schon wegen der darin enthaltenen Kurzgeschichten sehr gut für immer mal zwischendurch. Jeder Kriminalfall ist etwa zwischen zehn und zwanzig Seiten lang und da ist ein kompletter Fall schonmal während der Fahrt mit der Straßenbahn lösbar.

Den Reigen der oft höchst amüsanten Mordsgeschichten beginnt einer der wohl bekanntesten Krimiautoren Deutschlands, Horst Bosetzky, der schon in den 70er Jahren unter dem Pseudonym -ky bekannt war und die Vorlagen für einige Fernseh-Tatorte lieferte. In seiner in Bad Oeynhausen spielenden Geschichte „Der Kurschatten“ beleuchtet er die Möglichkeiten eines Krimiautors in einem solchen Kurort. Nessa Altura beschäftigt sich in ihrem Krimi „Marta in Herford“ mit den Gedanken eines Leibwächters, die ihm kommen könnten, wenn er sich in die zu schützende Person verliebt. In der Story „Die Spökenkieker von Bad Salzuflen“ läßt der Autor Stephan Peters die Leser von einem unheimlichen Deja-vue in einem Seniorenheim erfahren. Claudia Puhlfürst, Herausgeberin dieser Anthologie, berichtet von einer „Schlacht um die Varusschlacht“ und beleuchtet archäologische Erkenntnisse aus dem Teutoburger Wald, verknüpft mit Regionalpolitik. „Das geschnitzte Herz“ von Sandra Lüpkes spielt in Lemgo und handelt von einer über Jahre währenden Liebe, die nicht erwidert wird.

In dem Krimi „Opa ist der Beste“ lässt Norbert Horst ein Kind von seinem, in Wirklichkeit geheimnisvollen, Großvater schwärmen. Carsten Sebastian Henn schildert in „Ein mordsmäßiger Pickert“ von dem mörderischen Wettstreit der Köche und Hausfrauen um die Zubereitung des westfälischen Nationalgerichtes Pickert. In Hartwig Liedtkes „Hövelhof ist prima“, die im gleichnamigen Ort spielt ist eine ungewöhnliche Schuld abzutragen. Der zweite Herausgeber dieser Anthologie, Uwe Voehl, berichtet in seiner Geschichte „Chili con Caren“ von einem außerordentlich scharfem Wettstreit in Bad Salzuflen, wohingegen Andrea Gehlen in „Das Brombeerzimmer“ eine ungewöhnliche Urnenbeisetzung beschreibt. Nach dem Motto Alles hat seinen Preis werden in Mechthild Bormanns Story „Freundschaftspreis“ ungewöhnliche Spielchen getrieben. Wie wahr das Sprichwort Lügen haben kurze Beine ist, zeigt „Die Bombe im Marktplatz 33“ von Dennis Ehrhardt, in der es um höchst zweifelhafte Terroristen geht. Dunkle Geheimnisse um „Das Mädchen mit den Zöpfen“ lassen manch einen nicht sorglos schlafen, weiss die Autorin Sandra Niermeyer zu erzählen. So, wie die Polizei ihre Gründe hat, nach dem Souvenirmörder zu fahnden, so hat die schöne Maren ihre Gründe, einen attraktiven Mann zu jagen, meint jedenfalls Gerald Hagemann in „Von einem schönen Teller kann man nicht essen“. In Peter Hardcastles „Auberge le Concarneau“ bekommt Kommissar Plattkowski von der Bielefelder Kripo französische Amtshilfe, ohne sie angefordert zu haben.

Der Autor Wolfgang Schüler gibt in „Güterlos in Gütersloh“ Einblicke in die Werbebranche, in der es turbulent und manchmal nicht ohne das Ausspionieren der Mitarbeiter zugeht. Obendrein bietet er zu letzterem eine Bedienungsanleitung. Bauer Brinkmann hat es nicht leicht, schon gar nicht, wenn er sich auf dem Jahrmarkt die Stiefel voll laufen lässt. So gehen das Autorenduo Tewes/ Reitemeier in „Kein Platz für eine Leiche“ der Frage nach: Wo entsorgt man einen versehentlich gestohlenen Pkw, in dessen Kofferraum zu allem Überfluss eine Leiche liegt? Ebenso entscheidungsfreudig wie Bauer Brinkmann stellen sich die „Profis“ von Jürgen Siegmann ihren Aufgaben. Richtig pervers geht es bei Andreas Gruber zu, der seinem Protagonisten die Lichtscheine unter den Türen beobachten lässt. Dunkle Geheimnisse scheinen sich bei Monika Detering um Fräulein Else, die nicht mehr lacht, zu ranken. Bei Uwe Bekemann spielt das Paderborner Bilderrätsel „Der Hasen und der Löffel drei“ die Hauptrolle, in welchem drei Hasen mit jeweils einem Ohr so angeordnet sind, dass es aussieht, als hätte jeder Hase zwei Ohren.

Die Kurzkrimis zeigen, mit wieviel Rafinesse und Spannung selbst winzige Begebenheiten ausgestattet werden können, um eine äußerst unterhaltsame Lektüre daraus werden zu lassen. Der eine oder andere Leser mag sich vielleicht mit Grauen an diese Geschichten erinnern, wenn er auf der Autobahn an dem einen oder anderen dieser Orte vorbei fährt.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2009

Veröffentlicht am 02.06.2018

Ein absolut lesenswerter Roman für jede Jahreszei

Teufelshaken
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In ihrem neuen Kriminalroman „Teufelshaken“ geben die Krimi-Cops erneut einige Einblicke in die Arbeit des Düsseldorfer Polizeipräsidiums. Zugegeben, oft genug mit einem zwinkernden Auge. Dabei ist ein ...

In ihrem neuen Kriminalroman „Teufelshaken“ geben die Krimi-Cops erneut einige Einblicke in die Arbeit des Düsseldorfer Polizeipräsidiums. Zugegeben, oft genug mit einem zwinkernden Auge. Dabei ist ein ernster Fall zu klären. Während der erste Tote, der dienstälteste Köbes (Kellner) einer bekannten Altstadt-Brauerei-Kneipe, noch gar nicht als zu ermittelnder Fall sondern als Unfall wahrgenommen wird, wirft der zweite Tote in einem unterirdischen Gewölbe viel weitreichendere Fragen auf.

Wie bereits in „Stückwerk“ wird Kriminalhauptkommissar Struhlmann, genannt Struller, an den Einsatzort kommandiert. In den zahlreichen Stichwunden an der Leiche erkennt er ein ihm zunächst zwar noch unbekanntes Symbol, was ihm aber sofort signalisiert, dass es sich hierbei nicht um einen Unfall handelt. Sein freier Tag ist versemmelt. Und dann auch noch das komische Verhalten seines einarmigen Lieblingswirtes Krake. Das gefällt ihm gar nicht.

Schließlich eine weitere Leiche, diesmal im Rhein. Das ist nicht mehr alleine zu schaffen, zumal alle anderen Kolleginnen und Kollegen in einer Glücksspiel-Soko eingebunden sind. Struller fackelt nicht lange, sondern kommandiert seinen ehemaligen Praktikanten Jensen, der nach abgeschlossener Ausbildung in die niederrheinische Provinz an die holländische Grenze versetzt worden war, kurzerhand zurück ins Düsseldorfer Präsidium. Höchst amüsant ist die damit beginnende Parallelhandlung mit Oma Jensen, die sich nicht scheut, ihrem Enkel ins entfernte Düsseldorf zu folgem, um ihm bei seiner wichtigen Arbeit und der Jagd nach den Mördern unter die Arme zu greifen. Dabei schafft sie es ohne Mühe, dem Polizeipräsidenten in einem Vier-Augen-Gespräch einige wichtige Ratschläge zu geben.

Die beiden Polizisten Struller und Jensen zermartern sich die Köpfe um das immer noch unbekannte Symbol, den Teufelshaken. Schließlich ermitteln sie, dass es sich um das Vereinszeichen eines Karnevalsvereins handelt, auch der Gedanke an Okkultismus geht ihnen nicht aus dem Kopf. Hin und wieder werden ihnen Hinweise von Faserspuren-Harald durchgegeben, der mit Akribie die Tat- oder Fundorte auseinander nimmt. Es bleibt nicht bei den drei Leichen, es gesellen sich weitere hinzu. Und immer wieder spielt der Teufelshaken eine wichtige Rolle. Im Umfeld jeder Leiche taucht dieses Symbol auf. Ein untrügliches Zeichen auf einen Zusammenhang aller Morde. Die Ermittlungen führen in die unterschiedlichsten Milieus Düsseldorfs und schließlich auch bis zur Veranstaltung der Bambi-Verleihung. Struller und Jensen legen sich mit Glücksspielern, einer Motorradgang und mit Karnevalisten an, doch schließlich sind ihre Ermittlungen von Erfolg gekrönt. Und der von Krake vermisste Stammkunde, weshalb Struller das Verhalten von diesem aufgefallen war, wird endlich auch wieder aufgefunden.

Bei den Krimi-Cops handelt es sich um ein sechsköpfiges Autorenteam: Martin Niedergesähs, Stephan Engel, Klaus Stickelbröck, Ingo Hoffmann, Carsten Rösler und Carsten Vollmer. Allesamt sind echte Kommissare und arbeiten auf dem Düsseldorfer Polizeipräsidium. „Teufelshaken“ ist ihr zweiter gemeinsamer Roman um Struller und seinen Partner Jensen. Mit viel Charme sind die Figuren ihrer Romane aufgebaut. So sind auch die beiden Polizisten schnell als liebenswerte Chaoten entlarvt; ob sie nun mit Pepitamützchen durch die Gegend marschieren oder in einer Mönchskutte über die Flure des Präsidiums hetzen. Man liest den sechs Autoren ihre Freude am Schreiben an. Jedem von ihnen scheint der Schalk im Nacken zu sitzen und so mancher Kollege von ihnen wird sich in der einen oder anderen Romanfigur zu entdecken haben. Trotz allen Spaßes handelt es sich um eine immer auf Wendungen und Spannung bedachte Kriminalhandlung. Der Leser wird einem sehr amüsanten Verwirrspiel ausgesetzt und oft genug auf die falsche Fährte geführt. Doch schließlich, Struller hat es eh von Anfang an geahnt, laufen alle Wege auf eine einzige Lösung hinaus, wie sie anders gar nicht hätte sein können.
Ein absolut lesenswerter Roman für jede Jahreszeit, besonders im Sommer, der karnevalslosen Zeit.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2009

Veröffentlicht am 02.06.2018

Der Pendel wechselt ständig zwischen Spannung, Interesse und Verwirrung.

Mord im Eifel-Express
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Ein durch und durch grauer Mann, grau in seiner Seele, grau in seinem Herzen, grau im Aussehen blickt auf sein Leben zurück. Er wartet auf seine Frau, die mit der Bahn vom Einkauf in der Stadt zurückkommen ...

Ein durch und durch grauer Mann, grau in seiner Seele, grau in seinem Herzen, grau im Aussehen blickt auf sein Leben zurück. Er wartet auf seine Frau, die mit der Bahn vom Einkauf in der Stadt zurückkommen sollte.

Eine Privatdetektivin, die ihrem Job bei der Polizei nicht besonders nachtrauert, der aber ein solcher in der Provinz angeboten wird. Doch gemäß dem Motto „Alles oder nichts“ gibt es neben diesem Angebot den langersehnten ersten Auftrag: ein fremdgehender Ehemann.

Ein musizierender Einbrecher, der im Heim aufgewachsen war und dem sein Onkel dringendst ans Herz legt, einen anderen Menschen aus dem Weg zu räumen.

Eine junge Frau, die vom Besuch ihrer Freundin überrascht wird, auf welche wiederum der Begriff „Banking & Finance“ elektrisierende Wirkung ausübt.

Ein Dozent, dem nicht nur das Kartenlegen seiner Frau auf die Nerven geht, in Gerolstein wohnt, in Köln arbeitet und täglich mit dem Eifel-Express pendelt.

Die Kartenlegerin, die der Privatdetektivin die Unterlagen zum Auftrag übergibt, in welchem diese den Namen des Liebchens ihres Mannes, des Dozenten, herausbekommen soll.

Der Einbrecher wird vom Onkel verstoßen, weil er den Dozenten zwar geärgert, aber noch nicht umgebracht hat.

Der Dozent zahlt mehrere tausend Euro, um der Erpressung ein Ende zu setzen und hofft, die junge Schwarzhaarige, die sich ihm als neue Studentin vorgestellt hat, im Eifel-Express zu treffen.

Die Privatdetektivin ermittelt trotz Jobangebot in Sachen Ehebruch und trifft dabei erneut auf den jungen Einbrecher, der inzwischen weiß, dass sein Onkel vom Dozenten gekauft worden ist und daraufhin einen teuflischen Plan schmiedet.

Der Dozent versucht, bei der jungen Schwarzhaarigen zu landen. Allerdings lässt sie ihn ihre Kälte spüren. Der Eifel-Express wird von einem Pflasterstein getroffen. Der Dozent ist geschockt.

Die Privatdetektivin löst den Auftrag in Sachen Ehebruch, beginnt ihren neuen Job bei der Kripo in Euskirchen und ermittelt in Sachen Steine-Werfer.

Zum Abschluss ist aus vielen Verdächtigen im Eifel-Express der Täter herauszufinden.

So oder so ähnlich ließen sich die einzelnen Kapitel des durchaus amüsanten und spannenden Krimis fortführen. Jedes Kapitel bringt gerade am Anfang des Buches einzelne, scheinbar losgelöste Teilstücke mit immer neuen Figuren und Namen hervor. Erst im sechsten Kapitel wird ein Handlungsstrang eines vorherigen Kapitels wieder aufgenommen. Bis dahin sind etwa hundert Seiten vergangen, während derer sich der Leser in Geduld üben muss. Die Fäden scheinen anfangs weit auseinander zu laufen, Querverbindungen und Zusammenhänge erschließen sich nicht auf Anhieb. Das macht es schwer, dieses Buch über mehrere Tage hinweg zu lesen. Um den Überblick zu behalten, sollte der Leser vielleicht abends mit dem Buch ins Bett gehen und es am nächsten Morgen ausgelesen auf den Nachttisch legen. Die rasanten Aktionen und schnellen Wechsel geben durchaus Anlass dafür, Spannung ist genügend vorhanden.

Das macht es etwas schwierig, dieses Buch in seiner Gesamtheit einzuschätzen. Der Pendel wechselt ständig zwischen Spannung, Interesse und Verwirrung. Die Fäden scheinen selbst dreißig Seiten vor dem Schluss noch nicht zusammenzuführen. Dennoch ist es durchaus lesenswert. Wer also die Gelegenheit hat, ziemlich zeitnah alles am Stück lesen zu können und sich zutraut, dem Verwirrspiel der Kölner Autorin zu folgen, dem ist das Buch zu empfehlen. Gelegenheitsleser, die nur einmal pro Woche zum Buch greifen, sollten diesen Krimi als Herausforderung betrachten.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2009

Veröffentlicht am 02.06.2018

Einblick in unterschiedlichste Lebenssituationen

Der Mut zur Freiheit
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Mittelpunkt dieses drei Generationen umfassenden Romans sind Margarita, ihre Tochter Valentina sowie ihre Enkelin Olivia. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts wird Margarita von ihrem Vater aus dem Haus vertrieben. ...

Mittelpunkt dieses drei Generationen umfassenden Romans sind Margarita, ihre Tochter Valentina sowie ihre Enkelin Olivia. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts wird Margarita von ihrem Vater aus dem Haus vertrieben. Das geschieht, weil sie sich mit einem Burschen ihres Alters eingelassen hatte, der dem Vater nicht gefiel. Margarita ging in die große Stadt und Schritt mutig durch das Leben. Aber es wurde kaum einfacher oder leichter für Sie, denn im katholischen Spanien, wo der Roman spielt, waren unverheiratete Mädchen nicht gern geduldet. Besonders dann nicht, wenn sich herausstellte, dass sie ein Kind erwarteten. Ihrer Tochter Valentina ging es einige Jahre später kaum besser. Auch sie bekam eine Tochter, deren Vater die Mutter hat sitzen lassen. Olivia ist Star der damaligen Zeit als Tänzerin. Ihre Berühmtheit setzt sie für den Schutz von Tieren ein. Doch als sie sich so auch gegen den Stierkampf in Spanien wendet, wendet sich die Meinung des Volkes gegen sie. Denn Stierkampf ist zum Ende des zweiten Weltkrieges eine so verfestigte Nationaltradition, dass man einfach nichts dagegen sagen darf.

In wechselnden Kapiteln erfahren die Leser vom Leben der drei Frauen. Sie haben zwar alle beruflich Erfolg, aber privat steht es nicht zum allerbesten. In Sachen Liebe wirken alle etwas glücklos. In einem ruhigen Erzählton schildert Katja Maybach die Schicksale der Frauen. Sie fesselt die Leser mit den eigentlich auch drei Liebesgeschichten, weil natürlich nichts in Stein gemeißelt bleibt. Es gibt Veränderungen in beruflicher Hinsicht und es gibt Veränderungen im Liebesleber dieser Frauen. Wie jedes dieser Details ausgeht, kann die Leser fesseln. Jedenfalls hat es bei mir seine Wirkung nicht verfehlt. Ich wollte wissen, ob sie alle drei zum Ende hin glücklich werden oder nicht. Ich wollte wissen, wie sich ihr Weg gestaltet.

Der Roman spielt in einer Zeit und einem Land, was ich nicht aus eigenem Erleben kenne. Darauf hatte ich mich im Vorhinein besonders gefreut. Doch in Sachen historische Zeit wurde ich enttäuscht. Mir waren viele Formulierungen zu modern, ich konnte mir manche Situationen nicht so in der Zeit der 1940er Jahre vorstellen. Beispielsweise wie selbstverständlich Mutter und Großmutter sich am Flughafen bewegen. Jemanden von dort abholten. Natürlich gab es Flughäfen und Olivia war ein großer Star, die sicherlich so auch nach New York hätte fliegen können. Doch die Selbstverständlichkeit, mit denen sich die Figuren hier bewegen, entspricht eher der jetzigen Gegenwart. Ähnlich verhält es sich mit dem Telefonieren. Ich glaube nicht, dass die Menschen in den 1940er Jahren so selbstverständlich zum Telefon greifen konnten, wie es hier den Anschein hat.

Die Geschichte um die drei Frauen ist spannend erzählt, gibt Einblick in unterschiedlichste Lebenssituationen und macht Spaß, hinterlässt leider auch einen kleinen Beigeschmack.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 22.05.2018

Grundsolide und spannend!

Schwaben-Fest
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Dieser Kriminalroman war für mich so etwas wie Erholung für die Seele nach vielen ausländischen und actionreichen Krimis und Thrillern liest sich dieser bodenständige Ermittlungskrimi aus Stuttgart wie ...

Dieser Kriminalroman war für mich so etwas wie Erholung für die Seele nach vielen ausländischen und actionreichen Krimis und Thrillern liest sich dieser bodenständige Ermittlungskrimi aus Stuttgart wie ein Roman, bei dem man tief ein- und ausatmen kann.

Es ist bereits der 19. Roman aus der Schwaben-Reihe, der beim KBV Verlag erschienen ist. Es ist das große Volksfest der Cannstatter Wasen. Der Bürgermeister feiert heute mit. Er entpuppt sich als Wildpinkler. Hinter dem Zelt stößt er beim Entleeren seiner Blase auf eine Leiche. Die Ermittler finden in Ihrer Nähe einen Zettel mit dem Wort "Menschenschinder" darauf. Kommissar Braig übernimmt mit seinem Team die Ermittlung. Doch warum dieses Opfer zunächst offenbar als "Menschenschinder" bezeichnet wurde, ist ihnen ein Rätsel, handelt es sich doch um einen ruhigen und beflissenen Rosenzüchter, der mit seinen Züchterkollegen das Volksfest besuchen wollte. Schon bald müssen die Ermittler erfahren, dass es weitere Menschenschinder in der Region gibt und es nicht bei dem einen Opfer bleiben soll.

Wanninger hat einen grundsoliden Kriminalroman präsentiert, der es kaum an etwas vermissen lässt. Obwohl überwiegend eine ruhige Atmosphäre vorherrscht, muss der Leser nicht auf actionreiche Szenen verzichten. Das Privatleben der Ermittler wird nicht herausgehalten aus der Handlung und macht das Personal umso sympathischer. Der Lokalkolorit ist nicht überstrapaziert. Irgendwo muss ein Roman spielen, warum also nicht in Stuttgart? Immer wieder streut der Autor entsprechende Hintergrundinformation zu regionalen oder historischen Besonderheiten ein, was nie hemmend in der Handlung wirkt.

Was für mich zwar kein störender aber einen nervenden Eindruck hinterließ, sind die unterschiedlichen Dialekte der deutsche Sprache. Schön und passend, aber völlig ausreichend ist, dass einige Figuren schwäbisch sprechen. Ist auch alles verständlich. Aber warum die aus Sachsen stammende Kollegin im Kommissariat dann auch sächselt, und ein Zeuge berlinert war für mich zu viel des Guten. Das hätte der Roman nicht nötig gehabt. Aber wie gesagt: nicht störend, eher nervig.

Der Krimi ist ein wohltemperierter Gegensatz zu all den hochgedrehten Thrillern, den ich gern empfehle.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018