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Veröffentlicht am 09.02.2018

Der Roman macht Lust auf mehr!

Der letzte Befehl
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Der in den USA lebende englische Schriftsteller Lee Child hat mit seinen Jack-Reacher-Romanen eine Erfolgsserie geschrieben. Teils mit Tom Cruise verfilmt haben die Romane längst in Hollywood Einzug gehalten.

Jack ...

Der in den USA lebende englische Schriftsteller Lee Child hat mit seinen Jack-Reacher-Romanen eine Erfolgsserie geschrieben. Teils mit Tom Cruise verfilmt haben die Romane längst in Hollywood Einzug gehalten.

Jack Reacher, seines Zeichens Militärpolizist bei der US Army mit engsten Verbindungen zum Pentagon wird gerne zu Spezialeinsätzen geschickt. Im vorliegenden Roman wird er mit einem Undercover-Einsatz in Mississippi beauftrag. Es ist das Jahr 1997. In der Stadt einer Militärbasis wurde eine junge Frau umgebracht. Das Pentagon befürchtet, dass ein Soldat der Täter sein könnte. Es möchte den Fall selbst klären und vielleicht auch etwas unter den Deckel kehren. Deshalb schicken Sie einen Ermittler auf die Basis und Reacher in die Stadt. Reacher soll die örtliche Polizei ausschnüffeln. Doch verdeckte Ermittlungen sind vielleicht nicht sein Ding. Er hat beim Eintreffen das Gefühl, erwartet worden zu sein. Kein Wunder, ist der örtliche Sheriff eine Frau, die selbst fünfzehn Jahre als Militärpolizisten beim US Marine Corps gearbeitet hat, quasi eine Ex-Kollegin. Sie weiß, wie die Militärs ticken.

Spannung in einer amerikanischen Kleinstadt, interessante Figuren. verworrene Stränge im einem militärischen Umfeld. Child trifft eine perfekte Mischung zwischen actionreiche Szenen, amüsanten Dialogen und erzählenden Pausen. Der Protagonist Reacher erzählt seine Geschichte vom Ausstieg beim Militär. Er erzählt von seinem letzten Job bei der Armee, er erhielt seinen letzten Befehl (den vorliegenden Fall) und wurde auf die Straße gesetzt, weil er einigen Militärs und Politikern zu nah gekommen ist. Zum Atemholen hat Child immer wieder Lokalkolorit aus den kleinstädtischen Leben eingeflochten, zum Teil auch sein Verhältnis zum örtlichen Sheriff. Die Ermittlungen werden durch weitere Leichen, Intrigen und widersinnige Störmanöver unterbrochen. Der Leser wird auf so manche falsche Fährte geführt und im Ungewissen gelassen.

Voller Action sind die Prügelszenen gestaltet, die Reacher dank seiner Ausbildung und seiner Kriegseinsätze bestens im Griff hat.

Der Roman macht Lust auf mehr!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 04.02.2018

Liebhaber von Stephen King aufgepasst!

Totenrache
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Liebhaber von Stephen King werden sich bestimmt auch mit den Romanen von Amanda Stevens anfreunden können. Paranormale Ereignisse, wie sie aus Serien wie „X-Akten" oder „Supernatural" bekannt sind, bilden ...

Liebhaber von Stephen King werden sich bestimmt auch mit den Romanen von Amanda Stevens anfreunden können. Paranormale Ereignisse, wie sie aus Serien wie „X-Akten" oder „Supernatural" bekannt sind, bilden das Fundament ihrer Roman. So auch der hier vorgestellte.

Die Friedhofsrestauratorin Amelia Gray lebt in Charleston und besitzt eine besondere Gabe: Sie kann Geister sehen. An ihrer Seite ist Detective John Devlin. (Warum denke ich bei Devlin sofort an Devil?) Im Haus findet Amelia ein Stereoskop, durch welches Stereofotos in 3D betrachtet werden können. Es ist ein uraltes Teil. Sie kann sich nicht erklären, wie dieses Gerät in ihr Haus gekommen ist, macht sich auf den Weg in einen Kuriositätenladen, um mehr darüber zu erfahren. In dem Laden ist sie offenbar bei dem Chef an der richtigen Stelle. Ihre Recherchen führen Sie auf einen verlassenen Friedhof, sie erfährt von Rose Gray, die schon viele Jahre tot ist. Amelia glaubt nicht, dass sie etwas mit Rose zu tun hat. Nachnamen sind durchaus mehrfach vertreten, ohne verwandtschaftlich verbunden sein zu müssen. Wenn da nicht der Umstand wäre, dass Amelia mit ihrem zweiten Vornamen auch Rose heißt. Außerdem ist sie der Rose von damals wie aus dem Gesicht geschnitten. Wie eine Zwillingsschwester sieht sie nach Meinung der Bekannten aus.

Stevens macht hat einen spannenden Mysterie-Roman geschrieben. Mit sommerlichen Temperaturen liest man sich durch South Carolina, eine besondere Atmosphäre des amerikanischen Hinterlandes umfängt den Leser. Die Recherche zunächst um das Stereoskop, dann um Rose, später um die Familienverhältnisse und das eigenartige Geschehen in der Vergangenheit führt von einem Spannungspunkt zum nächsten.

Kritikpunkte gibt es dennoch, die den Spaß mindern: Mehr als in anderen Büchern ist dieses mit Tippfehlern gepflastert. Fehlende oder zu viele Buchstaben oder Wörter sind an der Tagesordnung. Und die Übersetzerin und/oder Lektorin müssen noch viel über Verwandtschaftsverhältnisse lernen. Denn bei Sätzen wie »Sie war Papas Mutter. Meine Urgroßmutter.« oder »„Sie wird Calebs Enkelin sein" – „Sie kannten Papa?"« frag ich mich, wo denn die Großmutter geblieben ist. Dies ist störend, weil man als Leser das Gefühl bekommt, etwas überlesen zu haben. Man recherchiert, liest erneut und wird einfach nur aufgehalten.

Veröffentlicht am 18.01.2018

solide gemachter, kurzweiliger Ratekrimi

Hohes Tier
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Bei dem auf Rügen spielenden Kriminalromanen geht es um Tierliebe und Tierleid, wobei Leichen in vielfältiger Form eine Rolle spielen.

Seit einem Jahr erhöht sich die Anzahl an Katzen auf dem Anwesen ...

Bei dem auf Rügen spielenden Kriminalromanen geht es um Tierliebe und Tierleid, wobei Leichen in vielfältiger Form eine Rolle spielen.

Seit einem Jahr erhöht sich die Anzahl an Katzen auf dem Anwesen von Segert drastisch. Kein Mensch im Dorf weiß, warum es bei dem Kochbuch schreibenden Ex-Landwirtschaftsminister zu dieser extremen Katzenliebe gekommen ist. Sein Nachbar ist jedenfalls empört. Der betreibt eine Pension und hat sich stets Gäste aus dem ganzen Deutschland. Doch nicht nur die beschweren sich über den bestialischen Gestank, den die unzähligen Katzen auf dem Nachbargrundstück machen. Pensionsinhaber Rabe macht Anzeige bei der Polizei wegen Tierquälerei. Die reist zu einer Razzia mit einigen Kollegen aus dem Tierheim und von einer Tierschutzorganisation an. Doch bei der Jagd nach den Katzen stoßen sie auf eine weibliche Leiche im Garten Segerts. Sie ist dort unter einer Plane versteckt. Segert wird in Untersuchungshaft genommen.

Quint hat sich an ein teils mit Tabu behandeltes Thema herangewagt und dafür eine interessantes Ensemble an Figuren geschaffen. Die bereits im Untertitel des Romans genannte Lilo Gondorf ist die Hauptermittlerin, Ex-Kommissarin, jetzige Pensionswirtin. An ihrer Seite ein guter Freund, Oskar. Und damit sie immer mal schnell an Informationen gelangt, die es eigentlich nur polizeiintern gibt, hat sie eine Tochter, Vanessa, die ebenfalls bei der Kripo arbeitet. Das sorgt aber auch immer wieder für Zündstoff innerhalb der Familie. Ansonsten wird urgemütlich miteinander umgegangen. Die Mecklenburger erscheinen gar nicht spröde, sondern liebenswert und besuchenswert. Obwohl nicht alles Gold ist, was da glänzt.

An manchen Stellen hätte ich mir eine Straffung gewünscht. Quint erzählt gerne Nebensächliches, was nicht auf eine falsche Fährte führt und deshalb auch nicht die Handlung vorantreibt. Dennoch ist der Roman ein solide gemachter, kurzweiliger Ratekrimi, der unterhaltsam eine Region im Nordosten Deutschlands einbezieht.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 11.01.2018

in der Zeit häutiger Flüchtlingswellen aktueller denn je

Das Erbe der Rosenthals
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Es ist der Debütroman eines mehrfach für seinen Journalismus ausgezeichneten Autoren. Und ebenso meisterlich präsentiert er seinen Roman, mit dem er ein ganz persönliches Herzensthema verarbeitet hat. ...

Es ist der Debütroman eines mehrfach für seinen Journalismus ausgezeichneten Autoren. Und ebenso meisterlich präsentiert er seinen Roman, mit dem er ein ganz persönliches Herzensthema verarbeitet hat. Doch worum geht es?

Die elfjährige Anna ist ohne Vater aufgewachsen. Er kam bei einem Unfall ums Leben als ihre Mutter mit ihr noch schwanger war. Ein Brief von der Familie ihres Vaters, die auf Kuba lebt, und enthält Hinweise und Fotos der Familie ihres Vaters. In Anna wird das Interesse für die Familie des unbekannten Vaters geweckt. Doch erst als sie sich mit ihrer Mutter von New York auf eine für sie abenteuerliche Reise nach Kuba begibt, bekommt sie die Gelegenheit, in direkten Gesprächen mit der Großtante, die ihren Vater aufgezogen hat, und von der sie ihr Aussehen geerbt hat, ihren Vater und dessen Familie kennenzulernen. Parallel zu den Recherchen von Anna in der Gegenwart wird die Flucht von Hannah und ihren Eltern aus dem Deutschland von 1939 geschildert.

Correa hat sich einer wunderbaren, spannenden Struktur für diese Geschichte bedient. In zwei unabhängigen, parallelen Strängen wird abwechselnd aus unterschiedlicher Perspektive erzählt. Natürlich weiß man als Leser, dass beide Stränge zusammengehören. Aber die Parallelität schafft zunächst eine besondere Spannung. Erst in einem zweiten Teil begegnen sich Anna und ihre Großtante Hannah, wegen der sie ihren Namen hat, und einige Informationen zum Hergang in der Vergangenheit werden direkt im Dialog wiedergegeben. In einem dritten Teil gehen beide wieder getrennte Wege in abwechselnden Kapiteln.

Der Autor hat die Geschichte der »St. Louis« und einer jüdischen Familie auf hervorragende Weise fiktionalisiert. Zu keinem Zeitpunkt liest sich der Roman wie ein Sachbuch und dennoch spürt der Leser die Echtheit der Informationen. Ergänzt wird alles mit der Namensliste der Passagiere von 1939 und einigen Fotos von den Flüchtlingen auf dem Schiff der Hamburg-Amerika-Linie. Und auch das Nachwort ist immer noch für einen überraschenden Aha-Effekt gut. Einfach toll! Ein unfassbar spannender Roman über das Schicksal jüdischer Flüchtlinge vor und während des Zweiten Weltkrieges, der in der Zeit häutiger Flüchtlingswellen aktueller denn je ist. Meinerseits eine Bestnote!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

Veröffentlicht am 10.12.2017

Die Lektüre dieses Romans ist ein Genuss!

Duft nach Weiß
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Das Thema Osteuropa in Form von Bulgarien sollte die Leser nicht abschrecken, nach diese Lektüre zugreifen. Denn es verbirgt sich ein romantischer, spannender und Freiheit betonender Roman hinter dem Titel.

Im ...

Das Thema Osteuropa in Form von Bulgarien sollte die Leser nicht abschrecken, nach diese Lektüre zugreifen. Denn es verbirgt sich ein romantischer, spannender und Freiheit betonender Roman hinter dem Titel.

Im Mittelpunkt steht Anelija und ihre Familie. Zu Beginn begegnet ihr der Leser auf der Ladefläche eines Kühllasters, wo ihr just in dem Moment eine Kiste mit Pflaumen auf den Kopf fällt. Anelija flieht aus ihrem Heimatland Bulgarien und ist auf dem Weg nach Deutschland. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser, wie und warum es zu dieser Flucht gekommen ist.

Dabei hat Gregg einen großen Erzählbogen über vier Jahrzehnte gezogen, die sich über die 1960 bis zu den 1990 er Jahren erstrecken. Dafür benutzt sie drei parallele Stränge, die sich kapitelweise abwechseln. Jetzt wäre es zwar ein Leichtes, sich jeden Strang einzeln vorzunehmen, um zu erfahren, was da geschieht. Jedoch würden dem Leser dann Fragen kommen, für deren Beantwortung er den Inhalt der anderen Stränge benötigt. So baut die Autoren eine Spannung auf, die den Leser fesselt. Davon abgesehen, dass der Strang um den Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow beinahe einem Thriller gleichkommt. Da ich Bulgarien aus eigenem Erleben gut kenne und viele Freunde dort hatte, die heute zum Teil in den USA leben, fand ich die Beschreibung der bulgarischen Lebensverhältnisse ausgesprochen gut beschrieben. Das Leben in Zeiten des Sozialismus, die Angst vor dem Verrat, obwohl die Misswirtschaft erkennbar und spürbar war, das sich einrichten in einer ungerechten Welt, die Gastfreundschaft werden immer wieder mit passenden Symbolen und Metaphern bildgewaltig dargestellt.

Eine besondere Rolle kommt dabei dem Titel des Buches zu, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung zieht. Meisterhaft und poetisch wird der Leser damit immer wieder an das Grundthema „Freiheit" erinnert.

Die Lektüre dieses Romans ist ein Genuss und so mancher Leser, der nah am Wasser gebaut hat, sollte sich eine Packung Papiertaschentücher bereitlegen .


© Detlef Knut, Düsseldorf 2017