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Veröffentlicht am 17.02.2019

Mit Weisheit, Mut und Herz

Fünf Tage im Mai
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5 Tage im Mai ist ein herzergreifendes Buch über die selbstlose Liebe zwischen zwei Menschen jenseits des Alterns.
Denn diese fünf schicksalsweisende Tage erzählen vom tiefen und innigen Band der echten ...

5 Tage im Mai ist ein herzergreifendes Buch über die selbstlose Liebe zwischen zwei Menschen jenseits des Alterns.
Denn diese fünf schicksalsweisende Tage erzählen vom tiefen und innigen Band der echten Freundschaft zwischen der klugen, noch jugendlich- naiven Illy und dem willensstarken auf die 100 Jahre zugehenden Uropa Tat'Ka, der nicht nur 2 Weltkriege überlebt, sondern auch als Fassbinder im Holzhandwerk unerwartet Geschichte geschrieben hat.

Die Beiden bereichern einander und es ist herzig, Seite für Seite zu lesen, was sie einander alles zu geben haben. Tat'Ka weiß, wie er die Karten eines Lebens, das eben nicht immer ein Ponyhof ist, zu spielen hat und dieses tapfere Geschick gibt er mit Weisheit und Herz an seine Illy weiter, die wiederum neues Leben in sein altes Werk bringt und ihn von einer warmherzigen Seite kennenlernt, die vielen Menschen im Dorf verschlossen bleibt. Das ungleiche Gespann unterstützt sich, wo sie nur können. So rettet Tat'Ka Illy in ihrem Kommuniuns - Missgeschick und sie findet seine verlorenen Zähne wieder.

Wie im echten Leben sind auch Illys Tage gespickt mit schillernde Vergangenheitsblasen die den Fluß der Zeit überbrücken und ein Verständnis für den Roten Faden ihres Lebens geben, der Rest bleibt unserer Phantasie überlassen. Durch die detaillierte und atmosphärische Beschreibung des Alltags werden diese Lücken jedoch schnell mit bunten Farben gefüllt. Ein wichtiges Medium ist dabei die Nähe und Persönlichkeit mit der wir die Dorfbewohner mit ihrer Tiroler Sprache, die dirketer und echter wirkt kennen lernen und sie als eigenständige Personen belebt, sowie eine wahre Wortmalerei bei der Beschreibung einzelner Szenen und Orte, die natürlich alle auch ihre Geschichte haben.

Im Lesen werden wir selber zu stummen Mit-Bewohnern des Tiroler Bergdorfes. Manchmal mag man Illy doch am liebsten etwas zurufen. Wie in jedem guten Dorf gibt es Geflüster an jeder Straßenecke, wie die Autorin gekonnt einfängt. Wir finden in diesem Werk, eingestrickt in einzelne Mai- Tage, eine Vielzahl von Geschichten in der Geschichte versteckt. Sie ploppen unvermittelt auf und erzählen uns vom damals und heute und runden das Geschehen ab.
Überraschend, sind einige dieser angerissenen Geschichten doch so ganz anders, als auf dem Klappentext noch erwartet. So ändert sich der eher locker leichte und heitere Grundton des Buches in der Mitte für ein oder zwei Kapitel dramatisch. Die Ereignisse werden schwerer und der Text trister. Es ist das funkelnde Band der Freundschaft zwischen Illy und Tat'Ka, dass auch dies wieder auffängt und sowohl unsere ans Herz gewachsenen Protagonisten, wie auch mich als Leserin, sicher weitertragen auf die nächsten Seiten.

Fazit: Für Liebhaber der alten Handwerkskunst, der abgelegenen Dorfidylle und generell in den 80'igern Geborene ein toller Tipp, der einen Trip in die Jugend verspricht. Das Buch ist einfach zu lesen, packend geschrieben und bringt durch Tat'Kas Lebenserfahrung, etwa „Für dich und dein Leben musst Du verantwortlich sein! Das klingt nach keiner Heldentat, i weiß. Aber es is‘ eine.“ eine Menge frische Impulse zum Weiterdenken mit. Die größte Stärke dieses Romans ist jedoch das große, unbestechlich klare Herz in all seinen Facetten, dass Illy und Tat'Ka bis zum Schluss reißfest und tief verbindet.

Veröffentlicht am 17.02.2019

I Can't See U

I can see U
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Mit „I can see u“ ist dem Journalisten Matthias Morgenroth ein weiteres spannendes und den Strom unseres fortschreitenden SocialMedia Lifes treffendes Kinder und Jugend-Buch gelungen.

"I can see u" ist ...


Mit „I can see u“ ist dem Journalisten Matthias Morgenroth ein weiteres spannendes und den Strom unseres fortschreitenden SocialMedia Lifes treffendes Kinder und Jugend-Buch gelungen.

"I can see u" ist nicht nur leicht lesbar und mitreißend geschrieben, auch die Charaktere sind alle wunderbar originell - ich habe sie gleich ins Herz geschlossen! Gerne lernte ich die Flieder liebende, eher introvertierte Romantikerin Marie kennen, die vom ersten Blick an in Bens „Sonnenaufgang-Augen“ hin und weg ist. Oder Maries Beste, die taffe Elli, die kritisch der modernsten SmartHome Technik noch nichts abgewinnen kann, dafür aber mit wildem Temperament ihrem Ex Boyfriend Marco das Leben schwer macht, sowie den lustigen „YouTube- Star“ Josh, der Marie stets zum Lachen bringt und in seiner Freizeit mit dem kleinen Bruder virtuelle Pokemons quer durch die Stadt jagt. Und dann gibt es da natürlich noch den geheimnisvollen Ben. Maries Schwarm ist freundlich, hilfsbereit und mit immer einem coolen passenden Spruch auf den Lippen macht er sich schnell in der Klasse beliebt. Seine Markenklamotten wirken auf Jungs inspirierend, die Mädels fliegen auf ihn und auch sonst schweißt er die Klassengemeinschaft mit seinem raschen Organisationstalent zusammen.
Eine Gemeinschaft, die zu zerfallen droht, als auf dem digitalen Jahrmarkt der Möglichkeiten brisante, teils gefakte Bilder auftauchen, lang gehütete Geheimnisse ausgeplaudert werden und jeder beginnt jeden zu verdächtigen. Plötzlich steht die Frage „Glaubst dus?“ im Klassenzimmer. Wem kann man überhaupt noch vertrauen? Und wer ist eigentlich dieser „thetruefrankenstein99“ überhaupt, der alles zu wissen scheint?

Schon zu Beginn werden wir als Leser mit zahlreichen Rund-Um Informationen gefüttert. So lernen wir bereits auf den ersten Seiten durch Zeitsprünge Marie nicht als braves verliebtes Schulmädchen, sondern als gewaltbereites Opfer kennen. Wir lesen mit „I Can See U“ ihr Tagebuch, eine mit Tinte geschriebene Geschichte, „damit mir niemand die Worte verfälschen kann, denn geschrieben ist geschrieben – aber eben nur, wenn es Papier ist und wenn es keine Pixel sind.“ und werden von ihr aufgefordert, ihre Aufzeichnungen mit „Ehrfurcht“ und „Furcht“ zu lesen. 2 Begriffe, die meinem Empfinden nach für den Inhalt dieses Romans und allem was da noch kommt, nicht passender sein könnten. Früh im Text bekommen wir bereits Einblick in einige Mails, die zwischen einem gewissen „Michi“ und seinem derzeit in Singapur Lebenden Studienfreund „Sokrates59“ über soziale Experimente, Prävention und fortschreitender Digitalisierung ausgetauscht werden. Spätestens jetzt war meine Neugierde als Leserin vollkommen geweckt.
Auch mein Lese-Auge wurde wacher, sodass ich früh diverse Vermutungen hatte, in welche Richtung sich die Geschichte weiterentwickeln würde, was eine gewisse Vorhersehbarkeit mit sich brachte. Dies ist für mich auch der Haupt-Kritikpunkt an dem Text. Ich hätte mir gewünscht, dass Anfangs etwas spärlicher mit den Informationen umgegangen worden wäre sodass wir als Leser, genau wie Marie, eine größere Überraschung erlebt hätten. Ist das erste Rätsel gelöst, löst sich für mich auch ein Großteil der Spannung auf und es wird ein anderer Fokus gesetzt, der die Geschichte aber schließlich abrundet.

Fazit: Ein beeindruckendes, absolut lesenswertes Werk rund um das Thema Jugend, Liebe und SocialMedia. Das Buch kratzt an dem Rand einer nahenden Dystopie und setzt sich packend geschrieben mit den Chancen und Gefahren unserer stetig wachsenden Technik auseinander. Es lädt dazu ein, hin zuschauen. Was wir teilen. Wann. Mit wem. Und uns bewusst zu werden, was für unser Leben, egal ob Teen oder Grandma, wirklich zählt.

Veröffentlicht am 17.02.2019

"Meine Kostbarste Liebesgeschichte..."

Alles, was ich weiß über die Liebe
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„Meine Kostbarste Liebesgeschichte“ ist die mitreißende Lebensgeschichte einer Reise ins Erwachsen - werden durch Teenager- und Studienjahre hin zu sich selbst und dem unschätzbaren Wert wahrer Freundschaften, ...


„Meine Kostbarste Liebesgeschichte“ ist die mitreißende Lebensgeschichte einer Reise ins Erwachsen - werden durch Teenager- und Studienjahre hin zu sich selbst und dem unschätzbaren Wert wahrer Freundschaften, die gemeinsam durch dick und dünn gehen.

Es macht Spaß dieses Buch zu lesen und ich durfte dabei viel lachen. Von den ersten Zeilen an wurde ich Seite für Seite in einen neugierigen Sog aus frischen Anekdoten und kleinen wie großen Alltagsgeschichten gezogen. Dolly schreibt gefühlvoll, witzig, tiefgründig, beschwinglich, lebendig, nachdenklich, scharfsinnig, offen, freiherzig, dankbar, humorvoll narzisstisch, reflektiert, mitfühlend, einfach charakterstark mit einem Spotlight auf das Leben in all seinen schillernden Farcetten und manchmal eckigen Formen. „Das Leben ist schwierig, brutal, traurig, unsinnig, irrational“, „Das Leben ist wundervoll, faszinierend, magisch, lustig, albern.“ - Beides entstammt aus Dollys Feder. Und über beides teilt sie viele persönliche Erlebnisse mit uns als ihren Leser*innen. Das macht sie mir sehr sympathsich. Besonders interessant fand ich die Entwicklung, wie ihre treuen Freundschaften und ihre Selbsterkenntnis ihr geholfen haben, einen Weg zu sich selber zu finden, die Leere im Inneren zu füllen und ihren Besten Freundinnen durch dunkle Stunden zu helfen. Aus so vielen ihrer Worte spricht die tiefe zusammenhaltende Freundschaft und oft dachte ich „ja, das stimmt, auch Freundschaft ist Liebe“. Sie erinnert uns daran, dass Liebe nicht nur im erotische-romantischen Spektrum stattfindet, sondern uns durch das ganze Leben begleitet, jeden Tag. Zu uns selbst, zu unseren Freunden und Freundinnen, zu unseren Familien und in unserer Partnerschaft.

Den Aufbau des Buches fand ich am Anfang etwas verwirrend. So finde ich mich mal in der Jungendzeit, mal in einer späteren Mail wieder, zwischendrin ein BadDateDay oder die WorstPartyDiary und dann kreuzt auch noch ein Kochrezept meine Seitenwege... Dennoch fühlt man beim Lesen eine Art roten Faden, der zum Ende hin immer deutlicher wird. Ich finde es gut, dass Dolly nicht nur über schöne Themen schreibt, sondern vor allem echt bleibt. An vielen Stellen musste ich schmunzeln und über meine eigenen Gefühle und Freundschaften nachdenken, manchmal hätte ich dem Text so gerne etwas geantwortet oder weitere Fragen gestellt!

Fazit: Auch wenn das Cover mich so gar nicht angsprochen hat (die Farben beißen mir einfach im Auge) - der Inhalt ist ganz große Klasse und absolut lesenswert! Ein ganz besonderer Tipp für (uns) 90iger Jahre Kinder!

Veröffentlicht am 16.02.2019

Augenblick

Cainstorm Island – Der Gejagte
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Cainstorm Island ist das Ghetto der Neuen Welt. Wer in Asaria nicht zu den Reinen zählt und vom überschießenden Reichtum profitieren kann, ist hier zu Hause: Der Müllhalde der Welt, umzäunt von einer fetten ...

Cainstorm Island ist das Ghetto der Neuen Welt. Wer in Asaria nicht zu den Reinen zählt und vom überschießenden Reichtum profitieren kann, ist hier zu Hause: Der Müllhalde der Welt, umzäunt von einer fetten Mauer. In dieser Armutsfalls lebt Emilio. Ein Junge, der bereit ist, für seine Familie alles zu geben. Und so lässt er sich, geködert von einem Talentscout, die neuste Unterhaltungstechnologie der asarischen Firma „Eyevision“ ins Gehirn pflanzen um fortan mit seinen Stunts zur Belustigung der dortigen Bevölkerung beizutragen. Der Deal: Eine halbe Stunde am Tag wird durch seine Augen alles gefilmt, die Videos auf einen Kanal geladen, dafür kann Emilio seine Familie über Wasser halten. Es erinnert an eine moderne Version unserer heutigen Social-Medias. Doch dann passiert eines Tages ein Missgeschick: Emilio mordet während seiner Hauptsendezeit in Notwehr ein ranghohes Mitglied der gefürchteten „Las Calebras“, Cainstorms gefürchtetster Motorad Gang und wird über Nacht zum gesuchtetsten „Gesicht“ der Insel. Ein Augenblick und die Einschaltquoten explodieren und ein tödliches Spiel beginnt.

Das Buch hat mich von Anfang an gepackt und die detialreichen Erzählungen der Lebensumstände Emilios sehr beeindruckt. Es ist mir zu Beginn sehr leicht gefallen, mich in die Welt einzufühlen und die Darstellungen lösten eine ganze Bandbreite an Emotionen in mir aus.
Nicht nur dass ich ganz oft an unsere heutige Gesellschaft, ihren steigenden Media-Trend und die stetig wachsend Schere zwischen Arm-und Reich, sowie den breiten Flüchtlingsstrom denken musste, auch die Umgangsweise der der Zuschauer ärgerte und schockierte mich. Zu sehr erinnerten mich „weinende Katzenemojis“ vor verhungernden Kindern und sensationeller, perverser Blutdurst an die heutige „Verkehrsunfallmentalität“ des Gaffens. Somit schafft die Autorin für mich mit Cainstorm Island ein sehr polarisierendes Werk: Ich find dieses Buch gleichzeitig gut, wie auch schlecht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich der Handlungsverlauf. Den Einstieg in die Geschichte und den Hauptteil erlebe ich als wesentlich spannender als den Schluss. Zwar wird das gigantische Finale, auf das die einzelnen Handlungsstränge hinzielen erfüllt, doch fühlt es sich im Kontext zu dem Buch nicht stimmig an und erinnert mich ein bisschen zu sehr an übertriebene Teenie-Action. Ich hätte mir etwas mehr Authentizität gewünscht, ganz nach dem Motto: Manchmal ist weniger mehr.

Fazit: Ein durchweg zweigeteiltes Buch, dass sich aus dystopischer Sicht mit Problemen unserer heutigen „Mehr- Klassen- Gesellschaft“ befasst und diese durch sympathische Hauptcharaktere transportiert. Ich glaube, dass dieses Buch Jugendliche gut erreichen kann.